Kirche kennt keine Grenzen

20. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Im Gespräch mit Petra ­Albert, Ausländerbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Pfarrerin Petra ­Albert ist Ausländerbeauftragte  der EKM

Pfarrerin Petra ­Albert ist Ausländerbeauftragte der EKM

Frau Albert, die beiden großen Kirchen setzen sich traditionell für Asylsuchende und hier lebende Ausländer ein. Zuletzt haben sie eine grundsätzliche Lösung für sogenannte Geduldete gefordert. Warum tun sie das, und warum ist ihr Einsatz so wichtig?
Albert: Ausländer gehören in unserem Land leider zu den gesellschaftlichen Randgruppen. Es ist Aufgabe der Kirche Jesu Christi, an der Seite der Menschen zu stehen, welche an den Rand gedrängt sind. Ihre Stimme zu erheben für die Stummen. Übrigens ist die Bibel gefüllt mit Überlieferungen von Flucht, Asyl und der Sorge für Fremde. Wir stehen also in einer guten Tradition.

Betrifft das auch den Osten bzw. die mitteldeutsche Kirche, wo ja nicht so viele Ausländer leben?
Albert: In unserer Region haben wir die ­Situation, dass viele der bei uns ­lebenden Flüchtlinge einen unge­sicherten Aufenthaltsstatus haben und sich große Sorgen um ihre Zukunft machen. Auch an Integra­tions- oder Deutschkursen können sie nicht teilnehmen – und zwar unabhängig davon, wie lange sie schon in Deutschland leben. Integrationskurse greifen erst, wenn Migranten einen festen Aufenthaltstitel haben. Dann verlassen sie leider oft unsere Region, da auch sie dorthin ziehen, wo sie Arbeit finden. So erklärt sich, dass der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung unter 2 Prozent liegt, in Städten höher, in ländlichen Regionen niedriger. Spätaussiedler sind bei dieser Zahl übrigens nicht eingerechnet, da sie nicht als Ausländer gelten.

Pfingsten gilt als Geburtstag der Kirche. Theologisch steht das Fest auch für ihren Auftrag, alle Menschen unabhängig von ihrer Nationalität anzusprechen. Ist das in den Gemeinden eigentlich bewusst?
Albert: Pfingsten ist sicher eine gute Gelegenheit, sich neu bewusst zu werden, dass Kirche Jesu Christi nicht auf Ländergrenzen beschränkt ist. Hier gibt es keine Ausländer, wir sind alle eins in Christus Jesus (Galater 3,28) und Gottes Geschöpfe.

Wie können Gemeinden hier lebenden Ausländern konkret helfen, in der Kirche eine Heimat zu finden?
Albert: Gemeinden sollten offen auf Migranten zugehen, sie einladen, soziale Kontakte anbieten. Sie in die Aktivitäten einer Kirchengemeinde einbinden – zum Beispiel Chor – und Begegnungsmöglichkeiten schaffen. Sinnvoll ist auch die Begleitung zu Behörden oder das Anbieten ehrenamtlicher Deutschkurse. Was nötig ist, wird man
vor Ort schnell herausfinden. Die Zusammenarbeit mit einer Beratungsstelle ist sicher von Vorteil.
Wichtig ist auch, gegen Fremdenfeindlichkeit einzutreten. Oft ist ja Fremdenfeindlichkeit dort am stärksten, wo keine Kontakte zu Menschen aus anderen Teilen der Welt bestehen. Ziel ist es, Migranten als Menschen wahrzunehmen und sie nicht auf das Label »Ausländer« zu reduzieren.

Ein Schlüssel zum Erfolg

20. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Der Stand der ­evangelischen und katholischen Kirchen aus Mitteldeutschland zeigte ­»Ökumene in der Mitte«. Besucher konnten sich über ­gemeinsame ­Aktivitäten und die gute ­ökumenische ­Zusammenarbeit ­informieren. Foto: Harald Krille

Der Stand der ­evangelischen und katholischen Kirchen aus Mitteldeutschland zeigte ­»Ökumene in der Mitte«. Besucher konnten sich über ­gemeinsame ­Aktivitäten und die gute ­ökumenische ­Zusammenarbeit ­informieren. Foto: Harald Krille


Auch zahlreiche Christen aus Mitteldeutschland waren beim Kirchentag in München dabei

