Wie die Musik verändert

23. September 2011 von redaktionguh  
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Musik ist seine  Mission: Vor fünf Jahren begann Pfarrer Johannes Seidenberg in Tambach-Dietharz (2.v.r.), einen Posaunenchor aufzubauen und hat damit die Kirche im Ort ins rechte Licht gerückt. Von den knapp 40 Mitgliedern sind 20 zwischen 9 und 18 Jahre alt. Wenn die Bläser spielen, ist der Gottesdienst in der Lutherkirche immer gut besucht. (Foto: Burkhard Dube)

Musik ist seine Mission: Vor fünf Jahren begann Pfarrer Johannes Seidenberg in Tambach-Dietharz (2.v.r.), einen Posaunenchor aufzubauen und hat damit die Kirche im Ort ins rechte Licht gerückt. Von den knapp 40 Mitgliedern sind 20 zwischen 9 und 18 Jahre alt. Wenn die Bläser spielen, ist der Gottesdienst in der Lutherkirche immer gut besucht. (Foto: Burkhard Dube)


Der Posaunenchor von Tambach-Dietharz feiert Jubiläum.

Wenn Johannes Seidenberg von der Posaunenarbeit spricht, ist der sonst ruhige Pfarrer nicht zu bremsen. Seit neun Jahren betreut er die Kirchengemeinde Tambach-Dietharz (Kirchenkreis Waltershausen-Ohrdruf) mit 850 Gemeindegliedern. Vor fünf Jahren begann die Bläserarbeit mit einem Quartett aus zwei seiner Kinder, der Mutter einer Konfirmandin und ihm selbst. Inzwischen spielen rund 40 Erwachsene, Jugendliche und Kinder mit.

Der zwölfjährige Robin ist erst seit wenigen Tagen dabei. Der Pfarrer hatte den Konfirmanden angesprochen. Seit Freund Jonas, der schon ein »alter Hase« in Sachen Bläserei ist, hat ihn ebenfalls animiert. »Die Proben sind lustig«, sagt Jonas. Und für den Pfarrer oft anstrengend. Für ihn und Robin ist der Posaunenchor eine Gelegenheit, die ehemaligen Schulkameraden zu treffen, die sie nur wenig sehen, seit sie im gut 20 Kilometer ­entfernten Gotha aufs Gymnasium ­gehen.

Dass sich die Arbeit lohnt, sieht ­Johannes Seidenberg überall. Da ist zum Beispiel die 17-jährige Elisabeth, die vor knapp vier Jahren in den Posaunenchor kam. Sie habe im Konfirmandenunterricht nur gelacht und viel gestört, bekennt sie. »Ich habe durch die Musik gelernt, konzentrierter bei einer Sache zu sein«, sagt sie. Inzwischen ist Elisabeth zu einer wichtigen Stütze geworden und bildet selbst junge Bläser aus. Die Gemeinschaft, das Aufeinander-Hören-Müs­sen, die Erfolgserlebnisse – all das verändere die Kinder, hat der Pfarrer erfahren. Und nicht nur das: »Ich merke, dass die Kirche im Ort an Ansehen ­gewonnen hat, weil wir mit der Musik eine öffentliche Ausstrahlung haben.« Denn inzwischen gehören nicht nur Kirchenlieder, sondern auch rund 50 Volkslieder zum Repertoire, die sie auch auf Anfrage des Bürgermeisters oder von Vereinen spielen.

Das jüngste Chormitglied ist neun, das älteste 78 Jahre alt. Fast bei allen habe er bei Null angefangen, erinnert sich Johannes Seidenberg. Die Kirchenzugehörigkeit spiele keine Rolle. So kommt der Hornist André (15) aus der neuapostolischen Gemeinde. Seit Anbeginn ist er dabei und gibt ebenfalls inzwischen Unterricht. Der Kontakt zur neuapostolischen Kirche habe sich dadurch entwickelt. Sie haben schon gemeinsam Gottesdienst gefeiert oder in der Schwesterkirche gespielt. Auch Katholiken und Nichtchristen gehören dem Tambacher Posaunenchor an.

