Neue Kampagne, alte Gräben

25. November 2010 von redaktionguh  
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Viel Papier und ausreichend Gesprächsstoff: Vom 17. bis 20. November war Landessynode in Drübeck. (Fotos: Frank Drechsler)

Viel Papier und ausreichend Gesprächsstoff: Vom 17. bis 20. November war Landessynode in Drübeck. (Fotos: Frank Drechsler)

Mitteldeutsche Synode stellte bei ihrer Herbsttagung Weichen in die Zukunft.
 

»Unsere Landeskirche begeht bald ihr Zweijähriges.« Kirchenamtspräsidentin Brigitte Andrae blickte zum Auftakt der im Kloster Drübeck tagenden Synode noch einmal auf die Entwicklung der neu gebildeten Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) zurück. Nachdem die beiden Kirchen über Jahre kooperiert, umstrukturiert und fusioniert hätten, käme die EKM nun schrittweise in »ruhigeres Fahrwasser«. Lediglich für das Landeskirchenamt stehe mit dem Umzug nach Erfurt im Frühjahr noch eine grundlegende Veränderung bevor. Mit diesem Ortswechsel werde sich Zahl der Dezernate von sechs auf fünf und die der Referate von 25 auf 17 reduzieren, berichtete die Juristin.

Debatte um Kürzungen bei freien Schulen

AEG5D005679Zugleich gab es bei den viertägigen Beratungen vom 17. bis 20. November im Kloster Drübeck ein Novum. Erstmals entfiel der Bischofsbericht, weil Landesbischöfin Ilse Junkermann erkrankt war. So blieb es der Kirchenamtspräsidentin vorbehalten, thematische Schwerpunkte zu setzen. Für das kommende Jahr kündigte sie eine Kampagne unter dem Motto »Klimawandel – Lebenswandel« an. Damit wolle sich die EKM auch bei der Suche nach Lösungen in der Klimafrage beteiligen. Darüber hinaus nahm sie die Thüringer Debatte um die Kürzung der Finanzhilfe für die freien Schulen auf und betonte deren Wert für die Bildungslandschaft. Die evangelischen Schulen nutzten die pädagogischen Freiräume und würden so zu »Laboren für das Schulwesen« insgesamt.

Zuletzt ging Brigitte Andrae auf die Vereinheitlichung des Rechts ein. Hier sei die EKM »ein gutes Stück vorangekommen«, bilanzierte sie. Zu den großen Aufgaben der Zukunft gehöre jetzt ein einheitliches Finanzsystem (siehe Interview). Dazu wurde auf der Synodaltagung ein erster Entwurf für das lange umstrittene Thema vorgelegt.

Streitpunkt:  Gemeinsames Finanzsystem

AEG5D005687Dabei taten sich noch einmal die alten Gräben auf. Er sehe zwar große Vorteile in dem gemeinsamen System, erklärte Michael Wendel aus Braunsdorf (Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld). Zugleich würden jedoch viele Aufgaben auf die Ebene der Kirchenkreise und Gemeinden geschoben. Dafür gebe es in Thüringen keine gewachsene Struktur. Der Pfarrer forderte deshalb Instrumentarien, die es den Gemeinden und Kirchenkreisen ermöglichten, in die Aufgaben hineinzuwachsen. Dagegen wies der Naumburger Superintendent Reinhard Voitzsch darauf hin, dass die Kirchenkreise der ehemaligen Kirchenprovinz künftig weniger Geld zur Verfügung hätten und schon jetzt Mittel nach Thüringen flössen. »Aber wir wollen solidarisch teilen, um ein gemeinsames Finanzsystem zu erreichen«, so Voitzsch.

Umstritten war auch die Regelung zum Kirchgeld/Gemeindebeitrag. Der vor zwei Jahre getroffene Beschluss habe durch die Androhung von Sanktionen in den Gemeinden der früheren Thüringer Landeskirche für viel Ärger gesorgt, berichteten mehrere Synodale. Sie forderten deshalb einen anderen Umgang mit dem Thema und freiwillige Lösungen. Dass angesichts der sehr unterschiedlichen Einnahmen – 2,6 Millionen Euro in Thüringen und 6,1 Millionen Euro in der ­ehemaligen Kirchenprovinz – Handlungsbedarf besteht, bestritt ernsthaft niemand.