»Der Zusammenhalt ist schon toll«, sagen Patrick, Doro, André und Franzi übereinstimmend. Die vier jungen Leute aus Gotha sind als Teamer mit einer Konfirmandengruppe zum Ökumenischen Kirchentag nach München gefahren.
Jetzt schlendern sie über die Agora, den »Markt der Möglichkeiten«, und schauen sich bei den Projekten und Initiativen um. Vor allem die Vielseitigkeit begeistert sie. »Ich war gestern bei der Rockandacht, das war schon ein Highlight«, erzählt Patrick. Franzi dagegen ist bei einem Vortrag von Margot Käßmann gewesen. »Das war schon ein Erlebnis, sie mal live zu ­sehen«, meint sie. Am Stand des Kirchenkreises Egeln bleiben sie kurz ­stehen und lassen sich die Gemeindeagende erklären.

»Wir demonstrieren quasi Ökumene in der Mitte«

Nicht weit davon entfernt steuern Besucher auf den großen Stand der Kirchen aus Mitteldeutschland zu. Hier präsentieren sich Anhalt, die mitteldeutsche Kirche sowie die beiden Bistümer Erfurt und Magdeburg gemeinsam. »Ökumene in der Mitte« steht auf den »Ortseingangsschildern«, die den offenen Stand in der Messehalle A6 markieren. In der  Mitte befinden sich nicht nur Säulen, die die Kirchen und Bistümer, sondern vor allem elf ökumenische Projekte vorstellen. »Wir wollten bewusst keine Strukturen zeigen, sondern Inhalte«, sagt Pfarrer Karsten Müller, Leiter des Gemeindedienstes in Neudietendorf.

Ein großes Kreuz mit einer Dornenkrone weist auf ein ökumenisches Projekt aus Suhl hin. Hier haben evangelische und katholische Christen zum 300-jährigen Bestehen der evangelischen Kreuzkirchengemeinde ei­ne Aktion gestartet und 17 Kreuze in der Innenstadt aufgestellt. Jetzt berichten sie den interessierten Besuchern, was das ausgelöst hat und wie es bis heute nachwirkt. So gebe es nicht nur eine ökumenische Wandergruppe, auch Weltgebetstage, Weltladen und regionale Kirchentage würden gemeinsam verantwortet. »Wir demonstrieren quasi Ökumene in der Mitte«, meinte Beate Liehmann von der katholischen Gemeinde. Nebenan erklärt Matthias Simon Besuchern an vier echten Straßenbahnsitzen das Projekt »Ökumene am Fluss« in Magdeburg. Entscheidend sei nicht, ob jemand evangelisch oder katholisch ist, »sondern ob wir etwas gemeinsam tun«, glaubt der Pfarrer.

Aber die Vertreter aus Mitteldeutschland beteiligen sich nicht nur an den Informationsständen auf dem Markt. Landesbischöfin Ilse Junkermann und Oberkirchenrat Manfred Seifert aus Dessau sitzen auf Ökumene-Podien. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hält eine Bibelarbeit und spricht mit Pfarrer Christfried Boelter im »Forum Lebenswelt Land« über Bündnisse für den ländlichen Raum.

Auch das kirchentagserfahrene Ehepaar Renate und Reinhard Höppner ist in München beschäftigt. Bei einem Podium zur Ökumenischen Versammlung »gestern – heute – morgen« geben die Pfarrerin und der ehemalige sachsen-anhaltische Ministerpräsident Auskunft, wie das damals war bei den Treffen in Dresden und Magdeburg. Dies sei auch ein Höhepunkt der ­Ökumene gewesen, weil alle Kirchen beteiligt gewesen sind, erklären sie. Heute, ergänzt Heino Falcke, lange Jahre Propst in Erfurt, müssten die Kirchen wieder mehr gemeinsam tun und zu einer Stimme finden. Gerade jetzt, »wo uns die Kolateralschäden der Globalisierung einholen«, sei das wichtig.

Dass die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden vor Ort gut funktioniert, berichten schließlich Vertreter der evangelischen Thomas-Gemeinde und der katholischen ­Gemeinde St. Wigbert/St. Crucis aus Erfurt auf einem Podium. »Wir wollen in der Stadt als Christen wahrgenommen werden, gleich welcher Konfession«, erklärt Kirchenälteste Anne-
marie Keller. In ökumenischen Gottesdiensten wird ihre Partnerschaft konkret. Am Pfingstmontag sowie am Buß- und Bettag feiern die Gemeinden ein gemeinsames Agape-Mahl. »Es hält die Sehnsucht in uns wach, ­eines Tages gemeinsam am Tisch zu sitzen«, so Pfarrgemeinderätin Heike Skroblin. Das gegenseitige Vertrauen ist jedenfalls schon jetzt da: Der katholische Pfarrer besitzt einen Schlüssel für die evangelische Kirche und umgekehrt.

