Besonderer Ort der Begegnung
14. Januar 2011 von redaktionguh
Abgelegt unter Thüringen

Auch für die Leiterin der Communität, Schwester Katharina, ist die Klosterstube immer ein guter Ort der Begegnung und des Gesprächs. Doch jetzt stehen die Zeichen auf Abschied. (Foto: Burkhard Dube)
Die Klosterstube in Erfurt feiert Geburtstag und steht vor einem Umbruch.
So viel steht fest: Es wird weitergehen. Davon sind die Schwestern der Communität Casteller Ring (CCR) genauso überzeugt wie Lothar Schmelz, Kurator des Evangelischen Augustinerklosters zu Erfurt. Trotzdem wird am Mittwoch, wenn der Geburtstag der Klosterstube letztmalig mit den Schwestern gefeiert wird, etwas Wehmut einziehen. Denn das kleine Café, das vor 14 Jahren in die umgebaute Trafostation zog, ist mehr als ein nette gastronomische Einrichtung. Hier hat Schwester Roswitha Sager etwas aufgebaut, das vielen ein Stück Geborgenheit gibt.
Die 67-Jährige ist das »Herzstück« der Klosterstube, managt und hat ein offenes Ohr für jedermann. »Die Klosterstube ist ein beliebter Ort in Erfurt geworden«, sagt sie. »Es kommen psychisch Kranke, die einfach mal reden wollen; andere, die ihre Sorgen oder ihre Trauer abladen wollen.«
Schwester Roswitha gesteht, dass ihr der Weggang schwerfällt. Sie hat noch keinen Plan für ein Nachher. »Ich mache das jetzt hier erst einmal fertig und sehe dann weiter. Ich werde ja nicht jünger«, begründet sie, dass sie ihre geliebte Arbeit aufgeben will. Zudem soll eine Nachfolgerin die Möglichkeit haben, ihr eigenes Konzept zu verwirklichen. Lothar Schmelz wünscht sich, dass die Klosterstube in Schwester Roswithas Sinn fortgeführt wird.
Warum verlassen die Schwestern im Mai dieses Jahres Erfurt, wo sie doch die besondere geistliche Arbeit im Kloster aufgebaut und in den fast 15 Jahren ihres Wirkens segensreich getan haben? Dazu gehören Gottesdienste, tägliche Stundegebete, Seelsorge, meditative Angebote, Glaubenskurse … Die Liste der Angebote der Schwestern ist lang. Es hätte sich Verschiedenes summiert, sagt die Leiterin der Erfurter CCR, Katharina Schridde. Sie war 2008 als Nachfolgerin von Ruth Meili in die Landeshauptstadt gekommen mit der Maßgabe, dass noch drei neue Schwestern vom Schwanberg, dem Mutterkloster, nachfolgen sollten.
Doch die Entwicklung auf dem Schwanberg sei anders gelaufen. Die Arbeit dort sei intensiver geworden und die Schwestern, die eine Stadtstation mit betreiben könnten, werden dort gebraucht. »Das andere ist die Entwicklung im Augustinerkloster zum stark frequentierten Luther- und Tagungszentrum. Wir hatten schon 2009 ein wesentlich höheres Touristikaufkommen als die Jahre zuvor. Wenn wir in solch einem bewegten Betrieb erfahrbar sein wollen, dann müssten wir mindestens zehn Schwestern sein«, ist sie überzeugt. Das heiße nicht, dass das Augustinerkloster kein geistlicher Ort mehr sein könne. Kurator Lothar Schmelz habe ja zum Beispiel schon Ehrenamtliche für die Meditationsabende gewonnen.
Wie viele Erfurter und Klostermitarbeiter ist auch der Kurator traurig, dass die Communität die Stadt verlassen wird. Vor allem sei es doch sehr schnell gegangen. »Nun sind wir dabei zu überlegen, was wir halten können, was nicht.« Das Kuratorium des Klosters traf sich Ende 2010 zu einer Klausur. Die Ergebnisse sollen im Februar im landeskirchlichen Kollegium und der Kirchenleitung verhandelt werden.
Neben der Klosterstube sollen auf jeden Fall Mittags- und Abendgebet weitergeführt werden. Zudem habe sich der Kirchenkreis für eine halbe Pfarrstelle ausgesprochen. Die geistliche Verantwortung für das Augustinerkloster obliegt der Landesbischöfin der EKM.
Dietlind Steinhöfel
Geburtstag der Klosterstube: 19. Januar, 12 Uhr, Mittagsgebet in der Kirche, anschließend Feier in der Klosterstube







Reaktionen unserer Leser
1 Lesermeinung zu “Besonderer Ort der Begegnung”Trackbacks
Das sagen andere über diesen Artikel[...] Augustinerkirche in Erfurt wird nicht verwaisen. Foto: Schiwago, wikipediaDie Klosterstube, die bisher von Schwester Roswitha geführt wurde, wird von der Evangelischen Stadtmission Erfurt [...]