Dem Heiligen auf der Spur

26. August 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Die armenische Gemeinde mit ihrem neuen Pfarrer Gnel Gabrielyan beteiligte sich erstmals an der Kirchennacht (Fotos: Günter Bauer)

Die armenische Gemeinde mit ihrem neuen Pfarrer Gnel Gabrielyan beteiligte sich erstmals an der Kirchennacht (Fotos: Günter Bauer)


Kirchenkreis Halle-Saalkreis lud zur 11. Nacht der offenen Kirchen ein.

»Was ist mir heilig? »Die Familie.« »Der Sonntagnachmittag.« »Mein Umfeld.« »Meine Freunde.« Nach und nach füllte sich im Laufe des Abends der halleschen Nacht der Kirchen am vergangenen Sonnabend die Tafel im Eingangsbereich der Lutherkirche. Bereits zum elften Mal hatten die Gemeinden in Halle und Umgebung zur Kirchennacht eingeladen, die in diesem Jahr unter dem Motto »Einladung zum Leben – was mir heilig ist« stand. Knapp 60 Gemeinden und Einrichtungen der verschiedenen Konfessionen beteiligten sich daran, gaben einen Einblick in ihre Gemeinschaft, luden zum Gespräch und Gebet, zu Glockenläuten, Orgelklängen, Turmbesteigungen und Führungen.

Viele Kirchen waren bereits zum elften Mal dabei, andere erstmals wie die Gutenberger Kirche St. Nicolaus nördlich von Halle, die ein echtes Cranach-Gemälde besitzt, oder die St.-Viti-Kirche in Teutschenthal, die mit ihrer Geschichte vertraut machte. »Vielerorts kam es zum Besucherandrang, auch in entlegeneren Kirchen außerhalb von Halle. Auf jeden Fall war es noch eine Steigerung im Vergleich zum letzten Jahr«, resümiert Torsten Bau, der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit beim Kirchenkreis Halle-Saalkreis.

Und es kamen Christen und Nichtchristen. Auch Heike Weßling weiß genau, was ihr heilig ist: »Meine Gesundheit und meine Familie.« Das brauche sie, um Kraft zu schöpfen. »Wenn man anderswo Sorgen hat, ist es gut, sich auf die Familie stützen zu können«, meint sie. Heike Weßling wohnt seit vielen Jahren ganz in der Nähe der Lutherkirche, hatte sie aber bislang noch nie betreten. Dass man dort angeregt wurde, über Heiligkeiten nachzudenken, fand sie gut.


Wie einige andere Kirchengemeinden widmete sich die Luthergemeinde im Süden von Halle ganz dem Motto der Kirchennacht. An mehreren Stationen konnte man es in verschiedener Weise erleben. Es ging um ganz persönliche Heiligkeiten und die Natur in einer von Umweltsünden und -katastrophen bedrohten Welt ebenso, wie um das, was der evangelischen Kirche heilig ist. Im Altarraum konnten sich die Besucher mit den Sakramenten vertraut machen.

»Ich finde, die Nacht der Kirchen ist etwas ganz Wichtiges. Viele Leute kommen das erste Mal in die Kirche. Sie wollen schauen und haben Fragen. Da muss man Berührungsängste abbauen«, findet Mechthild Lattorf, Pfarrerin der Luthergemeinde.

Die Wissbegierde der Kirchennachtbesucher war ausgesprochen hoch. In der armenischen Kirche in Radewell, die erstmals bei der Kirchennacht mit dabei war, fragten die Besucher Aleksanyan Hranush regelrecht Löcher in den Bauch nach der Geschichte der Armenischen Kirche, nach Gottesdienstritualen und Heiligenbildern.

Die junge Frau, die die Jugendgruppe der 45 Mitglieder zählenden armenischen Gemeinde leitet, stand Pfarrer Gnel Gabrielyan zur Seite, der erst im vergangenen Jahr aus Armenien nach Halle entsandt wurde und noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hat. Die armenische Gemeinde Sachsen-Anhalt übernahm die ehemals katholische Kirche im Jahr 2006, im April 2010 wurde sie als Surp Harutyn-Kirche geweiht.

Claudia Crodel

www.kirchenkreis-halle-saalkreis.de

Vielstimmige Konzertreise an drei Tagen

26. August 2011 von redaktionguh  
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In Westhausen steht die »Förderorgel« der »OrgelArena« in Südthüringen.

Die Johann-Christian-Dotzauer-Orgel in der Kirche Westhausen (Foto: Wolfgang Swietek)

Die Johann-Christian-Dotzauer-Orgel in der Kirche Westhausen (Foto: Wolfgang Swietek)

Es ist schon fast eine konzertierte Aktion, mit der in diesem Jahr die Orgel in Westhausen Unterstützung erfährt. Wurde bereits während der beiden Kirchenchortreffen des Kirchenkreises Hildburghausen-Eisfeld im Mai für die Restaurierung dieses Instrumentes gesammelt, sollen nun auch Kollekten während der »Orgel Arena« in Südthüringen mit Matthias Grünert, Organist an der Frauenkirche Dresden, für dieses Instrument zur Verfügung gestellt werden. Die Wahl auf Westhausen sei wegen der dortigen wertvollen Johann-Christian-Dotzauer-Orgel gefallen, erläutert Hildburghausens Kirchenmusikdirektor Torsten Sterzik. Hier sei eine aufwendige Restaurierung nötig, die sehr viel Geld kosten werde.

