Kirche für junge Leute
17. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Jugendliche kommen nach der Konfirmation nicht automatisch weiter zur Kirche. Angebote wie die »Jugendkirche« in Weimar haben eine wichtige Funktion. Am 4. Juni wurde Pfarrerin Dorothea Knetsch (links) als Jugendpfarrerin für dieses Projekt eingeführt. Foto: Maik Schuck
Kirchengemeinden entwickeln Angebote für Konfirmierte.
»Für mich war die Konfirmation ziemlich toll, weil es ein schöner Gottesdienst war und man jetzt zu den Erwachsenen gehört«, sagt Sandra Märtin, die kürzlich in Weimar konfirmiert wurde. Wie sie empfinden viele Konfirmierte, sie sprechen von ihrer Konfirmation als einem schönen Fest, auch weil sie nun nicht mehr als Kinder angesehen werden. Dass sie mit der Konfirmation zum Beispiel ein Patenamt übernehmen kann, ist darüber hinaus für Debora Schurig, ebenfalls aus Weimar, wichtig. Für sie steht fest: »Ich werde auch weiter regelmäßig die Kirche besuchen, da mir in der Konfizeit erst richtig klar geworden ist, was sie bedeutet.« Nicht für alle jungen Leute ist es selbstverständlich, auch nach der Konfirmation den Kontakt zur Kirche zu halten.
Damit die Integration in die Gemeinde gelingt, sei es wichtig, dass Konfirmanden frühzeitig Kontakt zur Jungen Gemeinde (JG) haben, nicht erst nach der Konfirmation, betont Stephan Grötzsch, Pfarrer in Coswig im anhaltischen Kirchenkreis Zerbst. In Coswig gebe es deshalb monatlich ein gemeinsames Treffen von Konfirmanden und Junger Gemeinde, erzählt er. Ebenso würden Mitglieder der JG mit zu den Konfirmandenrüstzeiten fahren, sodass sie einander kennenlernen.
Auch in Zieko, ebenfalls in der Landeskirche Anhalts, treffen sich die Konfirmanden der 7. und 8. Klassen sowie Konfirmierte regelmäßig. Ein Angebot, das gut angenommen wird, sagt Pfarrer Dankmar Pahlings.
Neben den Begegnungen zwischen den noch nicht und den schon Konfirmierten sei es wichtig, dass sich die jungen Leute ausprobieren, dass sie mitgestalten und Verantwortung übernehmen, so die Erfahrung von Micha Hofmann, Kreisjugendreferent im Kirchenkreis Mühlhausen. Eine Möglichkeit dazu biete die Jugendleitercard, eine Fortbildung für die Arbeit in der Kinder- und Jugendarbeit. Zudem gibt es in Mühlhausen eine Jugendkirche, an deren Veranstaltungen die Jugendlichen mit beteiligt seien. So werde beispielsweise monatlich zu einem von ihnen vorbereiteten Jugendgottesdienst eingeladen.
Die Konfirmanden der Weimarer Kirchengemeinden werden jedes Jahr nach der Konfirmation zu einer Après-Konfiparty eingeladen, die in diesem Jahr am 4. Juni gefeiert wurde. Auch Weimar hat eine Jugendkirche. Die Johanneskirche wurde für das Projekt umfunktioniert. Bisher werde einmal jährlich zur Jugendkirche eingeladen, zu der Lagerfeuer, gemeinsames Kochen und Kirchenschlaf angesagt seien, erläutert Dorothea Knetsch, die neue Kinder- und Jugendpfarrerin. Im Rahmen der Après-Konfiparty war sie in dieses Amt eingeführt worden. Sie sehe ihre Aufgabe darin, das Projekt Jugendkirche weiter voranzubringen.
Die Jugendkirche solle ein Treff für junge Leute mit verschiedenen Angeboten werden, jedoch nicht in Konkurrenz treten zu der bestehenden guten Jugendarbeit in den Weimarer Gemeinden, betont die Pfarrerin. Dieses Anliegen ist ganz in Deboras Sinn, denn sie wünscht sich, dass die JG in der Kirchengemeinde erhalten bleibt. Das findet auch Sandra Märtin. Sie sagt: »Ich finde es super, dass es so was wie die Junge Gemeinde gibt.«
Sabine Kuschel
Bleibt die Kirche im Dorf?
17. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Damit die Kirche im Dorf bleiben kann, müssen sich möglichst viele engagieren. Eine Umsetzung kommt jedenfalls kaum in Betracht – eine Ausnahme machte hier lediglich die Kirche im sächsischen Heuersdorf, die vor zweieinhalb Jahren mit einem Spezialtransporter nach Borna gefahren wurde. Foto: epd-bild
Sachstand: Die EKD hat das Thema »Kirche in der Fläche« auf die Agenda des Reformprozesses gesetzt.
Der Strukturwandel stellt die Kirche im ländlichen Raum vor einige Probleme. Personal- und Geldmangel sowie Gemeindezusammenlegungen machen sich hier stärker bemerkbar als in den Städten. Aber es gibt auch Chancen für neue Ansätze.
Pfarrer Wolfram Kummer ist Realist. »Die Gemeinden«, sagt der Theologe aus dem thüringischen Gefell, »kommen bei all den Strukturveränderungen nicht mehr mit.« Er muss es wissen. Seit elf Jahren versieht der Pfarrer gemeinsam mit seiner Frau im Süden des Kirchenkreises Schleiz an der Grenze zu Bayern seinen Dienst. Der Pfarrbereich ist seither immer größer geworden. Statt einer Kleinstadt und einem Dorf ist das Pfarrerehepaar heute für sieben Dörfer sowie die Kleinstädte Gefell und Hirschberg mit insgesamt 1.860 Gemeindegliedern zuständig.
Durch die Strukturreformen mussten sie zudem ihre Arbeitsweise umstellen. Ein Regionalbeirat mit dem Nachbarpfarramt hat sich gebildet, in dem die Termine abgestimmt werden. Konfirmandenarbeit und Christenlehre sind jeweils für Stadt und Land gebündelt. Und es gibt gemeinsame Gottesdienste zu Himmelfahrt und am Pfingstmontag. »Ansonsten werden Regionalgottesdienste kaum angenommen«, weiß Kummer aus Erfahrung. Zudem sieht er wenig Bereitschaft, mit anderen Gemeinden zusammenzuarbeiten. Schon in den Gemeindekirchenräten gelinge es kaum, Verständnis für die Regionalisierung zu wecken. »Die Menschen in unserer volkskirchlich geprägten Gegend definieren sich über die eigene Gemeinde und den eigenen Kirchturm«, ist der Pfarrer überzeugt.
Dabei spürt er die Folgen des demografischen Wandels bereits jetzt deutlich. »Die alten Gemeindeglieder sterben und die jungen ziehen in die Speckgürtel von München und Stuttgart.« Das entspricht der allgemeinen Entwicklung. Jedes Jahr verliert die mitteldeutsche Kirche (EKM) rund 20.000 Mitglieder. In den nächsten Jahren wird sich der Trend wohl fortsetzen. So geht das Statistische Landesamt in Sachsen-Anhalt von einem Bevölkerungsrückgang bis 2025 von 25 Prozent aus. Auch in Thüringen rechnet das Landesamt mit sinkenden Zahlen gerade in strukturschwachen Regionen.
Die EKD hat schon vor geraumer Zeit erkannt, dass der Wandel auf dem Land gestaltet werden muss. Nun soll das Thema »Kirche in der Fläche« eine hohe Priorität im angestoßenen Reformprozess erhalten. Am 21. Juni sind Landpfarrer erstmals zu einem Erfahrungsaustausch eingeladen. Um Wünsche, Visionen und Beschwernisse soll es dabei ebenso gehen wie um eine Möglichkeit, Perspektiven einer »neuen Landlust« anzusprechen.
Nachholbedarf gibt es hier auch in der mitteldeutsche Kirche. »Die Herausforderung besteht darin«, sagt Christian Fuhrmann, Gemeindereferent im EKM-Kirchenamt, »wie wir regionale Voraussetzungen schaffen, die ein lebendiges Gemeindeleben ermöglichen.« Einen Ansatz sieht er in der stärkeren Zusammenarbeit mit den Vereinen und Verbänden in den Dörfern. Zu oft sei die Erfahrung für die Mitarbeiter vor Ort entmutigend, räumt der Theologe ein.