Martin Hanusch

Ist dieser Gott noch heilig?

20. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Erhebet den Herrn, unsern Gott, betet an vor dem Schemel seiner Füße, denn er ist heilig.
Psalm 99, Vers 5

Gott ist heilig! So heißt es am Ende dieses Psalmwortes. Das ist mir nicht neu! Ich singe es immer wieder beim Abendmahl. Natürlich redet die Bibel auch davon: Gott ist heilig. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Klar, denken Sie, natürlich ist er das. Aber mal Hand auf’s Hirn, was heißt das denn eigentlich?

Ich bin ehrlich zu Ihnen: Wenn ich wirklich durchbuchstabiere, was das heißt, wäre mir manchmal lieber, unser himmlischer Vater, der dreieinige Gott, dessen heilige Gegenwart wir zu Pfingsten feiern, wäre gar nicht so heilig, wie es die Bibel sagt.

Michel Debus, Pfarrer in Triebes

Michel Debus, Pfarrer in Triebes

Schnell habe ich diese Eigenschaft Gottes eingeordnet in eine ganze Reihe von Eigenschaften, die mir weit mehr gefallen, zum Beispiel gnädig, gütig, liebevoll. Von seiner Liebe lässt sich viel sagen. Viele reden vom lieben Gott, der mich liebt, egal was ich tue und wie ich lebe.

Ist dieser Gott dann noch heilig? Denn wenn er das ist, dann hat er ein Problem damit, wenn mir in meinem Leben anderes heilig wäre. Dann ist er unwillig, wenn mir nichts über meine Gesundheit geht. Dann ist er verärgert, wenn ich mich damit abfinde, dass Geld die Welt regiert. Dann ist er zornig, wenn mein Erfolg und mein bequemes Leben an erster Stelle stehen und es mir egal wäre, was mit seiner Schöpfung und seinen geliebten Kindern in der Welt passiert.

Wenn er wirklich heilig ist, dann muss ich mir gut überlegen, wie ich als Beter eigentlich lebe, ob ich mich so, wie ich bin, auch nur in die Nähe des Schemels seiner Füße wage. Wenn er wirklich heilig ist, dann muss ich knien vor ihm aus Demut und mein Leben in seinem Angesicht ändern. Wenn wir damit ernst machen, hat das Folgen.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum wir mehr über Gottes Liebe wissen, als über seine Heiligkeit. Zum Glück für uns ist er beides: liebevoll und heilig. Wir sollten aufpassen, das eine nicht mit dem anderen zu überdecken.

Michel Debus, Pfarrer in Triebes

Hoffnungssignal

20. Mai 2010 von redaktionguh  
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oekt_Logo_orangeHat der gemeinsame Kirchentag das Gesicht der Ökumene verändert, wie es sein evangelischer Präsident Eckard Nagel glaubt? Das ist sicher übertrieben. Doch einen gewissen Erfolg kann man dem Christentreffen in der bayrischen Landeshauptstadt nicht absprechen. Das beweisen schon die Besucherzahlen, die mit knapp 130.000 Dauerteilnehmern und Tausenden Tagesgästen höher ausgefallen sind als angenommen. Zudem hat der offene Umgang mit dem Thema Missbrauch der Kirche insgesamt Pluspunkte beschert, was die zuletzt arg lädierte Glaubwürdigkeit betrifft.

Dass das Treffen ein positives Bild vermittelt, hängt freilich auch mit den Erwartungen zusammen, die bewusst niedrig gehalten waren. Niemand hat auf große Fortschritte beim Christentreffen gesetzt, weder im Blick auf die Sozialethik noch bei der strittigen Abendmahlsfrage. Dazu sind die Probleme zu komplex. Selbst die hochgelobte Vesper nach orthodoxem Ritus ist hier nur ein schwacher Trost. Der Stachel der Trennung am Tisch des Herrn bleibt, wie es die Basis mit ihrer Menschenkette eindrücklich gezeigt hat. Aber immerhin gibt es Signale, die eine Hoffnung für konfessionsverschiedene Ehepaare bedeuten. Hier könnte Bewegung in die festgefahrene Diskussion kommen.