Johann Christian Dotzauer (1696 bis 1778) gehörte einst zu den berühmtesten Orgelbauern, die weit über die Region hinaus bekannt waren. Am 17. März 1696 in Hildburghausen geboren, hatte er zunächst Schreiner gelernt, ehe er sich zum Orgelbauer ausbilden ließ. Seinen ersten großen Auftrag erhielt er mit dem Bau einer Orgel für die Hildburghäuser Stadtkirche – die damals noch Laurentiuskirche hieß –, obwohl dieser Auftrag eigentlich dem Römhilder Hoforgelbauer Nikolaus Seeber, dem Erbauer der Schwalbennestorgel von Bedheim, zugestanden hätte.

Fast jedes Jahr ­verließ eine Orgel die Werkstatt von Johann Christian Dotzauer, viele von ihnen sind heute noch in den Kirchen der Region zu ­hören, manche im Originalzustand, andere wurden in den Jahrhunderten restauriert und nach dem jeweiligen Zeitgeschmack umgebaut. In den Kirchen von Behrungen, Queienfeld und Crock, Mendhausen, Streufdorf und Zeilfeld, Brünn, Lengfeld und Dingsleben, Hirschendorf und in Westhausen gibt es Instrumente aus der Werkstatt von Johann Christian Dotzauer.

Die Orgel in Westhausen steht nun während der »OrgelArena« vom 27. bis 29. August besonders im Blickpunkt und wird am 28. August um 12 Uhr von Matthias Grünert vorgestellt. Bevor es dann in Heubach weitergeht, können die Gäste sich während der Mittagspause beim Backhausfest in Westhausen stärken.

Wolfgang Swietek

Gemeinsam unterwegs zum Reformationsjubiläum

26. August 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Wollen in Sachen Luther 2017 intensiver zusammenarbeiten: die Kultusminister Stephan Dorgerloh aus Sachsen-Anhalt und Christoph Matschie aus Thüringen (v.l.). In Wittenberg wurde eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. (Foto: Thomas Klitzsch)

Wollen in Sachen Luther 2017 intensiver zusammenarbeiten: die Kultusminister Stephan Dorgerloh aus Sachsen-Anhalt und Christoph Matschie aus Thüringen (v.l.). In Wittenberg wurde eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. (Foto: Thomas Klitzsch)


Thüringen und Sachsen-Anhalt wollen ihre Zusammenarbeit auf dem Weg nach 2017 verstärken.
 

Unter dem alten Apfelbaum im Garten des Wittenberger Lutherhauses war eine große Kaffeetafel aufgebaut. Harmonisch sollte es aussehen, als Thüringens Kultusminister Christoph Matschie und sein Magdeburger Amtskollege ­Stephan Dorgerloh am Montagnachmittag eine Pressekonferenz zur Zusammenarbeit der mitteldeutschen Länder in der Reformationsdekade ­gaben. Denn künftig will man, allen bisherigen medialen Unkenrufen zum Trotz, gemeinsam auf den 500. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag zugehen.

»Ab sofort beteiligen sich auch Sachsen und Thüringen an der Finanzierung der Geschäftsstelle Luther 2017«, erklärte Stephan Dorgerloh. 65000 Euro pro Jahr wollen die beiden Länder künftig für das zentrale Koordinierungsbüro zur Verfügung stellen, das bislang vor allem von Sachsen-Anhalt getragen wurde. »Wir zeigen damit, dass wir zusammen mehr erreichen wollen«, betonte Matschie. »Thüringen steht zu seiner Verantwortung für die Reformationsdekade.«

Dazu unterzeichneten der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Stefan Rhein, und der Burghauptmann der Wartburg, Günter Schuchardt, eine Kooperationsvereinbarung. Obwohl beide Einrichtungen schon lange und erfolgreich zusammenarbeiten, werde so noch einmal »festgestellt, dass es auf dem Weg nach 2017 weitere gemeinsame Projekte geben wird«, sagte Dorgerloh.

Zu den Höhepunkten der künftigen Kooperation soll vor allem das Cranach-Jahr 2015 zählen: »Die Wartburg hat einen wunderbaren Bestand an Cranach-Werken«, so Dorgerloh. Sie sollten in das Programm des Cranach-Jahres ebenso eingebunden werden wie die Bestände in Gotha, Weimar, Jena und der anhaltischen Gemäldegalerie. Und das kommende Jahr der Reformationsdekade, das sich schwerpunktmäßig dem Thema Reformation und Musik widmen wird, soll in ­Eisenach eröffnet werden.