Noch wehren sich die Verantwortlichen, von einem Rückzug aus der Fläche zu sprechen. Doch faktisch wird das Netz von Pfarrern und kirchlichen Mitarbeitern schon jetzt immer großmaschiger. Für Fuhrmann kann das nur eines bedeuten: »Wir müssen das Ehrenamt stärken und den Mitarbeitern mehr Wertschätzung entgegenbringen.« Genau das vermisst jedoch der Pfarrer im thüringischen Gefell, er fühlt sich auch ein Stück weit alleingelassen. »Wenn man nicht aufpasst, ist man schnell am Ende seiner Kräfte.«
Wunderdinge versprechen sich Pfarrer von dem Treffen nicht, wohl aber Anregungen für die eigene Arbeit. So gibt es in Kirchheilingen (Kirchenkreis Mühlhausen) bereits seit zehn Jahren eine starke regionale Zusammenarbeit. Das beginnt mit einem Teampfarramt und hört beim »Chor der Generationen« sowie den Emmauskursen nicht auf. »Das Thema brennt mir unter den Nägeln«, sagt Pfarrerin Magdalena Wohlfahrt, die ein Kirchspiel von sieben Dörfern und 1.300 Gemeindegliedern mit betreut und zudem für die Regionalarbeit zuständig ist. Sie plädiert für einen Perspektivwechsel und neue Formen in der Gemeindearbeit, vor allem mit Kindern. So seien gerade jüngere Familien trotz der verbreiteten Entkirchlichung durchaus für den Glauben ansprechbar. »Das macht neue Hoffnung, da müssen wir ansetzen.«
Martin Hanusch
Fußball-Religion
17. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Foto: Stephanie Berghaeuser, sxc.hu
Das Stoßgebet scheint ins Fußballstadion zu gehören wie das runde Leder selbst. Die Mannschaft, für die sein Herz schlägt, unterstützt der Fan mit allem, was ihm zur Verfügung steht: Gesang, Rufen, zur diesjährigen WM vor allem Tröten – aber auch beten. Zu wem aber? Zum Fußballgott, der vor allem den Sportreportern ein gern zitierter Gast ist? Aber: Wer ist das eigentlich? Hat jede Mannschaft ihren eigenen Fußballgott? Oder muss der sich entscheiden zwischen den Fans? Vielleicht für diejenige Mannschaft, deren Anhänger am meisten beten? Die zum Himmel flehenden Hände und Blicke auf den Zuschauertribünen sind schon merkwürdig anzusehen. Und das Reden vom Fußballgott ist noch merkwürdiger.
Doch irgendwie rührt es auch an. Die Atmosphäre der Fußballweltmeisterschaft hat etwas Religiöses. So jedenfalls sieht es der Soziologe Robert Gugutzer von der Sport-Uni in Frankfurt am Main. Es würden religionsähnliche Symbole gezeigt, Reliquien getragen, Rituale praktiziert, wird der Wissenschaftler zitiert. Gugutzer beurteilt die immer beliebter werdenden Übertragungen auf Plätzen und in Sälen als ein Bedürfnis nach Gemeinschaft, nach etwas, das über den Alltag hinausgeht.
Die Fans kommen an Orten zusammen, wo Menschen miteinander feiern, bangen, sich freuen – und auch jubeln und singen, wenn ein Tor fällt. Ein bisschen wie Kirchentag, ein bisschen wie Gottesdienst. Nur dass der »Fußballgott« nach der WM wieder verschwindet – bis zum nächsten Großereignis.
Dass viele Kirchengemeinden sich in das sogenannte Public Viewing einklinken, ist da nur konsequent. Sie vereinen in ihren Pfarrgärten oder -scheunen fußballbegeisterte Menschen, bieten ihnen fröhliche Gemeinschaft für kurze Zeit. Und sind hoffentlich dabei so einladend, dass der eine oder andere Fußballfan auch nach der WM gern wieder in den Pfarrgarten oder das Gemeindehaus kommt und sich hier zugehörig und wohl fühlt. Und vielleicht lernt er so auch den lebendigen Gott kennen.