Für Seidenberg hat die Bläserarbeit eine große missionarische Funktion: Ob bei Beerdigungen Kirchenferne darüber staunen, was Kirche alles macht; ob durch die Offenheit bei der Chorarbeit, der Hubertusmesse, den Auftritten im säkularen Umfeld oder einem Schulprojekt, das der Pfarrer gemeinsam mit Landesposaunenwart Matthias Schmeiß durchgeführt hat und was gut ankam – der Tambacher Posaunenchor hat die musikalische, kulturelle und kirchliche Arbeit belebt.

Vor zwei Jahren erhielt die Kirchengemeinde für diese Arbeit den »Preis für missionarischen Gemeindeaufbau« des Kirchenkreises, der jährlich vergeben wird und mit 1500 Euro ­dotiert ist. Eine schöne Summe für die Pflege der Instrumente und die Anschaffung von Noten.  »Ich habe noch 40 Instrumente«, sagt Seidenberg. Hierfür wolle er noch Musizierfreudige gewinnen.

Dietlind Steinhöfel

Festgottesdienst mit Altbischof Roland Hoffmann, 25. September, 14 Uhr,  bei schönem Wetter im Stadtpark

»Die Hand bleibt ausgestreckt«

23. September 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Seit Monaten schwelt ein Streit in der Diakonie über das Arbeitsrecht. Martin Hanusch befragte dazu den Vorstandsvorsitzenden des Dienstgeberverbandes der Diakonie Mitteldeutschland, Klaus Scholtissek.

Klaus Scholtissek

Klaus Scholtissek

Herr Dr. Scholtissek, die Arbeitsrechtliche Kommission in der Diakonie Mitteldeutschland ist gegenwärtig nicht arbeitsfähig. Wo liegen die Ursachen?
Scholtissek: Seit mehreren Jahren hat sich der Gesamtausschuss der Mitarbeitervertretungen (GAMAV) auf eine Blockadehaltung festgelegt. Eine Mitarbeit in der Arbeitsrechtlichen Kommission, in der Dienstnehmer und Dienstgeber paritätisch vertreten sind und verhandeln, wird abgelehnt.
Der GAMAV übernimmt hier die von der Gewerkschaft ver.di gesteuerte Kampagne, die darauf abzielt, bundesweit knapp eine Million potenzieller neuer Mitglieder zu gewinnen. Dazu muss allerdings das in der Verfassung verankerte Selbstbestimmungsrecht der Kirchen, aus dem sich eine eigenständige Arbeitsrechtssetzung ergibt, ausgehebelt werden. Man will nachweisen, dass der sogenannte Dritte Weg nicht funktioniere. Dazu werden Mitarbeitervertretungen gebraucht, die über eine Blockadehaltung das herstellen, was dann als Argument verwendet wird: einen Stillstand in den Tarif-Verhandlungen.

Was soll mit der Wahlversammlung am 27. September erreicht werden?
Scholtissek: Die Landessynode der mitteldeutschen Kirche hat auf ihrer Sitzung im November 2010 eine Lösung für die Überwindung der Blockadehaltung des GAMAV gefunden. Nach dieser Regelung werden alle einzelnen Mitarbeitervertreter im Bereich der Diakonie Mitteldeutschland eingeladen, um auf basisdemokratischem Weg ihre Delegierten in die Arbeitsrechtliche Kommission zu entsenden. Dann kann wieder paritätisch zwischen Dienstnehmern und Dienstgebern verhandelt werden.

Aber wird damit nicht der Gesamtausschuss ausgehebelt?
Scholtissek: Es ist der verbindliche Auftrag der Mitglieder im Gesamtausschuss, die Interessen der Mitarbeitenden im Rahmen des geltenden Rechts zu vertreten. Wenn diese Aufgabe aus sachfremden Motiven nicht wahrgenommen wird, haben die Mitarbeitenden, die nicht mehr vertreten werden, das Recht, in demokratischer Wahl ihre Delegierten für die Arbeitsrechtliche Kommission zu wählen.

Welche Lösung sehen Sie?
Scholtissek: Die Dienstgeberseite ist sich mit den Synoden und den Dachverbänden einig: Der Dritte Weg gehört zum Markenkern diakonischer Arbeit. In Mitteldeutschland zahlt die Diakonie im Vergleich zu anderen Wohlfahrtsverbänden und den privaten Anbietern die höchsten Gehälter! Für uns ist die Ablehnung des Dritten Weges und die geforderte Einführung von Streik und Aussperrung in der Diakonie im hohen Maße unverantwortlich – dies verletzt die Interessen der Menschen, für die wir arbeiten, dies verletzt das Miteinander in der Dienstgemeinschaft. Wir wollen gemeinsam zu fairen Lösungen kommen. Unsere Hand ist und bleibt ausgestreckt.

