Niedrige Schwellen
23. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Baureferentin Elke Bergt und der Architekt Bernward Paulick besprechen das Mühlhäuser Bauvorhaben. Foto: Christine Bose
Das Mühlhäuser Gotteshaus St. Martini wird Jugendkirche
Das Thema ist bundesweit aktuell: Kirchen stehen leer; nach einer künftigen Nutzung wird gesucht. »Bei uns in Mühlhausen ist es umgekehrt, wir haben eine gut funktionierende Jugendkirche, das heißt regelmäßige Veranstaltungen für junge evangelische Christen und für alle interessierten Jugendlichen, in der St.-Martini-Kirche. Von der Ausstattung her war es bisher ein Provisorium«, erläutern Elke Bergt, Baureferentin des Kirchenkreises, und Architekt Bernward Paulick von der Bauhütte Volkenroda. Es gibt Angebote und Gottesdienste, doch nur zu festgesetzten Zeiten.
Seit fast zwei Jahren war mit den jungen Frauen und Männern um Micha Hofmann, Referent für Jugendarbeit im Kirchenkreis, über ein Konzept diskutiert worden. Die Frühjahrssynode fasste 2010 einen Beschluss: St. Martini, das an der größten Kreuzung der Kreisstadt gelegene Gotteshaus, wird unter Beachtung
des Denkmalschutzes zur Jugendkirche umgebaut. Zusätzlich zu den Jugendgottesdiensten soll sie dann täglich nachmittags und abends als Begegnungsstätte geöffnet sein. Der Nutzungsvertrag wurde zwischen der Kirchengemeinde St. Georgii/St. Martini und dem Evangelischen Kirchenkreis Mühlhausen als Träger geschlossen.
Die Gemeindeglieder sehen das Projekt mit einem lachenden und einem weinenden Auge, konstatiert Ortspfarrer Marc Pokoj. Zwar bleibe die Kirche Eigentum der Gemeinde, aber das Gemeindeleben wird sich nun in St. Georgii abspielen. Da gäbe es schon Abschiedsschmerz für jene, die in St. Martini getauft und konfirmiert wurden. »Es können natürlich weiterhin Taufen oder Trauungen in der Jugendkirche gefeiert werden«, informiert der Pfarrer. Die Kirche bleibe sakraler Raum. Insgesamt erführe das Projekt von den Gemeindegliedern jedoch Zustimmung. Seit der Reformation sind Georgii und Martini eine Gemeinde. In den 1970er Jahren war die Stelle für einige Zeit mit zwei Pfarren besetzt. Nun gebe es schon lange nur noch eine Stelle. Zwei Kirchen zu unterhalten sei zudem nicht sinnvoll.
Die Jugendkirche wird aus Eigenmitteln des Kirchenkreises, Mitteln der Landeskirche und der Union Evangelischer Kirchen ermöglicht. Ohne Gestaltung der Außenanlagen belaufen sich die Kosten auf rund 654000 Euro. Für Architekt Paulick ist die Tatsache, dass sich junge Menschen ein eigenes Kirchengebäude wünschen, ein Grund, hoch motiviert ans Werk zu gehen. Das sei schließlich etwas anderes, als einen Sakralbau umzugestalten, den die Auftraggeber später zur Fremdnutzung anbieten. Das künftige Aussehen im Innenraum charakterisiert er als die Form eines ungeschliffenen Diamanten. Die Jugend nennt es cool. Auf dem Computerbildschirm hat St. Martini, die Neue, schon Gestalt angenommen. Von allen Seiten soll der Blick hinführen zum später runden Altar und den Chorraum als Mittelpunkt. Viel Platz wird im dann doppelt so großen Chorbereich sein für Theateraufführungen, Jugendband und eine Videoleinwand.
Die meisten Bänke ziehen um in die evangelische Kirche Windeberg. Neue, große Seitenfenster bringen viel Licht hinein, denn eine Kirchenseite erhält eine verglaste Lounge mit Sitzgruppen. Sehen und gesehen werden, rausschauen und von draußen sehen, was drin passiert, Lust auf Glauben wecken, Öffnung der Kirche für alle – optisch und symbolisch – ist das Anliegen.
Das Gebäude soll behindertengerecht, also schwellenarm, auch im übertragenen Sinne, zu erreichen sein. Eine Teeküche, Sanitäranlagen sind geplant; in der zweiten Ebene Sitznischen sowie ein großer Raum für Gruppenveranstaltungen und Rückzugsort. Auf der Orgelempore, der dritten Ebene, wird ein zwei Meter breiter und 14 Meter langer Steg der Technik-Installation dienen. Für Wärme sorgt in Zukunft eine Fußbodenheizung. Umgebaut wird abschnittsweise, der erste Bauabschnitt beginnt in diesem Jahr. Hierfür ist die Finanzierung von 224000 Euro abgesichert. Zum Landesjugendtreffen 2011 soll das Erdgeschoss funktionsfähig sein.
Christine Bose