Dietlind Steinhöfel
Ein guter Kompass für die Seele
17. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Foto: Pawel Kryj, sxc.hu
Herr, du erforschst mich und kennst mich.
Psalm 139, Vers 1
Sigmund Freud erforschte im letzten Jahrhundert mit großer Ernsthaftigkeit die Untiefen der menschlichen Seele. Des Menschen Lebensschnittmuster müsste doch in ihm selbst zu finden sein. Das Rätsel seiner Existenz muss sich aus den Landschaften seiner Psyche erklären. Und so wird die Hoffnung groß, endlich Licht in das Tiefendunkel der Seele bringen zu können. Aber das Jahrhundert Freuds ist eines der finstersten und seelenlosesten in der Geschichte der Menschheit geworden.
Die Dichter der Psalmen benutzen einen anderen Kompass für ihre ausgedehnten Wanderungen durch die Landschaft der Psyche. In Psalm 42 begegnet uns eine Seele, die nach Gott dürstet und schließlich fragt: »Was betrübst du dich, meine Seele?«
Die große Poesie der Psalmen nimmt das schwere Dunkel in den Blick. Allerdings fehlt ihr die permanente Selbstbezogenheit. Die Sehnsucht der Seele richtet sich nach Gott aus. Und so kann der Beter des 139. Psalms unbeschwert sagen: »Herr, du erforschst mich und kennst mich.« Dieses Wissen steht am Anfang eines grandiosen Gebetes. Es ist der Text einer nach Gott hin weit geöffneten Seele. Nur Gott kennt mich wirklich, ganz und tief. Nur der mich geschaffen hat, kann erforschen, was in mir wohnt.
Reichtum und Gelassenheit dieses wunderbaren Psalms verdanken sich einer unerschütterlichen Gottbezogenheit der Seele. In großen Bildern öffnet sie sich auf die Nähe Gottes hin und lernt ein Staunen, aus dem die Seele ohne die gefährliche Verkrümmung in sich selbst leben kann. Und immer hört man den ersten Vers wie eine Grundmelodie heraus: »Herr, du erforschst mich und kennst mich.«
In einem weiten Bogen wandert der Beter durch diesen wunderbaren Text. Und mittendrin, in Vers 14, stimmt er den Lobruf seines gottbegeisterten Lebens an: »Wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.«
Thomas Perlick, Pfarrer in Römhild
Kindersorgen
10. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Foto: Pablo Medina, sxc.hu
Es gibt das Wort von den »bildungsfernen Schichten«. Damit sind oft Familien gemeint, die von Hartz IV leben, denen die Voraussetzungen fehlen, ihren Kindern aus eigener Kraft das zu bieten, was sie zu ihrer Entwicklung brauchen. Es sei dahin gestellt, ob die 20 Prozent der Kinder aus solchen Familien kommen. Doch Sportverein und Musikschule kosten Geld. Deshalb muss es öffentliche Angebote geben, in denen Kinder Anregungen bekommen und gefördert werden – und wo ihre Teilnahme nichts kostet.
Da ist es geradezu ein fatales Signal, wenn in den öffentlichen Haushalten der Sozialsektor den Kürzungen anheimfällt. Sparpaket nennt sich das 80-Milliarden-Projekt, das die Bundesregierung in den vergangenen Tagen beschlossen hat – obwohl sparen ja eigentlich bedeuten würde, etwas beiseitezulegen für schlechte Zeiten. Schon jetzt regt sich Kritik. Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann ruft die Kirchen sogar zum Widerstand gegen die Streichung des Elterngeldes für Hartz-IV-Empfänger auf.
Fast alle Kommentatoren und die Diakonie sind sich einig: Es trifft die Armen des Landes. Und die Familien. Auch wenn auf dem Gebiet der Bildung ausdrücklich keine Kürzungen geplant sind: Für die 20 Prozent der Kinder, die für sich keine Chance auf eine Zukunft sehen, ist es nicht gerade ein ermutigendes Signal, dass sie wieder einmal zu den Betroffenen gehören.