»Kein Land kann alleine die Arbeit der Reformationsdekade bewältigen«, sagte Matschie. Daher wolle man die bisherige Zusammenarbeit der Bundesländer in den kommenden Jahren deutlich verbessern. Von außen sei Mitteldeutschland sowieso als Lutherland wahrnehmbar. »Da spielen Ländergrenzen keine Rolle.«

Benjamin Lassiwe

Offene Fenster in die Welt

26. August 2011 von redaktionguh  
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Mitglieder des Gemeindekirchenrates, der geschäftsführende Pfarrer Hardy Rylke (2.v.l.) und Superintendent Henrich Herbst (3.v.l.) präsentieren mit dem Architekten Felix Flechtner (rechts) während eines Gemeindeabends das Modell des künftigen Herderkirchzentrums. (Foto: Maik Schuck)

Mitglieder des Gemeindekirchenrates, der geschäftsführende Pfarrer Hardy Rylke (2.v.l.) und Superintendent Henrich Herbst (3.v.l.) präsentieren mit dem Architekten Felix Flechtner (rechts) während eines Gemeindeabends das Modell des künftigen Herderkirchzentrums. (Foto: Maik Schuck)


In manchen Orten gibt es zu wenige Gemeindeglieder für zu große Räume. In Weimar war es bisher umgekehrt. Jetzt wird gebaut. Am 25. August hat Landesbischöfin Ilse Junkermann den Grundstein gelegt.
 

Alle Planungen sind abgeschlossen und genehmigt, die Baustelle ­eingerichtet. Seit Jahren haben Pfarrkonvent, Gemeindekirchenrat und engagierte Gemeindeglieder, ein hochkarätig besetzter Gestaltungsbeirat, Architekturbüro, Denkmalamt, kirchliche und staatliche Stellen auf kommunaler wie auf höchster Ebene überlegt, was nötig ist, wie die Lösung aussehen kann und – wer es bezahlt.

An Herders Geburtstag starten die Arbeiten für das neue Herderkirchzentrum in Weimar. Gebraucht wird es dringend. Seit vor rund 70 Jahren das Gemeindehaus dem »Gauforum« weichen musste, laborieren Superintendentur und Kirchengemeinde an der Stadtkirche mit unzureichenden Räumlichkeiten herum.

Der Bachchor übt in der Musikschule, für alle größeren Veranstaltungen ist der Herdersaal ebenfalls zu klein. Kein präsentabler Raum für Empfänge, kein Kantorat, keine ausreichenden Aufenthaltsmöglichkeit für Gastmusiker, kein Raum für die Aufnahme von Gemeindegruppen von anderswo. Die Folge war die Übernutzung der Stadtkirche St. Peter und Paul und des Herderhauses.

Allein die Kirche mit ihrem berühmten Cranachaltar zieht jährlich über 200.000 Besucher an, mehr als jedes andere Gebäude der Weimarer Klassik. Dabei sind Konzerte und Gottesdienste nicht mitgerechnet.

Ein völliger Neubau wird das Projekt nicht. Es schließt die beiden Häuser im Schatten der Kirche mit ein, die aus der Renaissance stammen und ohnehin saniert werden müssen.

Moderne Architektur wird sie umschließen und möglich machen, dass auf der einen Seite ein vielfältig nutzbarer Saal für über 100 Personen entsteht und auf der anderen der Kirchenladen »Herderhof« mitten auf den Platz kommt und zur Anlaufstelle für Touristen wachsen kann. Große Fenster signalisieren Offenheit für alle, die mit Kirche zu tun haben wollen.

Besprechungszimmer, Gruppenräume, Teeküchen und Sanitäranlagen, rollstuhlgerechter Zugang und Fahrstuhl, Übernachtungsmöglichkeit für Gäste und Wohnungen – das Weimarer Architekturbüro »gildehaus.reich« hat ganze ­Arbeit geleistet, findet der geschäftsführende Pfarrer Hardy Rylke. Ende dieses Jahres soll der Rohbau stehen. Die Einweihung ist für 2013 geplant.

Die weitgehend parallel laufende Kircheninstandsetzung braucht mehr Zeit. Ab Januar wird die Gemeinde in der Jakobskirche zu Gast sein, weil in einer ersten Phase zum Schutz von Altar und Orgel die Klimatisierung samt Fußbodenerneuerung anstehen.

Während des zweiten Bauabschnittes, der die Restaurierung der zahlreichen Kunstwerke beinhaltet, kann die Stadtkirche mit Einschränkungen wieder genutzt werden. Am Ende wird der Innenraum farblich neu gefasst. Zum Reformationstag 2016 soll Einweihung sein, ist der fromme Wunsch von Superintendent Henrich Herbst. Damit er in Erfüllung gehen kann, sind noch etliche Überlegungen und Genehmigungsverfahren nötig – und die Spendenbereitschaft vieler.

