Ein ganz besonderer Ort
16. September 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Thüringen

Durch diese Pforte betrat Martin Luther einst das Augustiner-Eremitenkloster. Nun wird erstmals ein Papst den Ort besuchen, wo der Reformator seine Suche nach dem gnädigen Gott begann. (Foto: epd-bild/Frank Sommariva)
Das Augustinerkloster in Erfurt stand immer wieder in seiner Geschichte im Blickpunkt.
»Diesen Ort hat vermutlich schon Martin Luther so gesehen.« Lothar Schmelz, Kurator des Augustinerklosters in Erfurt, deutet nicht ohne Stolz auf den Kapitelsaal. Hier sei der spätere Reformator am 17. Juli 1505 als Novize der Augustiner-Eremiten aufgenommen worden. Diese Geschichte ist mit ein Grund dafür, dass das Kloster als symbolträchtiger Ort für den Besuch des Papstes und die Begegnung mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider ausgewählt worden is.
Die Lutherstätte zeigt sich jedenfalls gut gerüstet. Einige Arbeiten wie am historischen Fußboden des Kapitelsaales seien sogar vorgezogen worden, berichtet der Kurator. Wenn die Welt während des Papstbesuches nach Thüringen schaut, soll auch das Augustinerkloster ins rechte Licht gerückt werden.
Dessen Geschichte reicht weit zurück. Bereits im Jahr 1266 ließen sich hier die ersten Augustiner-Eremiten nieder. Bis 1518 errichteten sie Kloster, Bibliothek und Waidhäuser. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden sie wieder aufgebaut, zunächst Kirche und Kloster, in den letzten Jahren Bibliotheksgebäude und Waidhaus.
Immer wieder hat sich das Kloster im Laufe der Geschichte als ein besonderer Ort erwiesen. Sein wohl berühmtester Bewohner Martin Luther ist damals stark durch die Augustiner-Chorherren geprägt worden. In diesem Haus habe er versucht, »sich den Himmel zu verdienen«, so der Erfurter Kirchenhistoriker Andreas Lindner.
Die Frage »Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?« habe er dann mit nach Wittenberg genommen. »In Erfurt wurde gesät, in Wittenberg geerntet.« Zugleich widerspricht er der Aussage, Luther sei zu dieser Zeit noch katholisch gewesen. Man könne allenfalls sagen, dass er in Erfurt noch im Frieden mit dem Papsttum gelebt habe. Ansonsten sei Luther immer der Meinung gewesen, dieser seiner Kirche treu geblieben zu sein.
Angebote in der ganzen Stadt
Nicht erst zum Lutherjubiläum 1983 ist das Kloster wieder in den Blick des Weltluthertums gerückt. Schon früh wurde es ein »Ort der ökumenischen Offenheit«, wie der langjährige Erfurter Propst Heino Falcke sagt.
Als Beispiele nennt er die zahlreichen Begegnungen zwischen den Kirchen aus Ost und West, bei Tagungen der Kommission für Kirche und Gesellschaft des Weltkirchenrates, den Vorbereitungstreffen der Ökumenischen Versammlung oder beim Besuch von Roger Schutz aus Taizé. »Damals waren wir im ökumenischen Gespräch schon ziemlich weit«, blickt Falcke zurück.
Zudem erwies sich das Kloster als abhörsicherer Schutzraum für die Basisgruppen. Im September 1989 gründete sich hier der Demokratische Aufbruch für Thüringen. Bis heute wirkt diese Geschichte nach.
Aber auch die anderen Kirchen der Thüringer Landeshauptstadt wollen nicht zurückstehen. So werden katholische und evangelische Innenstadtgemeinden ihre Türen in den Tagen rund um den Papstbesuch offen halten. Es gibt ein Faltblatt mit den Angeboten am 23. und 24. September.
Neben Konzerten und der Übertragung von Vesper und Messe aus Etzelsbach bzw. Erfurt sind auch ökumenische Andachten vorgesehen.
Den Anfang im Reigen der Veranstaltungen macht das Augustinerkloster. Dorthin lädt am 19. September die Evangelische Akademie Thüringen zu einem Podiumsgespräch mit Landesbischof Friedrich Weber, Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, und Dorothea Wendenbourg von der Humboldt-Universität Berlin (19 Uhr). Das Thema: »Der Papst aus evangelischer Sicht«.
Martin Hanusch







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1 Lesermeinung zu “Ein ganz besonderer Ort”Trackbacks
Das sagen andere über diesen Artikel[...] Vorbereitungen für den hohen Besuch laufen auf Hochtouren. Noch ist das Gelände am Erfurter Augustinerkloster eine Baustelle. Bauarbeiter haben die Bordsteinkanten herausgerissen. Auf die Frage, ob das im [...]