Reise in die steinerne Bibel

24. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt (Archiv)

Ganz schön hoch: Bei einer Führung durch den Dom konnten die Kinder – hier Schülerinnen und Schüler der Grundschule Am Brückfeld – unter anderem die Deckenhöhe von 32 Metern bestaunen. Daniel Steben erklärte Geschichte, Baugeheimnisse und Kunstwerke des Magdeburger Wahrzeichens. Außerdem  ließen sich die Archäologen über die Schultern schauen. Im vergangenen Jahr hatte es zum 800. Domjubiläum erstmals einen Kinderkathedraltag gegeben. Foto: Uli Lücke

Ganz schön hoch: Bei einer Führung durch den Dom konnten die Kinder – hier Schülerinnen und Schüler der Grundschule Am Brückfeld – unter anderem die Deckenhöhe von 32 Metern bestaunen. Daniel Steben erklärte Geschichte, Baugeheimnisse und Kunstwerke des Magdeburger Wahrzeichens. Außerdem ließen sich die Archäologen über die Schultern schauen. Im vergangenen Jahr hatte es zum 800. Domjubiläum erstmals einen Kinderkathedraltag gegeben. Foto: Uli Lücke


Zweiter Kinderkathedraltag in Magdeburg stieß auf große Resonanz.

»Wer von euch hat schon mal einen echten Pfarrer gesehen?« Etliche Hände heben sich. »Und wer von euch waren schon mal im Dom?« Viele Hände heben sich. Vor den Mädchen und Jungen, die per Handzeichen die Fragen von Giselher Quast beantworten, liegt ein spannender Tag. Über 300 Kinder der zweiten bis fünften Klassen aus Magdeburger Schulen sind am 16. Juni zum Beginn des zweiten Kinderkathedraltages auf dem Domplatz versammelt. Die Domgemeinde, das Kulturhistorische Museum und das Ökumenische Domgymnasium haben ihn organisiert. Lehrer und Mitarbeiter betreuen die Kinder, während Gymnasiasten der elften Klasse die Inhalte vermitteln oder als Sanitäterinnen fungieren. Nach dem Erfolg des ersten derartigen Tages, den es im vergangenen Jahr zum 800. Domjubiläum gegeben hatte, war wegen der großen Nachfrage schnell klar: Es wird eine Neuauflage geben.

Nun ist es soweit. Domprediger Quast und Gemeindepädagogin Gabriele Humbert stimmen auf das Programm ein, versprechen interessante Entdeckungen im Dom, der »steinernen Bibel, die alles erzählt, was Christen wichtig ist«, ein Mittelaltermahl im Domgarten und vor dem Mittag »ein seltenes Tier, welches nur in unserer Orgel zu sehen ist«. Doch zunächst gibt es etwas für die Ohren: Die Glocken beginnen zu läuten, und die Kinder sollen raten, wie viele es sind. Klein Problem: Es sind drei – unter ihnen die mit acht Tonnen größte im Magdeburger Dom, die »Susanne«.

Dann strömen die Mädchen und Jungen in die Kathedrale, während ein Teil von ihnen mit Karlheinz Kärgling, dem Bereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik, die Straße Richtung Museum überquert. Dort gibt es nicht nur interessante archäologische Funde aus dem Dom zu sehen, sondern auch den berühmten originalen Magdeburger Reiter – ein etwa 750 Jahre altes Kunstwerk der Dombauhütte.

Im Dom selbst verteilen sich die Kinder auf viele Stationen. Vor dem antiken Taufstein zum Beispiel erfahren sie etwas darüber, wie Menschen in die christliche Gemeinschaft aufgenommen werden. Am Hauptaltar mit seinem modernen Aufsatz geht es um die Schutzpatronin des Domes, Katharina, und im Hohen Chor um den Schutzpatron, den Legionär Mauritius, dessen Skulptur dort steht. An der Nordwand werden Kinder zu Baumeistern. Aus vorbearbeiteten Gasbetonsteinen setzen sie eine Mauer mit Spitzbögen zusammen. Beim Wechseln der Stationen können sie Archäologen bei der Arbeit zuschauen: An vielen Stellen gibt der geöffnete Boden den Blick auf Überreste vergangener Jahrhunderte frei.

Hatte Martin Günther im Lauf des Vormittags viele kleine Gäste auf der Orgelempore, so hat er sie kurz vor zwölf für sich allein. Er entlockt der riesigen, erst vor zwei Jahren fertiggestellten Orgel zarten Flötenklang, lässt es tönen wie ein Krummhorn oder brummen wie einen Kontrabass. Dann klingt die Orgel wie ein Orchester. Zum Schluss kommt das den Kindern versprochene »seltene Tier« hervor. Über dem Spieltisch senkt sich ein Hahn herab. Das gute Stück, einzig verbliebener Rest einer mittelalterlichen Dom-Orgel, kann zwar nicht krähen. Dafür glänzt er golden und schlägt immerhin mit den Flügeln.

Am Ende des Kathedraltages erleben die Kinder den echten Pfarrer in Aktion. Giselher Quast schlüpft in seinen Talar und entlässt sie mit dem Segen in den Nachmittag.