Schließlich ist es auch ein gutes Zeichen, dass bereits jetzt der Ruf nach einem dritten Ökumenischen Kirchentag laut wird. Nach dem bisherigen Rhythmus kommt dafür möglicherweise 2017 infrage, ausgerechnet das Jahr des Reformationsgedenkens. Zwar haben sich die Verantwortlichen bislang nur vorsichtig optimistisch über eine Fortsetzung geäußert. Aber es käme schon einer kleinen Sensation gleich, wenn ausgerechnet 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation evangelische und katholische Christen ihre Gemeinsamkeiten betonen würden. Das wäre nicht nur ein Zeichen nach innen, sondern auch in die Gesellschaft hinein. Und für die protestantische Selbstvergewisserung bleibt bis dahin noch genügend Zeit.

Martin Hanusch

Glaube ist wie Fußball

20. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Nicht nur in Südafrika herrscht schon große Vorfreude auf die Fußballweltmeisterschaft – wie hier bei einem Fanfest.  Pfingsten wiederum ist das Fest eines Neubeginns für eine besondere Mannschaft, die Kirche. Foto: epd-bild

Nicht nur in Südafrika herrscht schon große Vorfreude auf die Fußballweltmeisterschaft – wie hier bei einem Fanfest. Pfingsten wiederum ist das Fest eines Neubeginns für eine besondere Mannschaft, die Kirche. Foto: epd-bild


Manchmal ist es mit Gott wie auf dem Fußballrasen: Ein neuer Geist kann das Spiel drehen – und aus niedergeschlagenen Menschen mutige machen. Das ist Pfingsten.

Meine Lieblingsfußballmannschaft in Chile ist die »U« – »LaU« wird sie liebevoll von ihren Fans genannt. Sie ist einer der größten Fußballclubs in Chile und hat mehrfach den Meistertitel gewonnen. In dem einen Jahr spielte die »U« richtig schlecht. Mein Sohn und ich haben im Stadion oft mitgezittert und geschimpft. Und dann spielte sie sogar noch um den Klassenerhalt.

In dieser Situation übernahm die Vereinsführung die Verantwortung. Der Trainer wurde gewechselt. Und ein weiterer wichtiger Faktor: Man holte den in die Jahre gekommenen »Matador« zurück. Man hörte in der Stadionrunde, die sich wieder füllte: »Dal, dale dale leon …« – frei übersetzt: »Gib’s ihnen, Löwe!« Der Matador, Marcelo Salas, ist das Idol in der »U«. Und mit ihm und dem neuen Trainer kam die Wende. Aus einem Abstiegskandidaten wurde ein Meisterschaftsaspirant! Das ist Fußball! Da schlägt das Herz höher, wenn man spürt, wie ein neuer Geist durch eine Mannschaft geht und dieselben Spieler, die vorher frustriert gegen den Abstieg kämpften, auf einmal befreit aufspielen. Herrlich!

Vielleicht haben sich so die Jünger gefühlt: niedergeschlagen, nichts geht mehr, »Flasche leer«, wie ein bekannter Trainer über einen Spieler sagte. Und gerade diese Menschen fangen mutig, entschlossen und ohne Angst an aufzustehen, weiterzumachen, das, was sie gelernt haben, zu leben und auszuspielen. Wie im Fußball – oder?
Pfingsten ist das Fest eines Neubeginns für eine besondere Mannschaft: die Kirche. Im Mittelpunkt steht nicht Gott, auch nicht Jesus, sondern ein Geist, der Heilige Geist. Aber dieser Geist kommt von ihm, dem Herrn allen Lebens. Diesen Geist lebte Jesus und er wirkte so ansteckend, dass Menschen aufstanden und Neues wagten gegen allen Schein.
Dieser gute Geist bewirkt bei Menschen – nicht nur früher, sondern auch heute – neue Kraft und neuen Mut. Wer vom Heiligen Geist erfüllt wird, spürt, dass sich innerliche Leere füllt mit der Liebe, die von Gott kommt.

In der Urkirche war der Heilige Geist wirksam, als alles verloren schien. Jesus, der Hoffnungsträger, war gekreuzigt worden und gestorben. Die Nachricht von der Auferstehung galt noch als unerhört. Die Weggefährten waren ratlos. Sie kamen zusammen in ihrer sprachlosen und etwas verlorenen Stimmung, um zu überlegen, wie es weitergehen sollte. Und da geschah es. Als sie so beisammen saßen und erzählten, spürten sie, wie ein neuer Geist in ihnen wach wurde. Alles, was Jesus ihnen erzählt hatte von der Gemeinschaft untereinander, erfüllte sie plötzlich wieder. Das war er, der neue Geist, den sie so nötig gebraucht hatten. »Sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist«, heißt es in der Bibel (Apostelgeschichte 2, 4).

