Heilsamer Haken: Sorgen – neu formatiert

30. September 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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hans

Alle eure Sorge werft auf ihn;  denn er sorgt für euch.
1. Petrus 5, Vers 7

Bernhard Zeller, Pfarrer in Braunsbedra

Bernhard Zeller, Pfarrer in Braunsbedra

»Puh, eine Sorge weniger!« – Wir kennen die Erleichterung, wenn eine Sorge sich in Luft auflöst: weil die Versicherung die Kosten fürs zerbeulte Auto übernommen hat, weil ein Freund für uns den unangenehmen Gang erledigt, weil die Tochter einen Nachrückerplatz beim begehrten Studiengang ergattern konnte.

Insofern klingt das Angebot wie Musik in unseren Ohren: alle Sorgen auf einen Schlag weg!

Wunderbar!

Eine gebührenfreie Sorgen-Entsorgungsstelle mit unbegrenzter Kapazität – und wir können zurückspazieren in unser Leben und haben den Kopf frei für die vergnüglichen Dinge dieser Welt!

Das klingt zu schön, um wahr zu sein.

Die Sache muss doch einen Haken haben!

O ja, die Sache hat ­einen Haken.

Und das ist das Gute daran. Denn ein Leben ohne Sorgen besitzt eine trügerische Leichtigkeit.

Siehe Hans im Glück, der sich jeder Last zu entledigen weiß. Am Ende steht er mit leeren Händen da und braucht wieder Mutti, die für ihn kocht.

Eine Regierung oder einen Gemeindekirchenrat, bestehend aus lauter »Hans im Glück« – das mag man sich nicht gerne vorstellen. Und auch dem Autor des 1. Petrusbriefes liegt es ferne, uns in so ein Dasein zu locken. Wo also liegt der heilsame Haken?

Zunächst einmal bin ich fest davon überzeugt, dass die Zusage des Wochenspruches ohne Abstriche gilt: Wir dürfen vor den Altar Gottes treten und wirklich alle Sorgen hinwerfen. Und wir können sicher sein, dass Gott jede noch so kleine Sorge als Chefsache behandelt.

Allerdings nimmt er uns die Sorgen nicht einfach weg, um sie hinter unserem Rücken zu vertilgen. Wir kriegen sie alle wieder zurück. Nur haben die Sorgen jetzt ein anderes Format.

Gott formatiert sie neu, und zwar so, dass wir mit ihnen fertig werden können. Das ist die Art, wie Gott für uns sorgt: Er schenkt uns Gelassenheit, er zeigt das große Ganze, er inspiriert uns. So werden die Sorgen zu Herausforderungen, denen wir uns stellen können.

Bernhard Zeller, Pfarrer in Braunsbedra

Fröhlich, fromm und frei

30. September 2011 von redaktionguh  
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Kirchenkreis Magdeburg feiert ein Stadtkirchenfest rund um den Dom.

Fast geht es ein bisschen zu wie bei »Spiel ohne Grenzen«. Auf dem Domplatz in Magdeburg ist ein Parcours aufgebaut, bei dem sich acht von 13 Kirchspielen der Landeshauptstadt im Wettkampf messen. Die Teams müssen Gesangbücher stapeln, die Kaffeetafel für den Seniorenkreis decken und eine Kirchenfahne basteln. Begeistert gehen die Zuschauer mit. Am Ende setzt sich das Kirchspiel Ottersleben gegen die Mannschaften aus dem Süden und Norden der Stadt durch und verweist diese auf die Plätze. »Das hat schon großen Spaß gemacht«, meint Pfarrer Hans-Martin Krusche-Ortmann, der den Wettkampf mit veranstaltet hat.


»Das hat schon großen Spaß gemacht«

Die Kirchspiel-Spielerei ist Teil des Stadtkirchenfestes, zu dem der Kirchenkreis Magdeburg am 25. September in und an den Dom geladen hat. Ganz bewusst soll es kein Kreiskirchentag mit großen thematischen Schwerpunkten sein, sondern ein fröhliches Fest. Entsprechend dominieren die Angebote aus Spiel und Musik. Eröffnet wird das Programm unter dem Motto »Wir sind so frei« mit einem Familiengottesdienst im Dom.

