Wo Kirchenmusik heute steht
17. September 2010 von redaktionguh
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Die ersten Landeskirchenmusiktage der EKM sind vom 23. bis 27. September in Erfurt geplant. Michael von Hintzenstern befragte dazu Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth.
Herr Ehrenwerth, wo liegen die inhaltlichen Schwerpunkte der Kirchenmusiktage?
Ehrenwerth: Landeskirchenmusiktage sind dazu da, innezuhalten und nachzudenken darüber, wo Kirchenmusik heute steht, was sich in den letzten Jahren verändert hat, welche Tendenzen sich abzeichnen, auch wo der Schuh drückt. Ein Schwerpunkt ist daher immer die zeitgenössische Kirchenmusik. Zu hören und zu erleben wird sein, was sonst nur selten aufgeführt werden kann, weil die Kräfte oder finanziellen Möglichkeiten nicht ausreichen. Es wird natürlich auch Barockes, Romantisches und Populäres musiziert.
Und wer sind die Besucher?
Ehrenwerth: Nach Erfurt kommen als Dauerteilnehmer 220 Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker unserer Landeskirche, Kirchenmusik-Studierende der Hochschulen aus Halle und Weimar, Ruheständler und andere kirchenmusikalisch Interessierte. Am Sonnabend werden auch Seminare für neben- und ehrenamtliche Chorleiter und Organisten, sowie für Bläser und Posaunenchorleiter angeboten. Da wird die Teilnehmerzahl noch einmal erheblich steigen. Darüber hinaus hoffen wir für die öffentlichen Veranstaltungen auf Zuhörer aus nah und fern! Erfurt darf sich freuen über so viel außergewöhnliche Kirchenmusik.
Auf welche Aufführungen möchten Sie besonders hinweisen?
Ehrenwerth: Im Eröffnungskonzert musizieren das erlesene Vocalsolistenensemble Gli Scarlattisti und die Capella Principale Psalmen von Schütz, Monteverdi und Rosenmüller. An zwei Abenden sind große Werke des 21. Jahrhunderts zu hören: Das erst in diesem Jahr entstandene Oratorium »Die Himmelfahrt« des Düsseldorfer Komponisten Oskar Gottlieb Blarr und als Uraufführung die »Pfingstkantate« des sächsischen Komponisten Jörg Herchet in großer Besetzung.
Beide Kompositionen versuchen, mit unterschiedlichen musikalischen Ausdrucksmitteln die Botschaft der beiden Feste in den Mittelpunkt zu rücken. Der Jugendchor der Pauluskirche Halle wird im Theater das Musical »König David« aufführen. Orgelkonzerte im Dom und in der Cruciskirche mit dem Titularorganisten des Mailänder Doms, Lorenzo Ghielmi, und dem Erfurter Domorganisten Silvius von Kessel machen deutlich, wie selbstverständlich heute ökumenische Gemeinsamkeit auf dem Feld der Kirchenmusik geworden ist.
Gibt es auch spezielle Angebote aus den Regionen?
Ehrenwerth: In einer Veranstaltung unter dem Titel »EKM musikalisch« werden sich die fünf künftigen Propsteien jeweils mit Kompositionen ihrer Region vorstellen. Dies soll nicht zuletzt das gegenseitige Kennenlernen der kirchenmusikalisch Tätigen und die Zusammenarbeit innerhalb der neuen Strukturen in Gang setzen und befördern.
Post vom Papst
17. September 2010 von redaktionguh
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Papst Benedikt XVI. © Agência Brasil / Wikimedia
Garitzer schrieben Benedikt XVI. einen Brief zur Ökumene im Ort. Jetzt wurde das Antwortschreiben verlesen.
Als vom 5. bis 19. April der Spendenstaffellauf »Von Luther zum Papst« eine Läufergruppe von Magdeburg aus über viele Stationen bis nach Rom führte, war fast von Beginn an auch ein Brief mit dabei. Mario Rudolf, Ortsbürgermeister von Garitz bei Zerbst, hatte ihn für den Papst geschrieben und den Sportlern mitgegeben. Darin berichtet er von dem Leben in dem 250 Einwohner zählenden Dorf am Rande des Flämings, »in dem katholische und evangelische Christen seit Jahrzehnten in guter Gemeinschaft leben«.
