Bildung und Gerechtigkeit
20. August 2010 von redaktionguh
Abgelegt unter Thüringen
Die Sparpläne des Thüringer Bildungsministeriums im Bereich der freien Schulen sind bei den Kirchen auf heftige Kritik gestoßen. »Glaube+Heimat« befragte Minister Christoph Matschie dazu.

Christoph Matschie (SPD), Diplom-Theologe, seit 2009 Thüringer Kultusminister und stellvertretender Ministerpräsident
Herr Minister Matschie, bisher hat es den Anschein, dass Ihr Ministerium vor allem im Bereich der freien Träger spart. Ist das nicht der Weg des geringsten Widerstandes?
Matschie: Wir stehen in Thüringen vor einer dramatischen Haushaltssituation. Im Landesetat klafft nächstes Jahr zwischen den prognostizierten Einnahmen und Ausgaben eine Lücke von 1,2 Milliarden Euro. An den notwendigen Einsparungen muss sich auch mein Haus beteiligen. Dabei stellen wir alle Bereiche auf den Prüfstand, auch die staatliche Förderung der Thüringer Schulen in freier Trägerschaft. In diesem Bereich liegen wir über dem Bundesdurchschnitt, insbesondere bei den Regelschulen, wo wir bundesweit am meisten fördern. Hier ist es möglich zu sparen, ohne die Qualität zu gefährden. Wichtig ist: Es wird keine Schule in freier Trägerschaft in ihrem Bestand gefährdet.
Die Evangelische Schulstiftung beklagt die fehlende Kommunikation im Vorfeld. Haben die freien Träger noch Einfluss auf den Gesetzentwurf innerhalb eines Stellungnahmeverfahrens?
Matschie: Die freien Träger waren über die anstehende Novellierung informiert. Einige freie Träger haben dem zuständigen Fachreferat in meinem Hause Änderungsvorschläge übergeben, die im Rahmen der Erstellung des Gesetzentwurfs geprüft wurden und in vielen Punkten auch Berücksichtigung fanden. Aktuell führen wir das Anhörungsverfahren durch und geben allen freien Schulträgern Gelegenheit, ihre Stellungnahmen abzugeben. Berechtigte Hinweise werden wir natürlich berücksichtigen.
Wenn evangelische Schulen und andere freie das Schulgeld anheben müssen, steht dann nicht die Bildungsgerechtigkeit auf dem Spiel? Kann das Ihr Ziel sein?
Maschie: Die Bildungsgerechtigkeit ist nicht gefährdet. Unser Schulgesetz bestimmt, dass Schulen in freier Trägerschaft nur dann staatlich gefördert werden, wenn sie Regelungen gegen eine soziale Selektion vorsehen. Im Übrigen sollte eine Erhöhung des Schulgelds immer nur die letzte Möglichkeit sein. Zunächst geht es auch für die freien Träger darum, alle Effizienzreserven voll auszuschöpfen und genau wie das Land alle Ausgaben exakt zu prüfen.
Wenn wir über Gerechtigkeit sprechen, gehört allerdings auch folgender Gedanke dazu: Die Tatsache, dass es aufgrund eines Gerichtsurteils Lehrerüberhänge an staatlichen Schulen gibt, darf nicht zu höheren Zahlungen für die Schulen in freier Trägerschaft führen, wie es gegenwärtig noch ist.
Fürchtet der Staat als Schulträger die Konkurrenz der freien Schulen?
Matschie: Ich will Thüringen zum Bildungsland Nummer eins machen. Dazu gehören auch die Schulen in freier Trägerschaft, die zur vielfältigen Bildungslandschaft beitragen. Sie sind eine gesunde Konkurrenz. Ihre Arbeit schätze ich sehr.
Laurenz und Frohsina
20. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Naturschutzbund zieht eine positive Bilanz beim »Lebensraum Kirchturm«.
