Denn Erlösung beschwingt

30. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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mauersegler

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
Jesaja 43, Vers 1

Dass ein Mauersegler nicht mehr losfliegen kann, sobald er einmal auf dem Boden hockt, ist eine Legende. Aber sie liegt nahe: Die kurzen, nach vorn gerichteten Krallenfüße des Mauerseglers wirken fast verkümmert. Und zu perfekt sieht sein Flug aus, sein Gleiten über dem Nichts. Immer höher schraubt er sich in den Himmel, für den er ­geschaffen ist.

Sünde wäre es, so ein Tier im Käfig zu halten, unwürdig auf einer Stange oder im Vogelsand sitzend. Ob er sich fürchtet, der Mauersegler, wenn er zum ersten Mal losfliegen soll?

Braucht er dann Mut, sich nun selbst hinauftragen zu lassen von unsichtbarer Kraft? Die Flugkunst des alten Mauerseglers ist mir unerreichbar fern.

Ich träume noch davon, mich spielerisch durch den Himmel zu stürzen. Aber die Angst des Nestlings, die wäre mir nah.

Wie oft fällt es mir schwer, das anzunehmen, für das ich eigentlich geschaffen bin! Und ich brauche einen, der es mir in Erinnerung ruft: »So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.«

Das gilt keineswegs nur dem Volk des Alten Testaments. Das lasse ich mir gerne persönlich sagen. Er kennt mich so gut wie niemand sonst, meinen Namen, meine Möglichkeiten. In der Schrift versichert uns Gott: Wir sind nicht weniger für den Himmel geschaffen, als die Vögel, die uns dahin locken.

Und die Engel da oben, vielleicht haben sie Mitleid mit uns, wenn sie uns auf dem Boden hocken sehen oder gefangen in Käfigen, gehalten von ­Fesseln der Angst, die verhindern, dass wir unsere Flügel entfalten, uns aufmachen, unser eigentliches Zuhause zu erobern.

Eigentlich sollte das unser Leben sein: von unsichtbaren Kräften getragen. Denn Erlösung beschwingt.

Gregor Heidbrink, Pfarrer in Finsterbergen-Altenbergen

Ein Abenteuerland im Wald

29. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Im Zeltlager »Abenteuerland« erlebten 40 Mädchen spannende Ferientage. Bewegung an frischer Luft gehörte natürlich genauso zum Programm wie Singen, Töpfern und biblische Geschichten. (Foto: Ingrid Ehrhardt)

Im Zeltlager »Abenteuerland« erlebten 40 Mädchen spannende Ferientage. Bewegung an frischer Luft gehörte natürlich genauso zum Programm wie Singen, Töpfern und biblische Geschichten. (Foto: Ingrid Ehrhardt)

Seit zehn Jahren gibt es für Sonneberger Kinder die »Ferienzeit«.

Manches Abenteuerland ist gar nicht so weit von zu Hause entfernt. Für die Sonneberger Kinder liegt es auf einem Bergplateau zwischen Mönchsberg und Jagdshof: Leben im Zelt. Duschen im Freien, Lokus im Holzhaus vor Fichten und der Morgenkreis auf der Wiese.

Hier droben, im Schutz des Waldes und mit Blick ins weite fränkische Land, bauten fleißige Leute vom Verein »Lebenswasser« und vom Sonneberger Evangelischen Gemeindezentrum »Wolkenrasen« wieder einmal die Zelte auf.

Das Thema in diesem Jahr: »Die spinnen, die Römer!« Entsprechend wurde lebendig aus der römischen Historie geschöpft. 80 Kinder hatten sich angemeldet.

40 Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren kamen in der ersten Ferienwoche und fanden die Tage vom 11. bis 17. Juli »total aufregend«. Es wurde gewandert, gesungen, getöpfert, die Paulusgeschichte besprochen, gemalt, gekocht, relaxt und für den Abschlussgottesdienst geprobt. 40 Jungen folgten in der anschließenden zweiten Ferienwoche.

So etwas funktioniert nicht ohne Betreuer, fleißige Helfer und schon gar nicht ohne interessante Angebote für die Gemeinschaft auf Zeit. Pfarrer Günther Kreis und seine Frau Eva ­wissen das.

Vor zehn Jahren starteten sie mit anderen Gemeindemitgliedern den Versuch »Ferienzeit«. Damals noch klein auf dem Gelände eines Sportvereins und mit der Absicht, vor allem Mädchen und Jungen aus sozial schwachen Familien ein paar erlebnisreiche Tage zu bieten.