Dass dieses Vorhaben überhaupt in Angriff genommen werden kann, ist hauptsächlich der Tatsache zu verdanken, dass das Ensemble zum »Klassischen Weimar« gehört und seit 1998 auf der Welterbeliste der UNESCO steht.

Die rund vier Millionen Euro Baukosten werden mit gut 2,6 Million Euro von Bund und Land getragen. Die Stadt ist mit 400.000 Euro dabei, Kirchengemeinde und Landeskirche mit 960.000 Euro. Damit der Eigenanteil bezahlt werden kann, musste man sich unter anderem von dem reparaturbedürftigen Pfarrhaus in der Steinallee trennen.

Trotz des Geldsegens lassen sich nicht alle Wünsche erfüllen. Bescheiden, aber selbstbewusst wird man bauen, so der Superintendent, und für ein Gemeindekonzept, das Sprengeldenken überwindet und Kirche öffentlicher macht.

Christine Lässig

Gott bleibt sich und uns treu

26. August 2011 von redaktionguh  
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Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, das er zum Erbe erwählt hat.
Psalm 33, Vers 12

Michael Göring, Pfarrer in Ingersleben

Michael Göring, Pfarrer in Ingersleben

Ist im Psalmvers, der die Woche prägen soll, Israel gemeint, das alttestamentliche Volk, dessen Nachfahren heute die Juden sind? Oder ist die Kirche gemeint, die Gott erwählt hat, nachdem er Israel verworfen hatte?

So ist es ja durch die Geschichte der Kirchen hindurch gelehrt und gepredigt und manchmal auch in erwählungsgewisses Handeln grausam umgesetzt worden.

Der Israelsonntag, den wir heute begehen, rückt solchen Irrweg zurecht: Ursprünglich hieß er »Gedenktag der Zerstörung des Tempels« und die christlichen Kirchen hatten ihn deutlich antijüdisch geprägt. Später stellte man an diesem Tag die Judenmission in den Vordergrund. Nach dem Holocaust hat das theologische Nachdenken das Verhältnis zwischen Christen und Juden neu gefasst.

In der Verfassung unserer Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland ist die Abwehr von Antisemitismus oder Antijudaismus als »Auftrag und Aufgabe« der Kirche festgeschrieben. Andere Kirchen in Deutschland sind sogar noch weiter gegangen und erwähnen ausdrücklich die bleibende Erwählung des jüdischen Volkes, wie sie der Apostel Paulus sehr deutlich im Römerbrief vorträgt.

Im Gottesdienst am Israelsonntag werden wir es dann an den Texten und Gebeten merken: Dort wird von Gottes Treue geredet werden, mit der er zu denen steht, die er erwählt hat: das Volk Israel, in dem er auch Mensch geworden ist in Jesus von Nazareth; die Kirche, die Jesus Christus glaubt und sich daraus heute dem jüdischen Volk geschwisterlich verbunden weiß.

Natürlich wird auch von Gottes Gnade in dieser Erwählung geredet werden, die sich in Liebe zuwendet und keinerlei Vorleistungen auf Seiten der Erwählten braucht. Und am Ende geht jemand aus dem Gottesdienst heraus und hat das, was für das Volk Israel und die Kirche Jesu Christi gilt, auch für sich selbst ganz persönlich gehört: Gott steht zu denen, die er liebt, Gott lässt uns nicht fallen.

Michael Göring

Kinder sind extrem gefährdet

26. August 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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In der 1992 im Bürgerkrieg zerstörten Kathedrale von Mogadischu leben seit Wochen Flüchtlinge der Dürrekatastrophe.	 (Foto: Christoph Püschner/Diakonie Katastrophenhilfe)

In der 1992 im Bürgerkrieg zerstörten Kathedrale von Mogadischu leben seit Wochen Flüchtlinge der Dürrekatastrophe. (Foto: Christoph Püschner/Diakonie Katastrophenhilfe)

Ostafrika: Hilfsorganisationen rufen angesichts der Hungerkatastrophe eindringlich zu Spenden auf.
 

Ohne weitere Unterstützung droht Zehntausenden ­Menschen in Ostafrika der Hungertod. Bürgerkrieg und steigende Lebensmittelpreise erschweren die Nothilfe.

Den Helfern in Mogadischu bietet sich ein bedrückendes Bild. »Die ganze Stadt «, sagt Rainer Lang, »liegt in Trümmern.« Tausende Flüchtlinge kampierten zwischen den Häuserresten und seien auf der Suche nach Nahrung. Selbst in der zerstörten Kathedrale haben Menschen Unterschlupf gesucht.

Seit Tagen ist der Pressereferent der Diakonie Katastrophenhilfe in Ostafrika unterwegs. In der somalischen Hauptstadt konnten die Helfer der Diakonie und ihrer Partner inzwischen auch in Gebiete, die bis vor kurzem von islamistischen Milizen besetzt waren. »Hier«, sagt Rainer Lang, »ist eine humanitäre Katastrophe im Gang.« Viele Menschen hätten durch die anhaltende Dürre ihre ganze Existenz verloren und brauchten dringend Hilfe – Nahrungsmittel, Trinkwasser und Medizin.