Hier ist in der Mitte eine Bühne aufgebaut, die sich alsbald in ein Gefängnis verwandelt. Christenlehrekinder und Konfirmanden führen ein Anspiel zur Geschichte von Paulus und Silas auf, die in Philippi im tiefsten Kerker landen, aus dem sie durch ein Wunder befreit werden und dem Gefängniswärter gleich noch das Leben retten (Apg 16,23-34). Die jungen Mitspieler sind sichtlich mit Freude bei der Sache, und auch Pfarrerin Gabriele Kölling greift das Thema in ihrer Kurzpredigt auf. »So frei müsste man sein«, sagt sie und nimmt Bezug auf die Freiheit, zu der uns Christus befreit. Das bringe jedoch auch Verantwortung mit sich und bleibe nicht ohne Konsequenzen.

Im Anschluss an den Auftaktgottesdienst gibt es ein buntes Programm mit Bastel- und Mitmachständen, der Kletterwand des CVJM oder einem Zirkusprojekt. Nicht nur Superintendent Michael Seils ist  sichtlich zufrieden mit der Resonanz des Festes. Allein zum Gottesdienst sind 600 Besucher in den Dom gekommen. Während sich die Kinder an den Bastelständen oder beim Geografie-Scrabble am Café International vergnügen, läuft auf der Bühne im Domgarten ein Programm von traditioneller Bläsermusik bis hin zu Sambarhythmen bei einem Trommelworkshop.

Auch bei den Besuchern kommt diese Mischung gut an. Siegurd Herzog ist mit Freunden eigentlich nur in den Dom gekommen, um sich die Bibelausstellung »Von der Keilschrift zur Computerbibel« anzusehen. Angesichts des Festtreibens sind die drei Besucher, die sonst mit Kirche nichts am Hut haben, einfach »hängen geblieben«.

»Unser Konzept ist wohl aufgegangen«

Andere sind ganz gezielt gekommen. »Ich singe nachher beim musikalischen  Tagesausklang mit«, erzählt Bärbel Meißner aus dem Kirchspiel Altstadt-Martin. Vorher will sie sich ein bisschen umschauen und die Atmosphäre genießen. Auch Martin Holtermann äußert sich angetan und ein bisschen überrascht, »wie gut gefüllt der Dom war«.

Wie viele Besucher über den Tag verteilt kommen, kann niemand sagen. »Dafür herrscht ein viel zu großes Kommen und Gehen«, meint Uwe Koch als Mitorganisator. Zwar hätte sie sich persönlich noch ein bisschen mehr Resonanz gewünscht, schätzt Cordula Haase selbstkritisch ein. Doch insgesamt gibt sich auch die Pfarrerin der Hoffnungsgemeinde entspannt. »Unser Konzept, für alle Generationen etwas dabei zu haben und uns mit dem Thema an die Lutherdekade anzuhängen, ist wohl aufgegangen. «

Martin Hanusch / Fotos: Roland Schödl

»An Kirchen fehlt’s mir nicht«

29. September 2011 von redaktionguh  
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Die heute 95-jährige Architektin Käthe Menzel-Jordan baute viele Kirchen in Thüringen wieder auf.

»Die Frau ist ein Phänomen«, sagt Ilse Neumeister knapp, engagierte Christin und selbst Urgestein in Erfurt. Besser kann man es nicht ausdrücken, wenn man Käthe Menzel-Jordan beschreiben soll. Der promovierten Architektin, die am 7. September ihren 95. Geburtstag feierte, haben evangelische Kirche und die Stadt Erfurt viel zu danken.

Käthe Menzel-Jordan

Käthe Menzel-Jordan

Die zierliche alte Dame hat 50 Jah­re, auch unter den schwierigen Bedingungen der DDR-Planwirtschaft, Denkmale erhalten, vor allem Kirchen, nicht nur in Erfurt, auch in Schmalkalden oder Arnstadt. »An Kirchen fehlt’s mir nicht!«, sagt sie und lacht. Aber das Erfurter Augustinerkloster sei ihr besonders ans Herz gewachsen.

Die Erfurterin studierte mitten im Zweiten Weltkrieg in Dresden. Sie begann im Anschluss noch eine Ausbildung in der technischen Verwaltung. Kurz vor dem zweiten Staatsexamen saß die Studentin im Zug, ihre Eltern zu besuchen. Da wurde Dresden bombardiert. Ihre Arbeitsstelle und auch ihre Wohnung gab es danach nicht mehr. Unter den Trümmern verblieb die fast fertige Doktorarbeit.