Nach 1945 fanden viele Vertriebene aus Niederschlesien in Garitz eine neue Heimat, die überwiegend katholischer Konfession waren. »Aus dem kleinen, evangelisch-lutherisch geprägten Dorf wurde durch die Zuwanderung … ein Dorf für Menschen beider Konfessionen«, so Rudolf. Die Dorfkirche würden alle nutzen. »Gemeinsam gestalten wir kirchliche Feste und in weiten Teilen das gesellschaftliche Leben des Dorfes.« Die Ökumene in Garitz, welches im vergangenen Jahr 750 Jahre alt wurde, sei »Bereicherung für uns alle«. Rudolf schreibt, dass sich ein Besuch lohnen würde: »Wir würden uns sehr freuen.«
In einer Andacht am 12. September in der Kirche wurde die Antwort des Staatssekretariats des Vatikans verlesen. Darin werden der Dank des Papstes und Segenswünsche für die Gemeinde übermittelt. Was die Einladung zum Besuch in Garitz betrifft, heißt es allerdings, dass »zurzeit nicht absehbar ist, ob und wann eine weitere Reise des Heiligen Vaters nach Deutschland führen könnte und welche Stationen dabei möglicherweise Berücksichtigung finden«.
(ast)
Begegnungen mit Macheleid
17. September 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Gemeinsam wandernd wird man die drei Konkurrenten im Thüringer Porzellangeschäft Georg Heinrich Macheleid (links), Wolfgang Hammann und Johann Gotthelf Greiner einst kaum gesehen habe, Am vergangenen Sonntag aber machten sie sich unter der Führung von Regina Martin zu Originalschauplätzen auf und erinnerten so an 250 Jahre Thüringer Porzellan. (Foto: Berit Richter)
Im Schwarzatal wurde an den Erfinder des Thüringer Porzellans erinnert.
Dass Johann Friedrich Böttger in Sachsen das europäische Porzellan erfand, weiß wohl fast jeder. Doch weiß man auch, dass der Wanderprediger Georg Heinrich Macheleid der Vater des Thüringer Porzellans ist? Dass es im Schwarzatal erfunden wurde und zwar vor genau 250 Jahren in Sitzendorf? Im Rahmen der 1. Kulturtage an der Talsperre Leibis/Lichte und des Tages des offenen Denkmals war eine Wiederbegegnung mit Georg Heinrich Macheleid möglich und erinnerte geradezu eine ganze Region an das Porzellan-Jubiläum.
»Es ist in Sitzendorf viel recherchiert worden und eine Broschüre wurde herausgegeben. Da hat man dann doch gemerkt, dass vieles in Vergessenheit geraten war. Das wollten wir ändern, denn Geschichte sollte im Bewusstsein verankert sein«, erklärt Regina Martin als Projektverantwortliche die Idee hinter dem »dreifachen Macheleid«: als Kind in seiner Cursdorfer Heimat, hier wurde er am 16. Oktober 1723 geboren, als Wanderprediger und als Porzellanerfinder und -hersteller. Am 4. Oktober 1760 wurde ihm das alleinige »Privileg jus prohibendi« für das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt erteilt. Am 12. September nun war Macheleid für Geschichtsinteressierte an Originalschauplätzen zu erleben, begleitet von einigen weiteren Zeitgenossen.
Bis 1748 studierte Macheleid »die Gottesgelahrtheit auf der Academie zu Jena«. Danach war er zwölf Jahre predigend in den Gemeinden des Schwarzatales unterwegs, ohne eine feste Pfarrstelle. 99 Predigten hat er nachweislich gehalten. Jetzt gab es die 100. an Mankenbachs Mühle, die Macheleid einst als Präparationswerk diente und an der am Sonntag eine Tafel zur Erinnerung enthüllt wurde.
Harald Graul, evangelischer Pfarrer in Quittelsdorf, war für die Predigt ins historische Kostüm geschlüpft. »Ich danke Gott, dass er mir den Verstand gab, Wissen und Technik anzuwenden«, ließ Graul Macheleid sagen. Glaube und Wissenschaft schlössen sich nicht aus, im Gegenteil. Es sei Gottes Wille gewesen, der seine Neugier weckte, ihn an der Universität auch wissenschaftliche Fächer belegen ließ und ihm schließlich die notwendigen Zutaten zur Porzellanherstellung in die Hände gab. »Macheleid wollte den Menschen helfen«, erklärte Harald Graul. Das Porzellan schaffte Arbeitsplätze und verbesserte damit die Lebensbedingungen. »Das Porzellan verbindet Vergangenheit und Zukunft. Das Thüringer Porzellan wird die Zeiten überdauern«, zeigte sich Graul sicher.
