Ein Ruheplatz und Ort der Dankbarkeit
6. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Thüringen

Für Erika Lümpert wichtig: Ein paar Minuten der Besinnung in der Christopheruskapelle am Thüringer Rhönhaus. Foto: Thomas Schäfer
Am Thüringer Rhönhaus entstand eine privat finanzierte Kapelle.
»Wenn du einmal nichts mehr zu bauen hast, dann bau hier eine Kapelle.« Es ist Jahre her, dass Erika Lümpert dies zu ihrem Ehemann Hartmut sagte, und es gab in den letzten 20 Jahren viel am Thüringer Rhönhaus und im weitläufigen Gelände für den Tischler zu erledigen. Doch seit einigen Wochen gehört zum Berggasthaus in 760 Metern Höhe, direkt am Rhönclubwanderweg HWO 3 gelegen, eine Christopheruskapelle – ganz aus Holz gebaut und mit vielen liebevollen Details geschmückt.
Alfred Spekker, Pfarrer in Frankenheim, würdigt das hier Geschaffene als eine höchst bemerkenswerte Initiative. »Richtig schön«, meint er. Privat eine Kapelle zu finanzieren und sie dann öffentlich zugänglich zu machen ist in Thüringen schon sehr ungewöhnlich. Wird Erika Lümpert daraufhin angesprochen, verweist sie auf die lange Liste der Sponsoren und Helfer, die gleich neben dem Eingang hängt. Das Ergebnis sei dem Entgegenkommen und der Großzügigkeit vieler zu danken, ob Handwerker, Behörden oder Gäste.
Im Mai 1990 erwarben Lümperts das Thüringer Rhönhaus nahe dem Ellenbogen bei Oberweid mit dem herrlichen Weitblick. Schaut man die kleine Ausstellung zur Geschichte des Hauses an, lässt sich die Leistung der freundlichen Wirtsleute erahnen. In den 1920er Jahren als Jugendherberge errichtet, wurde das Areal 1931 das erste Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes in Thüringen, der dann später in den Reichsarbeitsdienst überging. Nach 1945 gab es zunächst keine Nutzung mehr, bis Vater Willi Lümpert es von 1947 bis 1949 schon einmal mit einer Schankwirtschaft versuchte. Unter FDJ-Rigide wurde dann wieder eine Jugendherberge eingerichtet, bis schließlich die Grenzpolizei einzog und wegen der Grenznähe – sowohl nach Hessen als auch nach Bayern sind es nur jeweils zwei Kilometer – wohl auch die Stasi.
Heute steht Erika Lümpert dem Familienbetrieb vor, Hartmut Lümpert kümmert sich um die weitläufige Naturparkanlage, das Tiergehege und das kleine Heimatmuseum. Enkeltochter Jennifer kocht. Vorrangig kommen hier Rhönprodukte auf den Tisch und Einzelwanderer, Gruppen und Bustouristen wissen die bodenständige Gastfreundschaft zu schätzen.
Von den katholischen Wegkapellen sei sie zum Bau der Kapelle angeregt worden, sagt Erika Lümpert, die selbst jahrelang Kirchenälteste in Oberweid war. Zudem wolle sie als evangelische Christin ihrer Dankbarkeit für die Bewahrung in 20 Jahren Aufbauarbeit Ausdruck verleihen. Gäste und Wanderer freuen sich mit über diesen besonderen Ort der Einkehr.
Uta Schäfer






