Das ganze Jahr über Ostern

27. Mai 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt (Archiv)

Kirche im anhaltischen Trüben wird zu neuer Themenkirche.

Nach der Weihnachtskirche in Polenzko gibt es jetzt in Trüben auch eine Osterkirche. (Foto: Torsten Keßler)

Nach der Weihnachtskirche in Polenzko gibt es jetzt in Trüben auch eine Osterkirche. (Foto: Torsten Keßler)


 Im 80-Einwohner-Dorf Trüben im Fläming ist künftig das ganze Jahr über Ostern. Die romanische Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert ist die jüngste Themenkirche der Stiftung »Entschlossene Kirchen« im Kirchenkreis Zerbst. Die Themenkirchen sollen Leben in die Dörfer bringen und Besucher anziehen. So ist zum Beispiel die Weihnachtskirche in Polenzko schon weit über die Grenzen von Anhalt bekannt. In der Gesangbuchkirche in Luso werden Gesangbücher aus unterschiedlichen Epochen gesammelt, und die Radfahrerkirche in Steckby bietet Pedalrittern auf dem Elberadweg Gelegenheit zu Rast und Einkehr.

Aber »die Trübener Kirche ist als Osterkirche prädestiniert«, sagt Andrea Rongelraths-Ganzer, Gemeindekirchenratsmitglied in der Weinberggemeinde Garitz. Denn schon seit fünf Jahren gibt es in Trüben einen besonderen Frühgottesdienst zum Sonnenaufgang am Ostermontag. Anfangs nur mit einer Hand voll Leute, aber von Jahr zu Jahr wurden es mehr. Inzwischen hat sich der Sonnenaufgangsgottesdienst mit dem anschließenden Frühstück im Feuerwehrhaus fest im Gottesdienstplan etabliert.

Betritt der Besucher jetzt den Kirchhof durch das gusseiserne Tor, so fallen gleich die drei großen Holzkreuze ins Auge. Ganz schlicht, aus Eiche und etwa vier Meter hoch. Auf einem sanften Hügel, im Hintergrund wachsen Tannen und Pappeln. »Das Sinnbild für Ostern, für Tod und Auferstehung«, findet Andrea Rongelraths-Ganzer, und ein klein wenig könne man sich beinahe »an Golgatha erinnert« fühlen.

Das Konzept für die Osterkirche sieht insgesamt zwölf Stationen vor.


»Die Trübener Kirche ist als Osterkirche prädestiniert«

 
»Eine Art Kreuzweg um und in der Kirche«, sagt Sonja Hahn, Vorsitzende der Stiftung »Entschlossene Kirchen«, wobei man sich »über die Bezeichnung noch uneins ist«. Der Begriff Kreuzweg sei manchen Gemeindemitgliedern zu katholisch. Es wäre jedoch wichtig gewesen, die Menschen aus dem Dorf in das Projekt Osterkirche mit einzubinden, da am Anfang doch eine gewisse Skepsis vorgeherrscht habe.

Wann und wie die Osterkirche in Trüben in den nächsten Jahren erweitert wird, ist auch von den finanziellen Mitteln abhängig. Die drei Kreuze waren der Auftakt, als nächstes sollen in der Kirche Bibelverse angemalt werden, und in der ehemaligen Leichenhalle – ein kleines Gebäude von etwa zwölf Quadratmetern Fläche – wird die Abendmahlsszene mit Wandmalereien entstehen.

Weitere Abschnitte sollen folgen: von Jesu Einzug auf Palmenzweigen in Jerusalem bis zur Grablege in einem kleinen Anbau der Kirche. Mit einem Stein davor, so dass es aussieht, als schaue man in die Gruft. Klingt ein wenig kitschig, soll es aber nicht sein. »Wir wollen nicht, dass es hollywoodlike wird«, sagt Andrea Rongelraths-Ganzer. Schautafeln sollen deshalb künftig auf die entsprechenden Bibelstellen verweisen. Hecken und Bepflanzungen zum Verweilen und Nachdenken einladen.

Und vielleicht kommen dann ja künftig Schulklassen nach Trüben, um Ostern ganz authentisch zu erleben.

Torsten Keßler

Stichwort:  »Entschlossene Kirchen«

Die Stiftung »Entschlossene Kirchen« wurde am 26. September 2005 unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gegründet. Aufgabe der Stiftung ist neben der baulichen Bewahrung, die 61 Dorfkirchen im Kirchenkreis Zerbst besser zugänglich zu machen und das Interesse der Bevölkerung für sie zu wecken. Dazu dienen auch die Themenkirchen wie die Weihnachtskirche in Polenzko oder die Gesangbuchkirche in Luso.

Doppelleben in Wittenberg

27. Mai 2011 von redaktionguh  
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Schwedische Pfarrerin soll zum Reformationsjubiläum eine Brücke in ihre Heimat bauen.