Am 13. August sind vier Jungstörche nach Süden aufgebrochen. Die Altstörche bleiben in der Regel bis Ende August. Es ist die achte Brut, die im neuen Quartier auf der Kirche St. Laurentii in Schönebeck-Frohse (Kirchenkreis Egeln) herangewachsen ist. Die Kirche sei ab 2001 von Grund auf saniert worden, informiert Gemeindepfarrer Johannes Beyer, zuerst die Türme. Mit der Deckung des Kirchenschiffes im Jahr darauf wurde eine Unterlage für ein Storchennest aufgesetzt. Schon im selben Jahr nahm ein Storchenpaar die Wohnung an. In der nahen Elbe findet es reichlich Nahrung.
Damals war noch Pfarrer Johannes Schulz für die Kirche zuständig. Er und vor allem seiner Frau Agnes liegen die besonderen Kirchenbewohner am Herzen. Sie suchten sich Partner beim Naturschutzbund (Nabu) und beim Storchenhof Loburg.

Im Juni wurden die vier Jungstörche auf der Kirche St. Lautentii in Schönebeck-Frohse durch den Förster beringt (Foto: Agnes Schulz)
»Wir müssen noch Sand in die Kästen geben.« Auch an Flugöffnungen für Fledermäuse wurde bei der Sanierung des Kirchturms gedacht. Das Engagement ist im März dieses Jahres mit der Nabu-Plakette »Lebensraum Kirchturm« für St. Laurentii belohnt worden.
In diesem Monat zog der Nabu eine positive Bilanz: Insgesamt gibt es in Deutschland rund 400 Kirchen, die diese Plakette tragen. Zu den Spitzenreitern gehört Thüringen mit 49 ausgezeichneten Kirchen. Nur Baden-Württemberg mit 100 und Rheinland-Pfalz mit 67 sind besser. Die Kirche Brahmenau-Groitschen (Kirchenkreis Gera) war die erste im Freistaat Thüringen, die 2007 die Auszeichnung erhielt. In Sachsen-Anhalt tragen bislang elf Kirchen die Plakette.
Der Nabu hatte 2007 gemeinsam mit dem Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen die Aktion »Lebensraum Kirchturm« initiiert. Mit der Aktion soll über naturschutzfreundliche Sanierungen von Kirchtürmen informiert werden. Kirchtürme sind für Schleiereulen, Turmfalken ebenso für Fledermäuse Ersatz für natürliche Bruthöhlen in Felsen oder Bäumen, die sie in den Städten kaum vorfinden. Durch Einfluglöcher und Nistkästen an Kirchtürmen ist jedoch auch hier ein gutes Zusammenleben von Mensch und Tier möglich. In Frohse hat das Storchenpaar inzwischen einen Namen: Laurenz und Frohsina.
(ds)
Humanitäre Katastrophe
20. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Der schleppende Beginn der Hilfsaktionen für die über 20 Millionen Menschen, die von den Überflutungen in Pakistan betroffen sind, ist für die Betroffenen nichts anderes als eine zweite Katastrophe. Von einer Spendenflut wie nach dem Tsunami ist derzeit jedenfalls noch nicht sehr viel zu sehen – auch wenn sich die Direktorin der Diakonie-Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, bereits am vergangenen Freitag beeindruckt von der Spendenbereitschaft der Deutschen zeigte. Doch die wenigen Millionen Euro, die bislang auf den Konten der Hilfsorganisationen eingingen, sind nichts im Vergleich zur Größe der deutschen Bevölkerung. Statistisch gesehen sind wir noch weit davon entfernt, dass jeder Bundesbürger auch nur einen Euro gespendet hat.
Da wiegt es umso schwerer, wenn mitten in einer Flutkatastrophe der im Haushalt des Auswärtigen Amtes angesiedelte Etat für humanitäre Hilfe um 20 Prozent gekürzt wird. Zurecht beklagen Diakonie und Caritas dieses realitätsferne Vorgehen der Bundesregierung. Denn so wenig Naturkatastrophen vorhersagbar sind: Der Klimawandel wird nach Meinung der meisten Experten dazu führen, dass ihre Zahl eher weiter steigt als fällt. Staatliche Hilfe wie Spendengelder werden sich auf immer mehr Katastrophen aufteilen müssen. Wer da bei der humanitären Hilfe kürzt, wird eines Tages selbst in den Fluten untergehen.