Ansonsten verlief die Landessynode weitgehend harmonisch. Die ­Synodalen verabschieden zahlreiche Gesetze – vom Arbeitsrechtsregelungsgesetz bis zum Grundstücksgesetz – und nahmen die Berichte aus dem Diakonischen Werk, zum Stellenplan und der Strukturanpassung sowie den Zwischenbericht des Ausschusses Klima-Umwelt-Landwirtschaft entgegen. Auch der Haushalt wurde ohne große Diskussionen verabschiedet.

Zur Herbstsynode klimafreundlich

Zugleich griff die Synode einige der inhaltlichen Impulse auf. So appellierte das Kirchenparlament an den Thüringen Landtag, die vom Kultusministerium geplanten Kürzungen bei den freien Schulen abzulehnen, um eine existenzielle Gefährdung abzuwenden. Im Blick auf die Klima-Kampagne riefen die Synodalen die Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen auf, künftig Ökostrom zu beziehen. Auch das Kirchenparlament will seinen Beitrag leisten. Die nächste Herbsttagung soll klimafreundlich über die Bühne gehen.

Martin Hanusch

Etat ermöglicht neue Spielräume

25. November 2010 von redaktionguh  
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Landessynode verabschiedete in Drübeck den Haushalt für 2011.

Oberkirchenrat Stefan Große

Oberkirchenrat Stefan Große

Finanzdezernent Stefan Große hat­te gute Nachrichten zu überbringen.

»Mit dem Haushalt 2011 machen wir einen weiteren kräftigen Schritt hin zur finanziellen Stabilisierung der Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM).« So müsse die Landeskirche keine Schulden aufnehmen, sondern könne sogar in die Risikovorsorge investieren, sagte er am 18. November vor der im Kloster Drübeck tagenden Synode. Einen Grund für die »entspannte Haushaltssituation« sah der Finanzdezernent in der Fusion sowie in den Einsparungen der vergangenen Jahre. Das schaffe die Basis für künftige »Spielräume«.

Für die Finanzierung der kirchlichen Aufgaben steht im Haushalt für das kommende Jahr eine sogenannte Plansumme in Höhe von 145,8 Millionen Euro zur Verfügung. Das sind drei Millionen Euro mehr als im laufenden Etat. Haupteinnahmequellen sind weiterhin die Kirchensteuern mit 81,4 Millionen Euro und der Finanzausgleich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit 46 Millionen Euro. Außerdem schlagen die Staatsleistungen mit 34,9 Millionen Euro zu Buche.

Von der Plansumme erhalten die Kirchenkreise und Kirchengemeinden 89,3 Millionen Euro, mit denen in erster Linie die Personalkosten bestritten werden. Knapp 55 Millionen Euro bleiben bei der Landeskirche. Mit 1,6 Millionen Euro unterstützt die EKM die Partnerkirchen sowie den kirchlichen Entwicklungsdienst.

Durch die gute Konjunkturlage, so der Finanzdezernent, könne mit stabilen Kirchensteuereinnahmen gerechnet werden. Allerdings sei offen, wann sich der anhaltende Rückgang der Kirchenmitgliederzahlen auf die Steuererträge auswirke, räumte Große ein. Die Kirchensteuer als Haupteinnahmequelle folge letztlich den Verän­derungen am Arbeitsmarkt, weil nur Gemeindeglieder, die Lohn- bzw. Einkommenssteuer zahlen, zur Kirchensteuer veranlagt werden. Derzeit sind das lediglich 266.000 der 860.000 Mitglieder der EKM.

Deutliche Worte fand Große für die aus dem politischen Raum geäußerte Kritik an den Staatsleistungen für die Kirchen. Diese Zahlungen seien keineswegs »Gnadengaben«, sondern erfüllten die Staat-Kirche-Verträge, die Anfang der 1990er Jahren mit großer Mehrheit von den Landesparlamenten verabschiedet worden sind, betonte Große.

(mkz)

Die Kirche ist kein Museum

25. November 2010 von redaktionguh  
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Reglergemeinde in Erfurt hat gleich doppelten Grund zum Feiern: Wiedereinweihung des Altars und 60 Jahre Reglersingschar.

Hochgotischen Flügelaltars der Erfurter Reglerkirche.

Hochgotischen Flügelaltars der Erfurter Reglerkirche.