Fühlt sich in ihrer Wahlheimat sichtlich wohl: Pfarrerin Kerstin Wimmer ist die neue internationale Residentin der EKD in Wittenberg. (Foto: Achim Kuhn)

Fühlt sich in ihrer Wahlheimat sichtlich wohl: Pfarrerin Kerstin Wimmer ist die neue internationale Residentin der EKD in Wittenberg. (Foto: Achim Kuhn)

Kerstin Wimmer sagt, dass sie ein Doppelleben führt. Aber eigentlich hat sie drei Leben: An der Universität Kopenhagen schreibt die 61-jährige Theologin gerade ihre Doktorarbeit über Martin Luther und die Psalmen. In Wittenberg ist sie die neue internationale Residentin der »2017«-Geschäftsstelle der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Ein Jahr lang wird sie pendeln – und dazwischen immer wieder Lund. Diese, ihre Heimat in Südschweden nennt sie eine »kleine Großstadt oder eine große Kleinstadt«. Mit über 100.000 Einwohnern ist Lund immerhin doppelt so groß wie Wittenberg.

An diesem Tag sitzt Kerstin Wimmer in ihrem Büro im Alten Rathaus, vor ihr auf dem Tisch blüht verschwenderisch ein Vergissmeinnicht, Symbol für Erinnerung und Liebe. Vielleicht nicht gleich mit Liebe, aber doch liebevoll sieht die zierliche Theologin Luthers Stadt.

»Ich wurde hier sehr gut aufgenommen«, erklärt sie in vorzüglichem Deutsch. Die Sprachkenntnis wird ihr von Nutzen sein, denn Wimmer ist, wie sie selbst es nennt, »eine Brücke« zwischen der evangelisch-lutherischen Kirche ihrer Heimatgemeinde und den Partnern in Deutschland. Und wie ihr Vorgänger, der Finne Juhani Holma, so wird auch sie sich nun auf Einladung der EKD ein Jahr an den Vorbereitungen des  Reformationsjubiläums beteiligen. Gruppen aus Schweden wird sie in die Stadt holen, auch die Bischöfin der Diözese Lund, Antje Jackelén, habe einen Besuch zum Reformationstag in Wittenberg angekündigt.

Was das Jubiläum 2017 betrifft, so kann es nach Wimmers Auffassung nicht primär darum gehen, »das 16. Jahrhundert zu feiern«. Viel wichtiger sei es, »neue Thesen« zu finden, solche, die einen Bezug zu der Zeit haben, in der die Menschen jetzt, 500 Jahre nach dem Hammerschlag von Wittenberg, leben. Zu reformieren, findet die Schwedin, gebe es immer etwas. »In der Welt und, ja, in der Kirche.«

Dort ist sie auf der Suche nach einem Raum, wo Menschen vor Gott klagen können. Im Judentum, sagt sie unter Hinweis auf die Klagemauer in Jerusalem, ist so etwas selbstverständlich. Mit so einem Raum könnte eine, nennen wir es Leerstelle gefüllt werden, die sich häufig da auftut, »wo die Worte fehlen«.

Wimmer weiß: »Die Warum-Frage ist überall.« Warum passieren bestimmte Dinge, warum treffen sie diesen und jenen nicht – und warum lässt Gott, so es ihn gibt, das (Stichwort Japan) überhaupt zu?

Die Rede ist schließlich auch von einer neuen Predigtsprache in den Gottesdiensten. Eine Predigt, findet Wimmer, die nach vielen Jahren als Gemeindepfarrerin und in der Seelsorge Dozentin am Pastoralinstitutin ihrer Diözese ist, eine Predigt »muss mehr Ansprache sein als Unterricht oder Dogma«. Und: »Wir brauchen mehr Erzähler.«

Sie selbst ist übrigens nicht nur eine kluge Erzählerin, sondern eine charmante obendrein. Und ein paar Zimmer weiter im Alten Wittenberger Rathaus dürfte sie mit ihrem Wunsch offene Türen einlaufen – dort befindet sich das Zentrum für evangelische Predigtkultur.

Corinna Nitz

Bischöfin wirbt um Vertrauen

27. Mai 2011 von redaktionguh  
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In das fröhliche Kirchspielfest im nordthüringischen Allmenhausen mischten sich besorgte Töne.

Landes­bischöfin Junkermann

Landes­bischöfin Junkermann

Allmenhausen, die kleinste Gemeinde des Kirchspiels Ebeleben im Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen, war am Sonnabend, dem 21. Mai, Gastgeberin des Kirchspieltages für ihre Mitveranstalter Ebeleben, Rockensußra und Rockstedt.

