Dem Uranbergbau geopfert
3. September 2010 von redaktionguh
Abgelegt unter Thüringen
Die Geraer Schriftstellerin Annerose Kirchner hat Zeitzeugen über die verschwundenen Dörfer im Raum Ronneburg befragt.
Sie hießen Gessen, Schmirchau, Lichtenau, Culmitzsch, Katzendorf und Sorge. Namen, die heute kaum einer mehr kennt. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Dörfer im Raum Ronneburg bei Gera dem Uranbergbau weichen. Denn unter ihren Grundmauern lag der für die Atommacht Sowjetunion unverzichtbare Rohstoff Uran, immerhin die größten Vorkommen Europas.
Ein Kampf gegen den Bergbau und seine verheerenden Folgen war in der SED-Diktatur aussichtslos, das Thema in der Öffentlichkeit tabu. Nur in den Erinnerungen ihrer einstigen Bewohner leben die zerstörten Dörfer fort. Dokumente gibt es nur wenige. Die Menschen, die damals in den 50er- und 60er Jahren erwachsen waren, sind zumeist längst gestorben. Die Überlebenden waren seinerzeit noch Kinder und dankbar, als sich endlich einmal einer ihrer annahm, dem sie ihre Geschichten erzählen konnten. Die Geraer Schriftstellerin Annerose Kirchner hat die betagten Zeitzeugen aufgesucht und ihnen zugehört.

Annerose Kirchner: Spurlos verschwunden. Dörfer in Thüringen – Opfer des Uranabbaus Ch. Links Verlag, 208 Seiten, ISBN: 978-3-86153-569-0, 14,90 Euro Bezug über den Buchhandel oder den Bestellservice Ihrer Kirchenzeitung: Telefon (03643) 246161
Das Kino in Gera warf derweil einen cineastischen Blick zum Klassenfeind in den Westen und zeigte einen Film über ein fiktives Dorf in Franken, das 1950 einem amerikanischen Militärflughafen weichen soll. Darin lehnen sich die Dorfbewohner gegen die Pläne auf, die Arbeiter organisieren einen Streik, und am Ende zwingen alle die Amerikaner zum Abzug. Solche und ähnliche Darstellungen gelebter Verlogenheit im realen Sozialismus machen das Buch lesenswert.
Um den Blick auch auf die Gegenwart zu schärfen, stellt die Autorin Bezüge her zum kulturlandschaftsverschlingenden Braunkohlebergbau der Gegenwart, ohne freilich wesentliche Unterschiede der politischen Systeme zu verwischen.
Hans-Joachim Föller