Angela Stoye

Erholung, Spaß und Bildung

24. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Gemeinsam mit den Kindern und ­Jugendlichen der evangelischen ­Nicolaigemeinde in Magdeburg spielten und sangen fünf Kinder der evangelischen Freizeiteinrichtung »Knast« am 20. Juni das Musical »Bileam und die Eselin« zum Sommerfest der ­Kirchengemeinde.	Foto: Viktoria Kühne

Gemeinsam mit den Kindern und ­Jugendlichen der evangelischen ­Nicolaigemeinde in Magdeburg spielten und sangen fünf Kinder der evangelischen Freizeiteinrichtung »Knast« am 20. Juni das Musical »Bileam und die Eselin« zum Sommerfest der ­Kirchengemeinde. Foto: Viktoria Kühne


Diakonie Mitteldeutschland startet erneut Spendenaktion für unbeschwerte Ferien.

Bei der gemeinsamen Freizeitgestaltung lernen die Kinder, sich selbst zu akzeptieren, Regeln zu vereinbaren und sie auch zu halten. Das hat Karl-Michael Schmidt erfahren, der seit drei Jahren im Kinder- und Jugend-Freizeitzentrum (KJFE) »Knast« in Magdeburg arbeitet, einer Einrichtung des evangelischen Kirchenkreises. Die offene Jugendarbeit der Elbestadt profitiert von der Initiative der mitteldeutschen Diakonie »Kindern Urlaub schenken«. So könnten Tagesausflüge oder Paddeltouren organisiert werden. Beim Ausflug nach Potsdam zum Beispiel waren die Jugendlichen auch auf den Spuren Einsteins unterwegs, sagt der Gemeindepä­dagoge und Religionslehrer. Zu den ­Angeboten gehöre immer auch Bildungsarbeit.

Viele der Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen lernten zum ersten Mal kennen, dass man miteinander spielen kann und sich nicht nur verbal attackieren müsse, um sein Selbstbewusstsein zu stärken. Inzwischen arbeitet Schmidt auch mit ­Kantorin Hedwig Geske von der Magdeburger Nicolaigemeinde zusammen. Bei einem Musicalprojekt haben auch »seine« Kinder mitgespielt. »Ich möchte eine Brücke bauen zwischen KJFE und Kirchengemeinde«, sagt er.

Die Kreisdiakoniestelle im südthüringischen Hildburghausen-Eisfeld organisiert ebenfalls Freizeiten mit der Unterstützung der Diakonieaktion. Im letzten Jahr war es eine Kinder-Familien-Freizeit im Advent vor allem für Alleinerziehende. In diesem Jahr ist eine Tagesfreizeit für Kinder geplant, in der es in den Erlebnispark Schloss Thurn gehen soll. »Viele ­Eltern haben kein Geld für Eintrittskarten«, sagt Tina Lenk von der Kreisdiakoniestelle. Ehrenamtliche der Hildburghäuser Tafel unterstützen die Hauptamtlichen bei der Betreuung.

Zum fünften Mal ruft die Diakonie nun zur Spendenaktion »Kindern Urlaub schenken« auf. Seit 2006 ist das Volumen stetig gewachsen, informiert Fundraiser Andreas Hesse. Waren es im Jahr 2006 noch 5000 Euro Spenden für 60 Kinder, konnte 2007 schon 130 Kindern »Urlaub geschenkt« werden, 2008 waren es bereits 1000 Kinder. Im vergangenen Jahre kamen insgesamt 110.000 Euro zusammen. 2700 Kindern und Jugendliche konnten so einige unbeschwerte Ferientage genießen und lernten mitunter eine andere Welt kennen.

Der aktuelle Spendenstand für 2010 liegt derzeit bei 8.164,52 Euro. Schon mit 15 Euro könne ein Kind einen Tag lang Erholung, Bildung und Förderung ­geboten werden, informiert die Diakonie.

Dietlind Steinhöfel

Spendenkonto: 200 2000, BLZ 520 604 10, EKK, Kontoinhaber: Diakonie Mitteldeutschland, Kennwort: Urlaub schenken

Grenzenlos – Respekt üben

24. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Interessant und erlebnisreich war für die Schülerinnen und Schüler der Lohauschule des Sonneberger Herrmann- Pistor-Gymnasiums der Besuch im Erfurter Landtag. Zusammen mit Gemeindepädagogin Jeanette Rockstroh durften sie am 12. Juni in die Landeshauptstadt fahren, um hier am Ehrenamtstag ihr Projekt »Respekt« zu präsentieren. Die ­Südthüringer gehörten zu den sieben, die unter mehr als 100 Bewerbungen aus ganz Thüringen ­ausgewählt worden waren. Foto: Jeanette Rockstroh

Interessant und erlebnisreich war für die Schülerinnen und Schüler der Lohauschule des Sonneberger Herrmann- Pistor-Gymnasiums der Besuch im Erfurter Landtag. Zusammen mit Gemeindepädagogin Jeanette Rockstroh durften sie am 12. Juni in die Landeshauptstadt fahren, um hier am Ehrenamtstag ihr Projekt »Respekt« zu präsentieren. Die ­Südthüringer gehörten zu den sieben, die unter mehr als 100 Bewerbungen aus ganz Thüringen ­ausgewählt worden waren. Foto: Jeanette Rockstroh


Sonneberger Schülerprojekt präsentierte sich erfolgreich im Erfurter Landtag.