Kochbuch für die Bischöfin

Kochbuch für die Bischöfin

Unter dem Motto der Friedenskonvokation von Kingston/Jamaika »Ehre sei Gott und Friede auf Erden« feierte das Kirchspiel ein Fest mit großem Programm und viel gemeinschaftlichem Aufwand – die Landes­bischöfin predigte, der CVJM mit ­Matthias Kopka gestaltete ein begeisterndes Jugendprogramm, Künstler zeigten ihr Können, und die köstlichen Kuchen der fleißigen Gemeindeglieder fanden großen Anklang.

Für die Gäste war es ein herrlicher Tag, doch hinter den fröhlichen Festgesichtern der Kirchenältesten brodelt es. Sie fühlen sich verunsichert und schlecht informiert.

Spaß beim »Bootrennen«

Spaß beim »Bootrennen«

Der Prozess des Sichzurechtfindens in den neuen Gesetzmäßigkeiten der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) raubt ihnen ihre Kraft und Nerven. »Das ist wie in der großen Politik, die oberste Kirchen­leitung behält ihr Wissen für sich«, empört sich Andreas Klöppel aus Rockensußra.

»Über die Veränderungen durch die Strukturreform haben wir noch keine konkrete Auskunft erhalten. Was können wir uns in Zukunft noch leisten an Pfarrern, Kantoren, Jugendwarten, wenn die Kosten von uns anteilig übernommen werden sollen? Die Kantorenstelle ist unbesetzt, der Pfarrer geht jetzt irgendwann, und der Kreisjugendwart erfährt erst Ende des Jahres, ob es weitergeht.« – »Ja, und dann soll noch mehr auf dem Rücken der Ehrenamtlichen abgeladen werden, dabei sind wir jetzt schon oft resigniert und wünschen uns mehr Anleitung – sprich Weiterbildungen für unseren Dienst. Ständig geht es nur ums Geld«, sagt Anke Witzenhausen aus Rockstedt.

»Alles soll leichter werden, wenn sich unsere Gemeinden zum ­Kirch­gemeindeverband zusammenschließen«, ergänzt Doris Wiedemann aus Ebeleben, »doch dann geht der Zusammenhalt in den Dörfern ganz verloren.

Duftsäckschen (Fotos: © Regina Englert)

Duftsäckschen (Fotos: © Regina Englert)

Wenn das Geld aus fernen Finanztöpfen kommt, dann müssen sich die Menschen im Ort nicht mehr für ihre Kirche engagieren, dann stehen wir bald allein da. Und wenn wir dann noch umherfahren zu Gottesdiensten, machen wir die eigene Kirche ganz kaputt.«

Klare Worte von engagierten Menschen, die sich in der neuen EKM noch nicht zu Hause fühlen. Da ist es wenig tröstlich, wenn die Landesbischöfin im Live-Gespräch darauf verweist, dass es wohl zehn Jahre dauern wird, bis alles in den Kirchen angekommen ist. Sie wirbt für mehr Vertrauen in die, die entscheiden.

Mehr Transparenz scheint den Kirchenältesten jedoch noch wichtiger zu sein.

Regina Englert

Gemeinde wächst am Bau

27. Mai 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Beim Treffen der Thüringer Kirchbauvereine in Gotha erhielt Göttern »Goldenen Kirchturm«.

 
Axel Stelzner, Vorsitzender des Kirchbauvereins in Göttern, muss es wissen. »Wo die Kirchen verfallen, verfallen die Menschen«, sagt der 73-jährige Medizinprofessor. Nicht nur Kriege, auch Wasser und Versäumnisse hatten zur Zerstörung der Dorfkirche in der 380-Seelen-Gemeinde bei Weimar beigetragen. Stelzner ergriff nach der friedlichen Revolution die Initiative und rief mit einigen ­Mitstreitern einen Kirchbauverein ins ­Leben.

20 Jahre gab man sich »aus Freude und Dankbarkeit Mühe«. Jetzt erstrahlt das Gotteshaus wieder in ­voller Schönheit. Der Kirchbauverein Göttern erhielt deshalb von einer Fachjury den mit 3000 Euro dotierten »Goldener Kirchturm«.

Den symbolischen Scheck nahmen Axel Stelzner sowie seine beiden Vereinskollegen Rudi Prüfer und Reiner Scheidt schon zum Treffen der Thüringer Kirchbauvereine am 21. Mai im Gothaer Augustinerkloster entgegen. Den eigentlichen Preis wird Propst Reinhard Werneburg, Regionalbischof der EKM, im Gottesdienst am 26. Juni vor Ort überreichen.

»Es gab nichts, was wir nicht restauriert haben«, berichtet Stelzner in seiner kurzen Dankesrede. Angefangen beim Gesangbuch über Boden, Dach, Gestühl, Orgel, Glocke und Winterkirche habe man systematisch und beharrlich gewirkt. Immer nach einem genauen Konzept. »Wir haben nie rote Zahlen geschrieben, nur getan, was wir konnten. Jetzt lebt die Kirche wieder.«

In diesem Jahr konnte man 20 Taufen verbuchen – mehr als in Jena, stellte der engagierte Vereinsvorsitzende, der auch als Organist tätig ist, heraus.