Das Projekt mauserte sich, auch deshalb, weil der Verein »Lebenswasser« den verlassenen Hof auf dem Bergplateau erwarb und diesen zum Abenteuer- und Erlebnisort umbaute. Eine Scheune wurde zur Begegnungsstätte und ein Funktionsgebäude errichtet.

Auch Zelte wurden gekauft und manch andere Anschaffung getätigt, weil es Menschen gibt, die für diese wunderbare Geschichte immer wieder Geld spenden.

Die »Ferienzeiten« sind ­gefragt und keineswegs nur von Gemeindegliedern. »Jeder, der möchte, kann teilnehmen. Unser ›Abenteuerland‹ ist offen für alle. Eltern, welche die Teilnahmegebühr nicht aufbringen können, werden finanziell unterstützt«, erklärt Pfarrer Kreis.

Zum Abschlussgottesdienst des Mädchen-Zeltlagers stellten sich nicht nur viele Eltern und Geschwister ein, sondern auch Sonnebergs Bürgermeisterin Sibylle Abel. Sie ergriff begeistert das Mikrofon und sagte: »Den strahlenden Augen kann ich entnehmen, dass die Woche im Zeltlager wunderschön war. Gemeinsam mit Euch Kindern möchte ich all denen danken, die diese Ferienzeiten seit zehn Jahren organisieren. Das ›Abenteuerland‹ ist eine Erfolgsgeschichte.«

Die vielen Helfer aus Kirchengemeinde und Verein sind natürlich mit dem Herzen dabei. Erzieherin Beate Gundermann nahm zum Beispiel eigens Urlaub. Lehrerin Beate Sommer regierte für eine Woche in der Küche.

Betreuerinnen reisten sogar aus Leipzig, Tübingen oder Heidelberg an wie die 21-jährige Lehramtsstudentin An­na. Und Mädchen, die einst Camp-Teilnehmerinnen waren, kommen jetzt als Helferinnen wie Betty oder Marie.

Eigentlich sollte nach dem Jungen-Zeltlager ab dem 25. Juli eine Woche für die Teenies vom Sonneberger »Wolkenrasen« folgen. »Da die aber nicht auf den Berg kommen wollen, gehen wir eben eine Woche zu ihnen ins Plattenbaugebiet«, nimmt Pfarrer Günther Kreis das nächste Abenteuer ins Visier.

Ingrid Ehrhardt

Der Job ist ein Glücksfall

29. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Für Gerhard Anhalt gibt es viele Gründe, von seinem Job bei der »Weimarer ­Tafel« begeistert zu sein. (Foto: Maik Schuck)

Für Gerhard Anhalt gibt es viele Gründe, von seinem Job bei der »Weimarer ­Tafel« begeistert zu sein. (Foto: Maik Schuck)


Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein richtete 30 Stellen für »Bürgerarbeit« ein.

Es ist die beste Arbeit, die ich je hatte«, sagt der gelernte Fachverkäufer für Möbel und Polsterwaren Gerhard Anhalt (49), der seit 1. Juni im Rahmen des Projektes »Bürgerarbeit« eine Anstellung bei der »Weimarer Tafel« gefunden hat. Zu seinen Aufgaben gehört das Sortieren und Ausgeben der Lebensmittel. Obwohl er schwere Kisten tragen und lange stehen müsse, erfülle ihn »die innere Zufriedenheit, anderen Menschen helfen zu können, die in Not geraten sind«.

Zu der guten Arbeitsatmosphäre komme der »angenehme persönliche Kontakt zu den Kunden«, betont der freundliche Mann. Er verlor vor zehn Jahren seinen Posten als Filialleiter einer bundesweit agierenden Firma, als diese Insolvenz anmelden musste. »Ich war viel unterwegs. Der Arbeitstag dauerte oft 16 bis 17 Stunden. Ich hatte ein ­gutes Einkommen, aber es ging ausschließlich nur ums Geldverdienen«, erinnert sich Gerhard Anhalt.

Seither gab es verschiedene Anläufe, ins Berufsleben zurückzukehren. Dazu gehörten auf jeweils sechs Monate befristete Ein-Euro-Jobs oder vom Europäischen Sozialfonds geförderte Maßnahmen in der Klassik-Stiftung Weimar.

