Tango für eine grüne Zukunft

13. August 2010 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen

Sonnenenergiegewinnung auf dem Gemeindezentrum Martini Luther in Erfurt. Anfangs gab es noch Skeptiker. Inzwischen konnten viele Bedenken ausgeräumt werden. (Foto: Lutz Edelhoff)

Sonnenenergiegewinnung auf dem Gemeindezentrum Martini Luther in Erfurt. Anfangs gab es noch Skeptiker. Inzwischen konnten viele Bedenken ausgeräumt werden. (Foto: Lutz Edelhoff)

Erste Erfurter Ökostrom-Wechsel-Party vor der Lutherkirche will Mut zu Ökostrom machen.

Manchmal ist es eine neue Beziehung, manchmal eine vielversprechende Verabredung und manchmal eben auch nur ein Kater – von Partys lässt sich so allerhand mitnehmen. Etwas ganz Spezielles wird das am Freitag rund um die Erfurter Lutherkirche sein: 17 Uhr startet dort die 1.  Erfurter Ökostrom-Wechselparty.

Viel zu kopflastig käme das Thema oft daher, findet Monika Brückmann. Gemeinsam mit ihrem Mann Dietmar ist sie eine der Initiatorinnen von der Initiative Ökostrom in der Thüringer Landeshauptstadt. Leipzig und München aber haben es vorgemacht, ein ganzes Buch wurde darüber geschrieben. »Da dachte ich: Das können wir auch!« Und so wird sich am Freitag ­gewiss bis in den Abend hinein das Quizrad der Verbraucherzentrale zu Umwelt- und Klimaschutz drehen, Elektrofahrräder surren durchs Karree, der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Evangelische Stadtakademie und andere beraten, berechnen und informieren. Tango-Tänzer werden charmant die »Power-Statements« auf der kleinen Bühne vor der Kirche unterbrechen. Was diesen Statements nichts von ihrer Ernsthaftigkeit nimmt.

»Den Atomausstieg selber zu machen, das ist für mich wirklich der Hauptgrund für so eine Party«, bekennt die CVJM-Mitarbeiterin Monika Brückmann. »Wenn man sich vor Augen hält, dass es für die Endlagerung von Atommüll nach wie vor keine Konzepte gibt! Oder dass der Abbau von Uranerz auf Kosten der indigenen Völker vonstatten geht.« Neubau von Kohlekraftwerken in Zeiten des Klimawandels? »Da bin ich entsetzt!«

Obwohl nicht wenige Menschen entsetzt sind, scheint die Schwelle zum Ausstieg hoch zu sein. Matthias Weiß vom Mitveranstalter »Offene Arbeit« kennt das gut: »Eine Weile hat’s auch bei mir gedauert. Ich dachte, da kommt ein Riesenaufwand an Papierkram auf mich zu. War aber nicht so.« Auch seine zweite Befürchtung war unbegründet, dass Umweltbewusstsein heftig auf das Monatsbudget durchschlägt. »Ich bezahl’ grad mal drei Euro mehr.« Aber sitzt man nicht doch mal im Dunkeln, wenn was schiefläuft? Und woher weiß ich, wer mir wirklich konsequent Strom aus Sonne, Wind und Wasserkraft liefert? Fragen wie diese beantwortet Stefan Eisentraut vom Klimaprojekt der Thüringer Verbraucherzentrale. Antragsformulare diverser Anbieter wird es am Freitag ebenso geben wie Infos zu möglichen Fallstricken.

Gerhard Wien vom Kirchspiel Martini-Luther ist einer derjenigen, der Argumente für Ökostrom aus erster Hand liefert: »Als die Fotovoltaikanlage auf unserem Gemeindezentrum im Roten Berg installiert wurde, waren durchaus noch einige kritisch«, erinnert er sich. Regelmäßige Beiträge im Gemeindeblatt in den letzten drei Jahren klärten jedoch einiges. Am Freitag nun könnte das schneller gehen.

»Für mich«, appelliert Monika Brückmann, »ist es einfach die Pflicht eines jeden Christen, das Seine zu tun, um die Schöpfung zu bewahren und Verantwortung für die nächsten Generationen zu übernehmen.« Und so kann es auf der Party vor der Lutherkirche gut passieren, dass man bei Bio-Wein nicht nur eine neue Beziehung eingeht – zu Strom und seinen Erzeugern –, sondern dass tatsächlich eine nachhaltige Partnerschaft entsteht.

Kathrin Schanze

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.