Bischöfin wirbt um Vertrauen

27. Mai 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

In das fröhliche Kirchspielfest im nordthüringischen Allmenhausen mischten sich besorgte Töne.

Landes­bischöfin Junkermann

Landes­bischöfin Junkermann

Allmenhausen, die kleinste Gemeinde des Kirchspiels Ebeleben im Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen, war am Sonnabend, dem 21. Mai, Gastgeberin des Kirchspieltages für ihre Mitveranstalter Ebeleben, Rockensußra und Rockstedt.

Kochbuch für die Bischöfin

Kochbuch für die Bischöfin

Unter dem Motto der Friedenskonvokation von Kingston/Jamaika »Ehre sei Gott und Friede auf Erden« feierte das Kirchspiel ein Fest mit großem Programm und viel gemeinschaftlichem Aufwand – die Landes­bischöfin predigte, der CVJM mit ­Matthias Kopka gestaltete ein begeisterndes Jugendprogramm, Künstler zeigten ihr Können, und die köstlichen Kuchen der fleißigen Gemeindeglieder fanden großen Anklang.

Für die Gäste war es ein herrlicher Tag, doch hinter den fröhlichen Festgesichtern der Kirchenältesten brodelt es. Sie fühlen sich verunsichert und schlecht informiert.

Spaß beim »Bootrennen«

Spaß beim »Bootrennen«

Der Prozess des Sichzurechtfindens in den neuen Gesetzmäßigkeiten der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) raubt ihnen ihre Kraft und Nerven. »Das ist wie in der großen Politik, die oberste Kirchen­leitung behält ihr Wissen für sich«, empört sich Andreas Klöppel aus Rockensußra.

»Über die Veränderungen durch die Strukturreform haben wir noch keine konkrete Auskunft erhalten. Was können wir uns in Zukunft noch leisten an Pfarrern, Kantoren, Jugendwarten, wenn die Kosten von uns anteilig übernommen werden sollen? Die Kantorenstelle ist unbesetzt, der Pfarrer geht jetzt irgendwann, und der Kreisjugendwart erfährt erst Ende des Jahres, ob es weitergeht.« – »Ja, und dann soll noch mehr auf dem Rücken der Ehrenamtlichen abgeladen werden, dabei sind wir jetzt schon oft resigniert und wünschen uns mehr Anleitung – sprich Weiterbildungen für unseren Dienst. Ständig geht es nur ums Geld«, sagt Anke Witzenhausen aus Rockstedt.

»Alles soll leichter werden, wenn sich unsere Gemeinden zum ­Kirch­gemeindeverband zusammenschließen«, ergänzt Doris Wiedemann aus Ebeleben, »doch dann geht der Zusammenhalt in den Dörfern ganz verloren.

Duftsäckschen (Fotos: © Regina Englert)

Duftsäckschen (Fotos: © Regina Englert)

Wenn das Geld aus fernen Finanztöpfen kommt, dann müssen sich die Menschen im Ort nicht mehr für ihre Kirche engagieren, dann stehen wir bald allein da. Und wenn wir dann noch umherfahren zu Gottesdiensten, machen wir die eigene Kirche ganz kaputt.«

Klare Worte von engagierten Menschen, die sich in der neuen EKM noch nicht zu Hause fühlen. Da ist es wenig tröstlich, wenn die Landesbischöfin im Live-Gespräch darauf verweist, dass es wohl zehn Jahre dauern wird, bis alles in den Kirchen angekommen ist. Sie wirbt für mehr Vertrauen in die, die entscheiden.

Mehr Transparenz scheint den Kirchenältesten jedoch noch wichtiger zu sein.

Regina Englert

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