Jeannette Rockstroh ist erfahren bei der Verknüpfung von Kirche und Schule. Scheinbare Grenzen zwischen Menschen abzubauen, ist ihr Herzenssache, und ihr Credo lautet: »Respekt ist etwas, das man lernen kann.« Die Sonneberger Gemeindepädagogin weiß aus ihrer Tätigkeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, wie weit heutzutage Jugendwahn und Altwerden auseinanderdriften. Deshalb initiierte sie im vergangenen Jahr das Projekt »Respekt«, mit dem sie einmal im Monat junge und alte ­Menschen zusammenbringt.

Die Religionsschülerinnen und -schüler der 5. Klasse aus der Sonneberger Lohauschule besuchen dann im Rahmen des Teilprojektes »Alt und Jung« das direkt gegenüberliegende Annastift. Hier erfreuen sie mit einem kleinen Programm die betagten Bewohner und hören auch von diesen, wie sie einst ihre Jugendzeit erlebten und was ihnen damals wichtig war. Die Teilnahme der Schülerinnen und Schüler ist freiwillig und erfolgt im Anschluss an den regulären Unterricht.

»Das Problem ist, dass es heutzutage ja kaum noch diese sogenannten Mehrgenerationen-Familien gibt und die älteren Bürger – noch dazu, wenn sie pflegebedürftig sind – mehr und mehr ausgegrenzt werden. Diesem Trend entgegenzuwirken ist Sinn ­unseres Projektes«, erklärt Jeanette Rockstroh.

Vonseiten des diakonischen Alten- und Pflegeheimes wurde diese Idee gern aufgenommen und engagiert begleitet. Inzwischen ging die beiderseitige Zurückhaltung von Jung und Alt in Nähe über. »Dass das alles nicht ganz so einfach gehen würde, war klar. Aber das Erlernen von Respekt vor dem Alter wird in Zukunft mehr und mehr eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft einnehmen müssen«, so Gemeindepädagogin Rockstroh vorausblickend.

Zum gemeindepädagogischen Projekt »Respekt« gehört noch ein weiteres Teilprojekt. »Arm und Reich« heißt es und widmet sich einem anderen Spannungsfeld der Gesellschaft. In Zusammenarbeit mit der Diakonie Sonneberg helfen zwei bis drei Schüler der 6. Klassen einmal im Monat für eine Stunde bei der »Tafel« ihrer Stadt. Bei ganz praktischem Tun erleben sie hier Menschen, die in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation ihr Leben organisieren müssen.
Selbstverständlich werden die Jugendlichen mit ihren Eindrücken, die sie während ihres ehrenamtlichen Engagements sammeln, nicht allein gelassen. Es gibt im Anschluss Auswertungsgespräche und in Bildern, Zeichnungen und Texten halten sie ihre Erfahrungen fest.

Die Präsentation der Teilprojekte »Arm und Reich« sowie »Jung und Alt« kam Mitte Juni am »Tag der offenen Tür« im Thüringer Landtag so gut an, dass »wir für 2011 nach Jena eingeladen wurden, um das Gesamtprojekt ›Respekt‹ näher vorzustellen«, freut sich Jeanette Rockstroh über die Resonanz.

Thomas Höfling

Wirbel um Bischöfin

24. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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junkermann2_webJunkermann zieht Kandidatur für die ­Bundesversammlung zurück.

Die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann hat ihre Kandidatur für die 14. Bundesversammlung zur Wahl eines neuen Bundespräsidenten kurz vor Verabschiedung der Vorschlagsliste zurückgezogen. Ihre Abkehr sei nötig, um die Freiheit des Bischofsamtes gegenüber allen gesellschaftlichen Gruppen nicht zu gefährden, sagte die evangelische Theologin, die von der SPD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt aufgestellt worden war, zur Begründung.

Wie Junkermann in ihrer Erklärung betonte, wolle und werde sie gegenüber allen Menschen, unabhängig welcher Partei sie zugeneigt seien, gesprächsbereit bleiben. ­Zugleich beklagte die Bischöfin, »wie sehr die Wahl des Bundespräsidenten parteipolitisch dominiert wird«. Das Staatsoberhaupt solle Politik kritisch begleiten und Anregungen für eine am Gemeinwohl orientierte Strategie geben. Dazu müsse er Präsident der Bürger sein und nicht vorrangig der Parteien.

Junkermann reagierte mit ihrem Rückzug auf Kritik aus den Reihen der CDU sowie des FDP-Bundestagsabgeordneten Jens Ackermann. Der Politiker aus Sachsen-Anhalt hatte in einer in der vergangenen Woche verbreiteten Pressemitteilung erklärt, bei einer Nominierung auf der SPD-Liste würde sich »Parteipolitik mit der Kirche« vermischen. Als Landesbischöfin sei Junkermann für alle 900.000 Gläubigen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland zuständig und könne nicht »für eine einzige Partei nach Berlin wählen gehen«.

Derweil gehören zu den 1244 Wahlleuten für die Bundesversammlung durchaus Spitzenvertreter der Kirchen und kirchlichen Verbände: Für die SPD in Baden-Württemberg wird Diakonie-Präsident Klaus-Dieter Kottnik in der Bundesversammlung sitzen. Für die hessische SPD ist die Frankfurter Pröpstin der hessen-naussauischen Kirche, Gabriele Scherle, dabei und die Erfurter EKM-Regionalbischöfin Elfriede Begrich lässt sich von der Linkspartei nach Berlin entsenden.

Bei der Wahl durch die Bundesversammlung am 30. Juni treten als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck (parteilos) und die Journalistin Luc Jochimsen (Linkspartei) an. Insgesamt gibt es 1244 Wahlleute, von denen die Koalitionsparteien mindestens 644 stellen.