Danken kommt von denken

23. September 2011 von redaktionguh  
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Gotteslob

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht,  was er dir Gutes getan hat.
Psalm 103, Vers 2

Wenn der Papst in diesen Tagen mit vielen ­Menschen in Berlin, Etzelsbach, Erfurt und Freiburg Gottesdienst feiert, dann wird auch viel gesungen. Die meisten Lieder dürften dabei aus dem katholischen Kirchengesangbuch stammen, das Gotteslob heißt. Ein programmatischer Titel.

Vermutlich hat man ihn sehr bewusst gewählt, denn wir Menschen neigen dazu, eher zu klagen. Und nicht nur wir modernen Menschen, auch der Beter des 103. Psalms wusste das schon. Nicht umsonst formuliert er seine Aufforderung so deutlich: »Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.«

Christoph Victor, Pfarrer in Hildburghausen

Christoph Victor, Pfarrer in Hildburghausen

Das ist eine Selbstaufforderung, die für eine ­altgewordene Frau, die ich sehr gern besuche, zum Lebensmotto geworden ist. Sie hat in ihrem langen Leben so viel Schweres durchgemacht, dass sie ­verständlicherweise auch das Klagelied anstimmen könnte. Die alte Heimat musste sie verlassen, der Mann blieb im Krieg, es folgte der bescheidene Neuanfang in Südthüringen.

Aber gerade so mancher Verlust, so sagt sie ­immer wieder, hat ihr gezeigt, da gibt es dennoch ­einen Weg, den Gott mir ebnet.

»Wenn ich meinen Herrgott nicht hätte, wüsste ich gar nicht, wie ich das alles geschafft hätte. Er ist der, der mich mit ­Gutem gesegnet hat und segnet«, so lautet ihr ­Glaubensbekenntnis, ihr Gotteslob.

Durch Menschen wie diese alte Frau merke ich immer wieder neu, dass das Gute, das ich empfange, ein Geschenk ist.

Und Gott ist der Gebende. Ich darf ihn bitten, damit er mich auch weiter beschenkt.

»Danken« kommt von »denken«, hat mal jemand gesagt. Je mehr ich über mein Leben nachdenke, umso mehr sehe ich dankbar die Geschenke Gottes. Das lässt sicher so manches ­Beklagenswerte in den Hintergrund treten.

Und im besten Falle bringt es mich zum Singen. Eben ein echtes Gotteslob.

Christoph Victor

Keine Privatsache

23. September 2011 von redaktionguh  
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Besuch Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. -- Rede vor dem Deutschen Bundestag. </p>
<p>© Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde

Rede von Papst Benedikt XVI. vor dem Deutschen Bundestag.
© Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde

Die Religionen im Allgemeinen und die Kirchen im Besonderen haben derzeit einen schweren Stand. Jetzt fordert sogar die Piratenpartei, die in Berlin gerade den Einzug ins Abgeordnetenhaus geschafft hat, eine strikte Trennung von Staat und Kirche. Angesichts des bunt gemischten Parteiprogramms müsste einen das nicht weiter beunruhigen, wenn diese Haltung nicht voll im Trend läge.

Auch der merkwürdige Streit um die Rede des Papstes im Deutschen Bundestag gehört letztlich in diese Reihe.

Steter Tropfen höhlt den Stein, wird sich mancher der Kirchenkritiker sagen. Ihnen geht es darum, die Religion weiter aus dem öffentlichen Raum ins Private zurückzudrängen.

Die Kirchen reagieren zwar reflexartig auf diese Angriffe, eine wirksame Gegenstrategie haben sie bislang nicht gefunden. Mit Belehrungen erreicht die Kirche die Herzen der Menschen jedenfalls nicht.

Spätestens mit den Anschlägen vom 11. September ist Religion grundsätzlich in Verruf geraten und steht unter Rechtfertigungszwang. Die meisten Nichtchristen verbinden heute eher Fundamentalismus und Intoleranz mit Glaube und Religion als wichtige Grundwerte und Lebenshilfe.