Ein großes weißes Tuch verdeckt das hölzerne Retabel. Auch der steinerne Altartisch ist verhüllt. Die beachtliche Größe des hochgotischen Flügelaltars der Erfurter Reglerkirche ist jedoch auszumachen. Er gehöre zu den ältesten und wertvollsten Altären in Thüringen, sagt Pfarrer Johannes Haak. Er freut sich mit der Gemeinde auf die Wiedereinweihung am kommenden Sonntag. Im Festgottesdienst werden die Hüllen fallen, und die ­Gemeinde hat nach über einem Jahr ihr Prunkstück zurück.

Der Abbau war notwendig geworden, weil Steinblöcke des Tisches, der den Hochaltar trägt, Risse aufwiesen. 2009 war mit den Arbeiten begonnen worden, Anfang dieses Jahres wurde der Altar vollständig abgebaut, die Steinblöcke in einer Werkstatt gereinigt, gesichert und konserviert. 100000 Euro waren für die Sicherung und Restaurierung des steinernen ­Altars veranschlagt. Aber auch am Retabel wurden dringende Arbeiten ausgeführt, da mussten noch mal 17000 Euro auf den Tisch. 20000 Euro hatte die Gemeinde aufgebracht.

Der Altar gehört zu den ältesten und wertvollsten Altären in Thüringen.

Der Altar gehört zu den ältesten und wertvollsten Altären in Thüringen.

Der nächste Schritt ist die Farbgebung, informiert Steffen Pauligk, Vorsitzender des Bauausschusses. Jede Woche habe Pauligk bis zu zehn Stunden ehrenamtliche Arbeit für den Altar geleistet, wirft Pfarrer Haak ein. Pauligk winkt ab und erzählt, dass die Denkmalpflege fünf verschiedene Farbbefunde entdeckte. Infrage kämen jedoch nur die beiden ältesten. »Bei aller Denkmalpflege steht für uns immer das ­lebendige Gemeindeleben im Vordergrund. Es gibt ja Denkmalpfleger, die wollen aus einer Kirche ein Museum machen«, meint Pauligk. Noch bedarf es allerhand Kreativität zur Geldbeschaffung für alle Vorhaben.

Dass auch aus diesem Grund bei allen Entscheidungen die Gemeinde mit einbezogen wird, ist für die ­Reglergemeinde selbstverständlich. Es gab seinerzeit eine Gemeindeversammlung zur Gestaltung der Außenanlagen oder ein Abstimmungsverfahren zu Antependiums-Entwürfen. Die Meinung der Ehrenamtlichen, so versichert Johannes Haak, habe Priorität. Vieles in der Gemeinde läuft so auch ganz ohne Pfarrer: Konfiarbeit, Besuchskreis, Gemeindebrief zum Beispiel.

»Der Gemeindekirchenrat legt großen Wert auf die Mitsprache der Gemeindeglieder«, versichert er. Auch deshalb haben alle mitgetragen, dass der Altarraum lange leer oder von einer Plasteplane verhüllt war.  Sie hätten trotzdem ihre Trauerfeier, Taufen und auch Trauungen in ihrer Kirche begangen.

Über die Rückkehr des Altars freuen sich alle. Aber noch ein zweiter Grund wird am ersten Advent zu feiern sein: Die Reglersingschar wird 60! Es ist ein ganz besonderer Kirchenchor, wie Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth bestätigt: Er sei seines Wissens der einzige Gemeindechor, der in jedem Sonntagsgottesdienst seinen festen Platz hat, nicht nur bei der Liturgie. Ulrich Oelze vom Musikausschuss singt seit seinem 14. Lebensjahr in der Reglersingschar. Zuvor war er im Kinderchor und glücklich, endlich im »großen« Chor mitzusingen.

»Ich hatte das Privileg, bei Erika Häußler Stimmbildung zu bekommen.« Ihr Mann, Kantor Gerhard Häußler, hatte 1950 den A-cappella-Chor aufgebaut. Heute gehören ihm 60 Frauen und Männer an. Den Altersdurchschnitt von 45 Jahren empfindet Ulrich Oelze recht hoch und wünscht sich noch mehr junge Sängerinnen und Sänger. Dass der inzwischen 44-Jährige nach 30 Jahren noch dabei ist, hat mit dem besonderen Charakter des Chores zu tun.

Reglersingschar und Gemeinde sind ihm Heimat geworden. Zu den Proben jeden Montag kämen die Berufstätigen oft geschafft von acht Stunden Arbeit. »Nach zwei Stunden Probe sind viele Sorgen einfach weg oder  nebensächlich geworden«, erfährt Oelze immer wieder. Die Gemeinschaft bedeutet mehr als das gemeinsame Singen. Ebenso sind Sänger willkommen, die nur selten mit auftreten können, Studenten zum Beispiel.

