Schöne Orte zum Verweilen
3. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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In Sachsen-Anhalt stehen am nächsten Wochenende die 40 »Gartenträume«-Parkanlagen für Besucher offen. Mit dabei ist auch das Kloster Drübeck, das erst kürzlich ein Labyrinth (Foto) neu eröffnet hat. Daneben lohnt ein Abstecher in die historischen Gärten an der Klosterkirche. Am 12. Juni gibt es zudem abends ein Jazzkonzert und am 13. Juni einen Sonderführung zu besonderen Bäumen und Gehölzen der Umgebung. Foto: Frank Drechsler
Offene Gärten: Die Kirche hat auch in dieser Beziehung einiges zu bieten.
Pfarr- und Klostergärten haben oft einen besonderen Charme. Einige davon laden am Tag der Offenen Gärten in Thüringen und am Tag der Parks und Gärten in Sachsen-Anhalt zur Besichtigung ein.
Umschlossen von altem Gemäuer und Efeu liegt der Klostergarten neben dem Renaissancehof des Erfurter Augustinerklosters. Durch die Spitzbogenfenster der Kirche hört man Choralgesang. Die Schwestern vom Casteller Ring, einer evangelischen Kommunität, sind gerade beim Mittagsgebet. Petra Stangenberger macht sich am Kräuterbeet zu schaffen. Am 13. Juni soll die Pforte nicht nur den Schwestern und Hausgästen offen stehen, sondern jedem, der am Tag der Offenen Gärten den Weg hierher findet. Bis dahin wird der üppige Rosenbusch im buchsbaumgesäumten Wegekreuz so verschwenderisch blühen und duften, wie es nur alte Sorten können.
Seit fünf Jahren betreut die studierte Gartenbauingenieurin diesen besonderen Ort, der mit seiner Gestaltung und Pflanzenauswahl an mittelalterliche Klostergärten erinnert, ohne sie zu kopieren. Hier wachsen Blumen für den Altarschmuck, vergessenes Wissen um die Heilkraft der Kräuter wird weitergegeben, auf den steinernen Bänken lässt sich Fliederduft und Ruhe atmen, das Auge freut sich am Zusammenklang von Architektur und frischem Grün. Wer am Tag der Offenen Gärten hier ist, kann von 11 bis 17 Uhr Kräuter verkosten, mit Waid färben und bei Führungen dazulernen. Im nächsten Jahr soll auf dem weitläufigen Klostergelände auch ein Bibelgarten zu sehen sein.
Allein 15 Kirchen-, Kloster- und Pfarrgärten sind bei den 235 Thüringer Gärten dabei, die interessierte Besucher in diesen Wochen willkommen heißen. Viele tun es zum wiederholten Mal wie der romantische Himmelsgarten in Orlamünde, der weitläufige Pfarrgarten in Mühlberg oder der historische Herdergarten in Weimar. In Sachsen-Anhalt will das Kloster Drübeck am Tag der Parks und Gärten »Lust am Garten« machen.
Die Vorbereitung für solche Tage ist arbeitsintensiv. Kundige Ansprechpartner, vielleicht Musik oder Ausstellungen müssen organisiert werden. Immer größer werdende Pfarrbereiche lassen den Amtsinhabern wenig Spielraum für Zusätzliches. Da ist eine konzertierte Aktion vieler Mithelfer nötig, damit sich der Pfarrgarten einladend öffnen kann.
Viele werden staunen über alten Baumbestand, reizvolle Nebengebäude, das Zusammenspiel historischer Mauern und bunter Blumenpracht. Da wäre sicher noch mancher Pfarrgarten sehenswert, den die Veranstalter noch nicht im Blick hatten oder die Bewohner noch nicht ins Spiel gebracht haben. Zehn Jahre ist es her, seit die aus England kommende Idee der Open Gardens in Thüringen Fuß gefasst hat. Immer mehr Städte und Regionen haben sich dem Vorreiter Weimar angeschlossen und eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Seit drei Jahren sind auch Mühlhausen und Umgebung mit von der Partie.
Das Plakat der Aktion hängt am Tor des Pfarrhauses in Bollstedt. Letzten Sonntag hat es den schönen Blick in Hof und Garten freigegeben, der sich mit Pavillon und Baumhaus weit hinzieht und an der Unstrut endet. In der breiten Tordurchfahr saßen Gartenfreunde an der Kaffeetafel, fachsimpelten, fragten und interessierten sich auch für Geschichte und Gemeinde. Um die 150 Besucher bestaunten den hölzernen Laubengang und das sorgfältig restaurierte Fachwerk im gepflasterten großen Innenhof. Die mächtige Kastanie blüht gerade. Am Laubengang klettern Geißblatt, Clematis und Echter Wein. Überall wachsen Funkien und Geranien in Kübeln, stehen Fundstücke aus der Scheune, die nicht mehr zu retten war.
Irdene Gefäße, die kleinen und großen Keramikkugeln und getöpferten Ampeln, hat die Frau von Pfarrer Matthias Reißland selbst gemacht. Überall ist ihre künstlerische Hand und sein praktischer Sinn zu spüren. 20 Jahre lang haben sie gemeinsam mit vielen anderen das desolate Anwesen saniert und für Gemeindegruppen geöffnet. Inzwischen sind im Pfarrgarten ihre drei Söhne groß geworden und ein kleiner Schössling aus der Dachrinne der Kirche zu einem stattlichen Baum herangewachsen. Offensichtlich fühlen sich im Bollstedter Pfarrgarten Pflanzen und Menschen wohl.
Christine Lässig