Er lobt das Engagement seiner Fall-Managerin vom Job-Center, die immer nach neuen Möglichkeiten suchte und ihn auch zum Bewerbungstraining schickte. Eine neue Stelle zu finden sei aber auch deshalb schwierig, weil viele Betriebe sich aus Kostengründen scheuten, Fachpersonal einzustellen. Da werde mitunter eine ungelernte Kraft einem ausgebildeten Kaufmann im Einzelhandel, wie sein Beruf heute heiße, vorgezogen.

Gerhard Anhalt gehört zu den 30 Personen, die im Rahmen der »Bürgerarbeit« eine auf drei Jahre befristete Anstellung in Einrichtungen der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein erhalten haben. Ihre Einsatzgebiete reichen von der »Weimarer Tafel« und dem Sozialkaufhaus über die Renaturierung des Parks im Landgut Holzdorf bis hin zur Begleitung von Senioren oder behinderten Kindern des Förderzentrums »Johannes Landenberger«, ist von Marco Modrow, dem Leiter der »Weimarer Tafel« und des Sozialkaufhauses, zu erfahren.

Ziel des Modellprojektes des ­Bundesministeriums für Arbeit und des Europäischen Sozialfonds für Deutschland ist es, erwerbs­fähige ­Arbeitslose dabei zu unterstützen, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wieder eine Beschäftigung zu finden. ­Dabei werden zwei Phasen absolviert.

Einer sechsmonatigen Aktivierungsphase, in der es um Beratung, Standortbestimmung, Qualifizierung und Förderung geht, folgt als eigentliche Bürgerarbeit die sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsphase. In ihr erhalten die Arbeitnehmer einen Vertrag über 30 Stunden pro Woche und 900 Euro Bruttolohn.

Die Auswahl der Stellen erfolge nach strengen Kriterien, so Marco Modrow, da die Tätigkeit »im Bereich zusätz­licher und im öffentlichen Interesse liegender Arbeit« angesiedelt sein müsse.

Die Anträge habe die Diakoniestiftung nach Prüfung durch das örtliche Job-Center und in Abstimmung mit der IHK an das Bundesverwaltungsamt in Köln gestellt. Durch dieses Prozedere solle verhindert werden, dass Bedürftige als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden.

Gerhard Anhalt bezeichnet seinen Job als Glücksfall. Bevor er seinen ­Arbeitsvertrag erhalten habe, sei er bereits einige Monate ehrenamtlich bei der Tafel tätig gewesen.

Michael von Hintzenstern

Die Angst des Attentäters

29. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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norwayIn den ersten Stunden nach den Anschlägen in Oslo und auf der norwegischen Insel Utøya am 22. Juli waren die Rollen noch klar verteilt: Islamisten mussten die ­Täter gewesen sein, verkündeten selbsternannte Experten. Es war eine rasche Erklärung für das Unfassbare, die viele gern glaubten. Umso irritierender dann die Nachricht: Der Mörder von 76 Menschen bezeichnet sich selbst als »konservativ«, ja sogar »christlich«. 

Eine christliche Tat? Nichts weniger als das – sie ist es genauso wenig, wie die Untaten von Al-Qaida muslimisch sind. Doch die qualvollen Bilder aus Norwegen zeigen auch die Möglichkeit einer brutalen Fehlinterpretation von Religion – so wie der 11. September 2001. 

Der Attentäter von Oslo und Utøya meint ganz so wie die Islamisten, die eigene Welt vor der ­Moderne und dem Fremden beschützen zu müssen. Beide greifen dafür zu apokalyptischen Motiven und Taten.

Dies nur als Wahn abzutun, hieße unbequeme Fragen an uns selbst zu unterdrücken. Denn auch hierzulande gibt es die Angst vor einer immer unübersichtlicher werdenden Welt, in der sich die Kulturen mischen und verschiedene Religionen um die Menschen werben. 

Das christliche Abendland werde von Muslimen, Einwanderern und Kommunisten bedroht – solche Meinungen sind weit verbreitet in allen Milieus, auch in christlichen Häusern. Es ist eine Angst, die den Keim der Gewalt in sich tragen kann. Der Täter von Norwegen hat diese Furcht mit Kälte und Irrsinn zu einem monströsen Massenmord unschuldiger Menschen zugespitzt.

»In der Welt habt ihr Angst«, sagt Jesus, »aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!« Christen und ihre Kirche sollten die Hoffnung predigen – und sie leben. Hunderttausende Norweger versuchend das in bewundernswerter Weise.

Andreas Roth

Eine anspruchsvolle Generation

29. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Studie: Die »jungen Alten« sind weit weg von den traditionellen Seniorenkreisen in der Kirche.

