Offene Türen in Henfstädt

23. Juli 2010 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen

Kirche und Tourismus: Unterwegs auf dem Werratal-Radweg

Radtouristen kämpfen nicht nur mit Wetter, Anstiegen und Sitzbeschwerden. Sie versuchen, ­während sie unterwegs sind, den Widerspruch zwischen Vorwärtskommen und Verweilen zu lösen. Deshalb lieben sie weder Umwege noch Wartezeiten.

Hans Langner wohnt im ehemaligen Pfarrhaus gleich neben der Kirche und kümmert sich um Gebäude, Blumen und Gäste. Foto: Thomas Schäfer

Hans Langner wohnt im ehemaligen Pfarrhaus gleich neben der Kirche und kümmert sich um Gebäude, Blumen und Gäste. Foto: Thomas Schäfer

Im April ist die Morgenluft im Oberen Werratal noch sehr kalt, auch wenn dann tagsüber die Sonne schon wärmt. Wir sind der Aschewolke über Island inzwischen dankbar, die den Besuch bei Freunden in England verhinderte und Freiraum für eine spontane Fahrradtour von der Quelle bis zur Mündung der Werra schaffte. Was für eine herrliche Landschaft, was für ein zumeist gut ausgebauter Werratal-Radweg und was für eine Fülle sehenswerter Dinge: zum Beispiel die Kirche in Henfstädt genau auf der Mitte zwischen Hildburghausen und Meiningen. Ihre imposante Lage und der interessante Staffelgiebel am Turm machen uns neugierig.

Es ist noch nicht einmal 9 Uhr, als wir die Fahrräder an der Kirche abstellen. Eine freundliche Frau putzt die Fenster im Haus daneben. Unsere Frage, ob man in die Kirche könne, beantwortet sie mit einem lauten Ruf nach Hans Langner. Er wohnt im Obergeschoss des ehemaligen Pfarrhauses, das jetzt der politischen Gemeinde gehört und im Erdgeschoss die Heimatstube birgt.

Es vergehen nur wenige Minuten, bis Hans Langner kommt. Obwohl wir ihn in der Morgentoilette gestört haben und er normalerweise erst gegen 10 Uhr aufschließt, begrüßt er uns und öffnet wie selbstverständlich alle Türen. »So alte Gemäuer können nicht genug lüften«, erklärt er ohne Umschweife. Wir schauen uns in der gepflegten Dorfkirche gotischen Ursprungs um. Dass sie einmal vom Verfall bedroht war, ist heute nicht mehr vorstellbar. Hans Langner weist uns auf einige Besonderheiten hin, drückt uns schließlich eine Beschreibung in die Hand und lässt uns allein. Als wir wieder in die Pedale treten, verbindet sich mit Henfstädt eine freundliche Erinnerung.

Nach einigen Monaten kommen wir noch einmal hierher. Diesmal ist es sommerlich heiß und Hans Langner erwartet uns, denn wir sind angemeldet. Wie an jedem Mittwochnachmittag treffen sich die Frauen zum ­gemeinsamen Kaffeetrinken in der Heimatstube. Wir setzen uns zum Gespräch in den Schatten der Kirche.

Hans Langner, der ehemalige Rinderzüchter aus Berlin, kam 1954 nach Henfstädt, heiratete, wanderte in den letzten DDR-Jahren nach Niedersachsen aus und kehrte schließlich 2005 zurück. Seither wohnt er hier mit seiner Frau, hat die Kirche und das Umfeld in seine ganz persönliche Pflege genommen und ins Herz geschlossen. Das ist zu spüren an der Art, wie er erzählt, und an vielen Details zu sehen. »Man muss immer dranbleiben«, ist die Devise des fast 71-Jährigen. »Spinnweben finden Sie bei mir nicht.« Kleine Ausbesserungen von Farbe und Putz nimmt er in Absprache mit den Verantwortlichen selbst vor, mäht die Wiese hinter dem Gotteshaus, hat gemütliche Sitzmöglichkeiten eingerichtet und sorgt innen und außen für Blumenschmuck. Demnächst sei eine Taufe, da müsse er schon weiße Blüten besorgen, erklärt er, der selbst nicht zur evangelischen Kirchengemeinde gehört. Wenn er Blumen braucht, fragt er im Dorf nach.

Als in den vergangenen Jahren die Nößler-Orgel restauriert und schließlich 2009 eingeweiht wurde, legte er mit Hand an, und die Orgelbauer ­blieben nicht ohne einen heißen Tee. Begeistert erzählt er vom Konzert des Saalfelder Kirchenchores, dessen Mitglieder alle im Dorf untergebracht ­waren, oder vom Krippenspiel, von Fackeln im Hof vor der ­Kirche, von Glühweinausschank oder dem »lebendigen Adventskalender«. »Wie man in den Wald reinruft, schallt es zurück«, sagt er und ist um ein gutes Klima bemüht.

Uta Schäfer

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