Die Länder am Horn von Afrika leiden seit Monaten unter den Folgen der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren. Nach UN-Angaben sind insgesamt mehr als zwölf Millionen Menschen von der Hungersnot betroffen. Zehntausende seien ihr bereits erlegen. Besonders betroffen von der Hungerkatastrophe sind alte Menschen und Kinder. Häufig hätten sie lange Fußmärsche hinter sich, weiß Rainer Lang. In dieser Lage seien die Kinder »extrem gefährdet«.

Die Diakonie Katastrophenhilfe hat deshalb zuletzt die Mittel auf vier Millionen Euro verdoppelt. Damit erreicht das Hilfswerk in Somalia, Kenia und Äthiopien rund eine halbe Million Betroffene. Ein Transport hat am 16. August über sechs Tonnen Medikamente für Kinder von Nairobi nach Mogadischu gebracht. Sie sind unter anderem für unterernährte und dehydrierte Kinder im Banadir-Krankenhaus bestimmt. Auch Anti-Malaria-Medikamente und medizinisches Gebrauchsmaterial gehörten dazu.

Damit die Hilfe fortgesetzt werden kann, ist die Hilfsorganisation jedoch weiter auf Unterstützung angewiesen. Wichtig ist, sagt Rainer Lang, dass das im Bewusstsein in Deutschland angekommen ist. Auch der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Rudolf Seiters, hat zu mehr Spenden für die Hungernden aufgerufen. »Die Hilfe kann gar nicht umfassend und groß genug sein«, so Seiters in einem Interview.

Doch mit der Nothilfe allein ist es noch nicht getan. Die Welthungerhilfe etwa hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Krise am Horn von Afrika chronisch sei. Daher müsse die Unterstützung dringend mit langfristigen Maßnahmen verbunden werden, so das Hilfswerk. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft in der Region muss gefördert und die Menschen auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet werden. Zudem sollten die Regierungen vor Ort dafür Sorge tragen, dass nicht das ganze fruchtbare Land an internationale Agrarkonzerne verkauft werde.

Die Hilfsorganisation World Vision erhebt zudem den Vorwurf, die Weltgemeinschaft und die Medien hätten viel zu spät auf die Dürre reagiert. Noch im Juni habe sich niemand für die Hilfsappelle interessiert, kritisiert der Vorstandsvorsitzende von World Vision, Christoph Waffenschmidt. Er fordert deshalb einen Rettungsschirm für Ostafrika.

Mitverantwortlich für die schleppende Hilfe ist aber auch die unsichere Lage im Bürgerkriegsland Somalia. Einen weiteren Grund sehen Weltbank und Hilfsorganisationen in den hohen Nahrungspreisen. »Nirgendwo verursachen hohe Lebensmittelpreise, Armut und Instabilität solches Leid wie am Horn von Afrika«, sagt Weltbankpräsident Robert Zoellick.

Die Hilfsbereitschaft ist jedenfalls da. Für die Hungernden in Ostafrika haben die Deutschen laut Deutschem Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) bislang 91 Millionen Euro gegeben. Allein bei der Diakonie Katastrophenhilfe und »Brot für die Welt« seien zwölf Millionen Euro eingegangen, sagt Lang zufrieden. Auch in Mitteldeutschland ist die Spendenbereitschaft hoch. »Aber die Hilfe muss weitergehen. Jeder Euro«, so Pressesprecher Frieder Weigmann, »wird hier gebraucht.«

Günter Schau
(mit epd)

Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden unter dem Stichwort »Ostafrika« auf das Konto 502 707 bei der Postbank Stuttgart (BLZ 600 100 70)

Auf dem Esoterik-Trip?

25. August 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Foto_Fliege

essenz_produktWie viel Esoterik verträgt die Kirche? Nicht erst seit dem Bekanntwerden des Streites um den früheren TV-Pfarrer Jürgen Fliege und seine »Fliege-Essenz« stellt sich diese Frage in ganz neuer Weise.

Schon früher hat der prominente Theologe den Unmut von Kirche und Weltanschauungsbeauftragten auf sich gezogen mit seinen Ausflügen in die Welt von Schamanen, Geistheilern und weisen Frauen. Doch jetzt hat er eine Grenze überschritten, was selbst eine an sich tolerante evangelische Kirche nicht tolerieren darf.

Der Fall des früheren Fernsehpfarrers zeigt aber auch, wie schmal der Grat zwischen dem berechtigten Wunsch nach mehr Spiritualität und innerer Einkehr einerseits und dem Einfall von esoterischem Humbug andererseits ist.

Nicht nur die Veranstalter von Kirchen- und Katholikentagen können ein Lied davon singen. Immer wieder sorgen die Angebote mancher esoterischer Wellness- und Meditationsgruppen für Kopfschütteln. Selbst hierzulande gibt es inzwischen Angebote, die zumindest im Geruch stehen, wenig evangelisch zu sein.

