Mehr als ein neuer Wanderweg
5. Mai 2011 von redaktionguh
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Zum Auftakt des Lutherwegs in Sachsen-Anhalt war Martin Luther höchst persönlich erschienen. Foto: Thomas Meinicke
Pilgern: In diesem Jahr werden gleich fünf neue Abschnitte des Lutherweges eröffnet.
Pilgerwege gibt es schon einige in Mitteldeutschland. Nun soll der in Sachsen-Anhalt gestartete Lutherweg weiter auf Thüringen ausgedehnt werden.
Ausgerechnet Luther. Eigentlich waren Pilgerreisen und Wallfahrten für den Reformator fromme Werke und damit verzichtbar. Seine Reise nach Rom stärkte in ihm die Erkenntnis: Allein aus Glauben kommt ein Christ zu Gott und nicht durch das »Geläuff«, wie er damals spottete. Wer evangelisch ist, lebt »aus Glauben« und braucht der Gnade nicht nachzulaufen. Das gilt bis heute: Niemand muss pilgern. Trotzdem würden sich immer mehr Menschen auf den Weg machen, meint Christfried Boelter vom Verein Kirche und Tourismus.
Der Verein hat es sich deshalb mit zur Aufgabe gesetzt, das Projekt »Lutherweg« auf ganz Thüringen auszudehnen. Den Anfang macht am 4. Mai Möhra. Hier wird das erste, mit einem stilisierten »L« ausgeschilderte Teilstück des Lutherweges zur Wartburg eröffnet. »Das«, freut sich Bärbel Grönegres von der Thüringer Tourismusgesellschaft, »ist ein weiterer wichtiger Mosaikstein in der Lutherdekade.«
Auch der Zeitpunkt der Eröffnung ist nicht zufällig gewählt. Traditionell wird an diesem Tag an die »Entführung« Luthers auf die Wartburg im Jahr 1521 erinnert. In diesem Jahr geht nun aus diesem Anlass der »Historische Lutherweg« an den Start. Neben der mitteldeutschen Bischöfin Ilse Junkermann hat sich dazu auch die Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht angesagt. Nach einer Andacht auf dem Lutherplatz sollte eine Gruppe von Pilgern in Richtung Wartburg starten.
Der knapp 18 Kilometer langen Strecke würden im Laufe des Jahres noch weitere Abschnitte folgen, erklärt der Tourismuspfarrer nicht ohne Stolz. So ist unter anderem ein weiteres Teilstück von Stotternheim nach Erfurt vorgesehen, das am 23. September während des Papstbesuches an den Start geht. Bereits Ende Mai eröffnet in Erfurt eine innerstädtische Route. Im Oktober und November folgen zwei weitere Strecken von Gotha nach Tambach-Dietharz sowie von Sonneberg ins fränkische Coburg. Am Ende wird der Weg 21 authentische Lutherorte sowie weitere historische Stationen, die einen Bezug zur Reformation haben, miteinander verbinden.
Nach Sachsen-Anhalt, wo vor drei Jahren ein gut 400 Kilometer langer Rundweg zwischen den Lutherstädten Wittenberg und Eisleben mit einem Abstecher nach Mansfeld eröffnet wurde, soll das Wegenetz im Freistaat bis 2014 auf knapp 900 Kilometer anwachsen. Dabei seien fast alle Landkreise und kreisfreien Städte berührt, so Boelter.
Zudem ist es ein Projekt, das die drei mitteldeutschen Länder verbindet. Nach dem Start in Sachsen-Anhalt und der Anbindung einer Strecke von Nordhausen bis zur Landesgrenze kommt im September ein erstes Teilstück des Lutherweges in Sachsen hinzu. »Die Pilger«, hat Sonja Hahn, Präsidentin der Lutherweggesellschaft aus dem anhaltischen Garitz, beobachtet, »interessieren sich nämlich nicht für Ländergrenzen.« Darüber hinaus betont sie, wie wichtig es sei, dass sich die Gemeinden als gute Gastgeber erweisen. »Dann können sie auch selbst davon profitieren.«
Wunderdinge erwartet der Bad Salzunger Superintendent Ulrich Lieberknecht allerdings nicht davon. Es sei immer eine Gratwanderung zwischen den Interessen des Tourismusverbandes und dem Reformationsgedenken, gibt er zu bedenken. Zugleich weiß der promovierte Theologe um die Möglichkeiten, die ein solcher Weg bietet. Schon jetzt gebe es viele Gäste, die gezielt den Lutherstammort aufsuchten, so Lieberknecht.
Auf Luthertouristen und Pilger setzt auch seine Eisenacher Kollegin Martina Berlich. Sie erhofft sich einen Schub des Interesses an Luther und den Lutherstätten. Dazu bedarf es jedoch nicht nur einer einheitlichen Beschilderung und Infotafeln, sondern auch der Zusammenarbeit der Kirchengemeinden mit den– Vereinen und Kommunen vor Ort. »Ansonsten«, sagt Thüringens Lutherbeauftragter Thomas A. Seidel, »bleibt es nur ein weiterer beschilderter Weg.«
Martin Hanusch







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2 Lesermeinungen zu “Mehr als ein neuer Wanderweg”Trackbacks
Das sagen andere über diesen Artikel[...] vor ihm lag ein Weg voller Ungewissheit«, erinnerte Landesbischöfin Ilse Junkermann während der Eröffnung des neuen Teilstückes des Thüringer Lutherweges am 4. Mai in Möhra. Landesbischöfin Ilse Junkermann übergibt den Wanderstab an Gerda Erbe [...]
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