Sie sind in der Familie und der Gesellschaft aktiv: die über 60-Jährigen. Die Kirche ist gerade erst dabei, ihr Potenzial zu entdecken. © K.F.L./Fotolia.com

Sie sind in der Familie und der Gesellschaft aktiv: die über 60-Jährigen. Die Kirche ist gerade erst dabei, ihr Potenzial zu entdecken. © K.F.L./Fotolia.com

Eine EKD-Studie ermittelte bei einer bundesweiten ­Befragung ein neues Lebensgefühl der Generation 60 plus.

Als Udo Jürgens vor nahezu vier Jahrzehnten trällerte »Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an«, war dies für die meisten sehr überspitzt und wurde etwas mitleidsvoll belächelt. Doch mittlerweile wächst die Generation der über Sechzigjährigen. Eine aktuelle Befragung des ­Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) brachte ans Licht, dass sich deren Lebensgefühl sehr positiv gefärbt hat.

»Vier Fünftel der ›jungen Alten‹ rechnen sich selbst nicht zu den Senioren. Erst mit Ende 70 wendet sich das Blatt«, analysiert Soziologin Petra-Angela Ahrens. Denn durchschnittlich fühlten sich die Befragten um 5,5 Jahre jünger, als sie tatsächlich sind. Experten sprechen deshalb vom »dritten Alter«, vom »vierten Alter« ab 75 Jahren.

Die Studie fragte auch nach Verbindungen zwischen Glauben und ­Lebensalter. »Die Religiosität sorgt dafür, dass die älteren Gläubigen zufriedener seien als Nicht-Religiöse«, so Petra-Angela Ahrens. Konkret fühlten sich religiöse Senioren um durchschnittlich 6,7 Jahre jünger, Nicht-Religiöse nur um 4,7 Jahre. Zudem falle die Bindung an die Kirche bei den »jungen Alten« mit 37 Prozent höher aus als bei der jüngeren Generation, aber geringer als lange gedacht.

Die rüstigen Mittsechziger sieht man kaum im Seniorenkreis der Kirchengemeinde. Vielmehr pflegen sie ihre Hobbys, besuchen Kurse an der Volkshochschule, verreisen und verbringen Zeit mit ihren Enkelkindern.

»Diese Generation engagiert sich gern ehrenamtlich, aber sie wählt gezielt aus«, erläutert die Soziologin.

Silke Luther von der Evangelischen Erwachsenenbildung Thüringen machte ganz ähnliche Erfahrungen: »Die ›jungen Alten‹ fühlen sich von traditionellen kirchlichen Angeboten nicht so angesprochen. Die Seniorenkreise sind eher etwas für die Menschen im vierten Lebensalter.«

In Jena gibt es deshalb seit Mitte der 1990er Jahre ein spezielles Angebot, wo sich jede Woche etwa 150 agile ­Ältere unter dem Motto »Begegnung und Bildung« zusammenfinden.

»Der Mittwochskreis mit seinen Kleingruppen wird von den Teilnehmenden selbst organisiert und zum größten Teil auch finanziert.« Hier gibt es Zeit und Gelegenheit für eine Neuorientierung in der nachberuflichen Lebensphase. Silke Luther schlussfolgert: »Wenn wir in unserer Kirche dafür Freiräume anbieten, werden sie genutzt.« Statt festgelegter Angebote sei eine Einladung zu Selbstorganisation und einem interessengeleiteten Engagement geboten.

Auch Petra Lehner von der Frauenarbeit in Mitteldeutschland ist sich ­sicher, dass verstärkt auf die Unterschiedlichkeit der Senioren und ihrer Interessen geachtet werden muss. »Bisher gehen wir als Kirche sehr an dem vorbei, was möglich wäre«, gesteht sie selbstkritisch ein. Nur in ­wenigen Kirchengemeinden gibt es schon spezielle Kreise für diese anspruchsvolle Generation.

Nach Ansicht der Hallenserin sollte zudem verstärkt auf Bildungsangebote gesetzt werden, ohne einfach die Konzepte von Volkshochschulen zu kopieren. Oft könnten die Älteren ihre Erfahrungen an Jüngere weitergeben, beispielsweise bei der Hausaufgabenbetreuung von Schülern. »Daneben sollten wir uns bemühen, die Menschen zu schulen und ihnen Mut zu machen, Verantwortung zu übernehmen – auch Leitungsverantwortung in kirchlichen Gremien«, sagt sie.

Dann fängt das (Gemeinde-)Leben für die 66-Jährigen ganz neu an.

