»Diese Diskussion ist ein Geschenk des Himmels«

26. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen

In Eisenach wurde zu einem Podiumsgespräch zum Luther-Schauspiel eingeladen.

Darf Luther mit einem Teufel zusammenarbeiten? Darf über seine Schwächen spekuliert werden? Darf er Hauptfigur eines Theaterstücks sein? Über solche Fragen wurde 2009 nach der Premiere des Schauspiels »Luthers Teufel« bei den Festspielen »Luther – Das Fest« in ­Eisenach heftig gestritten.

In diesem Jahr kam das Stück geändert und ­unter dem Titel »Der Reformator ­zwischen Liebe und Hass« auf die Bühne sowie in der Annenkirche für den 21. August eine Podiumsdiskussion aufs Programm. Hier, wo erstmals zum Lutherfest in ein »Geistliches Zentrum« eingeladen wurde, diskutierten Vertreter von Kirche und Stadt mit Jethro D. Gründer, Regisseur und Autor des Schauspiels.

Auf der einen Seite gab es viel Lob. Zum Beispiel von Katrin Göring-Eckardt (Präses der Synode der EKD): Im Vergleich der Lutherstädte habe Eisenach klar gewonnen, denn über das Stück zu diskutieren, finde sie viel wichtiger als Lutherzwerge anzuschauen. Zudem werde Luther endlich mal nicht nur als historische Figur gesehen, die gut für den Tourismus sei und uns die übersetzte Bibel gebracht habe, sondern hier werde ein wichtiges Problem angesprochen: Dass mit bestem Gewissen gefällte Entscheidungen zerstörerische Folgen haben können.

Im Schauspiel »Der Reformator zwischen Liebe und Hass« segnet ­Luther (Marcus Coenen) die kleine ­Sophie. Das Stück war in Eisenach zu »Luther – Das Fest« am letzten Wochenende zu sehen.	(Foto: Susanne Sobko)

Im Schauspiel »Der Reformator zwischen Liebe und Hass« segnet ­Luther (Marcus Coenen) die kleine ­Sophie. Das Stück war in Eisenach zu »Luther – Das Fest« am letzten Wochenende zu sehen. (Foto: Susanne Sobko)

Christoph Martin Neumann (Vorsitzender des Luthervereins) hob ebenfalls diesen Aspekt hervor: Es habe ihn zutiefst berührt, als Luther in dem Stück seine Abgründe erkennt und seine Schuld bekennt. »Das ist unglaublich wichtig«, so der Pfarrer im Ruhestand. Das Schauspiel sei ein wertvolles Gesprächsangebot für Christen und Nichtchristen. Thomas A. Seidel (designierter Lutherbeauftragter der Landesregierung) sieht ­einen Gewinn in der »frischen Inszenierung« allein schon darin, dass sie offen legt, »wie viel Reibungsfläche Religion und Kirche bieten«. Eisenachs Superintendentin Martina Berlich lobte die Idee, die Wartburg mit dem Pkw Wartburg zu verquicken. Ohne Luther hätte Eisenach nicht die weltweite Popularität, hier wäre dann nicht der Wartburg gebaut und die Wartburg saniert worden.

Es gab aber auch die andere Seite, wonach Luther im Stück »zu dualistisch dargestellt« werde, obwohl »beide Seiten ineinander laufen«, so Berlich. Seidel fand das DDR-Geschichtsbild wieder, beispielsweise wenn »Luther als konservativer Fürstenknecht und Müntzer als Revolutionär« gezeigt werden. Von einem differenzierteren Vergleich der beiden erwartet er wichtige Denkanstöße für die heutige Zeit, insbesondere Politikmodelle betreffend.

Zudem fand Seidel zu plakativ, Luther für den Tod ­eines kleinen Mädchens infolge des Bauernkrieges verantwortlich zu machen, und ihm fehlte das genauere Darstellen von Luthers Gottesbild. Göring-Eckardt hätte das Thema Freiheit gern noch näher beleuchtet gesehen, verdienstvoll aber sah sie: »Dass sich hier Christen und Nichtchristen über einen Text streiten, ähnelt der Zeit der Reformation.« Das hob auch eine Besucherin lobend hervor: »Diese Diskussion ist ein Geschenk des Himmels.«

Mehrfach kritisiert wurde der Autor für den Schluss des Stückes – er ließ es mit dem Verweis auf sinkende Mitgliederzahlen der Kirchen enden. »Eine Tatsache«, so Gründer, und die wolle er unkommentiert lassen.

Susanne Sobko

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