Schicksale hinter Mauern

18. Februar 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

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Eine Gruppe Ehrenamtlicher besucht Inhaftierte im Abschiebegefängnis Suhl-Goldlauter.



Ein knappes Dutzend junge Männer aus aller Herren Länder fristen derzeit ihr Dasein im Gefängnis Suhl-Goldlauter. Ihr Vergehen: Nach einem abgelehnten Asylantrag haben sie Deutschland nicht verlassen.

Tage, Wochen, teils mehrere Monate warten sie hier auf die Abschiebung in ihre Herkunftsländer. In dieser Zeit sind sie nahezu isoliert von der Außenwelt.

»Das muss so nicht bleiben«, dachte sich der in Suhl tätige Diakon Adelino Massuvira, als das Abschiebegefängnis im Jahre 2003 von Untermaßfeld nach Suhl-Goldlauter umzog. Schon zuvor hatte der aus Mosambik Stammende als Gefängnisseelsorger erfahren, wie wichtig für Inhaftierte das persönliche Gespräch ist. »Als wir die staatlichen Stellen damals fragten, wer sich um die Abschiebehäftlinge kümmert, waren sie sehr verlegen«, erinnert sich Massuvira. Man habe dann der Kirche die Betreuung angeboten, und der Diakon nahm die Aufgabe als »ehrenamtlicher Vollzugshelfer«, wie es im Amtsdeutsch heißt, gerne an.

Inzwischen sind es vier Leute, die die von Abschiebung Bedrohten alle 14 Tage besuchen. »Wir bekommen dabei traurige Geschichten zu hören«, meint Hanne Adams, eine ehemalige Lehrerin, die schon seit Jahren unermüdlich die Gefangenen besucht. Und wer sich Zeit für diese Schicksale nimmt, dessen Bild vom »Wohlstandsflüchtling« bekommt schnell Risse, so Adelino Massuvira.

»Einmal gab es ­einen ehemaligen Kindersoldaten aus Guinea, der nach versuchter Flucht festgenommen und gefoltert wurde. Er entkam, versteckte sich wochenlang unter dem Deck eines Schiffes und kam so nach Deutschland. Hier glaubte man ihm sein Schicksal nicht und steckte ihn in Abschiebehaft.«

Es sind Schicksale wie diese, die dem Diakon die Tränen in die Augen treiben. Und auch wenn es der kleinen Gruppe immer wieder einmal gelingt, dass ein Asylverfahren wieder neu aufgenommen wird oder der Betroffene gar ein dauerhaftes Bleiberecht erhält: Sie wissen genau, dass das große Ausnahmen sind und sie in den meisten Fällen allenfalls die Not lindern können.

»Aber ich bin fasziniert, dass sich immer wieder Menschen finden, denen das Schicksal ­anderer nicht egal ist«, betont Martin Herzfeld, Superintendent des Kirchenkreises Henneberger Land.

Dieses jahrelange Engagement blieb auch dem Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrum der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) nicht verborgen: Am 10. Dezember 2010, dem Tag der Menschenrechte, erhielt die Flüchtlingshilfe-Gruppe ­einen Preis. »In ungerecht erlebten und beängstigenden Situationen ist es wichtig, Menschen menschlich zu ­begegnen und dadurch mit dazu beizutragen, dass sie sich dem Staat nicht völlig ausgeliefert fühlen«, betonte ­Petra Albert, die Ausländerbeauftragte der EKM, in ihrer Laudatio.

Das Preisgeld in Höhe von 750 Euro wird die Gruppe nach eigenen ­An­gaben vor allem dazu verwenden, Fahrtkosten für die Betreuer und Anwaltskosten für die Abschiebehäftlinge zu bezahlen. Über weitere Mitstreiter, vor allem aus Suhl und ­Um­gebung, würde sich die Gruppe sehr freuen.

Rainer Borsdorf

Kontakt: Diakon Adelino Massuvira, Telefon (03681) 30 81 93.

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