Klimaschutz geht alle an

7. Januar 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Die Erde bei Nacht: Vor allem der reiche Norden muss bei der Reduzierung von Treibhausgasen seinen Beitrag leisten. Foto: picture-alliance/Bildagentur-online/Saurer

Die Erde bei Nacht: Vor allem der reiche Norden muss bei der Reduzierung von Treibhausgasen seinen Beitrag leisten. Foto: picture-alliance/Bildagentur-online/Saurer


 
Bewahrung der Schöpfung: Mit ihrer neuen Kampagne will die mitteldeutsche Kirche ein Zeichen setzen
 
Der Klimawandel kommt. Darin sind sich die Experten weitgehend einig. Aufgehalten werden kann er nur, wenn in den Industriestaaten ein Umdenken einsetzt.

Als im Frühjahr 1995 die Klimakonferenz in Berlin zusammentritt, gehen zwölf Regierungschefs der kleinen Inselstaaten im Pazifik vor die Presse. Wenn der Meeresspiegel weiter steige, würden sie die Ersten sein, die untergehen, verkünden sie der erstaunten Weltöffentlichkeit. Geändert hat sich seither wenig. Zwar gab es mehrere Klimagipfel, zuletzt den im mexikanischen Cancun. Doch von verbindlichen Regelungen, die zu einer spürbaren Reduzierung der CO2-Belastung führen, ist die Welt noch weit entfernt. Auch wenn immer wieder Stimmen laut werden, die die globale Erderwärmung auf Klimaschwankungen zurückführen, deuten die Anzeichen auf eine Mitschuld des Menschen.

»Der Klimawandel ist eine der drängendsten Überlebensfragen«, glaubt Annelie Hollmann, Kampaignerin der mitteldeutschen Kirche (EKM). Auch die Kirchen und Christen seien gefordert, hier ihren Beitrag zu leisten. Die EKM hat deshalb ihre aktuelle Kampagne unter das Motto »Klimawandel – Lebenswandel« gestellt. Damit solle verdeutlicht werden, dass es ohne Änderung der Lebensgewohnheiten keinen dauerhaften Klimaschutz geben kann. Vom 2. Januar bis 20. Oktober seien alle Gemeinden aufgerufen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und selbst Kohlendioxid einzusparen. Viele Menschen glaubten, dass ökologische Verhaltensweisen mit Einschränkungen verbunden sind und kaum etwas bringen. »Wir wollen erfahrbar machen, dass dadurch die Lebensqualität steigt«, unterstreicht die Kampaignerin.

Wichtigster Bestandteil des Themenjahres ist ein Mitmachheft mit 30 praktischen Vorschlägen, wie sich der Kohlendioxidausstoß verringern lässt. Die Empfehlungen reichen vom Verzicht auf Alufolie bis zum Wechsel des Stromanbieters. Bei jeder Aktion können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer genau ausrechnen, wie viel CO2 auf diese Weise eingespart wird. Die Postkarten aus dem Heft sollen dann ausgefüllt und zur Gesamtbilanz an die Landeskirche geschickt werden. Insgesamt erhoffen sich die Initiatoren eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um eine Millionen Kilogramm. »Am Erfolg, ob wir das erreichen, werden wir uns messen lassen müssen«, sagt die Kampaignerin.

Gleichzeitig soll es im Laufe des Jahres weitere inhaltliche Angebote geben. In der Passionszeit ist eine Zusammenarbeit mit der Aktion »Sieben Wochen ohne« geplant, und die sogenannte Schöpfungszeit von September bis zum Erntedanktag wird sich ebenfalls schwerpunktmäßig mit dem Thema Klimawandel – Lebenswandel befassen. Ferner sollen Modellprojekte in Gemeinden und Einrichtungen angeregt werden, die über den Kampagnenzeitraum hinausreichen.

Den Anfang hat am 5. Januar das Zinzendorfhaus in Neudietendorf gemacht. Die dortigen Einrichtungen von der Evangelischen Akademie bis zum Pädagogisch-Thologischen Institut wollen sich am Umweltmanagement-Programm »Grüner Hahn« beteiligen. Ziel ist es, den Umwelt- und Ressourcenschutz systematisch zu verbessern.

Natürlich lasse sich der Klimawandel durch solche Aktionen nicht aufhalten, räumt Kirchensprecher Ralf-Uwe Beck ein. Dennoch könnte allein über Änderungen des Lebensstils der durchschnittliche CO2-Ausstoß von zehn Tonnen pro Kopf halbiert werden, durch Veränderungen beim Heizen, Essen und in der Mobilität. Was der langjährige Umweltaktivist jedoch weit wichtiger findet, ist die Vorbildwirkung: »Wir können nicht an die Chinesen appellieren, weiter mit dem Fahrrad zu fahren, während wir nicht bereit sind, aus dem Auto zu steigen.«

Martin Hanusch

Halle: Klimakampagne mit »getanztem Gebet« eröffnet

Ein »getanztes Gebet« des Luftakrobaten und Zauberers Carismo gab es zum Auftakt des Gottesdienstes, mit dem die mitteldeutsche Kirche am vergangenen Sonntag im halleschen Bahnhof ihre Kampagne »Klimawandel – Lebenswandel« eröffnet hat. Bischöfin Ilse Junkermann rief die Christen, Gemeinden und Einrichtungen zu einer regen Teilnahme an den Aktionen auf. Mit der Kampagne wolle die Landeskirche »vor der ­eigenen Haustür kehren« und dazu ermutigen, zu einer »Ethik des Genug« zu kommen, sagte sie vor den rund 250 Besuchern. Zentraler Bestandteil der Kampagne ist ein »Mitmachheft« mit 30 praktischen Beispielen.

Foto: Jan Möbius

Kontakt über Telefon (0 36 91) 6 78-404, E-Mail <franziska.schreiber@ekmd.de>

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  5. [...] Die zehnjährige Kristin schenkt Wasser aus, Leitungswasser. Auch wenn es ihr nicht besonders gut schmeckt: Für die Bewahrung der Schöpfung nimmt sie das schon mal in Kauf. Außerdem: »Wir müssen das ja nicht trinken. Ich bringe mir meistens was von zu Hause mit.« Kimberly (8) schmeckt das Leitungswasser jedoch »ganz gut«. Die beiden Mädchen gehören zum Schülerparlament der Evangelischen Grundschule in Eise­nach und stellten am 31. März Pressevertretern ihr Schulprojekt »Wasserwechsel« vor. Angestoßen wurde die Initiative von der Kampagne der mitteldeutschen Kirche (EKM) »Klimawandel – Lebenswandel«. [...]

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