Christine Reuther
»Jung, dynamisch und weiblich«
10. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Foto: Mateusz Stachowski, sxc.hu
Erstmals Studie zu den evangelischen Schulen in Mitteldeutschland vorgestellt.
Der Wachstumstrend bei den evangelischen Schulen in Sachsen-Anhalt und Thüringen ist ungebrochen. Das geht aus einer Studie hervor, die am 7. Juni im Augustinerkloster Erfurt präsentiert wurde. Evangelische Schulen seien »jung, dynamisch und weiblich«, sagte der Vorsitzende der Evangelischen Schulstiftung, Kirchenrat Marco Eberl, bei der Vorstellung der Studie.
Mit der Untersuchung der Jenaer Wissenschaftlerin Dorothy Bonchino-Demmler zu den allgemeinbildenden und berufsbildenden Einrichtungen in evangelischer Trägerschaft liegt jetzt erstmals umfassendes Material zu den betreffenden Schulen vor. Seit 1990 sei ihre Zahl auf dem Gebiet der EKM in mehreren Schüben auf heute 80 mit insgesamt rund 9.100 Schülerinnen und Schülern gestiegen, so Dorothy Bonchino-Demmler. Knapp die Hälfte der Kinder gehört nach der Studie keiner Kirche an. 42 Prozent sind evangelisch. An den Förderschulen sei sogar die Mehrheit von Lehrern und Schülern ohne kirchliche Bindungen.
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung betrifft die Zusammensetzung der Kollegien. Demnach sind von den rund 1000 Pädagoginnen und Pädagogen ein Großteil unter 40 Jahre alt. Im Förderschulbereich sind die Lehrkräfte im Durchschnitt zehn Jahre älter. Zudem überwiegen die Lehrerinnen an evangelischen Schulen ganz deutlich: 87 Prozent der Lehrkräfte sind weiblich. Dadurch fehle den Jungen hier häufig »ein männliches Vorbild«, erklärte die Wissenschaftlerin. Das Verhältnis sei vor allem an Grundschulen noch sehr unausgeglichen.
Bonchino-Demmler verwies unter dem Stichwort »Schule für alle« zudem kritisch auf den mittleren Leistungsbereich. Die Sekundarschulen rückten erst seit dem Jahr 2004 ins Blickfeld. »Wir sind hier bereits gut vorangekommen, während lange Zeit die Evangelische Regelschule in Mühlhausen die einzige Schule im Sekundarschulbereich war, sind nun mit den Neugründungen in Haldensleben, Gotha und Magdeburg bereits vier Schulen in Betrieb. Und weitere werden in diesem Sommer folgen.«
Kirchenrat Marco Eberl zeigte sich zufrieden über die erste Untersuchung, die in Kooperation mit der Professur für Religionspädagogik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) entstand. »Uns wurde ein Steilpass zugespielt, nun ist es an uns, den Ball aufzunehmen und die Erkenntnisse in der Schulentwicklung umzusetzen. Natürlich brauchen wir dabei wissenschaftliche Begleitung.«
Die Folgestudie, Bonchino-Demmlers Promotionsarbeit, wird sich deshalb qualitativ mit den Lehrkräften an evangelischen Schulen auseinandersetzen. Hier soll unter anderem das evangelische und reformpädagogische Profil der Schulen näher betrachtet werden.
(rk/mkz)
Unter dem einen Himmel sichtbar
10. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Psalm 36, Vers 6
Ab diesem Wochenende wird vielen von uns aufs Neue bewusst, dass der Himmel nicht am Horizont zu Ende ist. Die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika zeigt uns wieder einmal die Weite, die diese Erde ausmacht, und auch die Weite des Himmels, der sie umspannt. Nicht jedem Fußballfan wird dabei deutlich sein: So weit dieser Himmel reicht, so weit finden wir die Gegenwart Gottes. Seine Güte und seine Wahrheit sind ein fester Bestandteil dieses Himmels. Dies zu erleben, da stehen wir uns oft genug selbst im Weg.
