Segnung statt Weihe

Evangelische Sekundarschule in Haldensleben veranstaltete erstmals Segensfeier.
 
Die Tür steht weit offen. Im Haldensleber Gemeindehaus der evangelischen Kirche feierten Jenny, Linda, Annika und  Justine mit sieben weiteren Schulkameraden ihre Segensfeier. (Fotos: Martin Hanusch)

Die Tür steht weit offen. Im Haldensleber Gemeindehaus der evangelischen Kirche feierten Jenny, Linda, Annika und Justine mit sieben weiteren Schulkameraden ihre Segensfeier. (Foto: Martin Hanusch)


 

Annika und Linda, Paul und Sebastian sowie die anderen Achtklässler haben sich herausgeputzt. Kurz vor dem Beginn ihrer Feier stehen sie vor dem Gemeindehaus in Haldensleben und warten, dass es endlich losgeht. Nein, aufgeregt sei er nicht, versichert Philipp. Doch eine gewisse Unruhe ist dem 14-Jährigen anzumerken. »Nicht nur für euch, auch für uns ist es eine Premiere«, sagt Uwe Jauch, Superintendent des Kirchenkreises Haldensleben-Wolmirstedt.

Foto: Martin Hanusch

Foto: Martin Hanusch

Erstmals hat die Evangelische Sekundarschule in Haldensleben zu einer Segnungsfeier für Schüler der 8. Klasse eingeladen, die nicht konfessionell gebunden sind. Elf von 21 wollen sich an diesem 14. Mai segnen lassen.

»Heute ist ein besonderen Tag für euch«, begrüßt Schulleiterin Pia Kampelmannn die Jugendlichen im festlich geschmückten Gemeindehaus. »Jeder von euch hat das Potenzial, ein Segen für die Gesellschaft zu sein«, sagt Klassenlehrerin Britta Meyer. Nach den kurzen Ansprachen, die musikalisch von einer Band der staatlichen Sekundarschule umrahmt ­werden, wendet sich schließlich der Superintendent an die Schüler. Er gibt ihnen nicht nur gute Wünsche fürs ­Erwachsenwerden mit auf den Weg, sondern auch Gottes Segen. »So ein Segenswunsch kann etwas verändern, wenn man daran glaubt.« Danach können die 14-Jährigen eine Kerze anzünden, auf dem Altar abstellen und einen persönlichen Wunsch äußern.

Natürlich sei so eine Feier eine Gratwanderung, räumt die Schulleiterin im Anschluss ein. Dennoch hält sie das Angebot für richtig, um die nichtkirchlichen Schüler anzusprechen. Zudem greife die Schule damit den Wunsch der Eltern auf. Bereits in der 5. Klasse sei die Frage gekommen, was mit den Kindern sei, die nicht an der Konfirmation teilnehmen.

Foto: Martin Hanusch

Foto: Martin Hanusch

Ganz neu ist diese Idee indes nicht. Bereits 1998 hat der damalige Erfurter Dompfarrer Reinhard Hauke erstmals dazu eingeladen. Bis heute erfreut sich die »Feier zur Lebenswende«, wie das Angebot in der Thüringer Landeshauptstadt heißt, großer Beliebtheit. Die Teilnehmerzahl liegt konstant bei etwa 70, informiert Bistums-Pressesprecher Peter Weidemann.

Auch in der evangelischen Kirche hatte es einen Versuch der Stiftung ­Jugendhilfe St. Johannis und des Kirchenkreises Bernburg im Jahr 2000 gegeben – mit mäßigem Erfolg. Lediglich fünf bzw. drei Jugendliche im Jahr 2003 nahmen teil. Eine Segensfeier im luftleeren Raum sei nicht möglich, resümiert Kreisoberpfarrer Karl-Heinz Schmidt. Er hat deshalb die Anbindung an eine Schule empfohlen. Darauf und auf Kontinuität setzen auch die Verantwortlichen in Haldensleben. So sei das Projekt von den Siebtklässlern und ihren Eltern aufmerksam beobachtet worden, so die Schulleiterin. Zudem waren die Jüngeren bereits in die Vorbereitung eingebunden Darüber hinaus hat es für die Jugendlichen vor der ­Segensfeier eine gemeinsame Fahrt sowie ein Sozialprojekt gegeben.

Die Befürchtungen, hier werde eine »Konfirmation light« angeboten, wollen die Veranstalter nicht gelten lassen. Auch andere evangelischen Sekundarschulen in Sachsen-Anhalt zeigen Interesse. »Wir werden in zwei Jahren vor der Frage stehen, was wir machen«, erklärt Schulleiterin Annette Kiderlen aus Magdeburg.

Den Jugendlichen hat die Segensfeier jedenfalls zumeist gefallen. »Es war total emotional«, findet Annika. Lediglich Felix stößt sich an der Ansprache des Superintendenten. »Ich hatte etwas Jugendweihemäßigeres erwartet«, moniert er. Seine Klassenkameraden dagegen finden den Rahmen durchaus passend. »Es ist doch viel persönlicher, mit Leuten aus der Klasse zu feiern, als bei der Jugendweihe mit ihrer Massenabfertigung«, meint Sebastian.

Martin Hanusch

Bookmark and Share
Möchten Sie ein Exemplar der gedruckten Zeitung in den Händen halten? Gern senden wir Ihnen ein kostenloses Probeheft. Einfach und unverbindlich hier bestellen. (Link)

Für diesen Artikel ist der Bereich für Lesermeinungen geschlossen.