Ein neuer Geist kann nicht herbeigezwungen werden. Diese Geisteskraft kommt von Gott. Vielleicht beginnt sie manchmal bei kleinen Minderheiten wie den Jüngern. Vielleicht beginnt sie in der Diaspora, in der Zerstreuung. Vielleicht beginnt sie da, wo Menschen sich allein fühlen.

Den Pfingstgeist habe ich über neun Jahre auch dadurch gespürt, dass wir in unserer kleinen Kirche in Chile nicht alleingelassen wurden. Gerade das Diasporawerk der EKD, das Gustav-Adolf-Werk, hat uns immer wieder tatkräftig zur Seite gestanden, dass wir den Mut nicht verloren – und dass wir bei allem Kraft behielten, uns für andere Menschen in den Armenvierteln einzusetzen. Darin habe ich den verbindenden Geist auch über alle Sprachbarrieren hinweg gespürt. Unsere Gottesdienste haben wir immer wieder zweisprachig gefeiert. Die einen haben manchmal das Spanisch nicht verstanden und umgekehrt einige Chilenen kein Deutsch. Aber wir feierten gemeinsam.

Das ist es auch: Der Geist Gottes macht Mut zum Neuanfang – wie für eine Fußballmannschaft. Und dieser Geist schenkt Gemeinschaft über Kontinente und Sprachgrenzen hinweg. Das wollen wir Pfingsten feiern – am Geburtstag der Kirche.

Enno Haaks

Enno Haaks war von 2001 bis 2009 Pfarrer in Santiago de Chile und ist jetzt Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werkes, das evangelische Minderheitskirchen in aller Welt unterstützt.

Jugend spielt für Kirchen

13. Mai 2010 von redaktionguh  
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Seit 2004 engagieren sich Thüringer Musikschüler für Gotteshäuser

Thilo und Franka Stolze – die Geschwister zeigen ihr Können in der Trinitatiskirche Sondershausen, Fotos: Eduard Seifert

Thilo und Franka Stolze – die Geschwister zeigen ihr Können in der Trinitatiskirche Sondershausen Fotos: Eduard Seifert

Es ist Freitagabend. Die Bankreihen der weiträumigen Trinitatiskirche in Sondershausen füllen sich langsam. Die Kreismusikschule, das Carl-Schroeder-Konservatorium, gibt ein Benefizkonzert.  An der Orgel sitzt schon Martin Heß, er ist Klavierlehrer und Korrepetitor an der Musikschule Sondershausen und die Seele der Veranstaltung. Ein Musiker, dessen Ohr und Herz stets bei den Schülern ist.

Die Orgel klingt an diesem Abend unter seinen Händen so zart, dass selbst die achtjährige Eva mit ihrer Blockflöte noch groß rauskommt. Er motiviert, tröstet, lobt mit Blicken und ruhigen Worten. Seine Orgelschülerinnen lassen die 2811 Orgelpfeifen scheinbar mühelos erschallen, der elfjährige Jeremias brilliert am Kornett und die jungen Damen am Saxophon und dem Fagott begeistern. Schüler verschiedener Musikschulklassen von acht bis 18 Jahren zeigen an Blas- und Streichins-trumenten mit Stücken von Bach bis Telemann ihr Können.

Der Konzertabend steht an diesem Abend unter dem besonderen Motto »Musikschulen öffnen Kirchen«. Es ist ein Projekt der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Verband deutscher Musikschulen. Die örtlichen Schulen helfen dabei, mit ihren Konzerten Kirchen zu sanieren oder Orgeln wieder instand zu setzen, Kirchen ins kulturelle Leben ihrer Heimat einzubinden oder neu zu entdecken. »Wir brauchen die Spenden, zum Beispiel um uns Noten für ein Requiem auszuleihen, das das neu gegründete Kantoreiorchester am Volkstrauertag spielen möchte«, sagt Andreas Fauß. Der Kantor der Trinitatiskirche der Musik- und Bergstadt freut sich sehr über diesen gelungenen Abend.