Immer wieder, wenn wir unsere Partner in Tansania besuchen, erleben wir etwas von diesem Himmel. In Itamba, einem kleinen Dorf in der Süd-West-Diözese, konnten wir gerade mit über 700 Schülerinnen und Schülern etwas von der Freude ihres tiefen christlichen Glaubens erleben. Ich beneide unsere Schwestern und Brüder in Tansania, wie einfach sie ihren Glauben ausdrücken und auf den Punkt bringen können und wie dankbar sie alles annehmen, was ihnen gegeben ist.

Dieter Kerntopf ist Pfarrer in Colbitz
Es ist schön zu wissen und zu erfahren, dass es keinen Ort auf dieser Welt gibt, an dem wir Gottes Güte und seine Wahrheit nicht finden könnten. Sein Himmel ist an jeder Stelle dieser Welt erfahrbar. Dies werden wir auch am Bildschirm miterleben können, wenn sich während der Fußballweltmeisterschaft viele Spieler am Spielfeldrand bekreuzigen und damit auch einen Ausdruck ihres christlichen Glaubens zeigen, der unter diesem einen Himmel sichtbar wird.
Dieter Kerntopf, Pfarrer in Colbitz
Einsatz im Notfall
10. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger werden in Katastrophen- und Krisensituationen gerufen. Kein leichter Job. Das Überbringen schlechter Nachrichten stellt eine große psychische Belastung dar. Foto: epd-bild/Norbert Neetz
Gewinnung von Ehrenamtlichen für die Notfallseelsorge bleibt eine Daueraufgabe.
Ein schwerer Unfall: Polizei und Feuerwehr sind da, Rettungssanitäter und Notarzt versuchen, Leben zu retten, sensationsgierige Zuschauer und Medienleute pirschen sich schon heran. Und mittendrin eine Frau mit der Aufschrift »Notfallseelsorge« auf dem Rücken der Leuchtjacke?
»Die meisten unserer Einsätze spielen sich in den Wohnungen der Angehörigen ab«, rückt Michael Thiel, Notfallseelsorger im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, ein weit verbreitetes Bild gerade. Häufig werde man von der Rettungsleitstelle gebeten, Polizisten beim Überbringen von Todesnachrichten zu begleiten. Thiel, der Pfarrer im südthüringischen Ort Heilingen ist, war einer der Initiatoren, als es um die Jahrtausendwende darum ging, das System der Notfallseelsorge im Landkreis aufzubauen. Heute ist er dort Teamleiter und betreut 13 Notfallseelsorger, die meisten von ihnen sind Pfarrer.
»Die meisten unserer Einsätze spielen sich in den Wohnungen der Angehörigen ab«
Doch das ist keineswegs der einzige Beruf, in dem die Seelsorger zu Hause sind. »Wir wünschen uns natürlich Berufe mit hoher Sozialkompetenz«, sagt Michael Zippel, Landespolizeipfarrer in Thüringen und zugleich »Chef« über die Notfallseelsorger im Freistaat. Aber da die Seelsorgerinnen und Seelsorger ausschließlich ehrenamtlich arbeiten, scheint genau hier das Problem zu liegen: Krankenschwestern, Sozialarbeiter und Pfarrer arbeiten sowieso schon meist an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Und dann noch einmal pro Monat eine Woche lang rund um die Uhr Bereitschaftsdienst machen und nachts um drei Uhr aus dem Bett springen, wenn das Handy klingelt? »Es bleibt unsere Daueraufgabe, ständig neue Seelsorger zu gewinnen«, unterstreicht Zippel, der seit November 2008 die Seelsorger betreut und bei der Gewinnung neuer Mitglieder für die Teams vor allem auf Ruheständler setzt, da Berufstätige kaum zu derartig ausgedehnten Bereitschaftsdiensten in der Lage sind.