Ihre Ausbildung konnte sie bei der Landesregierung, die damals noch in Weimar war, beenden. Die Architektin blieb, wurde hier gebraucht. Von der russischen Kommandantur in Weimar erhielt sie den Befehl, das Goethehaus am Frauenplan wieder in Ordnung zu bringen. Jede Woche habe es solche Befehle gegeben.

»Der Befehl 209 besagte, dass der gesamte Grundbesitz des Adels beseitigt werden müsse.« Die sehr mutige damalige Kultusministerin suchte Nutzungskonzepte für solche Schlösser. Auch Käthe Menzel-Jordan fuhr durchs Land, um Lösungen zu finden. So kam ins Schloss Sondershausen eine Musikschule, ins Schloss Reinhardsbrunn die Feuerwehr …

Während sie erzählt, ist ein verschmitzter Zug in ihren Augen.

Als 1952 mit Walter Verwiebe ein neuer Propst nach Erfurt kam, der die Vision zum Aufbau des Augustinerklosters hatte, fand er im evangelischen Gemeindeglied Käthe Menzel-Jordan eine engagierte Mitstreiterin.

»Aber wir konnten nur ganz kleine Schritte gehen. Es gab keinen Nagel und kein Brett.« Für sie ist der Aufbau des Klosters damals ein »einziges Wunder«. Dass die Stadt aus den Trümmern Steine abholte und als Packlager für den Straßenbau verwendete, empfindet sie noch heute als »Sünde«.Ilse Neumeister hat empört, dass Käthe Menzel-Jordan überhaupt nicht erwähnt wurde, als das Augustinerkloster kürzlich das Europäische Kulturerbe-Siegel erhielt.

Draußen scheint die Sonne in den gepflegten Garten am Erfurter Stadtrand, in dem die Asterntöpfe von der Geburtstagsfeier eine fröhliche Reihe bilden. »Dieses Jahr habe ich viele Tomaten geerntet«, sagt Käthe Menzel-Jordan. Stolz und Schönheit hat das Leben mit hundert kleinen Fältchen in ihr Gesicht geschrieben.

Ja, die Frau ist ein Phänomen mit ihren 95 Jahren und einem vollen Terminkalender.

Dietlind Steinhöfel

»Die Eltern sind meist überfordert«

29. September 2011 von redaktionguh  
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Auch digitale Spiele wollen gelernt sein.

Klaus Peter Jantke

Klaus Peter Jantke

Vom 7. bis 9. Oktober sind Familien zur Spieletagung der Evangelischen Akademie Thüringen nach Neudietendorf eingeladen. Klaus Peter Jantke vom Fraunhofer Institut und Leiter der Kindermedienforschung in Erfurt hat die Tagung mit vorbereitet. Dietlind Steinhöfel sprach mit dem Medienwissenschaftler.

Herr Professor Jantke, Computerspiele gehören mittlerweile zum Alltag der Kinder. Wie gehen Eltern damit um?
Jantke: Zunächst müssen wir festhalten, dass diese Kulturform existiert und wir sie nicht mehr loswerden, ob uns das gefällt oder nicht. Wichtig ist die richtige Kommunikation. Es gibt sehr unterschied­liche Spiele – Abenteuerspiele, Sport- und Kampfspiele, Simula­tionsspiele oder kombinatorische Spiele. Jugendliche suchen sich das aus, was ihnen gefällt, wo ihre Fingerfertigkeiten und Kombinationsgaben geeignet sind, die beim Spiel zudem trainiert werden. Jeder ist ein anderer Spieltyp. Eltern sind die digitalen Spiele meist fremd. Sie sind überfordert und den Kindern nicht ebenbürtig, auch weil ihnen die Übung fehlt.

 
»Es gibt viele pädagogische Spiele, die einfach nur schlecht sind.«
 

Sie sollten sich jedoch damit befassen, um mit ihren Kindern darüber reden zu können. Das wollen wir auf unserer Tagung erreichen. Die Eltern sollen dabei nicht nachspielen, was sich ihre Kinder in ­langem Training erarbeitet haben, sondern werden ein einfaches Spiel üben. Zudem bekommen sie eine Einführung in die Charakteristika der Spiele. So können sie im Anschluss miteinander über ihre Erfahrungen reden.