Benjamin Lassiwe
Engagiert, beliebt und umstritten
20. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Am Sonntag wird Pröpstin Elfriede Begrich, Regionalbischöfin zu Erfurt, aus ihrem Amt verabschiedet.

Pröpstin Elfriede Begrich hält mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. (Foto: Burkhard Dube)
Schnell speichert sie noch die Rede für den Nachmittag zum Hiroshima-Gedenken ab. Die kleine zierliche Frau, die auch unterm Talar hochhackige Schuhe trägt, kennt keine Langeweile. Elfriede Begrich ist engagiert, gefragt, beliebt, umstritten. Jeden Sonntag hält sie ein bis zwei Gottesdienste – trotz vollem Terminkalender. Beim Plaudern über ihre Hobbys findet sie ein treffliches Bild: »Das Schönste am Reiten ist: Man hält die Zügel in der Hand und wird trotzdem getragen. Und das Pferd bleibt besser in der Spur als ich.«
Sie lacht.
Zehn Jahre war die Theologin Pröpstin zu Erfurt-Nordhausen. Sie war es gern und hat ihre Spuren hinterlassen. Der Mühlhäuser Superintendent Andreas Piontek hat sie all die Jahre erlebt. »Wir waren eine tolle Gemeinschaft«, spricht er für die Ephoren der Propstei. »Ich persönlich schätze ihre direkte Art und dass es ihr immer um das Wort Gottes geht. Da ist sie vollkommen authentisch.«
Mit dieser direkten Art kam nicht jeder klar, weiß sie selbst. »Es fällt mir schwer, diplomatisch zu handeln und bis ins Detail zu überlegen, wie das bei diesem oder jenem ankommt. Das ist auch eine Last«, bekennt sie. Vor allem die Nähe zur Partei »Die Linke« wird der Theologin vorgeworfen. Sie steht dazu. »Links« sei für sie keine parteipolitische Option. »Das Evangelium stellt uns nach ›unten‹, und ich verbinde mit ›links‹ das Soziale, das Gerechtigkeitsempfinden, die Friedensethik.« Das sehe sie bei dieser Partei. »Ob sich das ändert, wenn die Linken mal regieren … Ich will erst einmal glauben, dass sie meinen, was sie sagen.«
Elfriede Begrich sind Menschen wichtig, die Vielfalt und die Beziehungen, die sie zu ihnen knüpft. »Es gibt keinen, bei dem ich nicht ein Stück Ebenbild Gottes sehe«, sagt sie. Jeder sei ein Mosaikstein in ihrem Weiter gewesen, auch die Gegner. Ihr lägen vor allem jene am Herzen, die draußen stehen oder ganz wenige sind. Deshalb war sie in ihrer Amtszeit viel in den Gemeinden unterwegs, hat mit den Mitarbeitern, Kirchenältesten, Lehrern und Kindern gesprochen. In den letzten Amtsjahren wird die 63-Jährige als Beauftragte für religionspädagogische Arbeit mit Erzieherinnen arbeiten und ihre Gaben nutzen.
Eine prägende Zeit war für die gebürtige Berlinerin ihr Amt als Schülerpfarrerin in Halle (1975–83). Die Glaubens-, Lebens- und Denkgemeinschaft sei sehr intensiv gewesen. »Unser großes Vorbild war Ernesto Cardenal.« Die Befreiungstheologie, die Verbindung von Gesellschaft und Glauben, von Glauben und Leben – das habe sie und die jungen Menschen damals beschäftigt. Heute ist ihr vor allem Martin Niemöller ein Vorbild mit der »schlichtesten aller Fragen«: Was würde Jesus dazu sagen?
Die Theologin hat auch ganz unbekannte Seiten. Dass sie sportlich ist, joggt, gern auf Schlittschuhen steht und das Meer liebt, wissen manche. Aber: »Ich kann auch Strümpfe stricken. Das traut mir niemand zu.« Der Mutter von drei Kindern und drei Enkeln ist die Familie wichtig, obwohl sie wenig Zeit für ihre Kinder hatte. Heute erzählt sie den Enkeln gern biblische und andere Geschichten.
Eine Woche vor ihrer Verabschiedung am 22. August ist sie noch einmal mit »ihren« Ephoren auf Wanderung im Harz.