Wenn Kräuter gesegnet werden – was eher ein katholischer Brauch ist – oder auf dem Kirchentag für Enneagramm-Seminare geworben wird, sollten die Alarmglocken schrillen. Hier werden Dinge und Vorstellungen vermischt, die bei aller Offenheit mit evangelischer Frömmigkeit nichts zu tun haben.

Gerade der Protestantismus muss solchen Anfängen wehren. Es geht dabei nicht darum, neuen und anderen Möglichkeiten der Spiritualität den Weg zu verbauen, sondern Irrwege auszuschließen.

Natürlich hat die Kirche auch schon zu früheren Zeiten religiöse Vorstellungen aufgenommen und sich ihrer bedient. Doch selbst angesichts des Wunsches, sich andere Kreise zu erschließen und Menschen zu erreichen, die von der Welle der neuen Religiosität erfasst sind, darf die Kirche vieles, aber nicht alles. Esoterische Verirrungen gehören gewiss nicht dazu.

Martin Hanusch

Ein ganz normaler Vorgang?

22. August 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Der umstrittene Polizeieinsatz gegen den Jenaer Stadtjugendpfarrer Lothar König sorgt für Diskussionen
Wollen sich nicht einschüchtern lassen: Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröder versprach vor vielen Demonstranten in Jena, auch im nächsten Februar wieder zum Protest gegen Rechts nach Dresden zu fahren. (Foto: Jürgen Scheere)

Wollen sich nicht einschüchtern lassen: Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröder versprach vor vielen Demonstranten in Jena, auch im nächsten Februar wieder zum Protest gegen Rechts nach Dresden zu fahren. (Foto: Jürgen Scheere)

 
Es erinnert an finstere DDR-Zeiten: Am vergangenen Mittwoch, 10. August, sechs Uhr in der Frühe umstellen Polizeibeamte der Sonderkommission 19/2 der Dresdner Polizei die Wohnung des Jenaer Stadtjugendpfarrers Lothar König. Das Mobiltelefon des 57-Jährigen klingelt. Er solle sofort die Tür öffnen, ein richterlicher Durchsuchungsbefehl werde vollstreckt. Doch König ist zu der Zeit im Auslandsurlaub. Bevor er seine im gleichen Haus wohnende Tochter Katharina König, Landtagsabgeordnete der Linken, und seine Anwältin informieren kann, ­haben die Beamten schon die Türen geöffnet und mit der Durchsuchung der Dienstwohnung inklusive des Amtszimmers begonnen. Computer, Datenträger, Schriftgut und der Kleinbus werden beschlagnahmt.

König soll im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen den Aufmarsch Rechtsradikaler in Dresden am 19. Februar dieses Jahres zu Gewalttaten gegen die Polizei aufgerufen haben. So sei aus seinem mit Lautsprechern versehenen Kleintransporter gerufen worden: »Deckt die Bullen mit Steinen ein!« Er soll außerdem versucht haben, ein Einsatzfahrzeug der Polizei abzudrängen. »Schwerer aufwieglerischer Landfriedensbruch«, »versuchte Strafvereitlung«, »versuchte Nötigung« lauten die Vorwürfe.

Seit Jahren engagiert sich König gemeinsam mit Mitgliedern der Jungen Gemeinde Stadtmitte gegen den braunen Mob auf den Straßen. Regelmäßig gehören sie zu den Teilnehmern an den Demonstrationen und Sitzblockaden gegen den jährlichen Missbrauch des Gedenkens an die Zerstörung Dresdens. Aber: »Solche Aufrufe habe ich nie getätigt«, betont König gegenüber dieser Zeitung. Schon die Wortwahl entspreche überhaupt nicht seiner Ausdrucksweise. »Unser Anliegen war und ist es, gegen die Nazis zu protestieren, aber nicht gegen die Polizei«, fügt er mit Nachdruck hinzu.

Das trifft sich mit der Einschätzung von Propst Mikosch. Der zuständige Regionalbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) schätzt König als einen Pfarrer, der bisweilen mit sehr unorthodoxen ­Methoden auf gesellschaftliche Probleme hinweise. Dabei agiere König aber immer integrierend und deeskalierend statt konfrontierend. In einer gemeinsamen Stellungnahme von Landesbischöfin Ilse Junkermann und Kirchenamtspräsidentin Brigitte Andrae wird insbesondere die Durchsuchung des Dienstzimmers und die Beschlagnahme des Dienstcomputers als »skandalös« bezeichnet. Dadurch sei »die staatliche Kenntnisnahme von seelsorgerlichen Daten zu befürchten«.