Macheleid war aber nicht der Einzigste, der sich in Thüringen mit der Porzellanherstellung befasste. Wolfgang Hammann aus Katzhütte und Johann Gotthelf Greiner aus Limbach forschten ebenfalls und waren ihm dicht auf den Fersen. Waren die Privilegien zur Porzellanherstellung damals heiß umkämpft, versöhnten sich die Rivalen schließlich. Symbolisch zogen die drei gemeinsam weiter zur Manufaktur nach Sitzendorf. Hier hatte sich Macheleid, der nach der geglückten Erfindung den Predigermantel ablegte, ganz der Verbesserung und Verfeinerung von Technologie, Masse und Glasur gewidmet. Georg Heinrich Macheleid starb am 7. März 1801 in Schwarzburg, doch sein Werk lebt bis heute fort.
Berit Richter
Kirchgeld sorgt für Ärger
17. September 2010 von redaktionguh
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An der »Nacht der Kirchen« im Kirchenkreis Schleiz am 11. September beteiligte sich auch die Gemeinde in Wernburg: Die engagierten Kirchenältesten Ramona Grau (links) und Elke Barth philosophieren in einem humorvollen Sketch über die Einführung einer »Church-Card«, die dem Vorbild bekannter Treuepunkte-Karten folgt. (Foto: Mario Keim)
Gemeindekirchenrat in Wernburg fühlt sich alleingelassen.
Ramona Grau versteht die Welt nicht mehr. »Geht es jetzt auch in der Kirche nur noch ums Geld?«, fragt die Kirchenälteste aus dem ostthüringischen Wernburg (Kirchenkreis Schleiz). Ihr Ärger entzündet sich vor allem an dem von der Landessynode vorgegebenen Kirchgeldbeschluss und dem Verfahren, wie die Abstimmung in Wernburg zustande gekommen ist. »Uns wurde der Eindruck vermittelt, dass wir die Fördermittel für den Umbau des Pfarrhauses in Höhe von 18.000 Euro nur bekommen, wenn wir den Kirchgeldbeschluss fassen«, erregt sich die Kirchenälteste.
Doch damit nicht genug. Als es um die Sanierung der Pfarrwohnung ging, musste der Gemeindekirchenrat akzeptieren, dass nach Richtlinie keine kostengünstigen Kunststofffenster eingebaut werden durften. »Wir sind für ökologische Bauweise«, sagen die Mitglieder übereinstimmend, »aber wir müssen auch unsere finanziellen Möglichkeiten im Blick behalten.« Zusätzlich zu diesen Umständen fühlen sich die Ältesten angesichts der Fülle der Aufgaben überfordert. »Weder wissen wir, was die Aufgaben sind, noch haben wir ausreichende Erfahrung mit solchen Anträgen«, meint Ramona Grau. Viele Gemeinden seien frustriert, aber niemand sage etwas, fügt Elke Barth hinzu.
Alle Versuche, die Wogen in Wernburg zu glätten, sind bislang fehlgeschlagen. Selbst ein Gespräch mit Superintendent Ralf-Peter Fuchs und Propst Hans Mikosch aus Gera vor drei Wochen hat bislang nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt. Zu tief sitzen die Verletzungen. Dabei sind die Kirchenältesten engagiert bei der Sache. Erst am vergangenen Wochenende haben sie sich intensiv bei der Kirchennacht eingebracht und ein Laienspiel aufgeführt. Auch sonst machen sie alles, was in Kirche und im Pfarrgarten anfällt. »Wir hängen doch an unserer Kirche«, betont Elke Barth.
Dass es die Gemeinde in Wernburg in einer schwierigen Phase getroffen hat, räumt auch der Superintendent ein. »Der Gemeindekirchenrat ist wirklich ins kalte Wasser geworfen worden.« Nach dem Weggang des Pfarrerehepaares, das 35 Jahre in Wernburg amtiert hatte, sei der Gemeindekirchenrat seit April zu einem großen Teil auf sich selbst gestellt gewesen, erklärt Ralf-Peter Fuchs. Aus seiner Sicht hätten sich die Kirchenältesten jedoch beachtlich geschlagen und in nur zwei Monaten die Sanierung des Pfarrhauses bewerkstelligt, damit die neue Pfarrerin mit ihrer Familie im August einziehen konnte. »Das ist alle Achtung wert«, findet der Superintendent.
