»Inmitten der guten Stube von Erfurt«

24. Juni 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Im neuen Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland sind Anspruch und Auftrag in Stein gemeißelt.

Die Symbolik könnte größer kaum sein: Wer immer das neue Erfurter Kirchenamt durch den Haupteingang betritt, wird auf dem Weg in den Verwaltungssitz der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) von Frömmigkeit und Gerechtigkeit begrüßt. Die beiden allegorischen ­Figuren zieren das opulente Renaissanceportal der einstigen Boineburg-Bibliothek, das 1847 mit dem Bibliotheksneubau am Collegium maius einen neuen Aufstellungsort fand. Mit der Einbeziehung in den Umbau und der Erweiterung des historischen Areals zur Kirchenverwaltung kommt das Portal nun zu symbolischen Ehren.

Seit Ende 2009 wurden für das Amt »inmitten der guten Stube von Erfurt«, wie Finanzdezernent Stefan Große es nennt, rund zwölf Millionen Euro verbaut. Zu den Eigenmitteln von 4,45 Millionen Euro kamen 7,25 Millionen Euro von der Städtebauförderung des Bundes und des Landes sowie von der Thüringer Landeshauptstadt. Ohne die öffentlichen Gelder, so Große, hätte die EKM das Projekt nicht realisieren können.

Altehrwürdige Bausubstanz und moderne Glasarchitektur, in dem eine Kirchenbehörde gut funktionieren kann – so präsentiert sich das Collegium maius in ­Erfurt, in dem seit Ende Mai 142 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind. Noch arbeiten hier und da Handwerker, bis das letzte Detail am Bau perfekt ist.  Das neue ­Landes­kirchenamt der mitteldeutschen Kirche wird mit einem Gottesdienst mit Landesbischöfin Ilse Junkermann am Freitag feierlich eröffnet. (Foto: Jens-Ulrich Koch)

Altehrwürdige Bausubstanz und moderne Glasarchitektur, in dem eine Kirchenbehörde gut funktionieren kann – so präsentiert sich das Collegium maius in ­Erfurt, in dem seit Ende Mai 142 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind. Noch arbeiten hier und da Handwerker, bis das letzte Detail am Bau perfekt ist. Das neue ­Landes­kirchenamt der mitteldeutschen Kirche wird mit einem Gottesdienst mit Landesbischöfin Ilse Junkermann am Freitag feierlich eröffnet. (Foto: Jens-Ulrich Koch)


Die 142 Mitarbeiter zogen schon Wochen vor der offiziellen Eröffnung an diesem Freitag (24. Juni) in ihre ­Büros in der Michaelisstraße 39 – und damit auf eine Baustelle mit nahezu allen Unzulänglichkeiten eines Neubaus. Kirchenamtspräsidentin Brigitte Andrae indes erkennt in dem Unfertigen durchaus auch Positives: In der gemeinsamen Bewältigung der Anfangsschwierigkeiten kämen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – 80 aus dem bisherigen Landeskirchenamt in Eisenach, 28 aus Magdeburg und 34 neue – zwangsläufig näher.

Sie haben ihre Arbeitsplätze zweifellos in einer der Top-Lagen der Thüringer Landeshauptstadt. Das alte »Lateinische Viertel« als historisches Zentrum des geistlichen und des universitären Lebens hat in den vergangenen Jahren eine deutliche Aufwertung erfahren – städtebaulich, gastronomisch, touristisch. Zudem sind markante Orte der Stadt-, Kirchen- und Reformationsgeschichte – von der Michaeliskirche über Dom, Nikolaiturm, Georgenburse und Augustinerkloster bis hin zur Alten Synagoge – nur wenige Schritte entfernt.

In diesem Umfeld muss das sanierte Collegium maius der Alten ­Universität künftig seinem Anspruch als eines der herausragenden Kulturdenkmale und Lutherstätten von Erfurt gerecht werden. Dazu will sich das Kirchenamt neben seinen eigentlichen Verwaltungsaufgaben auch dem kulturellen und geistigen Diskurs in der Stadt öffnen.

Der moderne Saal im Oberschoss mit bis zu 260 Plätzen, nach Einschätzung von Oberkirchenrat Große »absolut synodentauglich«, dürfte dabei ohne Zweifel Begehrlichkeiten auch über den kirchlichen Rahmen hinaus wecken. Das Alltagsgeschäft im Kirchenamt freilich bedeutet für die Mitarbeiter zunächst eine Gewöhnung.

Die durchweg in Weiß gehaltenen Räume nehmen den historischen Gebäudeteilen ihre Schwere und geben auch dem U-förmigen Neubau eine gewisse Leichtigkeit. Einzig die Türen zu den insgesamt 104 Büros setzen mit zarten Pastelltönen dezente Farbtupfer auf den Fluren. Viel Glas und große Fenster sorgen zudem für angenehme Transparenz. Sie kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass einzelne Räume mitunter etwas knapp zugeschnitten sind.

Insgesamt jedoch sei das neue Kirchenamt »ein guter funktionaler Bau«, gibt sich Oberkirchenrat Große überzeugt – »die denkbar beste und bezahlbare Möglichkeit«. Und alles, was fortan jemals an diesem Ort verwaltet und  entschieden wird, geschieht unter den steinernen Zeichen von Frömmigkeit und Gerechtigkeit. Besser lassen sich Anspruch und Auftrag einer auf die Zukunft gerichteten Kirchenbehörde wohl kaum formulieren.

Thomas Bickelhaupt

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