Johannes Häußler, der Sohn des Gründers und jetziger Kantor, führt die Tradition der Reglersingschar fort: Nicht das Singen, sondern die Verkündigung stehe im Vordergrund. Das wird auch am Sonntag so sein, wenn die Singschar zum doppelten Fest ­jubiliert.

Dietlind Steinhöfel

Reglerkirche: 28.11., 9.30 Uhr, Festgottesdienst, Predigt: OKR Christhard Wagner

»Im Zeichen der Vorsorge«

25. November 2010 von redaktionguh  
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Synode in Dessau-Roßlau bestätigte den Haushalt für 2011.

In seinem Bericht vor der Synode ging Kirchenpräsident Joachim Liebig auf die Lage der anhaltischen Landeskirche und den politischen Diskurs ein.

In seinem Bericht vor der Synode ging Kirchenpräsident Joachim Liebig auf die Lage der anhaltischen Landeskirche und den politischen Diskurs ein.

Die Landessynode Anhalts beschloss bei ihrer Tagung in der vergangenen Woche in Dessau-Roßlau auch den Etat für das Jahr 2011. Mit Einnahmen und Ausgaben in Höhe von rund 16 Millionen Euro ist er der größte seit zehn Jahren.

Gegenüber dem Ansatz für 2010 sind es 3,4 Millionen Euro mehr. Erforderlich ist die Erhöhung hauptsächlich wegen der Einzahlung in die Evangelische Ruhegehaltskasse (ERK) in Darmstadt in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro.

Die bisherige Absicherung der Verpflichtungen der Landeskirche für ihre Pfarrer und Kirchenbeamten im Ruhestand reicht nicht mehr aus«, so Finanzdezernent Wolfgang Philipps. Mit der Einzahlung werde die Versorgung der Beamten im Ruhestand auf das heute erforderliche Niveau angehoben.

Die Kirchensteuer-Einnahmen  steigen 2011 voraussichtlich auf 4,3 Millionen Euro (2010: 3,7 Millionen Euro). Die Staatsleistungen bleiben mit 2,43 Millionen Euro nahezu gleich. Die Einkünfte aus dem Finanzausgleich der EKD steigen auf 6,62 Millionen Euro (2010: 3,48 Millionen Euro).

Der Haushalt stehe unter dem »Vorzeichen der Vorsorge«, so Wolfgang Philipps. Nahezu alle Mehrausgaben dienten dazu, die Landeskirche für eine Zeit zu ertüchtigen, in der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weniger Geld zur Verfügung stehe. Ursache sei die Altersstruktur der rund 46.000 Kirchenmitglieder.

Eine weitere Investition ist der Kauf des gepachteten Grundstücks einschließlich eines Gebäudes der Evangelischen Grundschule Köthen. Zudem wird die Stiftung Evangelisches Anhalt für ihre Geschäftstätigkeit  ausgestattet.

2011 will die Landeskirche einen Fundraiser einstellen, um weitere Ressourcen für die kirchliche Arbeit zu erschließen.

(ast)

Verantwortung übernehmen

25. November 2010 von redaktionguh  
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Das Stellungnahmeverfahren zum neuen gemeinsamen Finanzsystem in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) läuft. Auf der Synode in Drübeck hat die Arbeitsgruppe einen Zwischenbericht vorgelegt. Martin Hanusch befragte dazu die Naumburger Amtsleiterin Christiane Melzig, die mit zur Arbeitsgruppe gehört:


Amtsleiterin Christiane Melzig

Amtsleiterin Christiane Melzig

Frau Melzig, warum braucht die EKM ein gemeinsames Finanzsystem?
 

Melzig: Bisher haben wir mit dem Andocksystem getrennte Lösungen für Kirchengemeinden und Kirchenkreise nach Zugehörigkeit zu den bisherigen Kirchen. Diese verhindern Zusammenschlüsse von Kirchenkreisen oder Kirchengemeinden über die alten Kirchengrenzen hinweg. Die nichteinheitlichen Regelungen erschweren ­zudem die Vergleichbarkeit und führen zu Misstrauen. Ein gemeinsames Finanzsystem ist also für das weitere Zusammenwachsen unserer Landeskirche unerlässlich.

Wo liegen die wichtigsten Unterschiede zu den bisherigen Finanzsystemen?