Interessant zudem: Erst vor wenigen Wochen erhielt König die Information, dass gegen ihn in Dresden wegen »Bildung einer kriminellen Vereinigung« ermittelt werde. Ein vierseitiger Artikel im Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« beschäftigte sich just unmittelbar vor der Aktion in Jena mit diesen und anderen Merkwürdigkeiten der sächsischen Justiz im Umgang mit den Freiheitsrechten der Bürger. König ist darin Kronzeuge.

Eine Retourkutsche also?

Der Spiegel-Beitrag habe überhaupt nichts mit dem Vorgehen gegen König zu tun, betont Jan Hille von der Dresdner Staatsanwaltschaft. Der frühere Verdacht habe sich nicht bestätigt, die ­Ermittlungen würden wahrscheinlich eingestellt. Und woher kommen ein halbes Jahr nach den ­Ereignissen plötzlich die neuen Vorwürfe? Durch Auswertung der Beweismittel habe sich jetzt ein begründeter Tatverdacht gegen König ergeben, so Hille. Im Übrigen könne er die Aufregung gar nicht verstehen, alles sei ein ganz normaler rechtsstaatlicher Vorgang.

Dem widerspricht Thüringens Justizminister Holger Poppenhäger. Beim Einsatz von Ermittlungspersonen über Landesgrenzen hinweg seien die betreffenden Stellen so rechtzeitig zu informieren, dass sie ihre Einwände vorbringen und diese berücksichtigt werden können. Zudem stelle sich die Frage, warum kein Amtshilfeersuchen an die Thüringer Behörden gerichtet wurde, heißt es in einer Presseerklärung. Man fordere Aufklärung, warum man nicht einbezogen wurde.

Schlimmer aber wiegt, was die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Katrin Göring-Eckart, so in Worte fasst: »Der erneute Versuch einer derartigen Kriminalisierung eines gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit engagierten Bürgers erweist dem Kampf gegen braunes Gedankengut einen Bärendienst.« Solidarisch mit König und seinen Mitstreitern zeigt sich deshalb auch die evangelische Jugend Sachsens: »Wir hoffen, dass ihr euch auch in Zukunft nicht davon abbringen lasst, euch für Demokratie, Freiheit und Frieden einzusetzen«, heißt es in einem offenen Brief.

Harald Krille

Mit zweierlei Maß gemessen

20. August 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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bal

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.
Lukas 12, Vers 48

Margot Runge, Pfarrerin in Sangerhausen

Margot Runge, Pfarrerin in Sangerhausen

Kleine Geheimnisse machen schnell die Runde. Der Buschfunk funktioniert vorzüglich, wenn etwas vertraulich bleiben soll. In manchen Familien oder Arbeitsstellen wissen es dann sofort alle.

Ganz Schlaue machen sich das zunutze und bringen auf diesem Weg sogar gezielt Informationen in Umlauf.

Zugegeben: Viele bewahren auch sehr sorgsam, was ihnen anvertraut wurde, und der kleine Klatsch bedeutet nicht sofort Intrige und Geheimnisverrat. Dennoch: Wie vertrauenswürdig sind wir?

Anvertraut ist uns viel mehr.

Traditionen und eine reiche Kultur sind uns überliefert. Das Geschenk der Demokratie haben wir uns erkämpft. Den Reichtum des westlichen Europa haben wir, anders als die restlichen ehemals sozialistischen Staaten, geerbt. Unsere Orte sind eingebettet in eine Natur, die uns das Staunen lehren kann.

Ob ideell oder materiell – wir sind unvorstellbar reich, verglichen mit ungezählten Menschen neben uns und sämtlichen Generationen vor uns.

Dieser Reichtum ist zumeist nicht unser Verdienst. Er ist uns anvertraut. Wir können und sollen ihn hüten, damit andere Völker und kommende Generationen auch etwas davon haben.

Ein Anrecht auf Besitzstandswahrung haben wir nicht, eher eine Pflicht zum Teilen und Weitergeben. Wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern, erinnert Jesus.

Wir werden tatsächlich mit zweierlei Maß gemessen. Die Starken sind zuerst in der Pflicht.

Das gilt auch für die Demokratie.

Am Sonntag trauert Norwegen um die Opfer. Die Anschläge galten auch der liberalen und offenen Gesellschaft. Freiheit ist ein kostbares Gut. Wir tun gut daran, die Demokratie bei uns zu stärken und zu pflegen. Je stärker sie bei uns ist, desto mehr Rückenwind bekommen Menschen in anderen Ländern, die Menschenrechte und Freiheit einfordern.

Uns ist tatsächlich viel anvertraut. Rechtfertigen wir es!

Margot Runge

Begreifen und lernen

18. August 2011 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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In Erfurt wird am Sonntag die Evangelische Regelschule eröffnet.

Mathematik begreifen – Schulleiterin Rosemarie Lühmann erläutert, wie man mit dem Montessori-Material arbeitet. (Foto: Dietlind Steinhöfel)

Mathematik begreifen – Schulleiterin Rosemarie Lühmann erläutert, wie man mit dem Montessori-Material arbeitet. (Foto: Dietlind Steinhöfel)


Wenige Tage vor dem Beginn des Schuljahres herrscht bereits munteres Treiben in der obersten Etage im Haus am Breitstrom in Erfurt, in einem der Gebäude des Evangelischen Ratsgymnasiums. Regale werden zusammengeschraubt, Stühle gerückt und Pakete mit Unterrichtsmaterial ausgepackt.

