Tosender Beifall in alten Mauern
3. September 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Der Kirchenkreis Südharz geht neue Wege in der Konfirmandenarbeit.

Mehr als 100 Konfirmanden sammeln sich vor der uralten St. Petri-Kirche in Sollstedt, um sich für einen der zehn angebotenen Workshops zu entscheiden. Einige Stunden später begeisterten die Ergebnisse beim Abschlussgottesdienst. (Foto: Eduard Seifert)
Die Konfirmanden scheinen jedoch förmlich darauf gewartet zu haben. Im Gottesdienst einen Song zu hören, den man selbst zuvor im Team auf ungewöhnliche Weise mit Hilfe des Laptops kreiert hat, trommeln, dass die Finger schmerzen oder einem riesigen Blechblasinstrument erste schräge Töne entlocken, einmal auf der Orgel spielen dürfen – da ist ohrenbetäubender Applaus von den über 100 Konfirmanden in der Kirche zu hören.
Bei so viel Begeisterung scheint die St. Petri-Kirche in Sollstedt an diesem 28. August von innen heraus zu strahlen. Und um dies zu erreichen, muss man die Jugend mit dem Angebot verschiedenster Workshops schon mitten ins Herz getroffen haben.
»Die Musik trifft unser Herz, so war es schon zu allen Zeiten. Nur sind es bei den Jugendlichen nicht mehr nur die Orgel oder die Bläser, die sie begeistern, es ist ihre eigene Musik – ihre Jugendkultur«, so betont Tina Bäske, eine der jungen Gemeindepädagoginnen des Kirchenkreises Südharz. Sie gehört zum Vorbereitungsteam um Marit Krafcick, das keinen Aufwand scheute, um Jugendlichen zu zeigen, dass Jugend-Kirche nicht altmodisch ist.
Dazu mussten sie neue Wege gehen, banden neben den eigenen Profis, den Kantoren, noch eine ganze Truppe von Berliner Rappern, Street- und Breakdancern mit ein. Echte Musiker, die genau das in Beats, Texten und Tänzen ausdrücken, was die Jugendlichen fühlen.
»Dass selbst ein so harter Kerl wie der Rapper Sido mit seinem Song ›Danke‹ ein Gebet geschrieben hat, das wissen die Jugendlichen längst, nur die kirchliche Jugendarbeit hat diese Musikrichtung bisher noch viel zu wenig einbezogen. Das wird sich jetzt ändern. Das Workshop-Angebot soll möglichst jährlich wiederholt werden. Und man will auch Teile davon in die Jugendgottesdienste mitnehmen«, so Marit Krafcick, die Referentin des Kirchenkreises für die Arbeit mit Kindern und Familien.
Die Mühe hat sich gelohnt – auch auf anderer Ebene. Es war das Gefühl der Konfirmanden an diesem Tag, dass sie nicht allein sind in ihren teils kleinen ländlichen Konfirmandengruppen. »Mensch, wir sind ja doch ganz schön viele«, sagte mir mein Sohn Vincent zum Schluss. »Man ist kein Außenseiter, weil man nicht wie die Mehrheit zur Jugendweihe geht.« Allein dafür hat sich der Aufwand schon gelohnt.
Regina Englert






