Den Nächsten mit im Blick behalten
21. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche
Wohl dem, der sich der Schwachen annimmt.
Psalm 41, Vers 2
Mit einer Büchse in der Hand startete ich eine Sammelaktion zur Unterstützung unseres Kindergartens. Ich hatte zwar ein paar Bedenken, einfach mir unbekannte Menschen um eine Spende zu bitten. Aber dann sagte ich mir: »Es ist für einen guten Zweck.« Eine Gruppe Senioren, die ich angesprochen hatte, reagierte ziemlich unfreundlich mit den Worten: »Was soll das? Uns schenkt auch niemand etwas.«
Ihre harsche Reaktion verwunderte mich schon. Aber ein bisschen verstand ich die Senioren, die nur ihre Lebenseinstellung darlegten. »Bekomme ich etwas von dir, dann bekommst du auch etwas von mir.« Diese Einstellung ist heute leider weit verbreitet. Sie zeugt von einem Egoismus, der wenig Platz für andere Menschen kennt. Und er macht krank.
Aus Sorge darüber, im Leben zu kurz zu kommen, konzentriert sich alles darauf, die eigenen Bedürfnisse mit allen gebotenen Mitteln zu befriedigen. Gleichzeitig wächst die Angst, die Anstrengungen könnten für die eigenen Erwartungen nicht ausreichen. Ein Teufelskreis, aus dem man sich kaum befreien kann.
Dabei weiß doch selbst die moderne Psychologie: »Wer anderen hilft, findet seine Ruhe, seine Ausgeglichenheit, sein Stimmungshoch wieder, indem er seine Glückshormone freisetzt.« Und bereits vor mehr als 3000 Jahren riet König David, wie es im Wochenpsalm (Psalm 41) nachzulesen ist: »Wohl dem, der sich der Schwachen annimmt. Den wird der Herr erretten zur bösen Zeit.«
Gottes Segen liegt auf dem Blickwechsel von uns weg auf andere hin. Jede gute Tat, die darin besteht, Zeit und Geld zu opfern, sich für andere einzusetzen, bringt immer auch Gewinn. Heißt es doch im Volksmund: Liebe ist das Einzige, was wächst, wenn man sie verschenkt. Schon Jesus kannte das Problem der Ich-Bezogenheit und gab uns vor: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.«
Damit retten wir die Welt sicher nicht, aber wir verändern uns selbst. Und das ist schon viel.
Martin Quellmalz







