Neue Lust aufs Land wecken
14. Juli 2010 von redaktionguh
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Foto: Christa Richert, sxc.hu
Vertreter aus Mitteldeutschland sehen Nachholbedarf beim Thema Kirche auf dem Land.
»Endlich werden wir mal gehört.« Pfarrerin Anne-Katrin Kummer aus dem thüringischen Gefell zeigt sich sichtlich angetan vom Treffen der Landpfarrer in Hannover. Rund 70 Theologen aus der gesamten EKD trafen sich Ende Juni erstmals zu einem Konsultationstag. Aus der mitteldeutschen Kirche sind das Pfarrerehepaar Kummer aus Gefell (Kirchenkreis Schleiz) und Pfarrerin Magdalena Wohlfahrt aus Kirchheilingen (Kirchenkreis Mühlhausen) dabei gewesen. Die anhaltische Landeskirche hat Pfarrer Mathias Kipp aus Sandersleben (Kirchenkreis Bernburg) und Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter (Kirchenkreis Köthen) entsandt.
»Es ist gut, wenn sich der Blick auf die Landgemeinden richtet«, findet auch Magdalena Wohlfahrt. Allerdings hofft sie, dass bei künftigen Treffen mehr Zeit für den Erfahrungstausch bleibt. Ansonsten begrüßt die Pfarrerin den Ansatz, sich einem vernachlässigten Arbeitsfeld zuzuwenden. Ihr Kollege Wolfram Kummer aus Gefell geht sogar ein Stück weiter. Bei der Konsultation sei deutlich geworden, »dass die Landgemeinden nicht das Problem sind«. Hier werde das Geld eingenommen, das andernorts mit ausgegeben wird. Darüber hinaus habe sich bei dem Treffen gezeigt, dass die Situation im ländlichen Raum keineswegs einheitlich und miteinander vergleichbar sei. »Hier gibt es sehr große Unterschiede – nicht nur zwischen Ost und West«, so Kummer. Dennoch sieht auch er die Notwendigkeit, am Thema dranzubleiben.
»Tatsächlich müssen wir überlegen, wie kirchliche Arbeit auf dem Land strukturiert werden kann, um zukunftsfähig zu bleiben«, sagt Wolf von Nordheim, Referent im Reformbüro der EKD und selbst lange Landpfarrer. Heute ist der Theologe als Referent im Reformbüro für das Thema »Kirche auf dem Land« zuständig. Nach seiner Ansicht muss es darum gehen, die Auflösung von Kirchengemeinden zu vermeiden, »so lange es irgend geht«.
Eine dezidiert evangelische Antwort auf Überalterung und Abwanderung könnte sein: Gemeinde gebe es solange vor Ort, wie sich Christenmenschen finden, die das wollen. Das bedeute freilich auch eine Veränderung im Profil des Pfarramtes, eine Stärkung der Kernkompetenzen in Verkündigung und Seelsorge und eine stärkere Übernahme von Verantwortung in den Gemeinden. »Dann steht zum Beispiel die Frage, wie sich Gemeinde organisieren muss, wenn kein Hauptamtlicher mehr vor Ort ist.« Zugleich will von Nordheim aus dem allgemeinen Klagen heraus und zu positiven Ansätzen kommen, um wieder die Lust aufs Land zu wecken.
Für die Zukunft hat sich die EKD dabei einiges vorgenommen. Noch im Oktober soll sich nach dem Willen des Reformbüros eine Landkirchenkonferenz konstituieren – in Analogie zur seit Jahren bestehenden Citykirchenkonferenz – als Arbeits- und Austauschebene. Dieser Zusammenschluss könnte der Kirche auf dem Land »eine eigene Stimme geben«, hofft von Nordheim. Zudem ist eine Tagung geplant zur Präsenz in den ausgedünnten Räumen. Arbeitstitel: »Lagerfeuer, Leuchtfeuer, Herdfeuer.« Außerdem sei an Workshops gedacht, wo es um die spezielle Frage und »aufsuchende Analyse« von gelungenen Beispielen gehen soll, so der Referent im Reformbüro. Der Grund ist denkbar einfach. »Es gibt viele tolle Sachen und niemand erfährt davon.«
Martin Hanusch