Melzig: Im Bereich der ehemaligen Thüringer Landeskirche erhält die mittlere Ebene mehr Verantwortung, aber auch mehr Gestaltungsspielraum. Das ermöglicht in den einzelnen Kirchenkreisen unterschiedliche Schwerpunktsetzungen. Das Wissen vor Ort soll für die Entscheidungen genutzt werden. Das fördert den sachgerechten Einsatz der Mittel. Es trägt auch dazu bei, dass die künftig geringer werdenden Mittel bestmöglich für die Aufgaben vor Ort eingesetzt werden. Mit der geplanten Einführung des ­Baulastfonds auf Ebene der Kirchenkreise ist ein Instrument vorgeschlagen, das wiederum den ­Kirchenkreis stärker in die Entscheidungspflicht nimmt. Für alle Entscheidungsgremien gilt es, die Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten zu erkennen und zu nutzen. Dazu muss die Kompetenz in den Leitungsgremien gestärkt werden.

Im Bereich der ehemaligen Kirchenprovinz Sachsen wird die Finanzierung des Verkündigungsdienstes stärker mit den Bemessungskriterien des Stellenplanes verbunden. Die Unterschiede des Ertrages aus dem Pfarrvermögen unterliegen – unter strenger Einhaltung der Zweckbindung – einer vollständigen Anrechnung auf weitere Zuweisungen für den Verkündigungsdienst. Außerdem erfolgt die Berechnung der Anteile für die Kirchengemeinden nach neuen Kriterien, die eine Vereinfachung in der Berechnung mit sich bringen. Allerdings wird es keine Vorgaben für Kindertagesstätten mehr geben. Die Kirchenkreise müssen selbst entscheiden, nach welchen Kriterien sie die Kindergärten finanziell fördern.

Gibt es noch Übergangsfristen oder greift das System 2012?

Melzig: Wenn die Landessynode im März 2011 das Gesetz verabschiedet, soll das neue Finanzsystem ab 2012 gelten. Es wird aber Übergangs- und Härtefallregelungen geben, nach denen betroffene Kirchenkreise zusätzliche Mittel ­erhalten können. Schon jetzt erwarten wir aber, dass Kirchenkreise und Kirchengemeinden die geplanten Veränderungen im Blick haben und vorausschauende Entscheidungen treffen.

Zuerst die eigene Herzenstür öffnen

25. November 2010 von redaktionguh  
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Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!
Psalm 24, Vers 7

Ursula Schabert, Welbsleben

Ursula Schabert, Welbsleben

Mit diesem Psalmwort sind für mich eine Fülle von Erinnerungen verbunden. Da fällt mir das Auto des Vikars in meiner Kindheit ein, ein Messerschmidt Kabinenroller (Einstieg über das hochgekippte Verdeck), der in der Gemeinde bald »Macht hoch die Tür« genannt wurde. Oder die Einführungspredigt eines Pfarrers, der am 1. Advent einen Türrahmen samt Tür zur Anschauung mit in den Gottesdienst brachte.

Und zuletzt eine Aktion in der Dorfkirche Stangerode, die sehr enge Türen hat.

Es ist uns trotzdem in Millimeterarbeit gelungen, mehreren Gottesdienstbesuchern samt ihren Rollstühlen Einlass zu verschaffen.

Türen können also selbst in geöffnetem Zustand Hürden sein, die man weiten muss. Wir reden in der Kirche daher gerne von »niedrigschwelligen Angeboten«, um Menschen für den Glauben zu gewinnen. Angebote, die »Lust auf Kirche« machen, sind manchmal damit gemeint. »Wie kriegen wir mehr Leute in die Kirche?«, lautet die zentrale Frage

Angesichts des Psalmwortes denke ich darüber nach, ob diese Fragestellung richtig ist. »Macht die Türen in der Welt hoch«, lautet die Aufforderung. Von Kirchentüren ist da nicht die Rede. Wie kann ich Türen in der Welt hoch machen für einen König, an dem zumindest hierzulande keiner Interesse hat?

Im Advent sind in unseren Dorfgemeinden die Gottesdienste schlecht besucht, weil es wohl interessanter ist, in die Stadt zum Weihnachtsmarkt oder zum Einkaufen zu fahren. Das Weihnachtsgeschäft blüht anscheinend auch ohne den König der Ehren.