(GKZ/epd)

Ein gerechter Schiedsrichter des Lebens

24. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Ja, Gott ist noch Richter auf Erden.
Psalm 58, Vers 12b

Folker-BlischkeBall und Fuß scheinen eins. Mühelos umdribbelt der Spieler mit der Nummer 10 zwei Abwehrspieler und setzt zum Torschuss an. Da rauscht von hinten mit ausgestrecktem Bein ein Verteidiger heran und tritt den Schützen um. Kein Pfiff ertönt. Während sich der Stürmer vor Schmerzen auf dem Boden wälzt, folgt der Gegenangriff. Nicht nur mit Fußballkunst, sondern mit harten Ellbogenschlägen. Zwischen einzelnen Spielern entsteht ein Ringkampf, in den nach und nach auch Trainer und Zuschauer eingreifen. Chaos pur – doch der Mann in Schwarz bleibt unsichtbar.

Fußball ohne Schiedsrichter. Gott sei Dank wird uns das bei der WM erspart, auch wenn die eine oder andere Entscheidung höchst umstritten ist. Die deutsche Nationalmannschaft musste das zuletzt im Spiel gegen Serbien bitter erfahren. Doch immer ist ein Schiedsrichtergespann beauftragt, Regeln und Fairness durchzusetzen.

Außerhalb des Platzes scheint es anders auszusehen. Da setzen sich die stärksten Ellbogen durch. Da wird eigene Lebensfreude hinterrücks von einer Krankheit umgerissen. Da machen verbale Angriffe das Leben schwer.
Der Wochenpsalm setzt diesem verbreiteten Gefühl von Ungerechtigkeit auf Erden eine erstaunliche Feststellung entgegen: »Ja, Gott ist noch Richter.« Ein Richter, der besser als der beste Schiedsrichter jedes Foul registriert, das uns zugefügt wird. Der auch die Unfairness wahrnimmt, die wir selbst täglich zu verantworten haben oder die wir erleiden müssen.

Gerade für die Zeiten, in denen ich mich anderen Menschen oder einem gesichtslosen Schicksal ausgeliefert fühle, ruft mir der Psalm ins Gedächtnis: Gott ist nicht egal, was hier und in meinem Leben geschieht. Er sieht es, und er wird Gerechtigkeit schaffen. Hier auf Erden und am Ende der Zeiten. Als ein gerechter Schiedsrichter des Lebens, der seine Regeln und Fairness durchsetzt – damit das Spiel des Lebens gelingt.

Folker Blischke, Pfarrer in Roßla

Vor dem Abflug zum Gebet

24. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Auf dem Flughafen Leipzig/Halle kümmern sich der evangelische Seelsorger Matthias Richter (Mi.) und seine katholischen Kollegen Nikolaus Timpe (li.) und Paul Christian (re.) um Fluggäste und Mitarbeiter. Foto: Uwe Winkler

Auf dem Flughafen Leipzig/Halle kümmern sich der evangelische Seelsorger Matthias Richter (Mi.) und seine katholischen Kollegen Nikolaus Timpe (li.) und Paul Christian (re.) um Fluggäste und Mitarbeiter. Foto: Uwe Winkler

Urlaub: Auf dem Flughafen Leipzig/Halle können Reisende in der Kapelle Ruhe und seelischen Beistand finden.

Mit den Ferien beginnt die große Reisezeit – auch am Flughafen Leipzig/Halle. Pfarrer Matthias Richter ist evangelischer Flughafenseelsorger in Schkeuditz und muss dabei auf fast alles gefasst sein.

An der Tafel im Terminal B blinken die Ankünfte: Wien, Brüssel, München. Für Antalya, Paris und Palma de Mallorca sind die »Check-in«-Zeiten angezeigt. Nahe der Anzeigentafel, in einer Männerrunde im Restaurant, geht es um Verkäufe, »Deals«, wie sie es nennen: Einer der drei blickt kurz auf sein Ticket und schnappt seine Tasche: »It’s time. Alles klar soweit, oder?« An der Kasse zieht eine Frau mühsam an einer dicken Reisetasche und kauft ihrem Kind, dem Badeflossen und Schnorchel aus dem Rucksack gucken, einen kleinen Salatteller. Am Fahrstuhl wartet ein Bote mit seinem Paketwagen und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Es ist Montag, 10 Uhr. Am Flughafen Leipzig/Halle ist die Woche mustergültig gestartet. Geschäftig und schnell. Vor allem aber pünktlich.

Pfarrer Matthias Richter geht an dem Paketboten vorbei, ein Manager schüttelt den Kopf über Richters langsamen Schritt und drängt zur Rolltreppe. Der Seelsorger verschwindet in Zimmer B 1164, dem Doppelbüro neben der Flughafenkapelle. »Zehn bis eins, das ist meine Kernzeit hier. Zwei Mal die Woche, montags und dienstags, an den anderen Tagen bin ich in meiner Gemeinde in Wiederitzsch. Vieles läuft per Telefon, das ist unkompliziert. Gespräche, Verabredungen, Treffen mit Fluggästen und Mitarbeitern. Und drei Gottesdienste oder Andachten«, sagt Richter.