Dietlind Steinhöfel
Verabschiedung Pröpstin Elfriede Begrich:
22. August, 14 Uhr, Augustinerkirche zu Erfurt
Auf Seitenpfaden unterwegs
20. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Auch an der Reppichauer Kirche stehen Skulpturen, die den historischen Malerein im Sachsenspielel nachempfunden wurden (Foto: privat)
Fritz Matthei heißt die Pilger willkommen. Vor dem Start der dritten Etappe des »Pilgerns auf dem Lutherweg 2010« führt er das Dutzend Gehwillige, welches sich am 14. August versammelt hat, durch die romanische Nikolaikirche in Aken. Gekonnt zeigt Matthei Wege auf, die von der einst wohlhabenden Elbeschifferstadt in die Welt führten. Nach Österreich zum Beispiel, wo Theodor von Sickel Karriere machte. Der Sohn einer Akener Pfarrersfamilie stellte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Diplomatik (Urkundenlehre) auf neue Grundlagen.
Nach kurzer Andacht gehen die Pilger auf das 20 Kilometer entfernte Köthen zu. Zwar sind im Spätsommer die Wälder noch nicht bunt, aber die Stoppelfelder hier gelb. Halb verwilderte Obstbäume säumen den Weg. Pflaumen und Äpfel müssen noch reifen, aber die Mirabellen schmecken bereits.
Hinter Wäldchen, Wiesen, Pferdekoppeln kommt Reppichau in Sicht. Das Dorf präsentiert sich als Freilichtmuseum. Überlebensgroße Figuren, die der örtliche Kunstschmied Frank Schönemann anfertigte, stehen am Dorfteich und anderswo. Wandmalereien an Häusern stammen von Steffen Rogge aus Köthen. Alle sind nach historischen Vorlagen geschaffen: den bebilderten Handschriften des Sachsenspiegels, des wichtigsten deutschen Rechtsbuches des Mittelalters.
Sein Autor, Eike von Repgow (um 1180 bis um 1135), gilt als Sohn des Dorfes. Tatsache ist: Aus dem Jahr 1159 sind der Ortsname Ripechove und die Brüder Marquard, Eico und Arnold überliefert. Ob es sich bei Eico wirklich um den Verfasser des Sachsenspiegels handelt, ob der berühmte Eike überhaupt mit der in Reppichau ansässigen Familie verwandt war, bleibt aufgrund der Quellenlage umstritten. Trotzdem: Die Kunstwerke und das Informationszentrum in Form einer Burg mit Zinnen und Türmchen machen das Dorf unverwechselbar.
Die Dorfkirche besteht aus einem fast völlig von Efeu umschlungenen romanischen Turm und dem 1823 fertiggestellten Schiff. Hier ist Zeit für die nächste Andacht, danach für eine Kaffeepause unter den alten Bäumen des Kirchgartens und dem kritischen Blick Eike von Repgows, für den ein Denkmal seit 1934 an der Turmmauer steht.
Von Reppichau aus wird der Lutherweg entlang eines Radweges über Elsnigk nach Osternienburg geführt, dann mit der Straße nach Sibbesdorf und Zehringen bis Köthen. Was für Radler ideal ist – feste, glatte Fahrbahnen – erfreut nicht unbedingt den Fußgänger. Die Gruppe schlägt deshalb bei Reppichau eine schmale Straße nach Kleinzerbst und dann einen Weg an den Rustteichen vorbei nach Osternienburg ein. Später geht sie auf Nebenstraßen über Pißdorf und Elsdorf nach Köthen weiter.
Mit jedem Schritt werden die Türme der Jakobskirche, die irgendwann am Horizont auftauchen, größer. Die Pilger durchqueren die Schlossanlage und erreichen schließlich die Noch-Baustelle Jakobskirche, wo Pfarrer Wolfram Hädicke die Andacht übernimmt. Dankbar lässt sich die Gruppe auf den staubigen Kirchenbänken nieder und betrachtet das fast fertig restaurierte Kirchenschiff. Bis zum Beginn der Bachfesttage am 1. September wird auch das letzte Stäubchen verschwunden sein.