In Sachsen-Anhalt geht man in dieser Hinsicht schon seit Jahren einen anderen Weg: Hier müssen die ehrenamtlichen Seelsorger maximal dreimal pro Monat zwölf Stunden Bereitschaftsdienst leisten. Und das Konzept scheint aufzugehen: Obwohl das Bundesland hinsichtlich Fläche und Bevölkerung nur wenig größer ist als Thüringen, arbeiten hier 450 Notfallseelsorger – mehr als doppelt so viele wie im Freistaat. Die Hälfte dieser Ehrenamtlichen ist konfessionslos. Und Polizeipfarrerin Thea Ilse, Michael Zippels Kollegin in Sachsen-Anhalt, warnt davor, Nachwuchs nur im kirchlichen Bereich zu suchen: »Wir müssen uns auch auf ›die Welt da draußen‹ einlassen.« Die gemischten Teams, die dann meist »Notfallbegleitung« heißen, seien »das Lebendigste, was wir haben«, unterstreicht die Pfarrerin.
Sie bildet die Seelsorger inzwischen EKM-weit für ihr anspruchsvolles Ehrenamt aus. Für den 19. Juni hat sie in Wolmirstedt bei Magdeburg einen Begegnungs- und Fortbildungstag organisiert, für den bisher 130 Anmeldungen aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen vorliegen.
Und auch wenn die Notfallseelsorge weiter ein Ehrenamt bleibt: Die Politik hat spätestens seit dem Massaker am Erfurter Gutenberg-Gymnasium 2002 deren Notwendigkeit erkannt und finanziert die Ausbildung und Betreuung der Seelsorger. Deren enorme psychische Belastung beim Versuch, Angehörige plötzlich Verstorbener zu trösten, will Thea Ilse nicht in Abrede stellen, aber: »Wir gehen oft mit dem guten Gefühl nach Hause, den Leuten in der schwersten Stunde ihres Lebens beigestanden zu haben.«
Rainer Borsdorf
Fußballtore helfen Waisenkindern in Ruanda
10. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Jedes WM-Tor kann den Kindern in Ruanda helfen. Foto: Adam Bacher
»An der Fußball-Weltmeisterschaft werden einige Menschen sehr viel Geld verdienen. »Allerdings in der Regel diejenigen, die sowieso genug haben und es auf Kosten anderer verdienen«, sagt Gerhard Reuther, evangelischer Pfarrer in Ruhla. Er will für etwas mehr Gerechtigkeit sorgen:
Die Teilnehmer einer Spendenaktion stiften für jedes Fußball-Tor während der WM einen zuvor festgelegten Betrag. Mit dem Geld soll der Bau eines Kinder- und Jugendzentrums in Nyagatare in Ruanda unterstützt werden. Der Pfarrer wird deshalb ab dem 11. Juni bei jedem Fußballspiel Daumen drücken, damit es viele Tore gibt.
Die Idee zu dieser Aktion hatte er nach Berichten über Firmen wie Adidas schon bei der WM vor vier Jahren. In diesem Jahr hat ihn vor allem die Vertreibung von Menschen aus Armensiedlungen in Südafrika aufmerksam gemacht. Das Hauptziel der Aktion besteht darin, die Zusammenhänge zwischen Profit und Armut deutlich zu machen. »Ich wünsche mir die Bereitschaft, hinter die Kulissen zu schauen«, so Reuther. »Mit diesem Wissen können Fußball-Fans dann die Freude über das sportliche Großereignis mit denjenigen teilen, die Hilfe nötig haben.« Zum Beispiel die Kinder und Jugendlichen, die in Ruanda unter den Nachwirkungen des Massakers leiden.
Mit dem Hilfsprojekt von Pfarrer Reuther und seinem ökumenischen Eine-Welt-Kreis im Erbstromtal soll den Waisen, Straßenkindern, Behinderten und ehemaligen Kindersoldaten eine Perspektive ermöglicht werden. In dem Zentrum können sie eine Lehre abschließen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Nach dem Aufbau einer Bibliothek sollen nun eine Berufsschule und ein Gesundheitszentrum folgen. »Kinder und Jugendliche sollen nicht mehr auf ausbeuterische Unternehmen angewiesen sein, um ihr Leben zu fristen – jeder kann dabei helfen«, wirbt der Pfarrer.
