Fit für viele Aufgaben
3. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Beim Einsetzen der Speichen in die kleinen Räder beweisen Mitarbeiter der Werkstatt für Behinderte täglich Fingerspitzengefühl. Unternehmer aus der Region Dessau-Roßlau informierten sich über die Arbeit in der diakonischen Einrichtung. Foto: Klaus-Peter Voigt
Dessau-Roßlau: Behinderte Menschen stellen Kinderfahrräder her.
Genau 300 Kinderfahrräder verlassen am Tag die Dessauer Werkstatt. Pink, rosa und blau glänzen die Drahtesel, die europaweit vertrieben werden. Elf Modelle gehören gegenwärtig zum Sortiment. Alle haben eines gemeinsam: Sie werden von behinderten Menschen gefertigt. Alle zeigen sich fit für solche Aufgaben, fügen Speichen in die Räder ein, schweißen die Rahmen und montieren schließlich die Fahrzeuge für Mädchen und Jungen.
Die Überraschung auf den Gesichtern der Unternehmer aus der Region Dessau-Roßlau war deutlich, die kürzlich die Anerkannte Werkstatt für behinderte Menschen besuchten. Viele von ihnen erhielten zum ersten Mal Einblicke in die Tätigkeit einer solchen Einrichtung. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) hatte zur Besichtigungs- und Informationstour eingeladen. Kreisgeschäftsführer Frank Malitte lobte dabei das Engagement der Diakoniegesellschaft Wohnen und Arbeiten. »Es war beeindruckend zu sehen, mit wie viel Einsatz und Feingefühl die Beschäftigten während der ganzen Woche betreut werden. Sie erhalten auf diese Weise die Chance auf ein möglichst selbstbestimmtes Leben«, sagte er.
Das war auf Schritt und Tritt spürbar. Keine bloße Beschäftigung – statt dessen sinnvolle Arbeit und moderne Technik. 270 behinderte Menschen fanden in den Dessauer Werkstätten ihre Erfüllung. »Die Wurzeln unseres Hauses reichen bis in das Jahr 1987 zurück«, erklärte Leiter Dirk Rödiger, der vom ersten Tag an die Fäden in der Hand hält. Das Konzept weiche von dem anderer Werkstätten ab. Man habe sich für eine dezentrale Lösung entschieden, sei an acht Standorten in der Stadt präsent. Eine Schilder- und eine Kfz-Werkstatt finden sich dort ebenso wie eine Wäscherei. Zudem gehört die Herstellung von Transportkisten zu den Aufgabenfeldern und natürlich die Fahrradfertigung.
Diese kleinteilige Struktur schafft ein fast familiäres Klima, ist zur Philosophie der Werkstatt in Dessau-Roßlau geworden. Damit könne man auf die unterschiedlichen Möglichkeiten und Fertigkeiten der Beschäftigen am besten eingehen, erklärte Dirk Rödiger. Schulabgänger durchlaufen zuerst einen Berufsbildungsbereich, um ihre individuellen Vorlieben festzustellen und damit den künftigen Einsatz optimal vorzubereiten. Zunehmend kommen Menschen mit psychischen Problemen in die Werkstatt. Ihr Anteil beträgt inzwischen fast ein Fünftel.
Alle Mitarbeiter sollen spüren, dass sie im Alltag gebraucht werden und eine sinnvolle Aufgabe haben. Für sie stehen klare Tagesstrukturen ganz oben. Denn wer unter seelischen Belastungen leide, stehe dabei ohne fremde Hilfe dabei vor einer fast unlösbaren Aufgabe.
Klaus-Peter Voigt







Ein wirklich gute Idee. Vielleicht sollten Sie in dem Artikel noch ergänzen, wo diese Räder zu beziehen sind. Wir hätten mit Sicherheit Interesse an dieser Art Kinderfahrräder. Solche guten Ideen sollten von Wirtschaft und Einzelpersonen unbedingt gefördert werden.
Vielen Dank für den Hinweis. Die Fahrräder aus der Dessauer Behindertenwerkstatt sind im Fachhandel und unter dem Label PUKY im Internet erhältlich.