Immer im Rhythmus bleiben

26. August 2010 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen

In Aktion: Philipp Zimmermann (21) und Sebastian Schmidt (20) bei der ­öffentlichen Präsentation mit ihren ­Instrumenten (Foto: Maik Schuck)

In Aktion: Philipp Zimmermann (21) und Sebastian Schmidt (20) bei der ­öffentlichen Präsentation mit ihren ­Instrumenten (Foto: Maik Schuck)

Insassen der Jugendarrestanstalt Weimar übten sich in »Schrott-Percussion«.

Spannung erfüllt den Raum – sechs Jugendliche bringen Einkaufswagen, Plastiktonnen und Bleche als Instrumente für ihren wohl ersten musikalischen Auftritt. Es beginnt ein gleichmäßiges Trommeln, konzentriert bleiben alle im Rhythmus der Gruppe. Ständiger Blickwechsel als Kommunikation – zeitweise schlägt jeder auf andere Weise mit Holzstöcken auf sein Sammelsurium von Schrott, doch der Grundton bleibt im Einklang mit den anderen. Der Boden bebt förmlich und die Luft vibriert, bis sich am Ende alle im Gleichtakt wiederfinden. Ein verlegenes, stolzes Lächeln steht den Jungen ins Gesicht.

Bei den angehenden Musikern handelt es sich um Arrestanten, die für vier Wochen als Verwarnung im Gefängnis sind. Am 13. August zeigten sie nach nur drei Einstudierungstagen im Sozialkaufhaus »Möbilé« in Weimar das Ergebnis eines Workshops, der auf Initiative des Erfurter Vereins CGE (Culture Goes Europe) unter der Leitung des erfolgreichen Stepptänzers und Musikers Bernhard Prodoehl stattfand. In Zusammenarbeit mit dem Weimarer Verein »Die Boje«, der straffällig gewordene Jugendliche unterstützt, nahm die kreative Idee für ein musikalisches Pilot-Projekt Form an.

Der Umgang mit Aggressionen, aber auch die Kommunikation mit anderen sind das, was die jungen Menschen durch die Percussion-­Musik lernen können. In dem gleichmäßigen, beständigen Rhythmus befinden sie sich in einer kleinen Gemeinschaft, in der jeder einen wichtigen Teil des Gesamten ausmacht.

Bleibt die Frage: Und wie geht es weiter? Der Workshop war der erste seiner Art; ein paar Stunden Trommeln können wohl auch kaum das ­Leben eines Menschen ändern. »Unsere Aufgabe ist es, Samen zu säen«, sagt Pfarrer Bernd Eichert, Vorsitzender der »Boje«. Bei den Initiatoren ist die Lust auf mehr geweckt, man will in Kontakt bleiben. Ist der Boden gut, keimt das Samenkorn auf. Eine originelle Idee, aber große Aufgabe – dabei scheint es so einfach, mit einem bisschen Schrott und Begeisterung anderen Menschen zu helfen.

Verena Schaller

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