Angela Stoye
Letztes »Pilgern auf dem Lutherweg 2010« am 4. September von Köthen nach Bernburg. Anmeldungen diesmal an Sonja Hahn, E-Mail sonja.hahn@gmx.net
Ringen um die Schöpfung
20. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Neuanfang: Die mitteldeutsche Kirche entdeckt den Umweltschutz für sich.
Zu DDR-Zeiten war die Bewahrung der Schöpfung ein zentrales Thema der Kirche. Mit der Wende trat anderes in den Vordergrund. Jetzt soll das Augenmerk wieder verstärkt darauf gelenkt werden.
»Eigentlich«, sagt Hans-Joachim Döring, »geht der Umweltschutz uns alle an.« Ökostrom beziehen, Energie sparen oder Bio-Produkte kaufen sind nur einige der Möglichkeiten. Jeder könne seinen Beitrag leisten und etwas für die Bewahrung der Schöpfung tun. Der Leiter des Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrums in Magdeburg muss es wissen. Seit Anfang des Jahres ist er in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) für die Umweltarbeit zuständig.
Aber auch die Kirchengemeinden und die Landeskirche sieht Döring in der Pflicht. So sei die EKM nicht nur ein großer Land- und Waldbesitzer, sie verfüge auch über einen Bestand von 5.600 Gebäuden. »Hier«, ist er überzeugt, »müssen wir eine Strategie zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes entwickeln.« Als weitere Handlungsfelder nennt er das Projekt »Lebensraum Kirchturm« oder das kirchliche Umweltmanagement »Grüner Hahn«.
Einige positive Ansätze gibt es bereits. So entsteht in Jena ab September ein neues Gemeindezentrum, das nicht nur über Erdwärme geheizt werden soll, sondern auch eine Photovoltaikanlage erhält. Die Kirchengemeinde ist aus Kostengründen nicht selbst der Betreiber, verpachtet jedoch das Dach. Ein Beweggrund sei die Bewahrung der Schöpfung und die Nutzung alternativer Energien gewesen, erklärt Kirchmeister Friedrich Bürglen.
Auch in Wittenberg bemüht sich die Stadtkirchengemeinde um einen bewussteren Umgang mit Energie. Ein Team aus Ehrenamtlichen hat sich des kirchlichen Umweltmanagements angenommen. Das Gemeindehaus St. Martin in Friedrichstadt solle endlich eine vernünftige Wärmeisolierung erhalten, berichtet Friedemann Ehrig vom Umweltteam. Er findet es wichtig, konkret etwas zu tun. »Die Menschen erwarten zudem, dass sich die Kirche bei solchen Themen zu Wort meldet.«
Doch trotz dieser Beispiele hat die mitteldeutsche Kirche einigen Nachholbedarf in Sachen Umweltschutz. In den letzten sechs Jahren ist hier nur wenig passiert. »Faktisch war die Umweltarbeit auf Landeskirchenebene nicht mehr existent«, räumt Döring ein. Das soll sich nun ändern. Die Synode hat einen ständigen Ausschuss eingesetzt, der sich mit Fragen von Umweltschutz und Landwirtschaft befasst. Zudem gibt es seit Anfang des Jahres ein EKM-Umweltteam. Als erstes gemeinsames Projekt hat das Ökumenezentrum mit dem Baureferat eine Handreichung zur Nutzung regenerativer Energien in kirchlichen Gebäuden herausgebracht. Zwar gebe es bereits Kirchengemeinden, die eine Photovoltaikanlage auf ihrem Gemeindezentrum betreiben. Doch mit insgesamt 15 Anlagen falle die Bilanz eher bescheiden aus, findet der Umweltbeauftragte.
Aber auch inhaltlich gibt es neue Ansätze. Vom 1. September bis zum Erntedanktag sind die Kirchengemeinden eingeladen, die Bewahrung der Schöpfung unter dem Motto »Die Erde ist des Herrn« zum Thema zu machen. Mit dieser »Schöpfungszeit« greift die EKM einen Beschluss der Dritten Ökumenischen Versammlung in Sibiu auf. »Die Feier der Schöpfung und das Ringen um ihren Erhalt gehört in das Herz unseres Auftrages als Kirchen hier vor Ort und weltweit«, schreibt Landesbischöfin Ilse Junkermann im Begleitwort.