Es herrscht die verbreitete Meinung, bestimmte Computerspiele beförderten die Gewalt. Ist das so?
Jantke: Auch Spiele, wo geschossen wird, sind nicht unbedingt gewaltfördernd. Redakteure einer Spielezeitschrift haben miteinander etwas ausprobiert: In einem Spiel musste eine Fahne erobert werden. Auf dem Weg dahin konnte man erschossen werden. Aber das Spiel wurde lustig gespielt – wie eben »Mensch-ärgere-dich-nicht«, wo ja auch »rausgeschmissen« wird. Natürlich kann so ein Spiel, aber auch ein Film oder ein Buch, der letzte Tropfen sein, der bei einem Jugendlichen das Fass zum Überlaufen bringt und er dann Amok läuft. Es muss verhindert werden, dass überhaupt so viel im Fass drin ist!

Auch Religionspädagogen versuchen, Inhalte per digitalem Spiel zu vermitteln. Kommt das bei den Kindern an?
Jantke: Wer ein Spiel entwickeln will, muss sich einmal mit dem technologischen System auskennen und zum anderen mit Medien. Er muss die soziale Auswirkung ­abschätzen können. Technik und Sozialwissenschaftliches gehören zusammen. Wenn Leute mit didaktischer Absicht etwas machen, geht der Spielspaß verloren. Es gibt viele pädagogische Spiele, die einfach nur schlecht sind. Pädagogen verstehen nicht, was ein Spiel ist. Wenn man sie an ein Thema lässt, ist der Spaß vorbei. Kinder aber spielen nicht der Information wegen, sondern der Spannung wegen. Wenn sie dabei etwas lernen, ist das ein toller Nebeneffekt.

Anmeldung zur Tagung vom 7. bis 9. Oktober in Neudietendorf über:
www.ev-akademie-thueringen.de

Ökumene funktioniert oftmals an der Basis

29. September 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

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»Wir würden uns über weitere Annäherungen der Konfessionen freuen, ohne eigene Werte aufgeben zu müssen«, schreibt Martin Krautwurst in seinem Brief an den Papst. (Foto: privat)

»Wir würden uns über weitere Annäherungen der Konfessionen freuen, ohne eigene Werte aufgeben zu müssen«, schreibt Martin Krautwurst in seinem Brief an den Papst. (Foto: privat)

Pfarrer Martin Krautwurst überbrachte dem Papst auf Schloss Bellevue Grüße aus Magdala.

Es gab tolle Begegnungen und Gespräche am Rande«, berichtet Pfarrer Martin Krautwurst (Magdala/Kirchenkreis Jena), der zu den 1100 Gästen aus ganz Deutschland gehörte, die am 21. September von Bundespräsident Christian Wulff zum Empfang von Papst Benedikt XVI. in den Park von Schloss Bellevue eingeladen worden waren.

Er habe dabei viele Vertreter aus den neuen Bundesländern wiedergetroffen, die aktiv an der friedlichen Revolution beteiligt waren. Dazu gehörten der Dirigent Michael Stolle, der im September 1989 in Gera das Neue Forum begründete, ebenso wie der emeritierte Oberpfarrer Roland Geipel, der eine maßgebliche Rolle bei der Auflösung der Bezirksverwaltung der Staatssicherheit in Gera spielte.

Anders als viele Akteure der »Wende« sei er nicht vom Pfarramt in die Politik, sondern über die Politik ins Pfarramt gegangen, erzählt der gelernte Bau- und Möbeltischler. So war Krautwurst von 1989 bis 1991 hauptamtlich als Geschäftsführer des Neuen Forums in Ostthüringen tätig, bevor er sein Theologiestudium begann. 

Als ihn die Einladung zum Papst-Empfang erreichte, ha­be er zunächst überlegt, ob er als Staffage tauge.

Doch dann sei die Neugier größer gewesen.

Als Geschenk für den Papst habe er ein Buch über Weimar und ein Foto der Kirche in Magdala mit einem Gruß übergeben, in dem er davon berichtet, dass im Osten fast alle Christen in der Diaspora leben und sich im ökumenischen Miteinander stärken. »Wir würden uns über weitere Annäherungen der Konfessionen freuen, ohne eigene Werte aufgeben zu müssen«, betonte er in diesem Zusammenhang.

Im Bezug auf das Heilige Abendmahl wünschten sich die Christen an der Basis mehr Freiheit und Akzeptanz, da dieses Sakrament die Konfessionen verbinden und nicht trennen solle. In seinem ländlichen Kirchspiel sei es schon aus Gründen der Praktikabilität üblich, dass katholische Mitchristen zum Abendmahl kommen.