Thomas Nawrath

Arbeit für und mit Menschen

29. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Im Schloss Hoym haben die ersten Bundesfreiwilligen ihren Dienst begonnen

Rosmarain Rotter hilft Daniel Vogel beim Auftun des Mittagessens. (Foto: Frank Gehrmann)

Rosmarain Rotter hilft Daniel Vogel beim Auftun des Mittagessens. (Foto: Frank Gehrmann)

Während allerorten der Bundesfreiwilligendienst schleppend anläuft, ist es in Hoym gelungen, eine rekordverdächtige Zahl an Interessierten zu gewinnen«, sagt Frieder Weigmann, Pressesprecher der Diakonie Mitteldeutschland. Sieben Freiwillige haben ihren Dienst bereits angetreten, drei weitere werden zum 1. August beziehungsweise 1. September anfangen. Eine Stelle sei sogar noch zu besetzen, sagt Personalreferentin Karin Hühnerjäger.

18 Monate greifen die Frauen und Männer dem Fachpersonal in der Schloss Hoym Stiftung, einer diakonischen Einrichtung, in ihrer täglichen Arbeit unter die Arme.

Die meisten von ihnen kennen die Einrichtung bereits, sie erfüllt die Arbeit für und mit Menschen. Wie Rosmarain Rotter. Die 60-Jährige war bereits ein halbes Jahr über eine Arbeitsgelegenheit im Schloss beschäftigt, arbeitete danach ehrenamtlich in der Behindertenhilfe weiter. Dann kam der Bundesfreiwilligendienst. »Es wä-re mir schwer gefallen, zu Hause bleiben zu müssen«, erklärt die Nachterstedterin, die sehr zur Freude der Bewohner wieder im »Bienenstock« eingesetzt ist. Berührungsängste habe sie keine. Nie gehabt.

So geht es auch Emanuel Oelke. »Ich bin hier quasi aufgewachsen«, lacht der 27-Jährige. Denn seine Mutter habe 40 Jahre in der Einrichtung gearbeitet. »Früher war ich auf Montage«, sagt der Hoymer, »das hat mir aber keinen Spaß gemacht.« Neuorientierung. Er absolvierte ein Praktikum und meldete sich nun als Freiwilliger.

Sein Ziel: Nach dem Dienst in einem sozialen Beruf Fuß fassen. »Alle Seminare, die ich kriegen kann, will ich auch mitnehmen«, weiß der junge Mann, der in der Wohngruppe »Birkenhof« derzeit »das Mädchen für alles ist«, genau, wohin er will. Ganz »unvorbelastet« trat der Gaterslebener Uwe Tillack seinen Dienst in der Außenwohngruppe in Reinstedt an.

Zuletzt war der 52-Jährige Fahrradmonteur. Mit seinen neuen Aufgaben und den Bewohnern hat er sich in kürzester Zeit bestens vertraut gemacht. »In der Außenwohngruppe ist man sehr oft einfach nur hinweisend tätig«, sagt er. Ansonsten kümmere man sich wie überall eben um »alles, was anfällt« – die Wäsche, das Essen, Fahrdienste, die Anlage – oder aber um das Unscheinbare, weil selbstverständlich, das aber von enormer Bedeutung ist: Spazieren gehen. Reden. Einfach da sein.

Während die drei schon im Dienst sind, fiebert die 57-jährige Christiane Brunner aus Reinstedt dem 1. August entgegen. Die gelernte Industriekauffrau, hinter der bereits eine Trainingsmaßnahme in der Stiftung liegt, wird dann ihre Tätigkeit im Altenpflegeheim aufnehmen und dem Stammpersonal eine Stütze sein. Wie alle Bundesfreiwilligen Stützen sind. Unverzichtbar.

Auch in der Schloss Hoym Stiftung sah man noch vor ein paar Monaten bange in die Zukunft. Doch die Angst vor der Zivi-Lücke erwies sich als unbegründet. »Wir haben uns aktiv um Interessenten bemüht«, sagt Ines Krause. Die Geschäftsführerin weiß: »Hoym ist niemandem fremd.« Man bringe sich ein, wo man kann. »Wir leben mit der Gegend und die Gegend lebt mit uns.« Vielleicht sei das ein Grund für den gegenläufigen Trend, vermutet sie. 