Es soll jedoch nicht bei der Theorie bleiben. Derzeit ist die Landeskirche dabei, eine ganze Kampagne vorzubereiten. »Klimawandel – Lebenswandel« heißt das ehrgeizige Vorhaben, das auch vor konkreten Zielen bei der CO2-Reduzierung nicht zurückschreckt. »Der Klimawandel ist eine der drängendsten Überlebensfragen«, sagt EKM-Kampaignerin Annelie Hollmann. Letztlich lasse er sich nur aufhalten, wenn die Verursacher der Krise, die Menschen in den reichen Industriestaaten, bereit seien, ihren Lebensstil zu ändern.
Das sieht auch Hans-Joachim Döring so. Es gehe heute um eine »Ökonomie des Genug«, ist er überzeugt. Der Umgang mit der Umwelt und die Erfahrung der eigenen Geschöpflichkeit biete zugleich die Chance, mit Nichtchristen über solche Fragen und die Ehrfurcht für das Leben ins Gespräch zu kommen. Denn letztlich gehe es in der Umweltarbeit neben dem »wichtigen Dämmen der Häuser« immer auch um das Öffnen von Herzen.
Martin Hanusch
Die Arbeitshilfe zur »Schöpfungszeit« gibt es im
Ökumenezentrum,
Leibnizstraße 4, 39104 Magdeburg,
Telefon (0391) 53 46-492,
E-Mail kerstin.hensch@ekmd.de.
Loben zieht nach oben
14. August 2010 von redaktionguh
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Die sollen loben den Namen des Herrn, denn sein Name allein ist hoch, seine Herrlichkeit reicht so weit Himmel und Erde ist.
Psalm 148, Vers 13

Christian Dietrich, Pfarrer in Nohra
Wie ist das, Gott über alles loben – mitten im Chor der Schöpfung – und wer darf das? Am Ende des Psalmbuches im Psalm 148 finden sich zehn Hallelujas als Pendant zu den Zehn Geboten. Da heißt es zu allem, was es in dieser Welt gibt: »Die sollen loben den Namen des Herren; denn er gebot, da wurden sie geschaffen.« Loben sollen die Mineralien und das Erdöl, die Eisbären und der »Große Fuchs«, das Korallenriff und der Eichenwald, der Sternenhimmel und die, die dies alles entdecken und erforschen.
Doch diese Einladungen zum Lobpreis sind nicht als ökologische Gebote zu verkürzen. Nicht wir bewahren die Schöpfung, sondern sie bewahrt uns vor der Selbstüberschätzung. Wer im Staunen über die Wunder Gottes den Mund zum Halleluja formt, wird Teilhaber (Hebräer 12,10), Teil der Schöpfung der Zukunft. Wer das Morgenlied der Amsel vergisst, das Summen der Bienen am Lavendel, das Rauschen des Bächleins, wer das nicht hört, der soll sich nicht wundern, wenn sein Herz das Singen verlernt. Und ein alter Spruch sagt: »Loben zieht nach oben.«
Gott loben begeistert und die Gemeinde gründet in diesem Lobpreis. Als naiv und weltfremd, introvertiert oder reaktionär wurde und wird diese Geborgenheit bespöttelt und gar bekämpft. Doch solange der Schöpfer seine Schöpfung am Leben hält, wird auch sein Oratorium erklingen: Des Herrn Name allein ist hoch, sein Lob geht, soweit Himmel und Erde ist und wer sein Lob singt, der hat Teil an seinem ewigen Reich.
Christian Dietrich, Pfarrer in Nohra
Tango für eine grüne Zukunft
13. August 2010 von redaktionguh
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Sonnenenergiegewinnung auf dem Gemeindezentrum Martini Luther in Erfurt. Anfangs gab es noch Skeptiker. Inzwischen konnten viele Bedenken ausgeräumt werden. (Foto: Lutz Edelhoff)
Erste Erfurter Ökostrom-Wechsel-Party vor der Lutherkirche will Mut zu Ökostrom machen.