Seite-5-Jugend-2Die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen stellt ihr Know-how und großzügige finanzielle Mittel zur Verfügung. Ein Teil dessen ist die landesweite Werbung. Der Spendenerlös bleibt stets bei den Gemeinden, die den Zweck frei bestimmen können. Seit 2004 gab es durchschnittlich 18 Konzerte pro Jahr in Kooperation mit 13 Musikschulen. Somit konnten in den letzten Jahren 126 Kirchengemeinden unterstützt werden. Bis zum Dezember sind noch Konzerte in zwölf Kirchen vorgesehen. Am 16. Mai musizieren Schülerinnen und Schüler der Musikschule Jena in der Dorfkirche zu Maina.

Es ist ein beispielhaftes Projekt, das Talentförderung mit Denkmalschutz und Kultur verbindet. »Eine Idee, die schon mancher Kirche neues Leben eingehaucht hat. Die Nöte der Gemeinden wurden oftmals erst durch die Konzerte in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Und es soll so weitergehen, Gemeinden können sich für 2011 bewerben«, sagt die Leiterin des Landesverbandes der Musikschulen, Kersten Weingart.

Regina Englert

www.thueringer-musikschulen.de

Gebaute Utopie mit Strahlkraft

13. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Jahresausstellung präsentiert Franckesche Stiftungen als europaweites Vorbild
Franc7
Es leuchten die Gebäude vielen Menschen so in die Augen, dass sie den Finger Gottes darin erkennen und preisen.« Das sagte Georg Heinrich Neubauer, Weggefährte von August Hermann Francke, Architekt und  Bauausführender der von Francke geschaffenen Anlage, die wir heute Franckesche Stiftungen nennen.

Der Theologe August Hermann Francke (1663–1727) hatte 1698 vor den Toren der Stadt Halle den Grundstein für eine Schulstadt gelegt, die auf den Vorstellungen der pietistischen Gesellschaftsreform basierte. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts wuchs das Bauensemble rasant, umfasste ein schlossartig anmutendes Waisenhaus, mehrere Schulen, eine Bibliothek, eine Druckerei, ein Krankenhaus sowie zahlreiche Wirtschafts- und Funktionsgebäude. Bis heute wird auf dem Gelände gebaut.

Unter dem Motto »Gebaute Utopien. Franckes Schulstadt in der Geschichte europäischer Stadtentwürfe« haben die Franckeschen Stiftungen jetzt ihre Jahresausstellung eröffnet, in der sie am konkreten Beispiel zeigen, was Architektur bedingt, wie sie sich darstellt und wie sie wahrgenommen wird. Mit der Betrachtung von 300 Jahren Baugeschichte leisten die Stiftungen zudem einen interessanten Beitrag zu genau dem, was im Jahr der IBA-Stadtumbau Sachsen-Anhalt in vielfältiger Weise diskutiert wird.

Nach gut zwei Jahren Recherche in Bibliotheken und Archiven in Deutschland, den Niederlanden, Dänemark und den USA werden über 400, zum Teil überaus wertvolle Objekte gezeigt. Dabei wird der Betrachter in sieben Ausstellungsräumen mit auf eine Reise genommen, in der es nicht nur um die bauliche Hülle geht. »Vielmehr wird danach gefragt, aus welchem Ideenraum heraus der Stiftungsbau erfolgte und in welcher Weise dieser selbst idealtypisch fortwirkte«, so Ausstellungskurator Holger Zaunstöck.

Stadtideale und Schulstadt

Zunächst werden Stadtideale nach antikem Vorbild aus der Renaissance betrachtet, Korkmodelle römischer Bauten, großartige Musterstadtansichten wie die von Piero della Francesca oder der Nachbau des Salomotempels in Jerusalem. Faszinierend am Ende des ersten Raums das Ölgemälde vom Bau der Berliner Friedrichstadt, wo eindeutige Parallelen zu Franckes Schulstadtanlage zusehen sind. Es folgen Bauten, die Francke kannte, wie ein Modell des Gothaer Schlosses Friedenstein und des Erfurter Augustinerklosters. Und dann der Bau der Schulstadt an sich, der auch in das benachbarte Glaucha wirkte. Die Wasserleitung – ein originales Stück wird ausgestellt – brachte auch den Bürgen dort Erleichterungen.

Das Bauensemble errang schnell große Bekanntheit, und strahlte – das augeklügelte Beleuchtungskonzept der Schau unterstreicht das – in die Welt hinein. Religiöse Siedlungen und Stadtneugründungen in Deutschland, anderen europäischen Ländern, Südindien und Nordamerika wurden von der Gesamtanlage beeinflusst.