Susanne Thon

Gezielte Hilfe

28. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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 Ein Massengrab für Kinder in Dadaab. Foto: Andy Hall / Oxfam

Ein Massengrab für Kinder in Dadaab. Foto: Andy Hall / Oxfam

Die Hilfsorganisationen schlagen Alarm. Schon jetzt hat die Hungersnot am Horn von Afrika verheerende Ausmaße erreicht: Mehr als zwölf Millionen Menschen leiden nach Angaben der Vereinten Nationen in Somalia, Kenia und Äthiopien unter den Folgen der Dürre – darunter zwei Millionen Kinder. Gerade das vom Bürgerkrieg gebeutelte Somalia braucht trotz der unsicheren Lage dringend Hilfe. Wenn nicht bald etwas geschieht, droht Hunderttausenden der Hungertod. Das Uno-Kinderhilfswerk hat sich hier mit einem dramatischen Appell an die Weltgemeinschaft gewandt.

Dabei sind die Warnungen keineswegs neu. Mehrfach haben Hilfswerke auf die schlimmste Dürre seit 60 Jahren aufmerksam gemacht – mit wenig Erfolg. Solange keine direkte Katastrophe ansteht, tut sich gar nichts. Die Öffentlichkeit reagiert leider erst, wenn Bilder von ausgezehrten Kindern das ganze Ausmaß deutlich machen. Doch dann ist es meist zu spät.

Nun wollen die westlichen Industrieländer helfen. Auch die Bundesrepublik hat Millionenbeträge zur Bekämpfung des Hungers in Ostafrika zur Verfügung gestellt. Natürlich ist das kein Dauerzustand. In der Regel machen regelmäßige Nahrungsmittellieferungen die einheimische Landwirtschaft sogar kaputt.

Deshalb braucht es neben der gezielten Nothilfe eine grundlegende Veränderung des Systems. Denn einen wesentlichen Grund für die dramatische Verschlechterung der Versorgungslage weltweit sehen Experten in steigenden Lebensmittelpreisen.

Neben dem Klimawandel machen sie vor allem Nahrungsmittelspekulationen, die Zunahme der Biospritproduktion sowie das sogenannte Landgrabbing, also der Aufkauf oder das Pachten großer Anbauflächen durch Investoren, verantwortlich.

Ohne eine Regulierung durch die Politik wird hier keine dauerhafte Änderung möglich sein. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Zahl der Hungernden auch unabhängig von einer Dürre wie jetzt am Horn von Afrika und trotz aller Fortschritte wieder ansteigt.

Martin Hanusch

»Mitteldeutscher Jedermann«

26. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Magdeburger Compagnie lädt zum Sommertheater in den Domgarten.

Das Sommertheather findet im Magdeburger Domgarten statt.

Das Sommertheather findet im Magdeburger Domgarten statt.

Erneut verwandelt sich der Magdeburger Domgarten in einen »Theatersaal«. Die »Compagnie Magdeburg 09« präsentiert das Stück »Mitteldeutscher Jedermann« frei nach dem weltberühmten »Jedermann – Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes« Hugo von Hofmannsthals. Vor zwei Jahren zeigte die Compagnie im Domgarten ihr Stück »Vom Himmel hoch« aus Anlass des 800. Domjubiläums. In diesem Jahr erneut mit dabei sind einige der Darsteller, Gisela Begrich als Regisseurin, von Christoph Deckbar kommt die Musik, Kostüme und Bühnenbild schuf Christina Biedermann.

»Wir haben das Stück radikal verändert«, sagt Bernd Kurt Goetz, der den Text schrieb, neben Begrich Regie führt und den Part des Jedermann übernommen hat. »Nur acht bis zehn Zeilen Hofmannsthal sind geblieben.« Die Grundstruktur des klassischen »Jedermann«, der vor 100 Jahren in Berlin uraufgeführt wurde und seit 1920 in jedem Jahr bei den Salzburger Festspielen gezeigt wird, bleibt erhalten. Auch die gebundene Sprache, die sich an Hofmannsthal anlehnt. Die Handlung bewege sich im christlichen Wertekanon. »Erzählt wird jedoch eine Geschichte unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts.«

Zwar seien in Sachsen-Anhalt die wenigsten Menschen religiös, so Goetz, jedoch fragten auch sie nach dem Sinn des Lebens. Von dieser Frage sei das Stück geprägt, die Auseinandersetzung mit ihr »von großer Ernsthaftigkeit«.

Angela Stoye

Karten zum Preis von 18 Euro (ermäßigt 12 Euro) gibt es in der Dom-Buchhandlung Holtermann, Breiter Weg 212a, oder ab 19.30 Uhr an der Abendkasse.

