Das Jubiläum als Chance

29. Oktober 2010 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen

Blick auf den Eisenacher Lutherplatz mit Lutherhaus. In der Baulücke rechts wird nun der Erweiterungsbau  entstehen, in dem auch das Lutherhaus ein Domizil erhält. Hier sollen Funktionen realisiert werden, die das historische Gebäude nicht fassen kann. Mit dem Lutherhaus und dem Evangelischen Augustinerkloster zu Erfurt befinden sich zwei Luthergedenkstätten direkt im Besitz der mitteldeutschen Kirche. (Foto: Norman Meißner)

Blick auf den Eisenacher Lutherplatz mit Lutherhaus. In der Baulücke rechts wird nun der Erweiterungsbau entstehen, in dem auch das Lutherhaus ein Domizil erhält. Hier sollen Funktionen realisiert werden, die das historische Gebäude nicht fassen kann. Mit dem Lutherhaus und dem Evangelischen Augustinerkloster zu Erfurt befinden sich zwei Luthergedenkstätten direkt im Besitz der mitteldeutschen Kirche. (Foto: Norman Meißner)

 
 
Das Eisenacher Lutherhaus soll ein modernes Museum werden.
 

Luther auf der Wartburg, in die Übersetzung der Heiligen Schrift vertieft – dieses Bild bestimmt landläufig die Vorstellung vom Aufenthalt des Reformators in Eisenach. Luther als Schüler an der hiesigen Lateinschule St. Georgen und dort in der Kurrende mitsingend? Wer das Historiengemälde kennt, hat zumindest ein Bild vor Augen, wie es sich zwischen 1498 und 1501 zugetragen haben könnte, als der 14-jährige Luther von der Magdeburger Lateinschule nach Eisenach wechselte. Mit der Patrizierfamilie Cotta, die mit Luthers Mutter verwandt war, hatte er engen Kontakt.

Das stattliche Cottaische Renaissancehaus unweit der Georgenkirche überdauerte die Jahrhunderte. 1956 wurde es von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen erworben und als dauerhafte Luther- und Reformationsgedenkstätte eingerichtet. Seit 2006 fungiert der Wartburg Verlag als Betreiber. Von Anfang an versuchte das Lutherhaus, sich als ­authentischer Ort zu etablieren und ebenso wie die Wartburg ein Stück Reformationsgeschichte zu vermitteln. Die Ideen und Aktivitäten lassen das uralte Haus an die Grenzen seiner Belastbarkeit kommen. Die kleinen verwinkelten Räume entfalten zwar eine besondere Aura, doch zeitgemäße Ausstellungskonzepte und Besucheransprüche lassen sich allein in diesem Ambiente nicht realisieren.

Im Rahmen der Lutherdekade, jener langfristigen Vorbereitung des ­Reformationsjubiläums im Jahre 2017, ergab sich nun für das Lutherhaus in Eisenach die einmalige Chance, durch eine räumliche Erweiterung die bauliche Zwangsjacke abzustreifen, zumal sich für die direkt anschließende Brache in Günther Höpfner ein aufgeschlossener Investor fand. Er wird auf dem benachbarten Grundstück ein Wohn- und Geschäftshaus errichten, in dessen Erdgeschoss das Lutherhaus seinen Gästen zukünftig Komfort bieten kann: ein geräumiger Vortragssaal, Flächen für Sonderausstellungen, Museumsladen und Kaffeebar. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland erwirbt einen kleinen Teil des Grundstücks direkt am Lutherhaus, um den Altbau durch ein modernes Treppenhaus mit Fahrstuhl, Empfangsbereich, Garderoben und Sanitäranlagen zu ergänzen.

Das eigene Profil schärfen, mit interessanten Angeboten die Besucher hereinlocken und Themen im Haus verankern, die im Kontext der Reformations- und der Stadtgeschichte unterrepräsentiert sind – viel hat sich das Lutherhaus zukünftig vorgenommen. Im Mittelpunkt der neuen Dauerausstellung werde aber die Bibelübersetzung mit ihrer Vor- und Wirkungs­geschichte stehen, deren Eröffnung im »Jahr der Bibel 2015« geplant ist, informiert Barbara Harnisch, Geschäftsführerin des Wartburg Verlages. Zusammen mit Kirchenrat Torsten Bolduan zeichnet sie für das Vorhaben verantwortlich. Neben 600.000 Euro von der Landeskirche und Spenden des Fördervereins unterstützen das 2,4 Millionen-Projekt der Freistaat Thüringen und die Stadt Eisenach mit Mitteln der Städtebauförderung und des Denkmalschutzes.

Martina Berlich, Eisenachs Superintendentin und Vorsitzende des Kuratoriums Lutherhaus, ist gespannt auf die Realisierung der Aufgabe: Wie kann die Bibel aktuell den Menschen nahegebracht werden?

Uta Schäfer

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