Einer der Ausstellungsräume ist dem 20. Jahrhundert gewidmet mit Entwürfen einer sozialistischen Idealstadt, in die die Franckeschen Stiftungen irgendwie integriert sind, aber nicht recht hineinzupassen scheinen. Zwar auf der offiziellen Denkmalliste der DDR stehend, wurde jedoch nichts zur Erhaltung getan. Nur die Wende verhinderte den Totalzerfall des Ensembles. So schaut der letzte Raum auf die Entwicklung ab 1990, stellt auf Leuchtkuben Baurealisierungen der jüngsten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dar.

Claudia Crodel

Zur Jahresausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen. Zudem wird ein interessantes Begleitprogramm geboten. Nähere Informationen: www.francke-halle.de

Erholung vom Alltag

13. Mai 2010 von redaktionguh  
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In diesem Jahr geht die Aktion »Kindern Urlaub schenken« der Diakonie Mitteldeutschland in die fünfte Runde. G+H befragte dazu den Jenaer Armutsforscher Prof. Roland Merten, Sprecher des Spenderrates der Aktion und seit einem halben Jahr Staatssekretär im Thüringer Kultusministerium:

MertenHerr Prof. Merten, Deutschland ist ein reiches Land, trotzdem gibt es immer mehr arme Kinder. Ist das nicht ein Widerspruch an sich?
Merten:
Nein, das ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck einer höchst ungleichen Verteilung des Reichtums in unserem Land. Und genau darin liegt das Gerechtigkeitsproblem, dass viele Kinder von diesem Reichtum ausgeschlossen sind, während andere im Überfluss leben.

Die Diakonie Mitteldeutschland wirbt seit Jahren um Spenden, damit auch bedürftige Kinder ein paar unbeschwerte Urlaubstage verbringen können. Warum bleibt das weiterhin wichtig?
Merten:
Das Aufwachsen in Armut ist eine andauernde Belastung für diese Kinder. Gerade sie brauchen deshalb die Möglichkeit anderer Erfahrungen. Für viele Kinder sind diese Urlaubstage die einzige Chance, neue Eindrücke zu gewinnen. Man kann das mit einer Kur vergleichen, in der neue Kräfte gesammelt werden können. Wir wollen mit unserer Spendenaktion einen Beitrag dazu leisten, dass diese Erholung vom Alltag für möglichst viele arme Kinder Wirklichkeit wird.
Wie wichtig das ist, zeigen die vielen kleinen Beispiele: Da fährt ein zehnjähriges Mädchen das erste Mal  mit dem Zug. Eine Neunjährige übernachtet erstmals außerhalb des Elternhauses, während ein 12 Jahre alter Junge noch nie zuvor im Zoo war. Es geht also nicht um Spektakuläres, sondern um kleine Entdeckungen, die für arme Kinder große Bedeutung haben.

Aber ist das nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Müsste hier nicht die Politik Abhilfe schaffen?
Merten:
Jede Spende ist eine willkommene Hilfe. Und wenn viele einen kleinen Beitrag leisten, kann daraus etwas Großes entstehen. Unsere Spendenaktion zeigt doch gerade, dass das möglich ist. Zudem ist es mir zu einfach, von anderen Lösungen zu fordern. Natürlich ist die Politik in der Pflicht, armen Kindern einen angemessenen Unterhalt zu garantieren, wenn die Eltern dazu nicht in der Lage sind. Aber Politik ist nicht das Allheilmittel für die Probleme unserer Gesellschaft. In einer Bürgergesellschaft – zumal in einer so reichen wie Deutschland – ist es meines Erachtens eine moralische Pflicht jedes einzelnen Mitbürgers, seinen Beitrag zu leisten.
Der Zustand einer Gesellschaft ermisst sich am Umgang mit den Schwächsten. Dazu trägt Politik bei, aber eben auch jeder einzelne Mitbürger. Und zu den Schwächsten in dieser Gesellschaft gehören arme Kinder, deshalb ist jeder Einzelne gefordert.

Weshalb sollten die Leute also spenden?
Merten:
Weil das eine direkte Möglichkeit zwischenmenschlicher Solidarität ist, weil auf diese Weise der Einzelne unmittelbar Gutes tun kann. Insofern gilt Erich Kästners Weisheit unverändert: »Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!«

Konfliktfeld

13. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto: Jason Morrison, sxc.hu

Foto: Jason Morrison, sxc.hu

Es ist ein einmaliger Vorgang und ein bisschen verkehrte Welt. Da erklärt der Kirchenrechtsprofessor Hartmut Zapp seinen Austritt aus der katholischen Kirche, aus der Körperschaft des öffentlichen Rechts. Das Erzbistum Freiburg klagt dagegen und bekommt Recht. Nach dem Spruch des baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshofes ist ein solcher »Kirchensteueraustritt« nicht möglich. Wer Mitglied einer der beiden Kirchen sein will, muss auch Kirchensteuern bezahlen.