Dieses Missverständnis dürfte länger nachwirken als uns lieb sein kann.

Tatsächlich würden sich viele Menschen umgucken, wenn sich die Kirchen aus der gesellschaftlichen Verantwortung zurückziehen sollten. Der MDR hat gerade festgestellt, dass sich in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen überdurchschnittlich viele Christen in der Landespolitik engagieren. Und das hat nicht nur etwas mit der friedlichen Revolution zu tun.

Nein, Christen sind auch sonst eher bereit, Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen.

Der Berliner Bischof Markus Dröge hat das Konfliktfeld um die Stellung der Kirchen jüngst sehr schön auf den Punkt gebracht. Religion, so der Theologe, sei etwas sehr Persönliches, aber eben »keine Privatsache«.

Martin Hanusch

Auch die Jüngsten gehören dazu

23. September 2011 von redaktionguh  
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Projekt: Kirchenkreis Merseburg will das Abendmahl mit Kindern in den Gemeinden weiter fördern.


In einigen Gemeinden wird das Kinderabendmahl längst praktiziert, andere diskutieren noch oder lehnen es ab. Im nächsten Jahr soll eine Handreichung zum Thema erscheinen.

In rund einem Drittel der Gemeinden der mitteldeutschen Kirche wird das Abendmahl mit Kindern bereits praktiziert. (Foto: Maik Schuck)

In rund einem Drittel der Gemeinden der mitteldeutschen Kirche wird das Abendmahl mit Kindern bereits praktiziert. (Foto: Maik Schuck)

Kinder beim Abendmahl – geht das überhaupt? Die Antwort von Monika Groß, Referentin für die Arbeit mit Kindern und Familien im Kirchenkreis Merseburg, ist eindeutig: »Ja.« Deswegen unterstützt sie mit anderen Haupt- und Ehrenamtlichen die Initiative des Kirchenkreises, das Thema Abendmahl mit Kindern in die Gemeinden zu tragen.

Bereits Anfang der 1980er Jahre hatten ostdeutsche Landeskirchen beschlossen, dass es die Möglichkeit geben soll, Kinder am Abendmahl teilhaben zu lassen. Nach der Wende wurde das noch einmal in der Kirchenprovinz Sachen bekräftigt. Wie in anderen Landeskirchen auch wurde es den ­Gemeinden überlassen, diesen Beschluss umzusetzen. Und so blieb das Vorhaben bei einigen liegen.

In Merseburg flammte die Diskussion vor drei Jahren wieder auf. Damals beschäftigte sich der Konvent damit, und schnell wurde deutlich, dass viele Gemeinden bereits Kinder zum Abendmahl eingeladen hatten, diese Praxis bei einigen aber wieder eingeschlafen war. In anderen Orten hingegen blieben die Mädchen und Jungen weiter ausgeschlossen.

»Die Kinder verstehen nicht, was sie feiern«, meinen die Gegner des Abendmahls mit Kindern. Außerdem werde die Bedeutung der Konfirmation unterhöhlt, bei der junge Menschen in der Regel das erste Abendmahl in ihrer Gemeinde feiern.

Nach Ansicht des Hallenser Religionspädagogen Michael Domsgen spricht aus theologischer Sicht nichts dagegen. In der Bibel selbst findet sich zum Thema »Kinderabendmahl« zwar kein Beleg dafür.

Die Befürworter führen jedoch die Kindersegnung als Schlüsselstelle an. Kinder könnten viel mehr vom Abendmahl begreifen, wenn sie es als Teilnehmende erleben, so Domsgen. Die Erfahrung von gemeinsamen Abendmahlsfeiern zeigt zudem, dass die Feiern an Lebendigkeit gewinnen und daher auch deren Akzeptanz in der Gemeinde steigt.

Bunt gemischt sieht es nicht nur in Merseburg aus. Auch in der Landeskirche zeichnet sich dieses Bild ab, weiß Elisabeth Müller, Referentin für Ehrenamt und Kindergottesdienst im Gemeindedienst der mitteldeutschen Kirche. Ungefähr 35 Prozent der Gemeinden ermöglichen es Kindern aller Altersstufen, am Abendmahl teilzunehmen, weitere 30 Prozent sind zu diesem Thema intensiv im Gespräch.

