Reformsignal
18. Februar 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Es gleicht einer kleinen Sensation. Knapp 150 deutschsprachige katholische Theologieprofessoren haben Anfang Februar einen Reformkatalog vorgelegt, der es in sich hat. Darin fordern sie nicht nur eine Lockerung des Pflichtzölibats und die Zulassung von Frauen zum kirchlichen Amt, sondern mehr Mitspracherechte der Basis bei der Wahl von Pfarrern und Bischöfen und ein anderes Rechtsverständnis. Zugleich werben sie für einen »offenen Dialog ohne Tabus« über Macht- und Kommunikationsstrukturen.
Die Hamburger Wochenzeitung »Die Zeit« befand, dass solche Kritik Rom nur gut tun könne, und die »Mainpost« in Würzburg witterte sogar einen »Hauch von Wittenberg«.
Das trifft in gewisser Hinsicht sogar den Kern.
Denn den Autoren des Memorandums, das inzwischen von 200 Professoren unterzeichnet ist, geht es um eine tiefer gehende Reform ihrer Kirche. Auch der Zeitpunkt für den Vorstoß ist mit Bedacht gewählt. Ein Jahr nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals und gut sechs Monate vor dem Papstbesuch wollen die Theologieprofessoren ein Zeichen setzen und zum Dialog anregen. Deshalb bleiben sie auch nicht beim Zölibat stehen, sondern fordern angesichts des Priestermangels ein neues Amtsverständnis und ein Umdenken in der Kirche.
Dabei wird die Kritik sehr moderat vorgetragen. Offenbar hoffen die Unterzeichner, damit eher Gehör zu finden als mit einem blanken Konfrontationskurs. Zudem dient es wohl der eigenen Sicherheit. Ein Drittel der deutschsprachigen Theologieprofessoren kann auch die Glaubenskongregation nicht schassen, wo der einzelne vielleicht um die Lehrbefugnis bangen müsste.
Was jedoch weit schwerer wiegt: Den Autoren geht es um eine Erneuerung der kirchlichen Strukturen, die nicht in ängstlicher Abschottung von der Gesellschaft gelingen könne, sondern nur mit der Mut zur Selbstkritik.
Das ist bestimmt noch kein reformatorischer Paukenschlag, aber ein Signal, das auch Rom nicht einfach ignorieren dürfte.
Martin Hanusch







Reaktionen unserer Leser
1 Lesermeinung zu “Reformsignal”Trackbacks
Das sagen andere über diesen Artikel[...] Glaube und die Glaubensbekenntnisse der Kirchen(n) – Sichtung eines Spannungsverhältnisses«. Das Memorandum von Theologieprofessoren und -professorinnen zur Krise der katholischen Kirche vom 4. Februar habe sie bewusst nicht unterschrieben, weil ihr [...]