Weltumspannende Gemeinschaft
20. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Titelseite

Vom 20. bis 27. Juli wird in Stuttagart die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes sein
Unterschiedliche Erwartungen haben die Delegierten im Reisegepäck. Das ist bei den sechs Christen aus Mitteldeutschland so und erst recht bei den internationalen Gästen, die nach Stuttgart fahren.
Dass der Lutherische Weltbund (LWB) eine weltumspannende Organisation darstellt, ist Steffen Binder aus Naumburg erst so richtig bei der Vorbereitung auf die vom 20. bis 27. Juli stattfindende Vollversammlung des LWB in Stuttgart klar geworden. »Bis dahin hatte ich den Namen vielleicht einmal gehört«, sagt Binder. Aber nun habe er die Existenz der weltweiten Gemeinschaft lutherischer Christen als eine Bereicherung wahrgenommen. Der Synodale ist einer der sechs Delegierten der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), der in Stuttgart dabei ist. Binder kommt aus der ehemaligen Kirchenprovinz Sachsen, die vor ihrer Vereinigung mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen eine unierte Kirche war. Im Gegensatz zur thüringischen Landeskirche gehörte sie nicht zum LWB. Mit der Vereinigung beider Kirchen am 1. Januar 2009 wurde die EKM Mitglied des LWB.
»Es ist eine große Freude, dass wir aufgenommen sind«, sagt Oberkirchenrätin Marita Krüger, Pröpstin in Meiningen. Sie arbeitet seit vielen Jahren für Thüringen im Deutschen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) und ist vertraut mit der Arbeit der internationalen Organisation.
Im LWB sind 140 Kirchen mit rund 70 Millionen Mitgliedern zusammengeschlossen, die in der Tradition Martin Luthers stehen. Die Vollversammlung, die in der Regel alle sechs Jahre stattfindet, ist das oberste Entscheidungsgremium des LWB. Sie ist gesetzgebendes Organ, beschließt die Verfassung des LWB, bestimmt die Strategie der Arbeit und wählt den Präsidenten bzw. die Präsidentin sowie die Mitglieder des Rates.
Das Motto in Stuttgart lautet »Unser täglich Brot gib uns heute«. Der Anstoß, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, sei von den Kirchen in Nordamerika gekommen, erklärt Krüger. Mit der Finanzkrise hätten die amerikanischen Kirchen plötzlich feststellen müssen, dass sie kein Geld mehr haben. »Für uns als einladende Kirche ist das Thema auch eine Herausforderung«, gibt die Pröpstin zu bedenken.
»Das Thema wird in verschiedenen Konkretionen behandelt.« Die Eisenacher Superintendentin Martina Berlich, ebenfalls Delegierte für die Vollversammlung, sieht thematische Parallelen zu Thüringen, wo die heilige Elisabeth vor den Mahlzeiten immer gefragt habe, woher das Essen kommt. War es erpresst, hat sie gefastet. »Diese Frage müssten wir eigentlich weltweit stellen«, mahnt Berlich. So dürfte es Christen in Deutschland beispielsweise nicht gleichgültig sein, unter welchen Bedingungen Kleidung und andere Güter entstanden sind, die sie konsumieren.
Die Delegierten fahren mit unterschiedlichen Erwartungen nach Stuttgart. Die Eisenacher Superintendentin wünscht sich eine starke Verbindung zu den lutherischen Christen in aller Welt. Im Blick auf Resolutionen, die bei der Versammlung verfasst werden, sagt sie: »Es kommt darauf an, dass die Texte kurz, griffig und aussagefähig sind und in den Gemeinden eine Umsetzung finden.«
Neben den spannenden Themen gebe es auch viel Geschäftliches zu verhandeln, sagt Marita Krüger. Die Wahlen, so ihre Erfahrung, seien zeitaufwändig. Da heiße es Quoten einzuhalten, also auf das richtige Verhältnis von ordinierten Amtsträgern und Laien, Männern und Frauen zu achten sowie die verschiedenen Regionen zu berücksichtigen.
Auf der Vollversammlung soll auch ein Dokument verabschiedet werden, das die Mennoniten für die Verfolgung im 16. Jahrhundert um Vergebung bittet. Die evangelische Glaubensgemeinschaft ist aus den Täuferbewegungen der Reformationszeit hervorgegangen. Die Gemeinden praktizieren die Taufe von mündigen Christen, also statt der Kinder- die Erwachsenentaufe. Sie hoffe, so Krüger, dass das Papier, welches den Dialog und die Versöhnung mit den Mennoniten anstrebt, angenommen wird.
Das Treffen in Stuttgart dürfe nicht ohne greifbare Ergebnisse ablaufen und es müsse etwas Handfestes entstehen, mahnt Steffen Binder. Für ihn als Architekten sei das in seinem Beruf selbstverständlich. »Bei der Kirche ist das ja nicht immer so«, weiß er aus Erfahrung. Nachdrücklich betont er: »Es muss etwas dabei herauskommen.«
Sabine Kuschel