Der Pfarrer ist im achten Jahr Flughafenseelsorger, einer von weltweit mehr als 100. In Deutschland hat er unter anderem Kollegen in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf und Dresden. Und er hat Büronachbarn, seine katholischen Kollegen Paul Christian und Nikolaus Timpe: »Wir sprechen uns ab, machen auch ökumenische Gottesdienste.« In der schlichten Kapelle neben den beiden Büros steht eine nüchterne kleine Kanzel, eher ein rundes Pult. Darauf steht ein Kreuz, dahinter hängt eine Ikone. Ein ruhiger Ort zum Innehalten, in dem die Flughafenansagen nur ein dumpfes Geräusch in der Ferne sind.

Oft trifft Pfarrer Richter amerikanische Soldaten. Fast täglich fliegen die Einheiten von hier in die Konfliktgebiete in Afghanistan oder im Irak. »Die haben ein ganz anderes Verhältnis zum Glauben. Die Hälfte der Soldaten sitzt vor ihrem Abflug mit einer Bibel in der Hand da.« Dann winkt Richter ab. Der Flughafen als Drehkreuz für die amerikanischen Einheiten ist ein heikles Thema.

Richters Tätigkeit ist ein Spagat. Er bewegt sich zwischen dem Beistand für die Mitarbeiter des Airports und dem Gebet der Soldaten vor dem Kampfeinsatz. Auf einen Notfall, die Versorgung von Menschen in Notlagen, kann man nicht so richtig vorbereitet sein, wie Richter sagt. Man kann nur lernen, nicht vor schwierigen Situationen zu flüchten. Dafür gibt es den Austausch der Flughafenseelsorger und internationale Konferenzen, den Konvent der Sonderseelsorger und das Airport-Assistant-Team.

Doch all das ist theoretisch. Richters tägliche Arbeit ist weit entfernt von Katastrophen. Gläubige empfangen hier den Reisesegen, es gibt Andachten, die Pfarrer führen Gespräche, geben Trost und Beistand. Die kleinen Sorgen und der Alltag, das findet eben auch am Flughafen statt, neben dem Reisetrubel. »Ein weiteres  Hauptanliegen ist die Arbeit mit den Mitarbeitern, die mit ihren Sorgen kommen, familiären Problemen, Stress bei Arbeit,« sagt Richter.

Der evangelische Pfarrer und seine katholischen Kollegen versuchen darum, es bei der Gestaltung der Kapelle nicht nur den Weltreisenden recht zu machen, sondern auch einen Ort der Ruhe für die Angestellten des Flughafens aus Leipzig und Umgebung zu schaffen. So hängen in der Kapelle derzeit Bilder von Kirchen der Stadt. An diesem Montag kommt kein Fluggast zum Gottesdienst.

Dafür will Richter zu den Mitarbeitern. Am Wochenende hatte der Pfarrer einen Trauergottesdienst für einen jung verstorbenen Angestellten des Flughafens gestaltet. Heute will er noch einmal zu den Mitarbeitern, um mit ihnen zu sprechen und ihnen beim Trauern zu helfen – trotz der Arbeit und des Zeitdrucks. Richter geht vorbei an den Leuten, die aus Düsseldorf kommen, vorbei an den Braungebrannten aus Djerba und an den Angehörigen der Urlauber aus Heraklion. 12.25 Uhr ist die Maschine angekündigt. Sie wird pünktlich landen. Heute ist so ein Tag. Flugpläne nehmen keine Rücksicht.

Stefan Ruwoldt

»Es ist ein Prozess angestoßen, der jetzt diskutiert werden kann«

17. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto:sxc.hu

Foto:sxc.hu


Der Konsultationstag am 12. Juni in Jena war ein erster Schritt zu einem gemeinsamen Finanzsystem der EKM.

Dass die Eigenverantwortung und der Verkündigungsdienst mit dem neuen Finanzsystem der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gestärkt werden sollen, stieß bei den meisten der rund 220 Teilnehmer des Konsultationstages am 12. Juni in Jena auf positive Resonanz. Von Haupt- und Ehrenamtlichen wurde die Ausgewogenheit und die Transparenz der von einer Arbeitsgruppe (AG) erarbeitete Grobstruktur gelobt. Entsprechend konstruktiv war die Atmosphäre. In Detailfragen gab es dennoch kontroverse Diskussionen.

»Gemeinschaft verpflichtet«, hatte Landesbischöfin Ilse Junkermann in ihrer Andacht zu Beginn des Tages betont. Und auch das Finanzgesetz der EKM gibt das Solidaritätsprinzip vor, zudem Subsidiarität, Transparenz und Zukunftsfähigkeit. Dabei soll es zwar ein Ausgleichen der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit geben, aber keine Gleichmacherei. »Die Eigenverantwortung und die Gesamtverantwortung müssen sich ergänzen«, heißt es im Finanzgesetz.

Ein wichtiger Punkt: Die Personalverantwortung im Verkündigungsdienst soll auf die Ebene der Kirchenkreise und -gemeinden gestellt werden. Hiefür wurde ein Stellenschlüssel erarbeitet, der nicht nur die absolute Gemeindegliederzahl in den Blick nimmt, sondern unter anderem auch den prozentualen Anteil evangelischer Christen an der Bevölkerung und die Einwohnerzahl der Gemeinden. Superintendent Martin Herzfeld aus Suhl findet diese Sichtweise interessant. So würden sowohl eher säkular geprägte Städte als auch volkskirchliche Strukturen berücksichtigt, sagte er gegenüber der Kirchenzeitung. Dass Personaldezernent Christian Frühwald davon sprach, nach dem vorgelegten Modell würden weniger Stellen im Verkündigungsdienst abgeschmolzen als es der Stellenplan der ehemaligen Landeskirchen vorsehe, rief positives Erstaunen hervor. Durch die Umstrukturierung gäbe es Einsparungen auf landeskirchlicher Ebene, so Frühwald.