»Eine Kirche in Verschiedenheit ist mir lieber als ein Einheitsbrei, wo sich niemand wiederfinden kann«, resümiert der engagierte Gemeindepfarrer.

Michael von Hintzenstern

Ernüchterung

29. September 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Kommentar

benediktHistorische Momente sehen anders aus. Nach dem Treffen des Papstes mit der Spitze der evangelischen Kirche in Erfurt herrscht zumeist Ernüchterung. Zu sehr dominiert der Eindruck, dass es mit diesem Papst weitere ökumenische Fortschritte nicht geben wird.

Zwar hat Benedikt XVI. die Schwelle zum Augustinerkloster überschritten und im Gespräch mit der EKD auch den Theologen Martin Luther und das Erreichte gewürdigt. Doch im Gottesdienst hat er es sehr bewusst vermieden, auch nur den Namen Luther in den Mund zu nehmen oder auf das Reformationsgedenken einzugehen.

Ganz überraschend kommt das nicht.

Mit einer großen Geste hatte ohnehin niemand mehr gerechnet. Dazu sind im Vorfeld die Erwartungen an den Besuch immer weiter heruntergeschraubt worden. Am Ende ist der Papst allen handfesten Fragen, etwa nach dem gemeinsamen Abendmahl konfessionsverschiedener Ehepartner, aus dem Weg gegangen.

Dafür hat er seinerseits der evangelischen Seite einiges ins Stammbuch geschrieben – im Blick auf selbstgemachten Glauben oder bei ethischen Fragen wie der Embryonenforschung. Selbst den innerkatholischen Reformbemühungen erteilte er später eine Absage.

Was bleibt nun von einer Begegnung, die früh mit dem Stempel historisch versehen worden ist?

Positiv ist allein die Tatsache zu werten, dass der Papst die Tür nicht ganz zugeschlagen hat und möglicherweise der Kirche vor Ort mehr Entscheidungsspielraum lässt. Ob diese geäußerte Hoffnung tatsächlich zutrifft, muss sich erst zeigen.

Ansonsten verstärkt sich der Eindruck, dass es Benedikt weniger um einen Dialog, sondern vor allem um eine Abwehr der Moderne geht. Die Beziehung zur evangelischen Kirche ist für ihn dabei allenfalls zweitrangig. In der weltweiten Christenheit sieht er eher in den Orthodoxen adäquate Gesprächspartner.

Für das weitere offizielle Miteinander der großen Kirchen in Deutschland dürfte das kein gutes Zeichen sein, ein geschichtliches schon gar nicht.

Martin Hanusch

Kein Gastgeschenk im Gepäck

29. September 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Titelseite

Papstbesuch: Benedikt XVI. feierte in Erfurt an historischem Ort einen ökumenischen Gottesdienst – mehr Entgegenkommen gab es nicht.
 

Im Vorfeld ist der Besuch des Papstes im Augustinerkloster mit zu einem Höhepunkt seiner Deutschlandreise erklärt worden. Nach dem Treffen bleiben viele Fragen offen.

Freundlich, aber bestimmt in der Sache:  Papst Benedikt XVI. mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider (Foto: picture alliance)

Freundlich, aber bestimmt in der Sache: Papst Benedikt XVI. mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider
(Foto: picture alliance)

Als Propst Hans Mikosch die Gäste in der Augustinerkirche begrüßt, ist die Welt noch in Ordnung. »Papst Benedikt XVI. kommt an die Wiege der Reformation«, sagt der Geraer Regionalbischof und macht damit noch einmal etwas von den Hoffnungen der evangelischen Seite deutlich, der Papst möge ein Signal in Richtung Martin Luther und im Blick auf das anstehende Reformationsjubiläum senden.

Während die beiden 20-köpfigen Delegationen im Kapitelsaal zusammenkommen, steigt in der Kirche die Spannung. Alles, was im deutschen Protestantismus Rang und Namen hat, ist an diesem 23. September nach Erfurt gekommen. Später ziehen Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht ein. Unter brausendem Musikklang folgen schließlich Benedikt XVI. in rot-weißem Gewand und der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider im schlichten Talar.