Aber nicht für die Gymnasiasten wird hier gewerkelt, sondern für die ersten Schüler der neuen evangelischen Regelschule, die im Haus ein Domizil gefunden hat.

Kirchenrat Marco Eberl, der Vorsitzende der Evangelischen Schulstiftung der EKM, freut sich mit Schulleiterin Rosemarie Lühmann, dass diese Schule nun die pädagogische Landschaft der Landeshauptstadt vervollständigt.

Immerhin hat Erfurt 17 evangelische Kindergärten, eine Grundschule startete 2009. Das Ratsgymnasium öffnete schon 1992 seine Pforten.

Nach dem neuen Thüringer Gesetz für Schulen in freier Trägerschaft ist die Neugründung kein einfaches Unterfangen. In den ersten drei Jahren erhalten nun auch kirchliche Träger keine staatlichen Zuschüsse mehr.

Die Wartezeit kann zwar verkürzt werden, was nach Aussagen der Schulstiftung auch beantragt wurde, doch fest einplanen kann man das nicht.

Im ersten Jahr, so Eberl, müssen 100 000 Euro von der Stiftung aufgebracht werden. »Ich bin froh über die großzügige Unterstützung des Kirchenkreises Erfurt, der sich mit 50 000 Euro beteiligt.«

Schon über ein Jahrzehnt gab es auch im Kirchenkreis den Wunsch nach ­einer Regelschule. »Jetzt sind wir als Kirche mit der Bildung dort angekommen, wo wir sein sollen, wo die Hilfe am dringendsten gebraucht wird«, sagt Marco Eberl.

In der mitteldeutschen Kirche (EKM) ist die Erfurter die siebente Regel- bzw. Sekundarschule, wie diese Schulform in Sachsen-Anhalt heißt. Im Norden der EKM gibt es bereits vier Sekundarschulen.

Die Nachfrage nach Schulen in evangelischer Trägerschaft sei gewachsen, so Eberl. Inzwischen gäbe es neben Initiativen von Eltern und Kirchengemeinden auch Anfragen von Kommunen.

»Aber wir gründen Schulen mit Augenmaß«, betont der Stiftungsvorsitzende. »Jede Schulgründung muss in der gleichen Qualität möglich sein. Es kommt drauf an, dass wir die bestehenden Schulen weiterentwickeln und nur Neugründungen zulassen, wenn es nicht zu Lasten der bestehenden geht.«

Bisher sei man ohne Darlehen ausgekommen. Das solle auch so bleiben.

Die Evangelische Regelschule Erfurt wird sich stark an der Reformpädagogik orientieren. Das zeigt schon die Wahl der Schulleiterin. Die 50-­jährige Rosemarie Lühmann hat eine Montessori-Ausbildung in München und Dublin absolviert und unter anderem an der Montessori-Integra­tionsschule in Erfurt gearbeitet.

Anne Veit (34), pädagogische Referentin der Schulstiftung, erläutert das Konzept: »Bis zur achten Klasse werden keine Noten gegeben. zudem sollen die Klassen alters- und fächerübergreifend unterrichtet werden.«

Am 22. August werden erst einmal 16 Jungen und Mädchen einer fünften Klasse zwei Räume beziehen. Fünf Lehrkräfte stehen für die gebundene Ganztagsschule zur Verfügung. »Wir werden ganz individuell auf die Kinder eingehen«, verspricht die Schulleiterin.

Dafür habe man sehr gute didaktische Materialien, wo zum Beispiel Mathematik im wahrsten Sinne des Wortes begriffen werden kann. Im zukünftigen Klassenraum im Haus am Breitstrom demonstriert sie das mit großer Freude.

Zudem sollen sich die Schüler den Lehrstoff möglichst selbst erarbeiten. Die Schulleiterin freut sich, dass sie nun viel selbst gestalten kann.

Die Stiftung schafft die Rahmenbedingungen. Die Pädagogen vor Ort können ihre Visionen und ­pädagogischen Konzepte umsetzen – natürlich im Rahmen des Schulgesetzes.

Hier, so Anne Veit, schöpfe man die Möglichkeiten voll aus.

Trotz des Schulgeldes von 95 Euro im Monat ist die evangelische Regelschule für alle Kinder offen. Es gäbe immer die Möglichkeit zur Minderung des Schulgeldes. »Bisher haben wir noch keinen Fall, wo ein Kind aus finanziellen Gründen nicht aufgenommen werden konnte«, betont Marco Eberl.

Dietlind Steinhöfel

Schuleröffnungsgottesdienst, Predigerkirche: 21. August, 14 Uhr,
mit Propst Reinhard Werneburg

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