Manchmal ist es eine neue Beziehung, manchmal eine vielversprechende Verabredung und manchmal eben auch nur ein Kater – von Partys lässt sich so allerhand mitnehmen. Etwas ganz Spezielles wird das am Freitag rund um die Erfurter Lutherkirche sein: 17 Uhr startet dort die 1. Erfurter Ökostrom-Wechselparty.
Viel zu kopflastig käme das Thema oft daher, findet Monika Brückmann. Gemeinsam mit ihrem Mann Dietmar ist sie eine der Initiatorinnen von der Initiative Ökostrom in der Thüringer Landeshauptstadt. Leipzig und München aber haben es vorgemacht, ein ganzes Buch wurde darüber geschrieben. »Da dachte ich: Das können wir auch!« Und so wird sich am Freitag gewiss bis in den Abend hinein das Quizrad der Verbraucherzentrale zu Umwelt- und Klimaschutz drehen, Elektrofahrräder surren durchs Karree, der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Evangelische Stadtakademie und andere beraten, berechnen und informieren. Tango-Tänzer werden charmant die »Power-Statements« auf der kleinen Bühne vor der Kirche unterbrechen. Was diesen Statements nichts von ihrer Ernsthaftigkeit nimmt.
»Den Atomausstieg selber zu machen, das ist für mich wirklich der Hauptgrund für so eine Party«, bekennt die CVJM-Mitarbeiterin Monika Brückmann. »Wenn man sich vor Augen hält, dass es für die Endlagerung von Atommüll nach wie vor keine Konzepte gibt! Oder dass der Abbau von Uranerz auf Kosten der indigenen Völker vonstatten geht.« Neubau von Kohlekraftwerken in Zeiten des Klimawandels? »Da bin ich entsetzt!«
Obwohl nicht wenige Menschen entsetzt sind, scheint die Schwelle zum Ausstieg hoch zu sein. Matthias Weiß vom Mitveranstalter »Offene Arbeit« kennt das gut: »Eine Weile hat’s auch bei mir gedauert. Ich dachte, da kommt ein Riesenaufwand an Papierkram auf mich zu. War aber nicht so.« Auch seine zweite Befürchtung war unbegründet, dass Umweltbewusstsein heftig auf das Monatsbudget durchschlägt. »Ich bezahl’ grad mal drei Euro mehr.« Aber sitzt man nicht doch mal im Dunkeln, wenn was schiefläuft? Und woher weiß ich, wer mir wirklich konsequent Strom aus Sonne, Wind und Wasserkraft liefert? Fragen wie diese beantwortet Stefan Eisentraut vom Klimaprojekt der Thüringer Verbraucherzentrale. Antragsformulare diverser Anbieter wird es am Freitag ebenso geben wie Infos zu möglichen Fallstricken.
Gerhard Wien vom Kirchspiel Martini-Luther ist einer derjenigen, der Argumente für Ökostrom aus erster Hand liefert: »Als die Fotovoltaikanlage auf unserem Gemeindezentrum im Roten Berg installiert wurde, waren durchaus noch einige kritisch«, erinnert er sich. Regelmäßige Beiträge im Gemeindeblatt in den letzten drei Jahren klärten jedoch einiges. Am Freitag nun könnte das schneller gehen.
»Für mich«, appelliert Monika Brückmann, »ist es einfach die Pflicht eines jeden Christen, das Seine zu tun, um die Schöpfung zu bewahren und Verantwortung für die nächsten Generationen zu übernehmen.« Und so kann es auf der Party vor der Lutherkirche gut passieren, dass man bei Bio-Wein nicht nur eine neue Beziehung eingeht – zu Strom und seinen Erzeugern –, sondern dass tatsächlich eine nachhaltige Partnerschaft entsteht.
Kathrin Schanze
Eheversprechen unter freiem Himmel nach Martin Luther
13. August 2010 von redaktionguh
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Vom 20. bis 22. August feiert Eisenach sein Luthervolksfest, auch die evangelische Kirche beteiligt sich daran.

