Bis zur Einheit dauert es

Gottesdienst in der Dessauer Georgenkirche – 14 Kirchen gehören jetzt zur ACK Sachsen-Anhalt. Foto: Thomas Altmann

Gottesdienst in der Dessauer Georgenkirche – 14 Kirchen gehören jetzt zur ACK Sachsen-Anhalt. Foto: Thomas Altmann

Ökumene-Tag: Armenisch-Apostolische Kirche in die ACK Sachsen-Anhalt aufgenommen.

Gabe oder Aufgabe? Die Farben, die Schnittmuster, die Symbole: 18 Liturgen zeichnen ein Bild der Vielfalt in die Georgenkirche in Dessau-Roßlau. Und eindringlich greift der   altaramäische Hymnus »Urlach Ler« von der Empore. In einem ökumenischen Gottesdienst wurde am 26. März die Aufnahme der Armenisch-Apostolischen Kirche in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Sachsen-Anhalt gefeiert. Ziel der ACK ist es, die Einheit der Kirchen zu fördern. Mit diesem Gottesdienst ging auch der Ökumene-Tag 2011 zu Ende. Eingeladen hatte die Ökumenische Kommission für pastorale Fragen in Zusammenarbeit mit der ACK Sachsen-Anhalt.

Dorothea Sattler, Professorin für Ökumenische Theologie und Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, referierte über das Thema »Mein persönlicher Glaube und die Glaubensbekenntnisse der Kirchen(n) – Sichtung eines Spannungsverhältnisses«. Das Memorandum von Theologieprofessoren und -professorinnen zur Krise der katholischen Kirche vom 4. Februar habe sie bewusst nicht unterschrieben, weil ihr die Anliegen wichtig erschienen. Es sei die falsche Zeit gewesen, der falsche, feuilletonistische Ton und eine Verengung auf die europäische Perspektive.

Die Professorin fordert ein »polyzentrisches Konzept« der Ökumene mit Achtsamkeit vor kulturellen Unterschieden. Als Land der Reformation nehme Deutschland eine Sonderstellung ein. Mit Blick auf den Reformationsjahrestag 2017 sprach Sattler von »späten Früchten« aus der Begegnung mit der Reformation, von der Einführung der Muttersprache im Gottesdienst, von einer Hierarchie der Wahrheiten in Entsprechung zur Nähe der Bibel und vom Konsens in der Rechtfertigungslehre, dem Vertrauen, »sich angenommen zu wissen, auch wenn wir uns als unannehmbar erfahren«.

»Warum diese unzähligen Vorurteile?«

Weithin Konsens sei ferner, dass schon die Bibel zur Tradition gehöre. Deshalb gebe es kein Gegensatz von Bibel und Tradition. Sattler fragt, ob das erste immer das bessere sei. Was sich herausbilde, habe sich bewährt. Auf das frühe Charismamodell sei die Übertragung der Ämter gefolgt. Aber gerade die Frage der Ämter bleibe wohl das Trennende, auch und gerade im Blick auf das Abendmahl. Eucharistie sei kein zusätzliches Opfer, sondern die Vergegenwärtigung des Opfers. Es gebe unterschiedliche Modelle, sich diese Vergegenwärtigung vorzustellen und keine dogmatischen Bedenken gegen eine Feier mit Brot und Wein. Auch die evangelische Austeilungsordnung im Halbkreis, um den Gemeinschaftscharakter zu unterstreichen, wäre möglich. Andererseits forderte Sattler einen sorgsamen Umgang mit den übrigen Mahlgaben und unterstrich den Wert des Totengedächtnisses in der Eucharistie.

Immer wieder werden Vor- und Nachteile angefragt. Synodal oder autoritativ? Sind Mehrheitsbeschlüsse der Wahrheit näher? Maria Magdalena, die »Urapostelin«, findet Erwähnung, Geschlechterrollen und Verständigungsbrücken: »Auf welches Ziel hin sind wir unterwegs«, fragt Sattler, »zur echten Einheit? Es wird dauern. Aber wir sind alternativlos auf dem Weg.« Im Gespräch gibt es unter anderem eine Anfrage an die lutherischen Krchen, die keine Abendmahlsgemeinschaft pflegen.

Gesprächsrunden folgen. Joachim Liebig, Kirchenpräsident der Landeskirche Anhalts, moderiert die Gruppe »Wie verhält sich mein persönliches Gewissen zur Glaubenstradition meiner Kirche?« Da geht es um Toleranz und Beliebigkeit, um Bekenntnis und Individualismus. »Werden wir einsam in der Angst, fremdbestimmt zu sein?«, fragt Liebig.

»Und das Licht scheint in die Finsternis« – Der Erzbischof der Armenisch-Apostolischen Kirche in Deutschland, Karekin Bekdjian, predigt über Johannes 1, 5–11. Noch eher als in Rom wurde in Armenien das Christentum Staatsreligion. Am Konzil von Chalcedon, das die Zwei-Naturen-Lehre Christi festschrieb, nahm die armenische Kirche nicht teil. Auch unausgesprochen denkt man unweigerlich an den Völkermord im Osmanischen Reich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Erzbischof ermuntert zum Gebet der Reue, fragt: »Warum diese unzähligen Vorurteile?«

Thomas Altmann

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