Wenn die Fragen aufhören

Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
Psalm 73, Vers 25

Es gibt Fragen, die eine klare, einfache Antwort brauchen, und solche, mit denen wir niemals ans Ende kommen. Unter den letzteren sind die Fragen nach Himmel und Erde noch die leichteren, etwa die: Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?

Schwieriger sind die Fragen, die der Seele keine Ruhe lassen, zum Beispiel: Wie bin ich geworden, der ich jetzt bin? Oder: Wozu soll das gut sein, dass ich mich ein Leben lang mit dieser Last abschleppen muss? Nicht weniger schwierig sind die Fragen, mit denen ich geradewegs bei Gott lande: Wieso geht es denen, die nicht nach Ihm fragen, so gut? Warum lässt Gott das zu? Mit solchen Fragen quält sich der Beter des 73. Psalms. Sie gehen ihm schwer an die Nieren. Solche Fragen drängen sich auf, wenn einer mit wachen Augen durch die Welt geht.

Pfarrer Matthias Rost

Pfarrer Matthias Rost

Es gibt aber auch die Augenblicke, in denen alle Fragen aufhören, Zeiten, in denen das Kreisen der Gedanken unterbrochen ist, Momente, in denen ich weiß: Alles wird gut. Und solche Augenblicke kennt der Psalmbeter offensichtlich auch.

Manchmal mitten im Alltag gibt es sie, manchmal im Gebet. Ein fragloses Einverständnis, ein Aufleuchten. Wie der Blick zweier Liebender. Ein Schweigen, das von einem großen Ja erfüllt ist. Ein Moment, in dem alles Grübeln und Gründeln ­Ferien hat. Ein Einssein mit Gott, mit der Welt, mit sich selbst – nur für den Augenblick, nur für jetzt. »Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts …« Wir brauchen solche mystischen Momente des Einverständnisses und der fraglosen Gegenwart in Gott. Wie ­anders könnten wir die Fragen aushalten? Wie ­anders könnten wir dem Zweifel widerstehen, ob
Er überhaupt noch da ist?

Von Theresa von Avila stammt das Wort: »Nichts soll dich verwirren, nichts dich erschrecken. Alles geht vorüber; Gott allein bleibt derselbe. Die Geduld erreicht alles. Wer Gott hat, dem fehlt nichts: Gott allein genügt.« Im spanischen Original heißt der letzte Satz: »Solo Dios, basta!«

Pfarrer Matthias Rost, Rektor des Pastoralkollegs

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