Zudem sorge der Kirchgeldbeschluss nicht nur in Wernburg für Verdruss. Allein bei ihm lägen Beschwerden aus etwa zehn Gemeinden vor, erklärt der Superintendent. Um die Probleme weiß auch der Propst. »Das Thema Kirchgeld wird uns weiter begleiten, jedenfalls die Verpflichtung dazu.« Um den konkreten Fall zu klären, hat er noch einmal das Gespräch mit dem zuständigen Kreiskirchenamt gesucht.
Trotz aller Bemühungen ist in Wernburg noch keine Ruhe eingekehrt. Zwar hat Pfarrerin Sandy Groh Anfang August ihren Dienst aufgenommen. Aber auch dieser »Glücksfall« (Ralf-Peter Fuchs) besänftigt die Kirchenältesten nicht wirklich. Es überwiege der Eindruck, dass uns »die Kirche alleingelassen hat«, so Ramona Grau.
Die neue Pfarrerin, die die beiden früheren Kirchspiele Wernburg und Gössitz mit insgesamt zwölf Dörfern übernommen hat, steht jetzt vor keiner leichten Aufgabe. Sie möchte deshalb, dass zunächst alles auf den Tisch kommt, was sich in der Vergangenheit angestaut hat. Sie vermutet mangelnde Kommunikation und fehlende Wertschätzung als Grund für den Frust. »Weitermachen wie bisher«, sagt Sandy Groh, »können wir jedenfalls nicht.«
Martin Hanusch
Abgehängt
17. September 2010 von redaktionguh
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Die gute Nachricht zuerst: Trotz der Wirtschaftskrise blicken Jugendliche wieder optimistisch in die Zukunft, interessieren sich für Politik und engagieren sich sozial. Das sind einige Ergebnisse der aktuellen Shell-Jugendstudie, die am Dienstag vorgestellt wurde. Allerdings gilt das längst nicht für alle. Denn – und das ist der eigentlich alarmierende Befund – die Kluft zwischen den sozialen Schichten wird immer größer, und die Zukunftsperspektive hängt immer stärker von der Herkunft ab.
Demnach zeigen sich gerade die 12- bis 25-Jährigen aus sozial benachteiligten Familien weit weniger zuversichtlich. Ob bei Bildungschancen oder sozialem Engagement, Kinder aus solchen Familien schauen eher resigniert nach vorn.
Wenn sich jedoch die Kluft bereits so früh zeigt und 10 bis 15 Prozent der Jugendlichen als »sozial abgehängt« gelten, sollte das für die gesamte Gesellschaft ein Alarmsignal sein. Kein Land kann es sich leisten, einen Teil des Nachwuchses einfach abzuschreiben. Ohne bessere Zukunftsperspektiven und Bildungschancen für die Betroffenen wird sich daran kaum etwas ändern.
Auch für die Kirche ist das kein Ruhmesblatt. In der Regel erreicht sie mit ihren Angeboten vor allem Jugendliche, die das Gymnasium besuchen. Sekundar- oder Regelschüler finden nur in den seltensten Fällen den Weg in die Jungen Gemeinden. Das bleibt eine Aufgabe für die Zukunft, die sich als schwierig und eher langwierig erweisen dürfte. Denn auch das belegt die Jugendstudie einmal mehr: Für eine große Mehrheit der 12- bis 25-jährigen Ostdeutschen spielen Religion und Kirche schlicht keine Rolle.
Patentrezepte, wie die Kirche dieser Egal-Haltung begegnen kann, gibt es nicht.
Allerdings müsste in den Gemeinden das Bewusstsein dafür wachsen, die Angebote stärker auf Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien zuzuschneiden.
Das ist dann zumindest ein erster Schritt, damit auch die »abgehängten« Jugendlichen wieder eine Chance bekommen.
Martin Hanusch
Vom Lieben und vom Leben
17. September 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Landesjugendcamp: Junge Leute aus Mitteldeutschland trafen sich im thüringischen Kloster Volkenroda.
Alle zwei Jahre verwandelt sich das altehrwürdige Kloster Volkenroda bei Mühlhausen in ein großes Zeltlager mit Bühnen und Kletterparcours. Zur dritten Auflage des Landesjugendcamps kamen mehr als 700 Jugendliche.
»Du bist geliebt, mehr als du ahnst« – so hieß es im neuen Camp-Song von Steffen Schürer, der speziell für das dritte Evangelische Landesjugendcamp in Volkenroda geschrieben wurde. »Geliebt« war das Camp-Motto in diesem Jahr. 735 Jugendliche aus Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie Teilen Brandenburgs und Sachsens waren vom 10. bis 12. September mit ihren Zelten der Einladung gefolgt.
