Das ganze Jahr über Ostern

27. Mai 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt (Archiv)

Kirche im anhaltischen Trüben wird zu neuer Themenkirche.

Nach der Weihnachtskirche in Polenzko gibt es jetzt in Trüben auch eine Osterkirche. (Foto: Torsten Keßler)

Nach der Weihnachtskirche in Polenzko gibt es jetzt in Trüben auch eine Osterkirche. (Foto: Torsten Keßler)


 Im 80-Einwohner-Dorf Trüben im Fläming ist künftig das ganze Jahr über Ostern. Die romanische Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert ist die jüngste Themenkirche der Stiftung »Entschlossene Kirchen« im Kirchenkreis Zerbst. Die Themenkirchen sollen Leben in die Dörfer bringen und Besucher anziehen. So ist zum Beispiel die Weihnachtskirche in Polenzko schon weit über die Grenzen von Anhalt bekannt. In der Gesangbuchkirche in Luso werden Gesangbücher aus unterschiedlichen Epochen gesammelt, und die Radfahrerkirche in Steckby bietet Pedalrittern auf dem Elberadweg Gelegenheit zu Rast und Einkehr.

Aber »die Trübener Kirche ist als Osterkirche prädestiniert«, sagt Andrea Rongelraths-Ganzer, Gemeindekirchenratsmitglied in der Weinberggemeinde Garitz. Denn schon seit fünf Jahren gibt es in Trüben einen besonderen Frühgottesdienst zum Sonnenaufgang am Ostermontag. Anfangs nur mit einer Hand voll Leute, aber von Jahr zu Jahr wurden es mehr. Inzwischen hat sich der Sonnenaufgangsgottesdienst mit dem anschließenden Frühstück im Feuerwehrhaus fest im Gottesdienstplan etabliert.

Betritt der Besucher jetzt den Kirchhof durch das gusseiserne Tor, so fallen gleich die drei großen Holzkreuze ins Auge. Ganz schlicht, aus Eiche und etwa vier Meter hoch. Auf einem sanften Hügel, im Hintergrund wachsen Tannen und Pappeln. »Das Sinnbild für Ostern, für Tod und Auferstehung«, findet Andrea Rongelraths-Ganzer, und ein klein wenig könne man sich beinahe »an Golgatha erinnert« fühlen.

Das Konzept für die Osterkirche sieht insgesamt zwölf Stationen vor.


»Die Trübener Kirche ist als Osterkirche prädestiniert«

 
»Eine Art Kreuzweg um und in der Kirche«, sagt Sonja Hahn, Vorsitzende der Stiftung »Entschlossene Kirchen«, wobei man sich »über die Bezeichnung noch uneins ist«. Der Begriff Kreuzweg sei manchen Gemeindemitgliedern zu katholisch. Es wäre jedoch wichtig gewesen, die Menschen aus dem Dorf in das Projekt Osterkirche mit einzubinden, da am Anfang doch eine gewisse Skepsis vorgeherrscht habe.

Wann und wie die Osterkirche in Trüben in den nächsten Jahren erweitert wird, ist auch von den finanziellen Mitteln abhängig. Die drei Kreuze waren der Auftakt, als nächstes sollen in der Kirche Bibelverse angemalt werden, und in der ehemaligen Leichenhalle – ein kleines Gebäude von etwa zwölf Quadratmetern Fläche – wird die Abendmahlsszene mit Wandmalereien entstehen.

Weitere Abschnitte sollen folgen: von Jesu Einzug auf Palmenzweigen in Jerusalem bis zur Grablege in einem kleinen Anbau der Kirche. Mit einem Stein davor, so dass es aussieht, als schaue man in die Gruft. Klingt ein wenig kitschig, soll es aber nicht sein. »Wir wollen nicht, dass es hollywoodlike wird«, sagt Andrea Rongelraths-Ganzer. Schautafeln sollen deshalb künftig auf die entsprechenden Bibelstellen verweisen. Hecken und Bepflanzungen zum Verweilen und Nachdenken einladen.

Und vielleicht kommen dann ja künftig Schulklassen nach Trüben, um Ostern ganz authentisch zu erleben.

Torsten Keßler

Stichwort:  »Entschlossene Kirchen«

Die Stiftung »Entschlossene Kirchen« wurde am 26. September 2005 unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gegründet. Aufgabe der Stiftung ist neben der baulichen Bewahrung, die 61 Dorfkirchen im Kirchenkreis Zerbst besser zugänglich zu machen und das Interesse der Bevölkerung für sie zu wecken. Dazu dienen auch die Themenkirchen wie die Weihnachtskirche in Polenzko oder die Gesangbuchkirche in Luso.

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