Der Blick auf das Programm für »Luther – Das Fest« vermittelt den Eindruck, als müsse 2017 unmittelbar vor der Tür stehen, gedrängt in eine Spanne von nur drei Tagen. Eine Fülle an kulturellen, bildenden, religionsgeschichtlichen, kirchlichen aber auch geselligen Höhepunkten zu Ehren des Reformators ballt sich am Wochenende 20. bis 22. August in der Wartburgstadt Eisenach.
Der kommerzielle Erfolg des Lutherfestes steht bei den Mitstreitern des kleinen Luthervereins nicht im Vordergrund – Kostendeckung ist das Ziel. In diesem Jahr hat sich auch die Zusammenarbeit mit der Kirche intensiviert. Nicht zuletzt ist das ein Verdienst von Christoph Martin Neumann aus dem Lutherstammort Möhra. Der Pfarrer im Ruhestand übernahm den Vereinsvorsitz von Lutherfest-Erfinder Udo Winkels. Die neue Qualität der Zusammenarbeit wird auch durch Landesbischöfin Ilse Junkermann deutlich, die die Schirmherrschaft über die diesjährigen Historienspiele übernimmt.
»Wir wagen den Spagat zwischen Volkfest und inhaltlicher Tiefgründigkeit«, verdeutlicht Sandra Blume vom Organisationsteam diese Entwicklung zwischen Lutherverein und Kirche. Eisenachs Superintendentin Martina Berlich freut sich über den engen Kontakt. Bisher habe man die Annenkirche dem Veranstalter mit zur Verfügung gestellt, informiert sie. In diesem Jahr gäbe es ein eigenes Programm der Kirchengemeinde. Die Annenkirche soll zum »Geistlichen Zentrum« werden mit Konzerten, Austellungen, Kinderprogramm, aber auch mit meditativen Angeboten und Andachten.
Über das Theaterstück »Luther zwischen Liebe und Hass«, das im letzten Jahr für Zündstoff gesorgt hatte, soll es eine Podiumsdiskussion geben, unter anderem mit EKD-Präses Katrin Göring-Eckart und dem Autor des Stücks. »Wir wollen, dass die kontroversen Meinungen ausgetauscht werden«, sagt Martina Berlich.
Zum zweiten Mal wird sich auch ein Paar auf dem Fest das Ja-Wort geben. Hochzeitsgesellschaft wie Gäste erleben eine evangelische Trauung, wie sie im späten Mittelalter üblich war. Pfarrer Manfred Hilsemer von St. Annen nimmt nach Luthers »Traubüchlein« den Brautleuten unter freiem Himmel das Eheversprechen ab. Den Segen erhalten die Frischvermählten im Anschluss in einem feierlichen Gottesdienst in der Annenkirche.
Norman Meißner
Start in Hedersleben und Gnadau
13. August 2010 von redaktionguh
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Sachsen-Anhalt: Evangelische Sekundarschulen im ländlichen Raum nehmen Unterrichtsbetrieb auf.

In Hedersleben begann die Schule für 19 Kinder, Gnadau ging mit 18 Schülerinnen und Schülern an den Start. Foto: Jürgen Meusel
Herzlich willkommen geheißen wurden 19 Schüler und Schülerinnen in der evangelischen Sekundarschule in Hedersleben (Kirchenkreis Halberstadt) von ihrem Klassenlehrer Oliver Rintz. Die Schule startete am 6. August mit einer fünften Klasse. Gemeinsam mit der Christlichen Sekundaschule in Gnadau (Kirchenkreis Egeln) wurden damit zwei weitere evangelischen Sekundarschulen der Johannes-Schulstiftung eröffnet. Sie sind die ersten ländlichen Schulen ihrer Art auf dem Gebiet der EKM.
Beide Schulen erhalten im ersten Jahr noch keine staatlichen Zuschüsse, sondern werden über den Träger, Beihilfen der Kirchenkreise, Spenden und Schulgeld finanziert. Die Johannes-Schulstiftung ist inzwischen Träger von acht Schulen in Sachsen-Anhalt. Neben den Sekundarschulen in Haldensleben, Magdeburg, Hedersleben und Gnadau unterhält sie vier Grundschulen. Drei davon – Burg, Gardelegen und Wernigerode – sind ebenfalls mit Beginn des neuen Schuljahres an den Start gegangen.
(mkz)







