Mit der Musik und Thüringen eng verbunden

27. März 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen

Jörg Brena, Foto: Maik Schuck

Jörg Brena, Foto: Maik Schuck


Jörg Brena, vormals Prinz Georg von Sachsen-Weimar-Eisenach, ist am 11. März in Bad Krozingen gestorben.


Er war Sänger, Hochschuldozent und Rezitator. Seit der Wieder­vereinigung galt sein besonderes Engagement dem Weimarer Sophienhaus, dem er in den beiden letzten Jahrzehnten eng verbunden war: Jörg Brena (Bad Krozingen), vormals Prinz Georg von Sachsen-Weimar-Eisenach, der am 11. März im Alter von fast 90 Jahren verstarb und dessen Trauerfeier am 23. März von Rektor Axel Kramme (Stiftung Sophienhaus) in Freiburg (Breisgau) gehalten wurde.

In seinem sozialen Verantwortungsbewusstsein stand der Verstorbene ganz in der Traditionslinie seiner Urgroßmutter, der Großherzogin Sophie, deren Stiftungen alle politischen Systeme überlebt haben und bis in die Gegenwart hinein wirken. 1921 als jüngster Sohn des bis 1918 amtierenden Großherzogs Wilhelm Ernst auf Schloss Heinrichau (Schlesien) geboren, zeigte er früh musische Neigungen. Seine »künstlerische Mitgift« verdankte er seiner Mutter, der Prinzessin Feodora von Meiningen. Nach ersten Studien, die ihn unter ­anderem zu dem weithin bekannten Pianisten Max Martin Stein (Breslau) führten, gab er 1944 seinen ersten Klavierabend und nahm an einem Meisterkurs von Elly Ney in Salzburg teil.

Die Flucht vor den sowjetischen Truppen führte ihn 1945 ins Meininger Land, wo seinem Vater in Zillbach und Wasungen nach der Revolution von 1918 Ländereien belassen wurden. Von hier gelangte er zu Fuß über die grüne Grenze nach Nordbayern, nachdem ihn die Sowjets dreimal ­inhaftiert und wieder freigelassen hatten. In verschiedenen Etappen führte der weitere Weg über Kettwig bei Essen im Herbst 1946 an die neu gegründete Musikhochschule in Freiburg (Breisgau), wo er in die Meisterklasse von Carl Seemann aufgenommen wurde. Nach Abschluss seiner pianistischen Ausbildung absolvierte der Künstler von 1949 bis 1953 ein Gesangsstudium in der Meisterklasse von Margarethe von Winterfeldt.

1946 nahm Prinz Georg den Namen Jörg Brena zunächst als Künstlernamen an, sieben Jahre später ließ er den Schritt anlässlich seiner Eheschließung amtlich nachvollziehen. Als Gesangsdozent unterrichtete der Künstler seit 1953 an der Freiburger ­Musikhochschule. 1959 ereilte ihn ein Ruf als Leiter einer Ausbildungs- und Konzertklasse an die Musik­akademie Basel (Schweiz). Seinen Auftritten als Lied- und Oratoriensänger folgte ab 1969 eine intensive Beschäftigung mit dem gesprochenen Wort.

Anlässlich einer Einladung in die Ettersburger Schlosskirche kehrte Jörg Brena 1991 erstmals nach Thüringen zurück, wo er in den Stiftungsrat der Stiftung Sophienhaus eintrat. Seither engagierte er sich mit zahlreichen Benefizveranstaltungen für die Arbeit der diakonischen Einrichtung, ab 1997 als »Sonderbeauftragter des Sophienhauses« mit den Schwerpunkten Kontaktherstellung, Sponsoring und Veranstaltungen.

Nachdem er am 24. Juni 2001, dem Geburtstag Carl Alexanders, in der Ettersburger Kirche zu erleben war, gastierte der 80-jährige Rezitator 2002 in der Kapelle der Wartburg und rezitierte in höchst eindrucksvoller Weise Gedichte von Marie Luise Kaschnitz. Mit besonderer Freude erfüllte ihn 2006 im Weimarer Sophienhaus die Präsentation eines umfangreichen Buches über seinen Vater: »Herrscher in der Zeitenwende. Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach (1876 bis 1923)« von Bernhard Post und Dietrich Werner (Glaux Verlag Jena). Sein letzter Besuch führte Jörg Brena 2008 in die Klassikerstadt, als im Sophienhaus ein Glockenturm eingeweiht wurde.

Michael von Hintzenstern

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Reaktionen unserer Leser

1 Lesermeinung zu “Mit der Musik und Thüringen eng verbunden”
  1. Royalist sagt:

    Ein sehr beeindruckender Nachruf auf ein bemerkenswertes Leben. Vielen Dank für diese hochinteressanten Informationen.