Das Publikum – Vertreter mehrerer Kirchbauvereine – bat er, im Engagement nicht nachzulassen. Dass Kirchen Ortsbilder von Städten und ­Gemeinden prägen, darin waren sich die Tagungsteilnehmer einig. Allein in Thüringen gibt es 109 Kirchbauvereine, die sich alle für den Erhalt der Gebäude einsetzen. Dass mit dieser Anstrengung nicht nur das Gebäude von außen wächst, sondern auch Kirche von innen, bezeichnete Werneburg als besonders wichtigen Punkt.

Lutz Stiehler, Vorsitzender des erst im Oktober 2010 ins Leben gerufenen Kirchbaufördervereins »St. Nicolai« in Suhl-Albrechts, konnte dem nur zustimmen. Gegründet habe man sich, um den Innenausbau des Gotteshauses und die Orgel auf Vordermann zu bringen. Sein junger Verein bemühe sich derzeit um die Emporen der Nicolaikirche. Die Kanzel sei bereits fertig. »Insgesamt werden wir bestimmt auch 20 Jahre brauchen«, meint Stiehler. Erste Einnahmen aus Benefizveranstaltungen konnten die 14 Vereinsmitglieder schon verbuchen.

»Das Gemeindeleben wächst daran«, ist sich Stiehler sicher. Auch das bevorstehende 900-jährige Ortsjubiläum biete für den Förderverein sehr gute Möglichkeiten, sich einzubringen.

Beispielsweise wollen die Vereinsmitglieder in diesem Rahmen Kirchturmführungen anbieten. Eine entsprechende Entrümpelungsaktion habe schon stattgefunden.

Tagungen wie in Gotha sind gerade für junge Vereine wertvoll, um Kontakte zu knüpfen und sich zu informieren. Dies bestätigt auch Volker Seits vom Kirchbauförderverein Eishausen, der gerade den Turm der Marienkirche saniert übergeben konnte.

Bernd Rüttinger, Kirchenoberbaurat der EKM, stellte in einem Workshop verschiedene Kirchen vor, die eine multifunktionelle Nutzungen erfahren haben. Als eindrucksvolles Beispiel nannte er die Kirche in Rödigen im Altenburger Land. Insbesondere der dort eingebaute zweite Saal werde weitläufig genutzt.

Ob Familienfeiern, Gymnastikstunden oder Kaffeenachmittage – es sei erstaunlich, wie die Kirche mit Leben gefüllt wäre. »Es gibt eine Bandbreite an Möglichkeiten«, ist sich Rüttinger sicher. Als Erstes solle man immer das Nutzungsziel vor Augen haben. Zu allen Zeiten hätten Menschen ihre Kirchen entsprechend ihrer Bedürfnisse umgebaut, machte er Mut.

Annett Recknagel

Den symbolischen Scheck nahmen Axel Stelzner sowie seine beiden Vereinskollegen Rudi Prüfer und Reiner Scheidt schon zum Treffen der Thüringer Kirchbauvereine am 21. Mai im Gothaer Augustinerkloster entgegen.

Den symbolischen Scheck nahmen Axel Stelzner sowie seine beiden Vereinskollegen Rudi Prüfer und Reiner Scheidt schon zum Treffen der Thüringer Kirchbauvereine am 21. Mai im Gothaer Augustinerkloster entgegen.

 

Beten heißt auch, laut zu loben

27. Mai 2011 von redaktionguh  
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Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
Psalm 66, Vers 20

Rund 900 Kinder, Jugendliche und ältere Menschen ziehen singend und jubelnd bei strahlendem Sonnenschein durch das Gelände ihrer Schule zur neu errichteten Mensa. Rhythmisches Klatschen, Trommelklänge und mehrere Chöre mit ihren Stimmen begleiten die Prozession.

Was für eine Freude! Was für ein Jubel! Wir wurden angesteckt und konnten gar nicht anders als mitzusingen und mitzutanzen.

Dieter Kerntopf, Pfarrer in Colbitz

Dieter Kerntopf, Pfarrer in Colbitz

Selbst ein Jahr nach diesem Erlebnis wirkt es in mir und den anderen Gästen aus Colbitz nach. Wir haben mit unserer Partnerschule in Tansania ein Fest gefeiert. So fröhlich und lebendig haben wir es auch in den Gottesdiensten erlebt. Ob der Psalmbeter seine Worte auch in einem Gottesdienst mit anderen geteilt hat?

Er weiß, woher all das Schöne, all das Gute, all das, wofür er danken möchte, kommt. Er ist sich ­sicher, dass Gott seine Gebete erhört.