Seine Idee anlässlich der WM: Wer an dem Hilfsprojekt teilnimmt, legt einen Spendenbetrag für jedes geschossene Tor fest. Die Mindesthöhe soll 10 Cent betragen. Nach Abschluss des Sport-Events wird das Geld überwiesen, Spendenquittungen sind möglich. Der Pfarrer ist schon für kleine Beträge dankbar, außerdem ermutigt er Gruppen wie Schulklassen, Sportvereine, Fußballklubs oder Arbeitskollegen zur gemeinsamen Teilnahme. »Murakoze cyane«, formuliert Reuther erwartungsbereit in der ruandischen Sprache Kinyarwanda – »Herzlichen Dank!«
Susanne Sobko
Zwei Stile – ein Meisterklang
10. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Die Eilert-Köhler-Orgel steht im Mittelpunkt des »Suhler Orgelsommers«.

Die Eilert-Köhler-Orgel in der Suhler Kreuzkirche zählt in konstruktiver, qualitativer und musikalischer Hinsicht zu den besten Orgeln des 18. Jahrhunderts. Foto: Michael Reichel
Eilert Köhler kam aus Norddeutschland. Um 1710 wurde er in Burhave in der Grafschaft Oldenburg geboren. In seiner norddeutschen Heimat hat er das Orgelbauhandwerk gelernt und die mit Arp Schnittger verbundene norddeutsche Orgelbautradition kennengelernt. Helle, klare, mitunter scharfe Klänge und viele Zungenstimmen kennzeichnen norddeutsche Orgeln. Nach Ende seiner Lehre ist der junge Orgelbauer auf Wanderschaft gegangen. Dabei lernte Köhler auch den thüringischen Orgelbau kennen mit seinem Reichtum an grundtönigen Stimmen und einem reichen Flötenchor. Beide Traditionsströme hat Köhler in seiner Suhler Orgel meisterhaft zusammengeführt.
Im Laufe der Jahrhunderte traten mancherlei Schäden an der Orgel auf. Im ersten Weltkrieg verlor sie ihr Gesicht, als ihre Prospektpfeifen als kriegswichtiges Buntmetall eingeschmolzen wurden. In den zwanziger Jahren hatte man die Orgel dem veränderten, romantischen Zeitgeschmack anzupassen versucht. Zwischen 1980 und 1990 war das Instrument nur noch sehr eingeschränkt spielbar. Die Vorbereitungen für eine umfassende Restaurierung begannen. 1996 wurde ein Orgelbauförderverein gegründet. Im Herbst 1999 konnte schließlich mit der Restaurierung begonnen werden.
In sieben Bauabschnitten, den jeweiligen Finanzierungsmöglichkeiten angepasst, wurde die Orgel von der traditionsreichen Firma Schuke (Potsdam) wiederhergestellt. 570.000 Euro wurden an Spenden und Fördermitteln von öffentlichen, privaten und kirchlichen Förderern bis 2007 zusammengetragen. Die Suhler Rotarier, Orgelfreunde aus nah und fern, zahlreiche Suhler Bürger, Gemeindeglieder und Nichtchristen, haben dem Orgelbauförderverein mit ihren Spenden die Hände gefüllt. Viele haben ihre Ideen eingebracht oder mit zugepackt, wenn helfende Hände gebraucht wurden; viele begleiteten das Vorhaben mit ihrem Gebet.
Als die Eilert-Köhler-Orgel am 3. Juni 2007 wieder eingeweiht wurde, war dies ein Fest für die ganze Stadt. Seitdem laden die Suhler Kirchengemeinden jährlich zum »Suhler Orgelsommer« ein. Auch in diesem Jahr werden vom 12. Juni bis zum 2. Oktober wieder namhafte Organisten in zehn Konzerten beide Orgeln der Stadt erklingen lassen. Im Eröffnungskonzert am 12. Juni stellt sich Philipp Christ als neuer Suhler Kantor dem Konzertpublikum vor. Auf einer Video-Wand wird man dem Organisten zuschauen können. Am 19. Juni sind dann besonders die Kinder eingeladen, mit der Orgelmaus und Philipp Christ das Instrument zu erkunden. Die weiteren Konzerttermine werden jeweils aktuell angekündigt.
Helmut Günzler