Dennoch kann ich Türen in der Welt hoch machen, indem ich zunächst mal meine eigene Herzenstür öffne und mich selbst einstelle auf den König der Ehren. Seine Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit kann ich nur weitergeben, wenn ich sie für mich annehme.

Dann kann ich Türen weiter machen, gerade da, wo statt Advent Hektik, Stress und Überforderung herrschen.

Ursula Schabert

Unterwegs in Lutherland

25. November 2010 von redaktionguh  
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benedikt

Der Papst kommt. Und Deutschland freut sich. Thüringen auch.

Wirklich?

Es sind wenige im Freistaat, denen der Besuch des katholischen Oberhaupts tatsächlich etwas bedeutet, hat eine Tageszeitung ermittelt. Gehören doch mehr als 70 Prozent gar keiner Kirche an. Selbst die katholische Laienbewegung »Wir sind Kirche« schaut dem Ereignis eher mit gemischten Gefühlen entgegen.

Noch ist nicht klar, wie das Besuchsprogramm aussehen wird. Aber nicht nur katholische, auch evangelische Christen haben Erwartungen und Fragen: Kommt Benedikt XVI. lediglich zu »Seinesgleichen« – wie ins katholische Eichsfeld – oder werden auch ökumenische Signale von seinem Besuch im September 2011 ausgehen? Immerhin reist der Papst ins Kernland der Reformation. Da laden wichtige Stätten wie die Wartburg oder das Erfurter Augustinerkloster ein.

Der Münchner Journalist Peter Seewald, der den Pontifex für ein Buch interviewte, das schon vor Erscheinen durch die Äußerungen zur Kondomfrage für Aufsehen sorgte, habe Benedikt als jemanden erlebt, »der den Dialog einfordert« und der auch in der Ökumene etwas bewegen wolle.

Tatsächlich könnten klare Worte in Richtung Annäherung der beiden Konfessionen einen Meilenstein bedeuten. Es bleibt abzuwarten – oder besser wäre es: deutliche Signale der evangelischen Kirche in Richtung Rom zu senden. Da steht das gemeinsame Abendmahl an vorderster Stelle – zumindest ein eucharistisches Gastrecht für konfessionsverschiedene Paare, aber auch die Diskrepanz zwischen offiziellen Äußerungen der katholischen Amtskirche und der guten Gemeinschaft an der Basis.

Benedikt XVI. könnte ein starkes Zeichen setzen – zum Beispiel mit dem Besuch einer Lutherstätte und einem Gespräch mit Landesbischöfin Ilse Junkermann. Dann wäre glaubhaft, was Seewald über den Papst sagt: Er sei nicht der Hardliner, für den er gehalten wird.

Dietlind Steinhöfel

 

Empfänglich für die gute Botschaft

25. November 2010 von redaktionguh  
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»Jauchzet, frohlocket …«: Mit dem Beginn der Adventszeit steht vielerorts in den Kirchen wieder das Weihnachtsoratorium auf dem Programm. (Foto: Viktoria Kühne)

»Jauchzet, frohlocket …«: Mit dem Beginn der Adventszeit steht vielerorts in den Kirchen wieder das Weihnachtsoratorium auf dem Programm. (Foto: Viktoria Kühne)

 
Advent: Mit Konzerten, Lichterkirchen und Krippenspielen stimmen sich die Kirchengemeinden auf Weihnachten ein.
 
Die Adventszeit ist Anlass zur Vorfreude. In den Wochen vor dem Fest lassen sich auch Menschen von den Angeboten der Gemeinden ansprechen, die der Kirche sonst eher fernstehen.

Was wäre die Adventszeit ohne Kirchenmusik! Gerade die kirchenmusikalischen Angebote sprechen Menschen an, die der Kirche sonst fernbleiben. Das Blasen der Posaunenchöre auf Straßen und Märkten, die Kirchenkonzerte erfahren in der Weihnachtszeit großen Zuspruch. Ebenso die Krippenspiele und Lichterandachten. Dabei sind Kirchenkonzerte, Kerzen und der Stern mehr als festliche Ruhe- und Glanzpunkte in den ansonsten stressigen und dunklen Wochen vor dem Fest. Sie sind Mittel, die auf die biblische Weihnachtsbotschaft weisen.