Deshalb kann er so loben. Auch bei unseren Partnern ist solch ­lebendiger Glaube zu finden.

Der Sonntag Rogate ist der Partnerschaftssonntag mit unseren Schwestern und Brüdern in Tansania.

Acht Besuche bei unseren Geschwistern in ­Ostafrika in den letzten 20 Jahren haben mir immer wieder gezeigt, dass unser Lob viel zu leise und ­dabei oft nur ein mürrisches Stammeln ist. Dabei hätten auch wir allen Grund, es laut in die Welt ­hinauszuposaunen. Der Alltag in Tansania wie auch bei uns wird natürlich nicht immer nur von Freude bestimmt.

Die kleinen und großen Sorgen gehören zum Leben. Es läuft nicht immer nur geradlinig, dennoch bleibt es Leben unter und in der Hand Gottes.

Das allein ist schon Grund zum Jubeln und zum Lob und zum Gebet.

Rogate heißt übersetzt: Betet! Wer betet, ist im Gespräch mit Gott. Beten heißt nicht nur Klage und Fürbitte. Beten heißt auch Loben. Ich bin dankbar, dass ich dies mit den Geschwistern in Tansania erleben durfte und mich mit ihnen im Lob Gottes verbunden weiß.

Dieter Kerntopf

Gemeinsam Flagge zeigen

27. Mai 2011 von redaktionguh  
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Kirchentag: Mehr als 5000 Christen aus Mitteldeutschland werden zum Protestantentreffen in Dresden erwartet.
Die letzten Vorbereitungen laufen: Vom 1. bis 5. Juni ist Dresden Gastgeber für den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag. (Foto: epd-bild)

Die letzten Vorbereitungen laufen: Vom 1. bis 5. Juni ist Dresden Gastgeber für den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag. (Foto: epd-bild)


Nach 14 Jahren findet mit Dreden wieder ein Kirchentag in Ostdeutschland statt. Das dürfte neben den großen Themen eine nicht ­unwesentliche Rolle spielen.


»Hier sind wir schon die Exoten«, sagt Matthias Grimm-Over. Der Referent für Jugendarbeit weiß, wovon er spricht. Wenn sich am 1. Juni die verschiedenen Regionen Sachsens beim Abend der Begegnung auf dem Kirchentag in Dresden vorstellen, wird auch die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) mit von der Partie sein. Unter dem Motto »Evangelisch in Nordsachsen« präsentiert sich der Kirchenkreis Torgau-Delitzsch als einzige sächsische Region der EKM auf dem Kirchentag. Die Helfer um den Jugend­referenten werden dann gemeinsam mit den »Freunden der Leipziger Region« die Kirchentagsgäste rund um die Dreikönigskirche bewirten.

Aber auch sonst will der Kirchenkreis auf dem Kirchentag vom 1. bis 5. Juni Flagge zeigen. Im Themenbereich »Christen im Alltag« informieren die Mitarbeiter über ihre Arbeit vor Ort. An jedem Tag werde es einen ­thematischen Schwerpunkt geben, kündigt Grimm-Over an. Neben dem neuen Familienbildungshaus Sausedlitz und dem ersten Torgauer Kinderkirchenführer wollen die Mitarbeiter auch ihr Jugendbildungsprojekt »Wintergrüne« vorstellen. »Wir wollen damit zeigen, dass Sachsen nicht nur aus der Landeskirche besteht«, meint der Referent selbstbewusst.

Dass der Kirchentag nach längerer Zeit wieder in Ostdeutschland über die Bühne geht – zuletzt hatte es 1997 das Protestantentreffen in Leipzig ­gegeben –, schlägt sich freilich nicht nur in den Zahlen unter den 110.000 Dauerteilnehmern nieder. »Von der Zusammensetzung wird es der erste gesamtdeutsche Kirchentag sein«, ist Katrin Göring-Eckardt, Präsidentin des Treffens, überzeugt. Etwa ein Drittel kommt aus Ostdeutschland. Allein aus der EKM werden sich 5.000 Gemeindeglieder auf den Weg machen. Inhaltlich dürfte das Thema Kirche in säkularer Umwelt neben den Topthemen Atomausstieg, Finanzkrise und Integration eine tragende Rolle spielen. Dafür spricht schon die Tatsache, dass der Kirchentag in einer Region stattfindet, in der nur noch knapp 25 Prozent zu einer Kirche gehören.

Für die evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer aus Mitteldeutschland ist das Grund genug, sich mit einem Stand auf dem »Markt der Möglichkeiten« zu präsentieren.

Wie schon beim Ökumenischen Kirchentag in München stellen sich die EKM und Anhalt sowie die Bistümer Erfurt und Magdeburg gemeinsam vor.