Um dieses Großprojekt zu verwirklichen, hatten sich erstmals die größten evangelischen Jugendverbände mit dem Bund der Evangelischen Jugend in Mitteldeutschland (bejm) zusammengeschlossen. Und sie organisierten gemeinschaftlich ein Camp mit scheinbar unzähligen Angeboten. »Mehr als du ahnst« – war da los: Viel Kreatives war dabei wie Tanz, Theater, Musik von Chor bis Rap und Rock, Malen an einem riesigen Endlosbild, auf dem Körper des Freundes, mit der Spraydose als Graffiti oder geritzt in Glas.
Aber auch körperliche Grenzerfahrungen standen auf dem Programm und wurden gern angenommen. So wie vom 14-jährigen Albrecht aus Eisenach, der an Seilen gesichert die Jakobsleiter des Zentrums für soziales Lernen (Magdeburg) mühsam hinaufkletterte. Er konnte sich selbst ausprobieren, testen, wie weit er allein gehen kann und ab wo er Hilfe braucht. Nahezu spielerisch kam er mit ganz elementaren Lebensfragen in Kontakt. Albrecht hat erfahren, wie gut es tut, wenn jemand da ist, auf den er sich verlassen, dem er vertrauen kann.
Geliebt, liebt, lebt – das waren die drei zentralen Worte, die aus dem Camp-Motto »Geliebt« hervorgingen. Vielfältig wurden sie umgesetzt, »mal sehr fromm, mal sehr liberal und richtig international durch die weltweiten Partnerschaften unserer Mitglieder«, so beurteilte Landesjugendpfarrerin Dorothee Land das Angebot. Es wurde gekuschelt im »Liebeskino« der Evangelischen Jugend Werratal und im »Analog Chat« der Jungen Gemeinde Bernburg handschriftlich gechattet.
Camp-Teilnehmer ließen sich hier von Leonie fotografieren und klemmten selbst Botschaften an die Bilder anderer Camper, mit denen sie gern »mal quatschen« wollten. »Voll krasse Sache«, meinte Jonas dazu. Nachrichten wurden aber auch an Gott geschrieben. In der Klosterkirche war eine steinerne Klagemauer aufgebaut, in die man ein Zettelchen mit seinem Vorwurf an Gott stecken konnte.
Wem das zu wenig war, der suchte am Sonnabend bei einer der zahlreichen Bibelarbeiten gemeinsam in der Gruppe nach Antworten. Da hieß es »Bis(s) zur Erkenntnis« oder auch »Über das Zusammenl(i)eben von Mann und Frau«. Über die Hälfte der Camp-Teilnehmer arbeitete mit.
Doch es blieb nicht nur theoretisch, es wurde auch ganz konkret gezeigt, wie man selbst so leben kann, dass man die Welt positiv verändert. Ganz real wurde dies mit der Live-Schaltung zur Anti-Nazi-Demo nach Pößneck, mit dem gemeinsamen Entzünden des Friedenslichts an beiden Orten oder bei den Berichten einer Gruppe junger Menschen, die gerade voller Geschichten aus Israel und Argentinien vom ökumenischen Friedens- und Freiwilligendienst zurückgekehrt war. Erlebtes aus erster Hand – das beeindruckt mehr als jedes geschriebene Wort. Und dass jeder die Welt auch durch sein Konsumverhalten ein bisschen gerechter machen kann, das zeigte der revolutionär anmutende, farbenfrohe Eine-Welt-Laden des CVJM Thüringen eindringlich. Doch um etwas zu verändern, muss man den anderen oft erst besser verstehen. Dabei halfen die Workshops der Jugendlichen aus Polen, Rumänien, Estland und Süd-Korea, die ganz persönlich von ihrem Leben als junge Christen in ihrem Heimatland berichteten und ihre Kultur vorstellten.
Hier wurde geschuftet, gegrübelt, diskutiert, gebetet, ausprobiert und sich entspannt – überall lagen Jugendliche in der Sonne, schleckten ein Eis oder träumten zur Musik, die fast auf dem ganzen Gelände zu hören war. Aber nur fast, denn die Klosterkirche bot einen Raum der Stille. Ein solches Camp bietet eben »mehr Freiheit als du ahnst«. »Und die Resonanz ist auch ausgewogen – Mecker- und Lobecke sind gleich gefüllt«, resümierte Landesjugendpfarrerin Dorothee Land, »von ›letztes Mal war es aber besser‹ bis ›dieses Jahr ist es viel geiler‹ war alles dabei.«
Text: Regina Englert / Fotos: Eduard Seifert
Auf Luthers Spuren nach Rom
17. September 2010 von redaktionguh
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Erfurter Augustinerkloster veranstaltet Busreise auf historischer Route.