Die Praxis ist dabei sehr unterschiedlich: Bei einigen werden bereits Kleinkinder dazu gebeten, in anderen Orten gibt es eine Art Altersbeschränkung oder die Kinder werden gesegnet. Weil die Landeskirche dem Thema offen gegenüber steht, möchte sie zu intensivem Nachdenken anregen.

Eine Arbeitsgruppe erstellt dazu eine Arbeitshilfe, die im kommenden Frühjahr den Kirchenkreisen zur Verfügung stehen soll. Auch in Anhalt wird das Thema intensiv diskutiert und eine Handreichung vorbereitet.

In Merseburg ist man schon ein Stück weiter. Bereits Anfang des Jahres beschloss der Kreiskirchenrat, die Gemeinden für das Thema gewinnen zu wollen. Auf der Frühjahrssynode wurde das Vorhaben vorgestellt und in Arbeitsgruppen erörtert.

Auch einen Faltblatt gibt es bereits. Dort ist nachzulesen, was in den Augen der Initiatoren für das Abendmahl mit Kindern spricht. So zum Beispiel, dass die Kinder als Getaufte zur Gemeinde gehören. Warum sie dann beim Abendmahl ausschließen? Immerhin mache Gott das Geschenk seiner Liebe nicht abhängig von Können oder Verstehen des Einzelnen, heißt es weiter.

Natürlich ist es mit dem Infoblatt nicht getan. »Wir sind jetzt an dem Punkt angelangt, an dem wir das Material in die Gemeinden geben, damit die Arbeit dort losgehen kann«, sagt Monika Groß. In der Herbstsynode sollen die Vertreter dann berichten, was bisher vor Ort gelaufen ist und auch, ob der jeweilige Gemeindekirchenrat sich für oder gegen das Kinderabendmahl ausgesprochen hat.

Im Sommer 2012 ist ein Kreiskirchentag mit Familiengottesdienst geplant. Dazu sind alle getauften Kinder eingeladen, um gemeinsam mit den anderen Abendmahl zu feiern.

Claudia Petasch

»Sinn(e) fürs Leben«

16. September 2011 von redaktionguh  
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Pfarrer Christoph Victor musste auf eine Leiter steigen, um das erste Wachs in die 2,11 Meter hohe Kerzenform zu gießen. Damit begann im Rahmen des Regional- kirchentages die heiße Phase der Kerzenwette gegen den Hildburghäuser Landrat. Das von Jugendlichen ­gesammelte Wachs hätte noch für ­weitere Kerzen gereicht. (Fotos: © Wolfgang Swietek)

Pfarrer Christoph Victor musste auf eine Leiter steigen, um das erste Wachs in die 2,11 Meter hohe Kerzenform zu gießen. Damit begann im Rahmen des Regional- kirchentages die heiße Phase der Kerzenwette gegen den Hildburghäuser Landrat. Das von Jugendlichen ­gesammelte Wachs hätte noch für ­weitere Kerzen gereicht. (Fotos: © Wolfgang Swietek)

Ökumenischer Regionalkirchentag in Hildburghausen stieß auf große Resonanz.

 
Vier Jahre Pause hatte es hinsichtlich eines ökumenischen Kirchentages im Kirchenkreis Hildburghausen-Eisfeld gegeben. Nun war für den 4. September unter dem Motto »Sinn(e) fürs Leben« wieder einge­laden worden – offen, fröhlich und mit großem Erfolg.


In vielen Projekten hat sich die ­Zusammenarbeit von evangelischer, katholischer und freikirchlicher Gemeinde schon seit langem bewährt. Nun spannten sie den Bogen noch weiter und bezogen ausländische Partner ein, mit denen sie seit Jahren freundschaftliche Kontakte pflegen. So kamen Christen aus der Ukraine, Holland und der Slowakei. »Sie alle bei uns begrüßen zu können, ist wie ein Geschenk«, sagte der Hildburghäuser Oberpfarrer Christoph Victor, der nicht nur die Initiative zu diesem Kirchentag ergriffen hatte, sondern auch federführend war bei der Vorbereitung und Durchführung.

Doch ohne die vielen Helferinnen und Helfer hätte ihm nicht gelingen können, was sich da am Sonntag bei herrlichstem Wetter in und um die Christus­kirche abgespielte.

