Kein Vorbild

3. Juni 2010 von redaktionguh  
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Das hat es noch nicht gegeben: Weil er den Respekt vor dem höchsten Staatsamt vermisste, ist Horst Köhler am vergangenen Montag als Bundespräsident zurückgetreten. Vor allem die Kritik nach dem Interview zum  Afghanistaneinsatz hat ihn wohl so getroffen, dass er keinen anderen Ausweg sah. Mit diesem Paukenschlag mag er für sich die Konsequenz gezogen haben, der Bundesrepublik hat er damit keinen guten Dienst erwiesen. Der Rücktritt stürzt das Land in eine neue Verlegenheit. Offensichtlich hat Horst Köhler weder in der Politik noch in seiner Kirche oder im Glauben einen notwendigen Rückhalt gefunden. Auch das gibt zu denken.

Foto: Dariusz Rompa, sxc.hu

Foto: Dariusz Rompa, sxc.hu

Sein Schritt lässt zudem aus einem anderen Grund aufhorchen. Nach Margot Käßmann und Roland Koch ist dies bereits der dritte Rückzug eines Spitzenrepräsentanten von allen Ämtern. Doch anders als bei der früheren EKD-Ratsvorsitzenden, die das Amt durch ihre Alkoholfahrt beschädigt sah und um ihre Glaubwürdigkeit fürchtete, und dem hessischen Ministerpräsidenten, der aus persönlichen Gründen seinen Rückzug angekündigt hat, wirkt Köhlers Abgang wie eine Flucht. Gerade in der derzeitigen Situation hätte er im Amt bleiben müssen. Zudem ist die Debatte um den Krieg in Afghanistan keineswegs ausgestanden. Von der Lage auf den Finanzmärkten einmal ganz abgesehen. Gerade hier wäre der frühere Banker und Chef des Internationalen Währungsfonds weiter gefragt gewesen.

Schließlich: Wie sollen in den Städten und Gemeinden Bürger gefunden werden, die sich politisch engagieren und Verantwortung übernehmen sollen, wenn der oberste Repräsentant schon bei leichtem Gegenwind davonläuft? Was gibt ein Präsident, der gerade in der Bevölkerung sehr beliebt war, hier für ein Vorbild ab? Die Bürger erwarten zu Recht, dass ein Politiker oder Quereinsteiger, der ein solches Amt übernimmt, sie auch in schweren Zeiten nicht im Stich lässt. Mit seinem Rücktritt hat Horst Köhler selbst den Respekt vor dem Amt vermissen lassen.

Martin Hanusch

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