Allein das findet Anne Rademacher, Referentin im Erfurter Seelsorgeamt, ziemlich einmalig. »Diese Gemeinschaft ist ein Symbol dafür, was wir in Mitteldeutland brauchen.« Neben der EKM-Klimakampagne soll es um den Bibelturm im anhaltischen Wörlitz, das ökumenische Pilgerwegsprojekt des Bistums Magdeburg sowie die vom Bistum Erfurt angestoßene Reihe »Wozu ist Kirche gut?« gehen. Im nächsten Jahr wird der Gemeinschaftsstand dann beim Katholikentag Station machen.

Doch das sind nicht die einzigen Angebote aus der mitteldeutschen und der anhaltischen Kirche. Bereits am 30. Mai lichten zwei Schiffe in Dessau-Roßlau bzw. Wittenberg die Anker und fahren stromaufwärts nach Dresden. Zudem wirken mitteldeutsche Vertreter beim Feierabendmahl mit, stellen den spirituellen Tourismus am »Lutherweg« vor, erzählen ­etwas vom Einsatz für die Elbe und beteiligen sich am »Zentrum Kirchen und Demokratie«.

Ausgerechnet hier gab es bereits im Vorfeld eine heftige Kontroverse mit dem sächsischen Landtag. So hat das Präsidium mehrere Veranstaltungen nicht zugelassen, darunter ein Podium zum Thema »Krise der Demokratie« mit Heiner Geisler (CDU) und Renate Künast (Grüne). Diese »Aus­ladung« kann Lothar Tautz, Chef des Kirchentagslandesausschusses in der ehemaligen Kirchenprovinz, bis heute nicht nachvollziehen. Ansonsten hofft er, dass der Kirchentag seine ganz ­eigene Prägung erhält und der Dialog mit den osteuropäischen Ländern breiten Raum bekommt. »Dass der Kirchentag überhaupt in Dresden stattfindet«, sagt er, »ist ja schon ein Signal.«

Martin Hanusch

Glaubwürdig

27. Mai 2011 von redaktionguh  
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Dass der größte Teil der Menschen in Ostdeutschland nicht an Gott glaubt, überrascht nicht. Nur 25 Prozent bejahen diese Frage des Meinungsforschungsinstituts Infratest innerhalb einer Befragung zu »Kirche und Glaube«, die der MDR im Blick auf den bevorstehenden Kirchentag in Dresden in Auftrag gegeben hatte. Umso bemerkenswerter erscheint der hohe Stellenwert, den auch hier christliche Werte genießen. Sie sind als »humanitäre Werte« in die Gesellschaft eingedrungen, wenn auch unter anderem Namen. Da heißt es anstelle »Nächstenliebe« zum Beispiel »Solidarität«, obwohl das nicht ganz dasselbe ist.

Auch nach der Wiedervereinigung ist das Interesse im Osten an Glauben oder gar Kirche nicht gestiegen. Und wer Meinungen im Internet verfolgt, dem weht sogar sehr kalter Wind entgegen. Da wird die Kirche als »privater Freizeitverein« bezeichnet oder gar als überflüssig erachtet.

Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt

Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt

Wird der Kirchentag in Dresden etwas ändern? Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt wünscht sich, dass in der stark säkularisierten Sachsen-Metropole spürbar werde, wie Christen fröhlich ihren Glauben feiern. Vielleicht ändert sich bei manchem das Bild von Kirche. Generell wird das jedoch nicht geschehen. Das kann man bedauern.

Besser wäre jedoch, wenn Christinnen und Christen nicht nur zum Kirchentag fröhlich ihren Glauben bezeugen und vor allem zeigen, welches feste Lebensfundament dahintersteht.

Die Zahlen von Infratest muss man zur Kenntnis nehmen, darf aber nicht in Larmoyanz verfallen. Es wird wichtig sein, dass die christlichen Werte, die anerkannt und auch von Nichtchristen angenommen werden, vor allem von der Kirche ausstrahlen und nicht von den Sorgen um Finanzen und Mitgliederschwund überschattet werden.

Nur eine glaubwürdige, der Nachfolge Jesu würdige Kirche wird in Zukunft geachtet und gehört werden.

Dietlind Steinhöfel

Die schnelle Eingreiftruppe

22. Mai 2011 von redaktionguh  
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Seit fünf Jahren gibt es in Mühlhausen einen besonderen Posaunenchor.
­Posaunenchor der Petri-Gemeinde Mühlhausen – das jüngste Mitglied ist 71 Jahre.

­Posaunenchor der Petri-Gemeinde Mühlhausen – das jüngste Mitglied ist 71 Jahre.