Eine intensive Diskussion entspann sich um den Religionsunterricht. Hier soll der Pflichtstundenanteil für Pfarrer wegfallen und der ­Kirchenkreis Personalverantwortung übernehmen. Hanfried Victor, Schulbeauftragter im Thüringer Nord-West-Bereich, fürchtet, dass hier eingespart werden könnte, wenn der Kirchenkreis entscheide, was ihm wichtig ist. »Wir unterrichten bis zu 3500 Religionsschüler regelmäßig. Wie erreichen wir in dieser Kontinuität sonst so viele junge Menschen?« Der Stendaler Superintendent Michael Kleemann, Mitglied der AG, betonte, dass natürlich zwischen Landeskirche und Ministerien weiter verhandelt werden müsse.

Der Konsultationstag in Jena war ein erster Schritt hin zu einem gemeinsamen Finanzsystem. Stefan Große betonte zum Schluss noch einmal, dass nur eine Grobstruktur vorgelegt wurde. Die Vorlage soll nun zeitnah in die Gemeinden gehen, und die Arbeitsgruppe wird sich über ein geeignetes Stellungnahmeverfahren einigen. »Ich bin optimistisch«, sagte er gegenüber »Glaube+Heimat«. Auch der Geraer Propst Hans Mikosch zeigte sich zufrieden: »Es ist ein Prozess angestoßen, der jetzt diskutiert werden kann.«

Dietlind Steinhöfel

Grüne Oase an der Burg

17. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Nicht nur das Tor  zum Evangelischen  Tagungs- und Freizeitheim in Schönburg steht einladend weit  offen. Gleich neben dem Pfarrhaus (Foto) und der Kirche befindet sich das 1985 fertig- gestellte Haus. Foto: Torsten Biel

Nicht nur das Tor zum Evangelischen Tagungs- und Freizeitheim in Schönburg steht einladend weit offen. Gleich neben dem Pfarrhaus (Foto) und der Kirche befindet sich das 1985 fertig- gestellte Haus. Foto: Torsten Biel


Tagungs- und Freizeitheim in Schönburg besteht seit 25 Jahren.

Vorsichtig lässt Julia die Blumenmotive und Schmetterlingsbilder in den Schöpfrahmen gleiten. »Das soll ein Papier mit einer Wiese werden«, erklärt die Zehnjährige. Gemeinsam mit ihren Klassenkameraden aus Tröglitz bei Zeitz absolviert sie einen Kurs im Papierschöpfen. Für die 33 Kinder ist es zugleich die Abschlussfahrt in ihrer Grundschulzeit. Untergekommen sind sie im Evangelischen Freizeit- und Tagungsheim Schönburg bei Naumburg.

Seit 25 Jahren besteht die Einrichtung gegenüber der gleichnamigen Burg. Das Haus wurde 1985 im Rahmen eines Bauprogramms mithilfe von Spenden westdeutscher kirchlicher Mitarbeiter an das Pfarrhaus gebaut und bildet zusammen mit der Kirche ein ziemlich einmaliges Ensemble hoch über der Saale. »Damals«, erzählt Hausleiter Michael Vetter rückblickend, »ist es von vielen als Prunkbau abgetan worden, weil das Niveau angeblich zu hoch gewesen ist.« Inzwischen hat sich das längst relativiert. Das Tagungshaus mit seinen 85 Plätzen verfügt über einen mittleren Standard, es gibt Einzel- und Doppelzimmer mit Dusche, aber auch Mehrbettzimmer mit einem Waschbecken. Zuletzt ist der gesamte Innenbereich renoviert worden. Neben viel Holz dominiert ein freundliches Gelb. »Die Gruppen wissen die Atmosphäre zu schätzen«, sagt der Leiter.

Bis 1998 hat die Kirchenprovinz Sachsen das Haus geführt. Danach ist es in die Selbstständigkeit entlassen worden. Heute trägt das Freizeitheim ein Verein, zu dem neben den Kirchenkreisen Naumburg-Zeitz, Merseburg und Halle-Saalkreis auch Bündnis90/Die Grünen zählen. Zwar sind die Belegungszahlen in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen. Dennoch ist der Leiter mit einer Auslastung von etwa 50 Prozent zufrieden. Derzeit zählen die Verantwortlichen 12.000 bis 13.000 Übernachtungen im Jahr. »Natürlich könnten es mehr sein«, wünscht Michael Vetter. Aber gerade an den gefragten Wochenenden stoßen die Verantwortlichen schon jetzt an die Grenzen.

Grenzenlos erscheint dagegen das Außengelände. Auf dem knapp fünf Hektar großen Grundstück gibt es nicht nur reichlich Platz unter Büschen und Bäumen, sondern auch einen Irrgarten, den Theaterplatz und einen Abenteuerspielplatz. »So langsam«, äußert der Hausleiter zufrieden, »sieht man, was sich der Gartengestalter 1996 beim Anlegen gedacht hat.« Auch die Gruppen profitieren davon. Zudem unterbreitet das Freizeitheim die passenden thematischen Angebote. So gibt es ein ökologisches Programm vom Korn zum Brot ebenso wie eines zum Thema Kreislauf des Wassers.