Die erste Ansprache kommt dann der EKD-Präses Katrin Göring-Eckardt zu. In der ostdeutschen Diaspora, in der beide Konfessionen in der Minderheit sind, macht sie die Bedeutung seines Besuchs für die Christen deutlich. Zugleich äußert sie ihre Hoffnung auf ein gemeinsames Abendmahl »zum richtigen Zeitpunkt«.

Doch das greift der Papst ebenso wenig auf wie andere zuvor geäußerte Erwartungen. Erst am Schluss seiner Predigt kommt das Oberhaupt der katholischen Kirche auf die Hoffnungen zu sprechen. Die Erwartung an ein »ökumenisches Gastgeschenk« sei ein politisches Missverständnis, erklärt der Papst den verdutzten Zuhörern. »Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln.« Nur durch tieferes Hineindenken in den Glauben wachse Einheit. Luther, die Reformation oder die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre erwähnt er hier nicht.

Nach dem Gottesdienst beeilen sich beide Seiten, den Besuch und die deutlichen Worte einzuordnen. »Unser Herz brennt nach mehr. Das war heute deutlich zu spüren«, meint Präses Nikolaus Schneider. Er hatte in dem 35-Minuten-Gespräch im Kapitelsaal noch einmal die Gemeinsamkeiten herausgestellt. Damit allein könnten die Kirchen jedoch nicht zufrieden sein, findet Schneider.

Im Blick auf die großen Herausforderungen angesichts von Gottvergessenheit und Orientierungslosigkeit mahnt er eine »Ökumene der Gaben« an, in der sich die verschiedenen Traditionen der Kirchen ergänzen sollten. Trotz des Dämpfers gibt es aus Sicht der EKD-Delegation für das ökumenische Gespräch weitere Anknüpfungspunkte.

Als Erfolg werten die Mitglieder bereits die Tatsache, dass der Papst beim Gespräch im Kapitelsaal das Ringen Martin Luthers um die Frage, wie bekomme ich einen gnädigen Gott, gewürdigt hat. Damit habe Luther »faktisch eine Rehabilitation« erfahren.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zeigt Verständnis für das Ausbleiben konkreter Ergebnisse. Der Papst sei eben nicht mit fertigen Lösungen gekommen. »Er wollte uns ermutigen, weitere Schritte zu gehen.«

Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, sieht schließlich die Ermutigung, weiter auf den erreichten Gemeinsamkeiten aufzubauen. Aber er macht auch katholische Erwartungen deutlich. Die im Blick auf das Reforma­tionsjubiläum angeregte Heilung von Verletzungen aus der Kirchenspaltung, mahnt Koch, dürfe dabei »keine Einbahnstraße« sein.

(mh)

Eine »Königin« für Wörmlitz

23. September 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt (Archiv)

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Der barocke Propekt der Orgel in Wörmitz bietet einen prächtigen Anblick, das Orgelwerk ist jedoch neueren Datums. (Foto: Thomas Meinicke)

Der barocke Propekt der Orgel in Wörmitz bietet einen prächtigen Anblick, das Orgelwerk ist jedoch neueren Datums. (Foto: Thomas Meinicke)


Orgel ist aus Erfurt in die Kirche St. Petrus im Süden Halles umgezogen.


»Wenn unsere Kirche auf Dauer in Betrieb sein soll, dann braucht sie eine richtige Orgel«. Das beschloss im Herbst 2010 der Gemeindekirchenrat der St.-Petrus-Kirche im Wörmlitz am Rande von Halle. Nun, fast ein Jahr später, steht eine Orgel in dem sakralen Raum. Und was für eine!

Sie hat ein barockes Gehäuse aus dem Jahr 1732 mit prächtigen Verzierungen und Figuren. Das Instrument, das sich darin verbirgt, stammt von der Firma Schuster aus dem Jahr 1960. In den vergangenen Wochen haben Restauratorin Andrea Himpel die barocken Verzierungen gereinigt und Orgelbaumeister Thorsten Zimmermann die Pfeifen gereinigt, Plastik- durch Holzteile ersetzt und Korrosionsschäden behoben.

Die Wörmlitzer sind stolz auf ihre Orgel, denn die Kirche hat ein trauriges Schicksal hinter sich. Im Jahr 1967, kurz vor Weihnachten, brannte sie völlig aus. Die Versicherungsgelder reichten gerade mal für die notwendigste Sicherung des Gebäudes. In der Folgezeit wurde es von der Gemeinde als Lagerraum benutzt.