Im November 1510 brach Martin Luther aus dem Erfurter Augustinerkloster auf, um im Auftrag seines Ordens nach Rom zu reisen. Nach wochenlangem beschwerlichen Fußmarsch erreichten er und ein Begleiter Ende Dezember 1510 oder Anfang Januar 1511 die Stadt am Tiber. Die beiden Augustinermönche hielten sich zur Regelung ihrer Angelegenheiten vier Wochen in der »Ewigen Stadt« auf und traten dann den Rückweg an. Vermutlich im März 1511 traf Luther wieder in Erfurt ein.
Auf Anregung des Erfurter Augustinerklosters kann die historische Route vom 19. bis 26. Januar 2011 auf einer Busreise über die Alpen nachvollzogen werden, die in Medienpartnerschaft mit der Redaktion von »Glaube+Heimat« vom Erfurter Reisebüro Schäfer organisiert wird. Diese führt vom 19. bis 20. Januar über Augsburg, wo eine Stadtführung zum Thema Luther angeboten wird, über Chur nach Mailand (Andacht mit der Evangelischen Gemeinde im Dom).
Vom 21. bis 24. Januar ist Zeit, Rom individuell und gemeinsam zu ergründen. Hier gibt es zwei Gottesdienste in der Evangelischen Gemeinde, in der am 23. Januar der bayrische Landesbischof Johannes Friedrich predigt. Die Rückreise führt am 25. und 26. Januar über Trient und den Brenner zurück nach Erfurt.
Die Reiseleitung liegt in den Händen von Kurator Lothar Schmelz (Augustinerkloster Erfurt) und Pfarrer Andreas Lindner (Erfurt).
Der Preis beträgt im Doppelzimmer pro Person 595 Euro und pro Person im Einzelzimmer 695 Euro. Zu den Leistungen gehören Hin- und Rückfahrt im Bus, 7 Übernachtungen/Frühstück in guten Mittelklassehotels, 3 Abendessen und ein Stadtplan von Rom. Dies wird durch fakultative Angebote ergänzt.
(mkz)
Informationen und Anmeldung (bis 31.10.2010) : Reisebüro Schäfer, Bahnhofstraße 38, 99084 Erfurt, Telefon (0361) 5 55 30-0, Fax -99, E-Mail info@LHCC-Erfurt.de
»Antrag auf Gott«
12. September 2010 von redaktionguh
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Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir.
Psalm 130, Vers 1

Hosea Heckert, Gefängnisseelsorger in Gera, Hohenleuben und Ichtershausen
Ich sage Ja und nicke. Oft sitzt da wirklich ein Häufchen Elend vor mir oder es wird mir ganz elend, wenn ich beispielsweise hören muss, dass das große Vorbild eines durchaus sympathischen jungen Mannes der Propagandaminister der Nazis ist.
»Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir«, so beginnt der Beter des 130. Psalms seinen Schrei nach Gott! Wer im Gefängnis gelandet ist, der ist wirklich tief gesunken und ein Aufstieg ist mehr als unklar. Wie soll er die Zeit überstehen? Ohnmacht macht sich breit, denn die Freiheit ist weg und alles muss beantragt werden, sogar das Gespräch mit dem Gefängnisseelsorger: »Antrag auf Pfarrer«, steht dann oft auf dem Formular.
»Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir«, ist so etwas wie ein Antrag an Gott selbst. Und ich denke, dass auch wir hier draußen oft ohnmächtig gefangen sind. Nicht weil wir mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt gekommen sind, sondern eben auch gefangen in den Tiefen, in die uns unser unvollkommenes Leben und Handeln geführt hat.
So groß ist der Unterschied gar nicht zwischen Strafgefangenen und Menschen in der Freiheit. Wir sitzen in der Tiefe. Wir rufen, schreien, bitten um Hilfe, weil wir mit einem rechnen, dem wir zutrauen, dass er unsere Ohnmacht sieht, nicht an uns vorbeigeht, und sich – auf unseren »Antrag« hin – nicht zu fein ist, in die Tiefe hinabzusteigen.
Wenn mir als Pfarrer in »meinen« drei Gefängnissen genau das gelingt: Dabeizusein und mitzutun, wenn Gott die Anträge aus der Tiefe in der Tiefe »bearbeitet«, dann schüttle ich doch den Kopf und nicke nicht mehr und sage: Nein, ich habe eine schöne Arbeit. Stellen wir getrost unsere ohnmächtigen Anträge! Sie werden vom Allmächtigen bearbeitet.