Gerade Grundschulklassen aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen greifen gerne auf diese Möglichkeiten zurück. »Das Haus ist wirklich ideal«, findet Heike Mengel, Klassenlehrerin aus Tröglitz. Die Kinder könnten viel in der Natur erleben und zudem habe die Einrichtung ein interessantes Programm mit Besuch auf der Schönburg, Nachtwanderung, Waldspaziergängen und Kreativkursen zusammengestellt.

Aber nicht nur Schulgruppen kommen heute nach Schönburg. Auch zahlreiche Gemeinde- und Jugendgruppen, Behinderten- und Seniorenfreizeiten machen hier Station. Zudem hat sich das Haus verstärkt für nichtkirchliche Gruppen geöffnet. »Unser Plus«, so der Hausleiter, »ist zweifellos die Region. Naumburg, Freyburg und Schulpforte liegen faktisch um die Ecke und das Weinanbaugebiet an Saale und Unstrut ist ebenfalls ein Besuchermagnet. »Wer einmal hier war«, zeigt sich der Hausleiter überzeugt, »kommt immer gerne wieder.«

Martin Hanusch

Lebendiges Wasser verbindet

17. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Werratal-Tag: Breitungen war Gastgeber für eine ganze Region.

Sie entspringt in rund 800 Metern Höhe im Thüringer Schiefergebirge, schlängelt sich in vielen Bögen durch zauberhafte Landschaft in nordwestlicher Richtung, um nach etwa 300 Kilometern und knapp 700 Meter tiefer zusammen mit der Fulda zur Weser zu werden – die Werra, Grenzfluss und ­Lebensader zugleich.

Als Vertreter der Kirchengemeinde Barchfeld war Lucas Weitz mit der gefüllten Taufkanne seiner Heimatgemeinde zum Gottesdienst gekommen. Jörg Bräuning präsentierte nicht nur die Wernshäuser Taufkanne. Mit seiner Flößertracht erinnerte der Kirchenälteste auch an die Flößertradition auf der Werra. Foto: Wolfgang Swietek

Als Vertreter der Kirchengemeinde Barchfeld war Lucas Weitz mit der gefüllten Taufkanne seiner Heimatgemeinde zum Gottesdienst gekommen. Jörg Bräuning präsentierte nicht nur die Wernshäuser Taufkanne. Mit seiner Flößertracht erinnerte der Kirchenälteste auch an die Flößertradition auf der Werra. Foto: Wolfgang Swietek

Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich still und leise. Und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.« Das beliebte Kirchenlied singen die Besucher während des Gottesdienstes im großen Festzelt an der Salzunger Straße in Breitungen. Mit dieser Begegnung fügten sich die Christen der Werragemeinde nicht nur in das umfangreiche Programm des Werratal-Tages ein, der am vergangenen Wochenende viele Besucher nach Breitungen lockte, auch thematisch nahm der Gottesdienst das Anliegen dieses Treffens auf. »20 Jahre grenzenloses Werratal – Ein Fluss verbindet …« hatten sich die Fluss-Anlieger als Thema gewählt, die aus Thüringen und auch die von »jenseits« der innerdeutschen Grenze.

Berührungsängste kennt man in Breitungen ohnehin nicht und praktischer Sinn kennzeichnet das Zusammenleben. Aus den Ortsteilen Herrenbreitungen, Frauenbreitungen und Altenbreitungen bestehend und auf beiden Flussseiten liegend, gibt es hier beispielsweise seit Jahrhunderten zwei evangelische Kirchengemeinden. Die eine davon in Herrenbreitungen mit Pfarrer Wolfgang Schulte ist Teil der Kirchenprovinz Kurhessen-Waldeck, während die evangelischen Christen von Altenbreitungen und Frauenbreitungen mit Pfarrer Stephan Koch zur einstigen thüringischen Landeskirche, jetzt EKM, gehören. Beim Festgottesdienst feierten sie selbstverständlich gemeinsam.

»Beeindruckend, wie wichtig dieser Fluss für uns Menschen ist. Sein lebendiges Wasser verbindet uns, die wir an den Ufern leben. Gemeinsam feiern wir, aber auch das gleiche Schicksal müssen wir teilen, wenn der Fluss bei Hochwasser über die Ufer tritt«, so Pfarrer Stephan Koch in seiner Predigt. Wasser sei das wichtigste Lebensmittel. »Gott sei Dank leben wir in einem Land«, so Stephan Koch, »in dem wir nur den Hahn aufdrehen müssen, und das Wasser sprudelt.« In vielen Regionen der Welt sei dies jedoch nicht so.

Zugleich erinnerte er an die Geschichte, aus der überliefert sei, wie heftig die eigenen Brunnen als Grundlage allen Lebens verteidigt wurden. Und er spannte den Bogen hin zur liturgischen Bedeutung des Wassers bei der Taufe. »Im Zeichen des Wassers wäscht Gott die Sünde ab«, sagte Pfarrer Stephan Koch.