Den Verantwortlichen dürften nach dem Urteil einige Steine vom Herzen gefallen sein. Wäre das Gericht dem Kirchenrechtler gefolgt, hätte das fatale Folgen für das gesamte Kirchensteuersystem gehabt. Denn was der emeritierte Professor beabsichtigte, ist die Trennung der Kirchenmitgliedschaft von der Steuerpflicht. In Ostdeutschland wurde das nach der Wende kontrovers diskutiert. Heute stellt kaum jemand das Kirchensteuersystem infrage, weil es den Kirchen Sicherheit bietet.

Bei den meisten Menschen dürfte solcher Streit ohnehin Kopfschütteln auslösen. Wer der Kirche den Rück kehrt, hat in der Regel nichts mehr mit ihr am Hut. Bei dem Kirchenrechtler verhält es sich jedoch anders. Er wollte katholisch bleiben, aber eben nicht mehr Kirchensteuern zahlen. Hier hat das Gericht klipp und klar festgestellt, dass das nicht geht.

Was das Urteil allerdings nicht besagt, ist, wie es sich theologisch verhält. Schließlich unterscheiden die Kirchen zwischen geistlicher Zugehörigkeit durch die Taufe und der Mitgliedschaft in der Organisation. Im Blick auf eine angedachte gestufte Mitgliedschaft könnte das der Kirche einige Probleme bescheren. Was heißt das dann praktisch? Darf ein Sympathisant sich in der Kirche engagieren und keine Kirchensteuer zahlen, während ein Christ, der bewusst keine Kirchensteuer zahlen will, seine Rechte verliert? Hier tun sich neue Konfliktfelder auf. Der Fall des Kirchenrechtlers mag juristisch geklärt sein, geistlich bleibt es eine Anfrage an die Kirche.

Martin Hanusch

Wenn die Last die Lust wird

13. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.
Psalm 68, Vers 20

Es kann belastend sein, wenn Menschen über ihre scheinbare Lasten klagen. Mit den Jahren wächst auch die Lust, die Lasten zu beschreiben. In manchen Runden erlebe ich ein klagendes Feilschen, wenn es darum geht, wer denn stärker belastet sei. Es ist oft nicht zum Aushalten. Auch kirchliche Mitarbeiter sind davor nicht gefeit. Die Worte Leid und Last werden dabei inflationär gebraucht. Wer wirkliche Lasten trägt, macht nicht viele Worte darum. Man sieht es ihm an – am Gang. Man spürt es ihr ab – am Blick.

Wort-zur-Woche---WettlerDietrich Bonhoeffers wegweisende Theologie, zwischen Widerstand und Ergebung, nimmt Bezug auf die Kraft, die uns zuwachsen kann, wenn Lasten uns drücken. Gott gibt uns die Kraft, wenn wir sie brauchen. Er gibt sie uns nicht vorher, damit wir uns nicht so sehr auf uns, sondern allein auf IHN verlassen.

Da wir das Leben vorwärts leben müssen, aber nur rückwärts verstehen können, hat manch auferlegte Last auch innere und äußere Reifeprozesse vorangetrieben. Sie ermöglichen uns erst, die eigentliche Lebenstiefe zu ergründen.
Es werden Veränderungen gesellschaftlicher und kirchlicher Art auf uns zukommen, die wir noch nicht einmal ahnen. Lasten auszuhalten hat auch etwas mit der inneren Einstellung zum Leben zu tun. Wohl dem, der über ein Gegengewicht verfügt, wenn die wirklichen Lasten drücken.

Ich staune oft, wie es Menschen gelingt, einen anderen Menschen über längere Zeiträume zu pflegen, zu tragen, manchmal auch zu ertragen. Ich bewundere Alleinerziehende, die ihre Kinder nicht mit Geld bestechen können.
Jeder hat sein Päckchen zu tragen, sagt der Volksmund. Jeder und Jede. Das Aushalten bringt wahrscheinlich die notwendige Geduld mit sich. Gott hilft uns auch. Wir sollten ihn nicht vorschnell bitten, das Päckchen von unseren Schultern zu nehmen. Er könnte es durch ein Paket ersetzen.

Jörg Uhle-Wettler, Pfarrer in Bad Düben

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