Erst nach der Wende, als bereits die Ziegel vom Dach auf den Friedhof fielen, überlegte man, was nun mit dem aus dem 12. Jahrhundert stammenden Bau werden sollte. Die Gemeinde war sich einig: »Wir wollen die Kirche behalten.« Es wurde ein Bauverein gegründet, der seit Mitte der 90er Jahre dafür sorgt, dass die Sanierung Schritt für Schritt vorankommt. Doch was ist eine Kirche ohne Orgel. Bekommen hat die Gemeinde ihre Königin der Instrumente, die über zwei Manuale, zehn Register und etwa 700 Pfeifen verfügt, aus der Erfurter Barfüßerkirche.

»In unsere Kirche passt sie gut hinein«

»Ursprünglich stammt das Instrument aus einem Dorf bei Sömmerda. 1960 zog es um nach Erfurt. Als die Barfüßerkirche jedoch als Museumsbau an die Stadt Erfurt ging, stand die Orgel über Jahre in einem feuchten Kirchenraum und wurde nur etwa einmal im Jahr gespielt, was ihr sicher nicht gut tat«, erklärt Pfarrer Dirk Lehner.

Vergeblich suchten die Erfurter lange Zeit eine neue Kirche für diese  Orgel. Das Gehäuse ist 6,40 Meter hoch und eigentlich für eine Hallenkirche gebaut. Sie verlangt deshalb nach einem hohen Raum.

»In unsere Kirche passt sie gut hinein«, freut sich auch Klaus König, Vorsitzender des Bauvereins der St.-Petrus-Kirche. Vor dem Aufstellen mussten allerdings noch eine Wand gezogen, ein Fundament gemauert und ein Holzpodest gebaut werden. Über 40.000 Euro kosteten Transport, Umbauten und Restaurierung. Das Geld kommt von privaten Spenden, vom Kirchenkreis, der Saalesparkasse, vom Kirchbauverein und einem finanziellen Erbe.

An diesem Sonntag (25. September) um 11 Uhr soll die Orgel in einem Festgottesdienst in den Dienst der Gemeinde gestellt werden.

Ein erstes Benefizkonzert für die weitere Kirchensanierung ist für den 29. September, 19.30 Uhr, vorgesehen. Dann musiziert Wieland Meinhold, Universitätsmusiker aus Erfurt, in Wörmlitz.

Claudia Crodel

Schnelle Hilfe nach dem Sturm

23. September 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt (Archiv)

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Der verheerende Sturm vom 11. September hat auch zahlreiche Kirchen und Pfarrhäuser in Anhalt in Mitleidenschaft gezogen. Hausmeister Jens Graf und Praktikant Torsten Brandt aus der Kanzler von Pfau’schen Stiftung in Bernburg leisteten ganz praktische Hilfe und packten bei den Aufräumarbeiten in der Wiendorfer Kirche mit an.<br />
(Foto: Rolf Köbernick)

Der verheerende Sturm vom 11. September hat auch zahlreiche Kirchen und Pfarrhäuser in Anhalt in Mitleidenschaft gezogen. Hausmeister Jens Graf und Praktikant Torsten Brandt aus der Kanzler von Pfau’schen Stiftung in Bernburg leisteten ganz praktische Hilfe und packten bei den Aufräumarbeiten in der Wiendorfer Kirche mit an.
(Foto: Rolf Köbernick)


Auch in anhaltischen Kirchengemeinden hat das Unwetter Spuren hinterlassen.


Nach den verheerenden Verwüstungen, die der Sturms am 11. September angerichtet hatte, ging es auch im Pfarramt Preußlitz ans Aufräumen. Besonders betroffen in diesem Bereich waren neben der Kirche in Preußlitz die Gebäude in Gerlebogk, Wiendorf und Biendorf. Während sich in den größeren Ortschaften recht bald Helfer einfanden, sah es in den kleinen Gemeinden damit schon schwieriger aus. Deshalb habe die Kanzler von Pfau’sche Stiftung die betroffene Gemeinde schnell und unbürokratisch mit zwei Hausmeistern unterstützt, teilte die diakonische Einrichtung in Bernburg mit.