Aufführungen vom 26. Juli bis 27. August immer Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend jeweils 20.30 Uhr.
www.cmd-09.de

Erlebnisreiche Tage im KEEKs

25. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Anja Becker präsentiert die Flyer für die Ferienerlebnistage im KEEKs. Foto: Claudia Petasch

Anja Becker präsentiert die Flyer für die Ferienerlebnistage im KEEKs. Foto: Claudia Petasch


In den Ferien ist im Kinder- und Jugenderlebnishaus in Mücheln vieles möglich.

Langeweile hat in den Ferien keine Chance – und im Kinder- und Jugend- Erlebnishaus der Evangelischen Kirche in Mücheln (KEEKs) schon gar nicht. Dafür sorgen nicht nur die täglichen Angebote im offenen Bereich, sondern auch die Ferienerlebnistage, die am 1. August beginnen und sich an Mädchen und Jungen ab sieben Jahren richten. »Mit der Arche unterwegs zu neuen Ufern« heißt das Angebot, das vom 1. bis 5. August stattfinden wird. »Die Idee dazu beruht auf der Kinderbibelwoche, die es in der Landeskirche gibt und wir wollen ein wenig die Verbindung zu Umweltthemen ziehen«, erklärt Anja Becker, pädagogische Mitarbeiterin im KEEKs.

Klar ist, die Geschichte der Arche kennt so ziemlich jedes Kind. Aber was noch in der  Erzählung steckt, das will Becker mit den Kindern in den Ferien erkunden. Dazu gehört zum Beispiel, warum die Arche überhaupt gebaut wurde und die Sintflut kam. Natürlich soll das alles auf spielerische Art und Weise geschehen.

In der Geschichte von Noah waren es die Menschen, die sich immer schlimmer aufführten und das, was Gott geschaffen hatte, nicht ehrten. Und heute? Heute leben wir in einer Wegwerfgesellschaft und gehen oftmals sehr unachtsam mit der Umwelt um. Ist die Geschichte von Noah und der Arche also heute immer noch aktuell? Das herauszufinden, gilt es in der ersten Ferienerlebniswoche im KEEKs. Es wird zwar keine Arche gebaut, dafür aber vielerlei nützliche Dinge, die auch ein Stück weit helfen, die Umwelt zu schonen. Wer übrigens nicht an allen fünf Tagen dabei sein kann, kann sich auch für einzelne Tage anmelden.

Zaubertricks mit Clown Leo

Jonglieren, Sketche vorführen, Zaubertricks zeigen und Clown spielen – das alles können die Mädchen und Jungen dann in der zweiten Woche. Vom 8. bis 12. August wird zum großen Zirkusprojekt mit Clown Leo eingeladen. Der Kirchenclown aus Halle wird mit den Teilnehmern Zirkusnummern einstudieren, dabei aber die christlichen Werte nicht aus den Augen lassen. »Jeder hat Talente, man kann nicht in allem gleich gut sein, aber in einem ist man eben besser als in anderen Dingen. Der eine im Singen, der andere beim Tanzen oder Jonglieren«, sagt Anja Becker und ist überzeugt, das jeder der Teilnehmer auch das Richtige für sich finden wird. Dann heißt es üben, üben, üben, denn am letzten Tag wird es eine kleine Vorstellung vor den Eltern der Teilnehmerkinder geben.

Und für alle diejenigen, die gern singen, wird vom 18. bis 21. August zum Musical-Wochenende ins KEEKs eingeladen. Vier Tage lang dreht sich dann alles um die Geschichte von Jona. Es gilt Lieder einzuüben, Kulissen zu bauen und Kostüme zu schneidern. Um den musikalischen Part werden sich Kantor Jörg Ritter und die Bad Lauchstädter Pfarrerin Ulrike Scheller kümmern. »Das Musical soll dann im Oktober zum Bereichsfest aufgeführt werden«, sagt Anja Becker und verspricht, dass bei dem Wochenende ganz viel Spaß und noch mehr Kreatives dabei sein wird.

Claudia Petasch

Wer sich für die Ferienangebote im KEEKs interessiert, sollte sich unbedingt vorher anmelden und damit auch nicht mehr lange warten. Das erste Angebot geht schon am 1. August los. Die Kosten für das Arche- und das Zirkusprojekt betragen pro Tag 5 Euro, Mittagessen und Getränke inklusive. Das Musical-Wochenende kostet 25 Euro. Kontakt: KEEKs, Pfarrgasse 2, 06249 Mücheln, Telefon (034632) 9 07 28 oder E-Mail <keeks@t-online.de>

Sommer voller Musik

25. Juli 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Seit 1992 bringt der Thüringer Orgelsommer die Instrumente im Freistaat zum Klingen. Sein Ziel: Die Menschen daran zu erinnern, welche musikalischen Kleinode in ihrem Land auf Hilfe warten.