Hosea Heckert
Mit dem Herzen dabei
10. September 2010 von redaktionguh
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Gemeinschaftsgefühl und viele Ideen gab es beim Kreiskirchentag in Gotha.
Zum Kreiskirchentag in Gotha schlugen die Herzen höher. Dafür sprach schon das Motto: Herz ist Trumpf. Das eröffnete Freiraum für Begegnungen in Sachen Glaubensfragen und Kennenlernen. Das Spektrum reichte von »Hand aufs Herz« zur Bibelarbeit bis Kinderherzen beim Kinderkirchentag.
Erstmals präsentierten sich die 66 Kirchengemeinden des Kirchenkreises Gotha, von Ingersleben bis Behringen, mitten im Herzen der Stadt Gotha. Manche mit Infoständen, andere ganz bewegt. Kreissynodaler Oliver Gliem aus Gierstädt hüpfte mit Sprungfedern übers Pflaster. Für ihn wie für alle Beteiligten war es in erster Linie ein Schritt nach draußen, raus aus dem Kirchenschiff und den Gemeindegrenzen. »Ich finde es toll, dass wir uns hier präsentieren können«, sagte Marion Schulz. Die kleinen Dörfer und deren Gemeinden würden sonst kaum wahrgenommen. »Dabei haben die einiges zu bieten«, findet die Kirchenälteste aus Tröchtelborn. Neben rekonstruierten Gotteshäusern verweist sie auf solche Kreisgrenzen übergreifende Veranstaltungsreihen wie die Orgelnacht.
Ohnehin ist das Fahner Land hinsichtlich der Kirchenstruktur vielen Gemeinden einen Schritt voraus. Auf dem Neumarkt verdeutlichten es die Fahner-Leute an einem Boot – »Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt« – und am Kuchenbüfett mit – »Bullaugen« –, darauf die Bilder der elf Kirchen der Region. Das symbolisierte Zusammenhalt und das eigene Gesicht der Gemeinden des Kirchenverbandes. »Wir müssen immer mehr zusammenrutschen«, sagt Marion Schulz angesichts schwindender Mitgliederzahlen und anstehender Strukturänderungen.
Mit den Herzen dabei waren auch die Royal Ranger, christliche Pfadfinder. »Sonst kocht doch jeder sein eigenes Süppchen«, findet Gerd Pelikowsky und verteilte Suppe aus einem Kessel überm offenen Feuer. Trinitatis-Plätzchen gab es wenige Schritte weiter am Stand des Kirchspiels Wangenheim. »Das Miteinander dürfen wir uns ruhig antun«, findet Pfarrer Thomas Bruhnke. »So ein Kreiskirchentag ist eine Ebene, die tut uns gut.« Gerade wenn Sonntag für Sonntag wenig Christen in den Gottesdienst kommen.
Der Abschlussgottesdienst des Kreiskirchentages mit Taufe und Abendmahlsfeier vereinte eine große Gemeinde auf dem Neumarkt. Thomas Bruhnke glaubt fest daran, dass der Kreiskirchentag »einen Rhythmus finden wird«. Begeistert vom Einsatz und der Resonanz zeigte sich Superintendent Michael Lehmann. »Ich war anfangs neugierig, ob das in dieser Form funktionieren würde«, räumt er ein. Das Miteinander und das große wie auch bereit gefächerte Engagement überwältigten ihn. Die Vorbereitung auf den Kreiskirchentag sei von Beginn an dezentral angelegt gewesen. Es gab sechs Arbeitsgruppen, in denen sich nicht nur Hauptamtliche, sondern auch viele Gemeindemitglieder einbrachten. Das reichte bis zum Brotbacken fürs Abendmahl.
Für Lehmann verdeutlicht dieser Einsatz die Verbundenheit zwischen den Christen der verschiedenen Kirchengemeinden. Dies sei für die Zukunft unabdingbar. »Wir werden kooperieren müssen.« Zentraler Ort für den Kirchenkreis ist dabei Gotha.
Eine Stadt wie Gotha müsse den Kirchengemeinden des Umlandes ein Dach bieten, sagte Oberbürgermeister Knut Kreuch. Der Gothaer Rathauschef zeigte sich auf dem Neumarkt unterhaltsam wie bibelfest. Sein Thema bei der Bibelarbeit: »Der barmherzige Samariter«. Mit Katrin Göring-Eckardt stellt sich auch die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Präses der EKD-Synode den Bibelgesprächen. Martin Eberle, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein, sorgte als katholischer Christ für eine ökumenische Note.