Es gibt die Landsenioren, Seniorensport und –tanzgruppen. Warum sollte es nicht auch einen Posaunenchor für Senioren geben? Das war die Frage, die sich das Ehepaar Sölter aus Mühlhausen vor gut fünf Jahren stellte. Ursprünglich wollten sie sich nach 50 Jahren aktivem Bläserdienst zur Ruhe setzen. Aber so ganz konnten sie das Musizieren dann doch nicht lassen.  »Man kommt davon einfach nicht los«, erklärt Herbert Sölter. Und so gründeten die beiden im Januar 2006 den einzigen evangelischen Seniorenbläserkreis der damaligen Kirchenprovinz Sachsen.

Ein langjähriger Bläserkollege schloss sich den Sölters, als er von ­deren Idee hörte, gleich an. Zunächst fehlte der neuen Bläsergruppe aber noch ein Tenor. Doch der war recht schnell gefunden, und so wurde aus dem Trio rasch ein Quartett. In den folgenden Jahren kamen noch mehr leidenschaftliche Musiker hinzu. Eine Dame wurde von ihrem Mann sogar mit einem Instrument beschenkt – als Dank für den erfolgreichen Kampf ­gegen den Krebs und damit sie sich ­ihren Wunsch erfüllen konnte, im ­Bläserkreis mitzuspielen.

So ist das Ensemble mittlerweile bis auf sieben Mitglieder angewachsen. »Wir sind alle über 70«, berichtet Charlotte Sölter. Ihr Mann ist mit 82 Jahren das älteste Mitglied, das jüngste ist 71 Jahre alt. Alle kennen sich bereits aus dem Mühlhäuser ­Posaunenchor, in dem sie über Jahrzehnte mitgewirkt haben. Herbert Sölter erinnert sich, dass 1954 Friedrich Kilian als neuer Kantor in die Petri-Gemeinde kam und den hiesigen ­Posaunenchor ins Leben rief.

»Ich konnte damals noch nicht einmal Noten lesen«, erzählt er weiter. Aber sein Interesse war so groß, dass er schnell das nötige Handwerkszeug erlernte. Kurze Zeit später folgte seine Gattin, denn sie wollte während der Proben nicht mehr allein zu Hause sitzen. Nach einiger Zeit bildete das Ehepaar sogar selbst Posaunisten und Trompeter aus.

Sechs Jahre später, nachdem Kilian Mühlhausen verlassen hatte, übernahm Herbert Sölter schließlich selbst die Leitung des Chores. Unzählige Konzerte hat das Ensemble in dieser Zeit gegeben. Doch im Laufe der Jahre wurden den rüstigen Rentnern die vielen Auftritte zu stressig.

»Wir können das nicht mehr so wie die Jugend«, meint Charlotte Sölter. Deshalb blasen sie ihre Instrumente heute in erster Linie aus Freude an der Musik, ganz locker sei das Zusammenspiel. Hin und wieder gibt der Bläserkreis aber auch Konzerte. »Wir sind die schnelle Eingreiftruppe«, sagt die 79-jährige Trompeterin und berichtet von den Auftritten in Altersheimen oder zu höheren Jubiläen, aber auch von den Einsätzen, bei denen sie für ausgefallene Musiker einspringen.

Rund 30 Mal wurden sie im vergangenen Jahr aktiv, ganz beachtlich für eine Seniorengruppe.  Doch nicht nur das Proben steht beim Seniorenbläserkreis auf dem Plan, sondern auch gemeinsame Unternehmungen. Die Instrumente dürfen dabei natürlich nicht fehlen. So kann schon mal aus einem Ausflug ein kleines Konzert werden.

Daniela Lange

Welches Lied singen wir heute?

21. Mai 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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Singt dem Herrn ein neues Lied,  denn er tut Wunder.
Psalm 98, Vers 1

Kantate 2011 – welchen Text sollte das neue Lied haben, das die Kirche in unserem mitteldeutschen Raum singt? Ist es ein österliches Halleluja, ein großes Gloria? So gern ich das anstimmen und gleich das Loblied auf alle Sänger und Chöre nachschicken würde, ist das wirklich dran?

Sebastian Kircheis, Pfarrer in Gera

Sebastian Kircheis, Pfarrer in Gera

Mein Lied an diesem Wochenende heißt: Kyrie eleison – Herr, erbarme dich! Ich erfahre: Tagtäglich kehren Menschen unserer Kirche den Rücken. Kinder christlicher Eltern werden nicht getauft, getaufte Jugendliche werden nicht konfirmiert. Das sind nur die Symptome dafür, dass es unserer Verkündigung und unserem Dienst trotz guten Willens an Prägekraft und Relevanz mangelt. Wo gewinnen wir beides?

Kyrie eleison!

Ich nehme heute eine tiefe Verunsicherung wahr im Blick auf unser Bekenntnis. »Ist der Tod Jesu heilsnotwendig?«, fragen manche irritiert. »Wie kann ein liebender Vater von seinem Sohn ein solches Opfer verlangen? Und was ist das mit der Auferstehung?« Sind der Besuch der Ostergottesdienste und die vielen verschlossenen Kirchen am Ostermontag für uns eine Problemanzeige?