Mit Taufkannen hatten Vertreter von fünf Kirchengemeinden »lebendiges Werrawasser« mitgebracht, das sie dann symbolhaft in einem Gefäß vereinten, um ihre Gemeinsamkeit zu demonstrieren. Jörg Bräuning (Wernshausen), Dorothea Raatz (Mila), Traude Pfaff (Alten- und Frauenbreitungen), Dieter Leyh (Herrenbreitungen) und Lucas Weitz (Barchfeld) hatten diese Aufgabe im Auftrag ihrer Kirchengemeinden übernommen.

Auch am Sonntagnachmittag waren die Breitunger Christen beim Werratal-Tag präsent und beteiligten sich mit je einem selbstgebauten Gefährt an der Gaudifloßfahrt auf der Werra, setzten sozusagen das Kirchenlied »Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt« ins Bild. Die beiden Pfarrer Wolfgang Schulte und Stephan Koch gingen dabei selbst mit aufs Wasser, hatten als Kapitäne das Steuer fest in der Hand.

Leider listet der Flyer zum Werratal-Tag, der schon Wochen zuvor überall entlang des Flusses in öffentlichen Gebäuden und Touristinformationen auslag, die Aktivitäten der Kirchengemeinden nicht auf. Das Programm am Sonntag beginnt erst um 10 Uhr mit dem Spiel des Puppentheaters Meiningen. Der beeindruckende Festgottesdienst bleibt unerwähnt. Um so erfreulicher, dass trotzdem viele Besucher am Sonntagmorgen den Weg ins Festzelt fanden, um den ganz auf diesen Tag zugeschnittenen Gottesdienst miteinander zu feiern.

Wolfgang Swietek

Mit Gebeten jonglieren

17. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

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Ein großes Würfelspiel auf dem Fußboden führt durch das Kirchenjahr. Foto: Martina Petter

Ein großes Würfelspiel auf dem Fußboden führt durch das Kirchenjahr. Foto: Martina Petter


Rund 1.100 Kinder erlebten den Schülerkirchentag in Walterhausen.

Zwei, drei, vier orangefarbene Bälle wirbeln in der Luft. Mr. Joy alias Karsten Strohäcker jongliert mit ihnen und erzählt dabei, wie Jesus Christus das Gesicht unserer Welt veränderte – zu den orangefarbenen Bällen kommt ein grüner hinzu. Jonglierend vermittelt der Kleinkünstler, Illusionist und Artist die Geschichte Jesu von der ­Geburt bis zur Kreuzigung und ­Auf­erstehung. Schwungvoll hebt er das Bein, wirft den Ball unter dem Knie nach oben – will sagen: Jesus heilte Gelähmte, sodass sie wieder laufen konnten. Die Kreuzigung – Mr. Joy beugt sich nach vorn, breitet die Arme aus, den grünen Ball im Nacken. Jesus ist auferstanden – schwupp, der Ball springt nach vorn, Mr. Joy steht aufrecht und lässt die Bälle in der Luft tanzen.

Das Publikum dieser faszinierenden Show sind 1100 Kinder aus dem Kirchenkreis Waltershausen-Ohrdruf, die am 11. Juni zum Schülerkirchentag ins Freizeitzentrum Gleisdreieck in Waltershausen gekommen sind. Zum zweiten Mal veranstaltet der Kirchenkreis einen Schülerkirchentag für Schülerinnen und Schüler des Ethik- und  Religionsunterrichts der Klassen 1 bis 6. Beim ersten vor zwei Jahren seien 600 Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern gekommen, erzählt ­Superintendent Andreas Berger und freut sich, dass diesmal fast doppelt so viele der Einladung gefolgt sind. Die Kinder kommen aus 17 Schulen, von Förder-, Grund- und Regelschulen bis zu Gymnasien seien alle Typen vertreten, so Berger. 60 Prozent aller Schüler dieser Altersklasse des Kirchenkreises seien dabei.
Die Vorbereitung und Durchführung des Schülerkirchentages sei eine logistische Herausforderung gewesen, sagt ­Berger und führt das Engagement von 150 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern an.

Nach der Einstimmungsrunde mit Mr. Joy warten in der großen Eissporthalle 50 Workshops auf die Kinder. Hier geht es um den Psalm 139, dort um die Geschichte vom Zöllner Zachäus. Auf einem Tisch liegen mehrere mit Kräutern gefüllte Stoffbeutel zum Hineinfassen, Fühlen und Riechen. Ein Würfelspiel führt eine Gruppe durch das Kirchenjahr. Ein weiterer Workshop widmet sich dem Thema Streit und Versöhnung.

Drei Mädchen haben sich an den Händen gefasst, sie rennen durch die Halle und rufen: »Ja, wir gehen schminken.« Doch wer jetzt denkt ­»typisch Mädchen«, irrt. Denn nicht nur am Schminktisch stehen Mädchen Schlange, sie interessieren sich auch für alte Fotoapparate, Röhren aus Fernsehern und Radios sowie Schaltpläne. An mehreren Ständen können die Kinder entdecken, wie es früher einmal war, bevor das digitale Zeitalter anbrach. Attraktiv für Jungen? Weit gefehlt. Vor allem Mädchen scharen sich um den Tisch mit elektrotechnischen Utensilien und wollen wissen, wie die Vorläufer von Handy und Computer funktionierten.

Zum Abschluss versammeln sich die Schülerinnen und Schüler wieder vor der Bühne. Sie empfangen den ­Segen und erleben noch einmal Mr. Joy, wie er, mit den Bällen jonglierend, die biblische Botschaft vermittelt. Sogar das Vaterunser kleidet er in eine Jonglage.

Sabine Kuschel

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