Das Kirchentagsherz für Kinder schlug auf dem Unteren Hauptmarkt. Mitmachtheater, Quiz, Pantomime und vieles mehr stimulierten die Jüngsten. Kinder der Evangelischen Grundschule Gotha erwiesen sich mit einem Alphabet bis »W wie www.herzstiftung.de« als Herzspezialisten. Sie hatten im Vorfeld des Kirchentages die Herz- und Intensivstation der Gothaer Helios-Klinik besucht. Das brachte Oberarzt Dirk Walther auf die Idee, ein begehbares Herz auf dem Hauptmarkt zur Anschauung aufzustellen, was zu einem interessanten Begegnungs- und Lernort wurde.
Helmut Fischer
Wahrzeichen wieder offen
10. September 2010 von redaktionguh
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Köthener Jakobskirche wird am Sonntag wieder eingeweiht.
In den vergangenen 17 Monaten hat Horst Leischner erfahren: »Viele fühlen sich mit der Jakobskirche verbunden, obwohl sie keine Gemeindeglieder sind.« Das habe ihn sehr bewegt, so der Köthener Pfarrer. Seit Ostern vergangenen Jahres, als die Gemeinde dort mit Kreuz und Kerzen vom Altar auszog, war das Innere der spätgotischen Hallenkirche eine große Baustelle. Von den 670.000 Euro, die die Arbeiten insgesamt kosteten, waren über 150.000 Euro Spenden von Privatpersonen und Firmen.
Am Sonntag weiht die mit 2.500 Mitgliedern größte Gemeinde Anhalts ihren Mittelpunkt – und das Wahrzeichen der Stadt Köthen – wieder ein.

Der Innenraum der Jakobskirche hat im Zuge der Arbeiten eine Farbfassung erhalten, die sich an die des 19. Jahrhunderts anlehnt. (Foto: Heiko Rebsch)
Der Innenraum, der 1866 bis 1869 gründlich verändert und zuletzt in den 1960er Jahren gestrichen worden war, schimmert nun in zartem Grün, während die Gewölberippen und Schlusssteine in Rot und Gold abgesetzt sind. Über die Hälfte des Innenputzes musste abgeschlagen, das Mauerwerk trockengelegt und wieder neu verputzt werden.
Hinzu kamen umfangreiche Elektroarbeiten und Arbeiten am Sandstein.
»Wer nicht hier war, kann sich den Staub nicht vorstellen«
Als das raumfüllende Baugerüst fiel, begann das große Saubermachen mit vielen Helfern. »Wer nicht hier war, kann sich den Staub nicht vorstellen«, sagt Horst Leischner. Doch pünktlich zum Beginn der Köthener Bachfesttage Anfang September war die Kirche zum Empfang der Konzertbesucher bereit. Auch die Ladegast-Orgel aus dem Jahr 1872, die zuletzt einer gründlichen Reinigung unterzogen worden war.
Außer den Spendern trugen viele weitere dazu bei, dass die Kirche wieder im Glanz erstrahlt: die Landeskirche, die Union Evangelischer Kirchen, die Stiftung zum Erhalt kirchlicher Baudenkmäler und die Oetker-Stiftung. Geld kam auch aus dem Innenstadtsanierungsprogramm sowie aus dem Konjunkturpaket II. In nächster Zeit werden noch einige Restarbeiten erledigt: Die Sitzbankheizung muss eingebaut werden, einige Dielen unter den Kirchenbänken sind zu reparieren und der südliche Eingang ist zu streichen.
Ein Restaurator arbeitet gerade an der um 1150 entstandenen Jakobusskulptur, die noch aus der Vorgängerkirche stammt. Der Schutzpatron der Kirche wird bald wieder die Besucher begrüßen, die von Mai bis Oktober zu den Gottesdiensten oder Konzerten kommen, oder Touristen, die Kirche und Fürstengruft besichtigen wollen. »Wir haben zwar noch kein derartiges Schild am Portal«, so Pfarrer Leischner, »aber die Kriterien für das Prädikat ›Verlässlich geöffnete Kirche‹ erfüllen wir.«
Angela Stoye
Der Festgottesdienst am 12. September beginnt um 14 Uhr. Pfarrer Horst Leischner predigt. Kirchenpräsident Joachim Liebig und Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter stellen die Kirche wieder in Dienst.








