Offene Fenster in die Welt
26. August 2011 von redaktionguh
Abgelegt unter Thüringen

Mitglieder des Gemeindekirchenrates, der geschäftsführende Pfarrer Hardy Rylke (2.v.l.) und Superintendent Henrich Herbst (3.v.l.) präsentieren mit dem Architekten Felix Flechtner (rechts) während eines Gemeindeabends das Modell des künftigen Herderkirchzentrums. (Foto: Maik Schuck)
In manchen Orten gibt es zu wenige Gemeindeglieder für zu große Räume. In Weimar war es bisher umgekehrt. Jetzt wird gebaut. Am 25. August hat Landesbischöfin Ilse Junkermann den Grundstein gelegt.
Alle Planungen sind abgeschlossen und genehmigt, die Baustelle eingerichtet. Seit Jahren haben Pfarrkonvent, Gemeindekirchenrat und engagierte Gemeindeglieder, ein hochkarätig besetzter Gestaltungsbeirat, Architekturbüro, Denkmalamt, kirchliche und staatliche Stellen auf kommunaler wie auf höchster Ebene überlegt, was nötig ist, wie die Lösung aussehen kann und – wer es bezahlt.
An Herders Geburtstag starten die Arbeiten für das neue Herderkirchzentrum in Weimar. Gebraucht wird es dringend. Seit vor rund 70 Jahren das Gemeindehaus dem »Gauforum« weichen musste, laborieren Superintendentur und Kirchengemeinde an der Stadtkirche mit unzureichenden Räumlichkeiten herum.
Der Bachchor übt in der Musikschule, für alle größeren Veranstaltungen ist der Herdersaal ebenfalls zu klein. Kein präsentabler Raum für Empfänge, kein Kantorat, keine ausreichenden Aufenthaltsmöglichkeit für Gastmusiker, kein Raum für die Aufnahme von Gemeindegruppen von anderswo. Die Folge war die Übernutzung der Stadtkirche St. Peter und Paul und des Herderhauses.
Allein die Kirche mit ihrem berühmten Cranachaltar zieht jährlich über 200.000 Besucher an, mehr als jedes andere Gebäude der Weimarer Klassik. Dabei sind Konzerte und Gottesdienste nicht mitgerechnet.
Ein völliger Neubau wird das Projekt nicht. Es schließt die beiden Häuser im Schatten der Kirche mit ein, die aus der Renaissance stammen und ohnehin saniert werden müssen.
Moderne Architektur wird sie umschließen und möglich machen, dass auf der einen Seite ein vielfältig nutzbarer Saal für über 100 Personen entsteht und auf der anderen der Kirchenladen »Herderhof« mitten auf den Platz kommt und zur Anlaufstelle für Touristen wachsen kann. Große Fenster signalisieren Offenheit für alle, die mit Kirche zu tun haben wollen.
Besprechungszimmer, Gruppenräume, Teeküchen und Sanitäranlagen, rollstuhlgerechter Zugang und Fahrstuhl, Übernachtungsmöglichkeit für Gäste und Wohnungen – das Weimarer Architekturbüro »gildehaus.reich« hat ganze Arbeit geleistet, findet der geschäftsführende Pfarrer Hardy Rylke. Ende dieses Jahres soll der Rohbau stehen. Die Einweihung ist für 2013 geplant.
Die weitgehend parallel laufende Kircheninstandsetzung braucht mehr Zeit. Ab Januar wird die Gemeinde in der Jakobskirche zu Gast sein, weil in einer ersten Phase zum Schutz von Altar und Orgel die Klimatisierung samt Fußbodenerneuerung anstehen.
Während des zweiten Bauabschnittes, der die Restaurierung der zahlreichen Kunstwerke beinhaltet, kann die Stadtkirche mit Einschränkungen wieder genutzt werden. Am Ende wird der Innenraum farblich neu gefasst. Zum Reformationstag 2016 soll Einweihung sein, ist der fromme Wunsch von Superintendent Henrich Herbst. Damit er in Erfüllung gehen kann, sind noch etliche Überlegungen und Genehmigungsverfahren nötig – und die Spendenbereitschaft vieler.
Dass dieses Vorhaben überhaupt in Angriff genommen werden kann, ist hauptsächlich der Tatsache zu verdanken, dass das Ensemble zum »Klassischen Weimar« gehört und seit 1998 auf der Welterbeliste der UNESCO steht.
Die rund vier Millionen Euro Baukosten werden mit gut 2,6 Million Euro von Bund und Land getragen. Die Stadt ist mit 400.000 Euro dabei, Kirchengemeinde und Landeskirche mit 960.000 Euro. Damit der Eigenanteil bezahlt werden kann, musste man sich unter anderem von dem reparaturbedürftigen Pfarrhaus in der Steinallee trennen.
Trotz des Geldsegens lassen sich nicht alle Wünsche erfüllen. Bescheiden, aber selbstbewusst wird man bauen, so der Superintendent, und für ein Gemeindekonzept, das Sprengeldenken überwindet und Kirche öffentlicher macht.
Christine Lässig







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1 Lesermeinung zu “Offene Fenster in die Welt”Trackbacks
Das sagen andere über diesen Artikel[...] Grundstein ist gelegt – im Falle des neuen Herderkirchzentrums müsste diese Feststellung allerdings treffender lauten: Wir haben den Grundstein gesehen. Voller [...]