Als solche träfen sie durchaus nicht ins Leere, meint Pfarrer Matthias Ansorg vom Gemeindedienst der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). »Symbole wie Lichterkirchen, Kerzen und der Stern sprechen Leute an, die sonst nicht zur Kirche kommen.« In der Adventszeit seien die Menschen offener und empfänglicher als sonst. Deshalb sollten Kirchengemeinden die Chance nutzen und auf Menschen zugehen. »Sie dürfen sich aber nicht darauf verlassen, dass die Menschen kommen, sondern müssen zu ihnen gehen«, rät Ansorg. »Und sei es ein Glühweinstand, wo man ins Gespräch kommt.«

Für einige Kirchengemeinden ist die Beteiligung an Weihnachtsmärkten, die eine große Anziehungskraft haben, solch ein Schritt vor die Kirchentür. In Triebes (Kirchenkreis Greiz) etwa veranstaltet die Kirchengemeinde am Sonnabend vor dem 3. Advent gemeinsam mit Vereinen und Anwohnern einen »Christkindelmarkt«. Die Erlöse kommen den nichtkirchlichen Kindergärten des Ortes zugute. Der Name sei eine Idee des Bürgermeisters, weil sich dieser Markt von dem »normalen« am 1. Advent stattfindenden abheben solle, so Pfarrer Michel Debus. Das schöne Ambiente vor der Kirche, die gemütliche Atmosphäre machten den Christkindelmarkt zu etwas Besonderem. Mit großer Außenwirkung. 1500 Leute aus der Umgebung besuchten ihn und von Jahr zu Jahr kämen mehr, sagt Debus. Am Abend werde dann noch zu einer Lichterandacht eingeladen. Ähnliche »Geheimtipps« seien die Märkte in Kiliansroda und Niedergrunstedt (Kirchenkreis Weimar), sagt Pfarrer Joachim Neubert.

Weniger auf missionarische Wirkung setzt die Domgemeinde in Magdeburg. Vielmehr möchte sie ihre Verbundenheit mit den kranken und alten Menschen zum Ausdruck bringen. Am 4. Advent wird zu einem Kurzgottesdienst eingeladen. »Eine halbe Stunde Gottesdienst mit den Lippen, eine halbe Stunde Gottesdienst mit den Füßen«, so der Slogan von Domprediger Giselher Quast. Auf großen Tischen liegen 60 bis 80 Päckchen bereit. Gepackt werden sie am 2. Advent. Dann steht nach einem Familiengottesdienst Singen und Basteln auf dem Programm. Die selbstgestalteten Geschenke werden schön verpackt und dann am 4. Advent ausgetragen. An der seit etwa 30 Jahren stattfindenden Besuchsaktion beteiligten sich viele Familien, gern auch Außenstehende der Gemeinde, erzählt Quast.

In der Erfurter Michaeliskirche wird seit einigen Jahren ein Theaterstück aufgeführt: »Die gesamte Weihnachtsgeschichte gespielt von drei Personen«. Für die Weihnachtsbotschaft nach Lukas sei ein humorvoller Rahmen gefunden worden, der nicht nur kirchlich Angehauchte, sondern auch Nichtchristen anspreche, sagt Regisseur Harald Richter. »Das war eine Gratwanderung, denn das Stück sollte nicht in Klamauk ausarten.«

Sein Anliegen sei gewesen, die Weihnachtsbotschaft als gute, große, schöne Geschichte zu erzählen, so Richter. Die drei spielenden Personen des Stücks nennen sich »Verein zur Bewahrung und Erhaltung der rechten weihnachtlichen Stimmung e. V.«. Bei dem Versuch, ein Krippenspiel aufzuführen, komme es zu vielen Missverständnissen, beschreibt der Regisseur die humorvolle Rahmenhandlung. Nach der Resonanz in den Vorjahren zu urteilen, spreche das Theaterstück Jung und Alt an, Christen wie Kirchenferne.

Sabine Kuschel

Identität als Christen stärken

25. November 2010 von redaktionguh  
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Anhaltische Landessynode diskutierte über bessere theologische Ausbildung von Laien.
 

»Es ist uns aufgegeben, unsere Identität als Christen zu begründen und zu bestärken«, so Pfarrer Theodor Hering. Der promovierte Theologe leitet die Laienakademie, die im kommenden Jahr im Johann-Arndt-Haus in Ballenstedt ihre Arbeit aufnehmen wird. Mit ihrer Hilfe will die Landeskirche Anhalts die religiöse Sprachfähigkeit ihrer ehrenamtlichen, nicht-theologischen Mitarbeiter in der Gemeindeleitung stärken.
 

