Zwei Seiten

20. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Kommentar

Foto: Asif Akbar, sxc.hu

Foto: Asif Akbar, sxc.hu


Jede Medaille hat zwei Seiten. Das gilt auch in Sachen Religionsfreiheit. Sie meint nicht nur die Freiheit, eine oder keine Religion zu haben. Religionsfreiheit meint auch, sein Glaubensbekenntnis frei wählen, wechseln und ohne Diskriminierung leben zu ­können.
Dass es mit diesem verbrieften Menschenrecht in vielen Staaten der Welt nicht zum Besten steht, dringt immer stärker in das öffentliche Bewusstsein. Als zumindest zahlenmäßig am meisten von Verfolgung betroffene Gruppe gelten dabei die Christen. Rasch sind dann auch die Feinde der Reli­gionsfreiheit vor allem im Lager der fern- und nahöstlichen islamischen Staaten oder etwa in der Türkei ausgemacht.

Doch jede Medaille hat zwei Seiten: Natürlich ist die brutale Unterdrückung und Verfolgung Andersgläubiger aus religiösem und oder politischem Eifer nicht zu tolerieren. Und es ist gut, dass dies immer mehr Konsens auch der politisch Handelnden in Deutschland wird. Doch es gibt auch eine subtile Art der Diskriminierung religiöser Äußerungen.

Denn schnell fühlen sich Mehrheiten gestört und verunsichert durch die Andersartigkeit von Minderheiten – und reagieren entsprechend. Und damit ist das Thema plötzlich auch in Europa und selbst in Deutschland ganz ­aktuell. Wie lange mussten (und müssen gelegentlich noch immer) im mehrheitlich volkskirchlich organisierten Deutschland protestantische Freikirchen gegen den Ruch der Sekte kämpfen? Und wie schwer tun wir uns heute damit zu akzeptieren, dass hierzulande eine wachsende Gruppe von Menschen sich zu dem uns fremden Islam ­bekennt? Wie laut erschallt der Ruf nach Verboten – seien es Minarette oder Kopftücher?

Dass es auch eine gefährliche und menschenfeindliche Ausprägung des Islam gibt, ist dabei unbestritten. Doch die ebenso schnelle wie verständliche Forderung: »Erst wenn es in der Türkei gestattet ist, Kirchen zu bauen, dürfen hier Moscheen entstehen«, klingt sehr nach dem alttestamentlichen »Auge um Auge«. Jesus lehrt anderes.

Harald Krille

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