»Ein Akt der Nächstenliebe«

3. September 2010 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Die Organspende von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier für seine Frau hat das Thema wieder in die Diskussion gebracht. Inzwischen wird zudem der Ruf nach einer Änderung des Transplantationsgesetzes laut. Martin Hanusch sprach dazu mit Dr. Christa Wachsmuth von der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Region Ost:
Dr. Christa Wachsmuth von der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Region Ost.

Dr. Christa Wachsmuth von der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Region Ost.

Frau Wachsmuth, nach Umfragen geben 95 Prozent der Deutschen an, dass sie sich im Bedarfsfall ein Spenderorgan wünschen. Aber nur 17 Prozent besitzen einen Organspendeausweis. Wie erklären Sie sich die Diskrepanz?
Wachsmuth:
Dies zeigt uns, dass sich leider immer noch zu wenige Menschen intensiv genug mit dem Thema Organspende auseinandersetzen, um für sich eine Entscheidung zu treffen. Für viele ist das Thema zu weit weg, erst wenn eine direkte oder indirekte Betroffenheit über Angehörige, Freunde oder Bekannte entsteht, dann setzt man sich oft sehr stark für das Thema ein. Darüber hinaus ist der Umgang mit Tod und Sterben immer noch tabu. Aus diesem Grunde dürfen wir nicht nachlassen, die Menschen immer wieder anzusprechen und über die Dringlichkeit aufzuklären.

Sollte das Transplantationsgesetz geändert werden und die Widerspruchsregelung den Spendeausweis ablösen, wie es jetzt manche Politiker fordern?

Wachsmuth: Es kann niemand garantieren, dass durch eine Gesetzesänderung die Anzahl der Organspenden steigt. Unserer Einschätzung nach gibt es Maßnahmen, die schneller und zuverlässiger greifen. Eine Gesetzesänderung braucht Zeit. Die 12.000 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan haben diese Zeit nicht. An jedem Tag sterben durchschnittlich drei Patienten, weil für sie nicht rechtzeitig ein Organ zur Verfügung steht.
Wir sehen die Chancen in einer Verbesserung der Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Krankenhäusern, denn dort passiert die Organspende. Einen ersten Schritt haben wir hier mit dem Projekt der Inhousekoordination gestartet. Außerdem müssen wir weiter daran arbeiten, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen.

Steckt hinter der Zurückhaltung die Befürchtung, dass Menschen nur noch als »Ersatzteillager« gesehen werden?
Wachsmuth: Die Vorbehalte sind völlig unbegründet. Jeder Mediziner wird immer alles tun, um den ihm anvertrauten Patienten zu retten. Erst wenn das nicht mehr möglich ist und der Hirntod von zwei Ärzten unabhängig voneinander festgestellt wurde, wird über eine mögliche Organspende gesprochen.

Wie stehen die Kirchen zum Thema und was können Christen ganz praktisch tun?
Wachsmuth: Die Kirchen sehen die Organspende als einen Akt der Nächstenliebe und stehen ihr positiv gegenüber. Christen sollten deshalb darüber nachdenken und eine Entscheidung treffen, ob sie Organe spenden wollen. Selbst Papst Benedikt XVI. hat übrigens einen Organspendeausweis.

Kontakt über das gebührenfreie Infotelefon Organspende (0800) 9040400 oder im Internet unter www.dso.de oder www.organspende-info.de

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