Christe eleison!

Und ich erlebe eine ungeheure Gleichgültigkeit gegenüber der Verkündigung unseres Glaubens. Sie reicht hinein bis in die Familien der sogenannten Kerngemeinde, bis in die Familien von Mitarbeitern im Verkündigungsdienst, sie ist bei so manchem Menschen zu finden, der in unserer Kirche angestellt ist. Das schmerzt.

Kyrie eleison!

Dagegen hilft kein Aktionismus, da hilft auch keine Kampagne. Sind wir mit unserem Latein am Ende? Und – mal ehrlich – erwarten wir noch Wunder? Kann es vielleicht sein, dass unser Herr darauf wartet, dass wir unsere Ratlosigkeit bekennen und ihn, der ja selbst Weg, Wahrheit und Leben ist, um sein Erbarmen bitten?

Ich glaube, es ist an der Zeit! Und dann sollte unser Lied eine lange Pause machen und ihm darin den Raum lassen für seine Wunder!

Sebastian Kircheis

»Mit Friedensgruß lasst allzumal Euch grüßen …«

21. Mai 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

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Ein Lesebuch stellt den Thüringer Friedenspfarrer Ernst Böhme vor.

In Kunitz bei Jena kannten ihn bis vor wenigen Jahren sogar noch einige Einwohner: Ernst Böhme, den Pfarrer, der sie einst konfirmiert hatte. Viel mehr wussten sie von ihm nicht zu erzählen und schon gar nicht, dass er einer war, auf den sie guten Grund gehabt hätten, stolz zu sein. Vielleicht aber wären sie damals Ende der 1920er bzw. Anfang der 1930er Jahre auch nicht auf seiner Seite gewesen.

Denn was Ernst Böhme (1862–1941) gedacht und mutig veröffentlicht hat, war so gar nicht deutsch-national, lag nicht auf der Linie der Politik seiner Zeit und war auch nicht im Sinn eines militarisierten Christentums und des offiziellen Kurses der Thüringer Kirche. Kaum jemand hat damals registriert, dass er den Ersten Deutschen Friedenskongress der 1892 ­gegründeten Deutschen Friedensgesellschaft im Jahr 1908 in Jena verantwortlich mit organisiert, die einleitende Ansprache gehalten und einen Begrüßungsprolog in Versform geschrieben hat. Mit folgenden Worten knüpfte dieser an die geistige Tradition von Jena und Weimar an:

»Mit Friedensgruß lasst allzumal Euch grüßen,
Die freudig Ihr den Friedensruf vernahmt
Und in des Maien hoffnungsreichen Tagen
An geistgeweihtem Ort zusammenkamt! …«

(Lipp, S. 62)

Der Thüringer Friedenspfarrer Ernst Böhme (1862–1941)

Der Thüringer Friedenspfarrer Ernst Böhme (1862–1941)

Dem Berliner Studienrat und Historiker Karlheinz Lipp (mit Schwerpunkt Historische Friedensforschung) ist es zu verdanken, dass Ernst Böhme als Mensch und Theologe, speziell aber als Friedenspfarrer, aus dem Kreis der in die Friedensforschung Eingeweihten und der Kirchenhistoriker herausgehoben wurde und nun auch der öffentlichen Wahrnehmung zugänglich gemacht worden ist.

Dazu hat Lipp unter anderem Quellen der Familie Böhme, von Ernst Böhme selbst verfasste Passagen aus der Kunitzer Ortschronik, Schriften Böhmes, Auszüge aus Gemeindeblättern, Aufrufe, Predigten, Zeitungsartikel, Gedichte und Nachrufe recherchiert, zusammengestellt und in die Geschichte der Friedensbewegung eingeordnet.

Am 9. und 10. Mai vor 103 Jahren fand der Erste Deutsche Friedenskongress statt, Grund genug, auf das ergiebige Ernst-Böhme-Lesebuch aufmerksam zu machen und auch mit Blick auf den Friedenssonntag am 22. Mai dieses ­Jahres Böhmes zu gedenken, der die Einrichtung eines solchen nicht zuletzt aus pädagogischer Absicht heraus schon vor dem ersten Weltkrieg gefordert hat.

Auch ist das Erscheinen des Buches vor dem 70. Todestag Böhmes, der am 1. März 1941 starb, Anlass, darauf hinzuweisen, dass zur Tradition unserer Kirche die Friedensbewegung gehört, auch wenn ihre Stimme wie die Ernst Böhmes lange Zeit wenig gehört worden ist.

Sabine Nagel

Karlheinz Lipp: Der Thüringer Friedenspfarrer Ernst Böhme (1862–1941). Ein Lesebuch, Verlag Traugott Bautz Nordhausen, 2010, 164 Seiten, ISBN 978-3-88309-588-2, 20 Euro

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