Der zuständige Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter schickte die beiden zunächst nach Gerlebogk und weiter über Preußlitz und Wiendorf nach Biendorf, um dort vor allem Glasscherben und Dachschindelbruch zu beseitigen. Beate Lauter, Frau des Kreisoberpfarrers, bestätigte: »Die beiden Männer waren ein Segen!«

Der Sturm hat neben dem Pfarrbereich Preußlitz aber auch zahlreiche andere Kirchen und Pfarrhäuser in Anhalt schwer beschädigt. Betroffen sind in erster Linie Gebäude in den Kirchenkreisen Köthen und Bernburg, darunter Wörbzig, Cörmigk oder Leau. Schäden gibt es auch an den Kirchen in Libbesdorf, Rosefeld, Merzien und Lausigk sowie in Scheuder (Kirchenkreis Dessau). Schwer beschädigt wurde zudem die Sozialstation der Kanzler von Pfau’schen Stiftung in Könnern.

Erschüttert zeigt sich Kirchenpräsident Joachim Liebig, der sich in der Region Preußlitz ein Bild von dem Ausmaß der Zerstörungen gemacht hatte. »Nicht nur Kirchen und Pfarrhäuser sind beschädigt – auch viele Gemeindeglieder und Mitarbeitende sind persönlich schwer getroffen. Unsere Gemeinden werden mit Tat und Gebet versuchen, ihren Teil dazu beizutragen, damit das Leid zumindest ein wenig gelindert wird.« Zugleich dankte Liebig allen Helfern, die an der Beseitigung der Schäden beteiligt waren und sind.

Viele Kirchengemeinden in Anhalt wollten in den Gottesdiensten am vergangenen Sonntag den für die eigene Gemeinde bestimmten Teil der Kollekte für die betroffenen Regionen spenden, hieß es in einer Mitteilung der Landeskirche.

Der Kirchenkreis Zerbst sagte den Kirchenkreisen Bernburg und Köthen zusätzlich eine Unterstützung in Höhe von jeweils 1.000 Euro zu.

(rk/mkz)

Heilige Verse nonstop

23. September 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

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Thüringer Pfarrer Felix Leibrock veranstaltete mit 56 Prominenten Lesemarathon vor der Berliner Synagoge.

Felix Leibrock

Felix Leibrock

Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen …« Leise klingen die Worte aus der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums über die Oranienburger Straße in Berlin. Vor der jüdischen Synagoge, dem »Centrum Judaicum«, ist ein Zelt aufgebaut, einige Menschen haben auf Plastikstühlen davor Platz genommen. An einem Lesepult sitzt Direktor Hermann Simon und liest Verse aus dem Neuen Testament der Christen.

Auch Koransuren und die Hebräische Bibel sind in der Oranienburger Straße schon erklungen – als Teil der Aktion »Die drei Bücher der Weltreligionen«, veranstaltet vom Thüringer Pfarrer Felix Leibrock.

Drei Tage lang hat er vom 13. bis 15. September jeweils von 7 bis 22 Uhr mit prominenten Unterstützern aus den Heiligen Schriften gelesen. »Im vergangenen Herbst wollte ein Pfarrer in den USA den Koran verbrennen«, sagt Leibrock, während Simon im Hintergrund weiterliest. Daraufhin habe er mit der jüdischen Gemeinde in Berlin das ­Gespräch gesucht. »Statt Bücher zu verbrennen, sollten wir sie lesen und als Religionen aufeinander zugehen und ein Zeichen setzen.«

Insgesamt 56 Menschen beteiligten sich nun an Leibrocks Lese-Aktion, für die Berlin als Veranstaltungsort ausgewählt wurde, »weil sie hier stärker wahrgenommen wird als in Thüringen«. Die Bandbreite reichte von Bundestagspräsident Norbert Lammert über den neuen katholischen Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Woelki, bis zur evangelischen Pröpstin Friederike von Kirchbach.

Auch Mitglieder des Zentralrats der Juden und des Zentralrats der Muslime beteiligten sich an der Aktion, mit der Leibrock auch um Spenden für die Deutsch-Israelische Hilfe für krebskranke Kinder und die Lutherkirche in Apolda wirbt.

Doch am meisten war der Thüringer Pfarrer selbst mit Lesen beschäftigt. »Ich schätze, dass am Tag zwölf Stunden auf mich entfallen«, sagt Felix Leibrock während der Aktion. Und das Lächeln in seinem Gesicht verrät, dass diese Vorstellung für ihn nicht unbedingt erschreckend ist.

Benjamin Lassiwe

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