Die freiwillige, zertifizierte Fortbildung für Kirchenälteste bestehe aus Seminaren und praktischen Übungen, so Theodor Hering am 19. November vor der in Dessau-Roßlau tagenden Landessynode. Die Teilnehmer der Akademie erhielten Impulse für ihre persönliche Glaubens- und Gebetspraxis. Zudem gehe es darum, wie sie als Christen »in einer mehrheitlich nicht christlichen Lebenswelt« sprechen könnten.

Die bessere Ausbildung kirchlicher Laien in theologischen Fragen forderte der Leipziger Theologieprofessor Wolfgang Ratzmann in seinem Vortrag vor dem Kirchenparlament, welches die wachsende Bedeutung von Nicht-Theologen in der Gemeindeleitung in den Mittelpunkt seiner Beratungen gestellt hatte. Menschen, die in Kirchengemeinden mitarbeiteten, verfügten über hohe Kompetenz in ihrem jeweiligen Beruf. Sie seien in religiösen Fragen aber oft »nicht ähnlich kompetent«. Jedoch könnten sie sich als »Fachleute der Welt« (Dietrich Mendt) in die Kirche einbringen. Ihre Weltkenntnis hätten sie den Pfarrern voraus, so Ratzmann weiter. In einer Situation, in der »Christsein zur Ausnahme« werde, benötigten Laien eine bessere Ausbildung in religiösen Fragen. Ihre Welterfahrung und das theologische Wissen der Pfarrer müssten in die Verkündigung einfließen.

Das Wort Laie stammt vom griechischen Wort »laos« ab und bedeutet nach biblischer Bestimmung »der zum Volk (laos) Gottes Gehörige«. Erst ab dem zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt wechselte mit der Herausbildung eines Weihepriestertums die Bedeutung. Weil Laie heute für »Nichtfachmann« steht,  sprechen viele Landeskirchen bei nicht-theologischen, freiwillig in der Kirche mitarbeitenden Frauen und Männern von Ehrenamtlichen.

Angela Stoye

Kontakt per E-Mail <laienakademie@kircheanhalt.de>

Gegenwind

19. November 2010 von redaktionguh  
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Den Kirchen weht gegenwärtig ein scharfer Wind ins Gesichts. In der Gesellschaft schwindet ihr Einfluss, und ein neuer Atheismus wittert Morgenluft.

Da werden nicht nur die Staatsleistungen infrage gestellt und in Sachsen sowie Thüringen die Zuschüsse für die Schulen in freier Trägerschaft gekürzt, was in besonderer Weise die konfessionellen Bildungseinrichtungen trifft.

Auch der Sonntag als Tag der Arbeitsruhe steht unter Dauerbeschuss.

Zu allem Überfluss ist das Ansehen der Kirche zuletzt rapide gesunken. Nach einer Umfrage des Leipziger Institutes für Marktforschung haben derzeit gerade noch 38 Prozent Vertrauen in die Institution. Im Jahr zuvor sind es immerhin noch 51 Prozent gewesen. Da scheint es kaum tröstlich, dass es Parteien und Banken nicht viel besser geht.

Aber woran liegt es, dass der Ruf so gelitten hat?

Ein Grund ist sicherlich im Missbrauchsskandal zu suchen. Die halbherzige Aufklärung seitens mancher katholischer Bistümer hat der Kirche nachhaltig geschadet und Glaubwürdigkeit gekostet. Die wenigsten Zeitgenossen unterscheiden heute zwischen den Konfessionen. Zudem leiden die Kirchen unter einer starken ­Beschäftigung mit sich selbst. Die anhaltenden Strukturdebatten sind jedenfalls nicht dazu angetan, die Menschen mitzureißen. Vor Ort wird der Einsatz der Gemeinden zumeist positiv gesehen, doch auf die Gesamtkirche färbt das nicht ab.

Einfache Lösungen, wie verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden kann, gibt es nicht, das geht nur Stück für Stück. Dennoch sind die Kirchen gut beraten, ihre Türen weit aufzumachen, die Nöte der Menschen aufzugreifen und die Gemeindeglieder zu ermutigen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Denn nichts ist wirksamer als ein Christ, der glaubwürdig seine Überzeugungen vertritt. Wenn die Kirchen nahe bei den Menschen sind, kehrt das Vertrauen sicher nicht über Nacht zurück. Aber es steigen die Chancen, dass sie wieder als wichtiger Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden.

Martin Hanusch

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