Ein Bildungs- und Kulturprofi aus christlicher Verantwortung

18. April 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt plus

Visionen für Bildung: Stephan Dorgerloh (Foto: EKM/Seifert)

Visionen für Bildung: Stephan Dorgerloh (Foto: EKM/Seifert)

Stephan Dorgerloh, EKD-Beauftragter für die Lutherdekade, wird Kultusminister in Sachsen-Anhalt.

Mit langfristigen Bildungsprojekten kennt sich Stephan Dorgerloh bestens aus. Ob als Studienleiter der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in Wittenberg, als ihr langjähriger Direktor oder zuletzt als EKD-Beauftragter für die Lutherdekade, stets hat sich der 45-jährige Theologe aus christlicher Verantwortung bildungspolitisch engagiert. »Jetzt freue ich mich auf eine neue Aufgabe«, sagt er. Dabei muss der bisherige Prälat beweisen, dass er auch als Kultusminister in Magdeburg einen langen Atem hat. Am 19. April soll Dorgerloh das Amt von Birgitta Wolff (CDU) übernehmen, die künftig an der Spitze des Wirtschaftsressorts steht.

Ganz überraschend kommt der Wechsel des Lutherbeauftragten in die Politik freilich nicht. Bereits vor der letzten Landtagswahl 2006 gehörte der Theologe zum Kompetenzteam des SPD-Spitzenkandidaten Jens Bullerjahn. Zwei Dinge hat sich der Pfarrer, der 1998 in die SPD eingetreten ist, auf die Fahnen geschrieben. So will er den im Bildungskonvent angestoßenen Prozess aktiv mitgestalten. »Wir brauchen mehr Bildungsgerechtigkeit und mehr Qualität in den Schulen«, ist er überzeugt. Dass die Bereitschaft zu Reformen nicht sonderlich ausgeprägt ist, weiß Dorgerloh nur zu genau. Dennoch will er Veränderungen mit Augenmaß anstoßen und »die Menschen dabei mitnehmen«. Einen Schritt sieht er in der Einführung der Gemeinschaftsschule auf freiwilliger Basis, wenn also Eltern, Lehrer und Schulträger dazu bereit sind.

Sein zweites großes Thema wird ein Landeskulturkonzept für Sachsen-Anhalt sein. »Wir brauchen dringend eine Verständigung darüber, wo wir Schwerpunkte setzen wollen in einem vom demografischen Wandel gekennzeichneten Land.« Ein Kulturkonvent soll dabei helfen, Leitlinien über den Tag hinaus zu entwickeln. Ganz fremd ist ihm das Thema ohnehin nicht. Bevor er den Bildungsbereich übernommen hat, leitete er zwei Jahre lang den SPD-Fachausschuss Kultur. Zudem hat er schon als Akademiedirektor und Lutherbeauftragter einen engen Draht zu Kunst und Kultur gepflegt. In den Kirchen sieht er sogar einen der größeren Kulturträger.

Die Sorgen, er werde ihr gegenüber besonders distanziert agieren, um nicht den Eindruck zu erwecken, er bevorzuge die Kirche, teilt er nicht. Er werde eine professionelle Beziehung pflegen. Seine Herkunft will Dorgerloh dabei nicht verleugnen. »Wir ­haben einen katholischen Ministerpräsidenten und einen evangelischen Kultusminister, das ist doch eine schöne ökumenische Ausrichtung des Kabinetts«, findet er.

Zugleich freut sich der Politiker über weiter bestehende Berührungspunkte mit der Kirche und der Reformationsdekade. »Ich muss Luther ja nicht ganz ade sagen.« Schließlich werde er als Kultusminister in besonderer Weise weiterhin mit der Lutherdekade zu tun haben – nur eben auf der anderen Seite.

Martin Hanusch

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