Kirchenmusikdirektor Gottfried Preller wurde 1981 Kantor an die Arnstädter Bach-Kirche. Als Orgelsachverständiger weiß er um die Schätze und Nöte in der Thüringer Orgellandschaft. Foto: Susann Winkel

Kirchenmusikdirektor Gottfried Preller wurde 1981 Kantor an die Arnstädter Bach-Kirche. Als Orgelsachverständiger weiß er um die Schätze und Nöte in der Thüringer Orgellandschaft. Foto: Susann Winkel

»Wir tun etwas für die Orgeln in Thüringen«, das kann Gottfried Preller an diesem warmen Juliabend voller Überzeugung sagen. Dichte Menschentrauben haben sich auf dem Marktplatz von Arnstadt versammelt, um gemeinsam mit dem Kantor der Johann-Sebastian-Bach-Kirche und seinen Mitstreitern zu feiern. Zu feiern gibt es 20 Sommer voller Musik im Freistaat, 1558 Konzerte zwischen Nordhausen und ­Meiningen, zwischen Altenburg und Eisenach. An diesem Abend nun also das 1559., in Arnstadt, wo alles im Februar 1992 begann. Damals hatte sich auf Initiative von Gottfried Preller der Thüringer Orgelsommer e.V. gegründet. Ein gemeinnütziger Verein, der aufmerksam machen will auf die so einmalige wie bedrohte Thüringer Orgellandschaft – und retten, zumindest jedoch helfen.

Viel gab es zu tun, so desolat war der Zustand zahlreicher wertvoller Instrumente. Jahrzehnte hatte man sie dem Verfall preisgegeben – ein politisches Kalkül, um die Rolle der Kirche während des Sozialismus zu schwächen. Tiefe Wunden hat diese Taktik vor allem in Nordthüringen hinterlassen, sie sind bis heute zu sehen. Im Süden des Freistaates hat sich die ­Situation unterdessen längst gebessert. Generalsaniert beim Orgelbauer, haben viele der denkmalgeschützten ­Orgeln zu altem Wohlklang zurückgefunden. Auch dank der Unterstützung des Thüringer Orgelsommers.

An seinen jährlichen Konzertreihen beteiligen sich nicht nur Organisten aus dem In- und Ausland. Trompeten erklingen, Vokalisten, Alphorn, Tuba, Chöre, Marimbafone oder Pauken. So facettenreich das musika­lische Programm auch sein mag, im Fokus steht doch immer die Königin der Instrumente. »Wir machen ja auch einen Orgelsommer, keinen Flötensommer«, lacht Gottfried Preller. Gespielt wird überall. In Dorfkirchen, auf Burgen, Schlössern, gerne auch unter freiem Himmel. Auswahl gibt es reichlich, 2000 Orgeln, davon etwa 1500 historisch wertvolle, überwiegend aus der Barockzeit. Wo es keine Orgel gibt oder das vorhandene Instrument nicht mehr bespielbar ist, bringt der Verein kurzerhand die eigene mobile Spezialanfertigung mit.

Ungefähr 50.000 Euro kostet die Reihe pro Sommer. Finanziert wird sie aus den Eintrittsgeldern, Fördergeldern und der Unterstützung von Sponsoren. Bleibt Geld übrig, erhalten es Kirchengemeinden, die aktuell eine Restaurierungsmaßnahme durchführen. So wie im vergangenen Jahr, als drei Gemeinden je 700 Euro erhielten, um ihren Eigenanteil an der Finanzierung zu erhöhen. Welche das sind, darüber möchte Gottfried Preller nicht gerne reden. 15 waren es bisher, in 20 Sommern.

Und auch an diesem Geburtstagsabend im Juli steht da wieder die schmucke große Spendenpfeife. Für Münzen, besser noch für Scheine. Die Sorge und der Eifer für die gefährdeten Instrumenten-Kunstwerke, an denen schon Große wie Bach spielten – sie lassen den Kantor selbst in der Feststunde nicht los. Doch er wirbt nicht nur um Spenden, vielmehr wirbt er um Besucher für die Konzerte des Thüringer Orgelsommers. Damit sie an Ort und Stelle sehen, wofür der Verein kämpft – wohl auch die nächsten 20 Sommer.

Susann Winkel

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