»Geh aus, mein Herz, und suche Freud, in dieser lieben Sommerszeit an deines Gottes Gaben«, erklang es kraftvoll bereits im Festgottesdienst, mit dem der Kirchentag eröffnet wurde. Schon da war die Gemeinsamkeit zu spüren – neben Superintendent Michael Kühne und Oberpfarrer Victor gestalteten Pfarrer Joachim Kuhn von der Freikirchlichen Gemeinde und Pfarrer Stefan Götting von der katholischen Pfarrgemeinde den feierlichen Gottesdienst mit.

Die Predigt hielt Pfarrerin Mechthild Werner, vielen noch bekannt als Sprecherin vom »Wort zum Sonntag« im ARD-Fernsehen.

Pröpstin Marita Krüger sagte: »Ich bin aus Meiningen nicht hierher gekommen, um etwas zu suchen, sondern um etwas zu finden.«

Und zum Finden gab es vielfältige Gelegenheiten. Ob beim Markt der Möglichkeiten, bei dem sich Diakonie und Caritas, Vereine und Selbsthilfegruppen vorstellten, bei der Bibelarbeit, im Kinderzentrum oder der Oase der Stille – überall war ein Kommen und Gehen, gab es Gespräche, Begegnungen und ein gemeinsames Nachdenken über das Gehörte.

Gleiche Gemeinsamkeit auch bei der musikalischen Ausgestaltung. Da hatte sich die Stadtkantorei mit Sängern aus Kirchenchören der Region verstärkt. Und selbst die Musiker vom Jugendblasorchester Gleichamberg spielten prächtig mit bei der Kirchenmusik.

Wieder andere Klänge dann von den Musikern der Gruppe »Maybe« sowie der christlichen Rockband »Heavens Gate«.

Wer derart angeregt es beim Zuhören nicht belassen wollte, war in der Christuskirche bei Kantor Torsten Sterzik zum offenen Singen willkommen. Das »Sahnehäubchen«, wie Christoph Victor es bezeichnete, gab es zum Abschluss: Hans-Jürgen Hufeisen mit meditativer Blockflötenmusik.

Noch etwas darf nicht unerwähnt bleiben: die Kerzenwette. Landrat Thomas Müller hatte gegen die Jugendlichen des Kirchenkreises gewettet, dass sie es nicht schaffen, aus den Kerzenresten des vorjährigen Weihnachtsfestes eine Kerze mit einer Höhe von 2,11 Metern – abgeleitet vom Jahr 2011 – zu gießen.

Den ganzen Nachmittag sollte die Aktion dauern, doch nach knapp 45 Minuten war der Spaß vorbei, der Landrat fügte selbst den letzten Schluck hinzu und immer noch blubberte genügend Wachs in den Schmelztiegeln, das für mindestens drei weitere Kerzen gereicht hätte. Nun muss er eine Radtour mit den jungen Leuten unternehmen und sie anschließend zur Grillparty einladen.

Froh über den Ausgang war auch Jugendpfarrer Dietmar Schwesig. Es sei ja nicht allein des Spaßes wegen gewesen. »Vielen ist bewusst geworden, welche Mengen an Kerzenresten achtlos entsorgt werden, obwohl sie noch nutzbar sind.« Die Aktion wurde so zu einem Mosaiksteinchen in der Kampagne »Klimawandel – Lebenswandel«.

Wolfgang Swietek

Ruhepunkt im Großstadtgetriebe

16. September 2011 von redaktionguh  
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Als die NPD am 6. August unter dem Motto »Rock für Deutschland« rechts- radikale Gruppen in Gera auftreten ließ, versammelten sich die Protestierenden zum Friedensgebet in der Trinitatiskirche. 	(Foto: privat)

Als die NPD am 6. August unter dem Motto »Rock für Deutschland« rechts- radikale Gruppen in Gera auftreten ließ, versammelten sich die Protestierenden zum Friedensgebet in der Trinitatiskirche. (Foto: privat)

Die 400-jährige Trinitatiskirche Gera bietet mehr als nur einen Raum zur Besinnung.

»Eine Kirche, die Geschichte atmet!« Mit diesen Worten beschreibt Stadtjugendpfarrer Michael Kleim die vor 400 Jahren geweihte Trinitatiskirche in Gera, deren wechselvoller Geschichte anlässlich des Jubiläums eine Fotoausstellung gewidmet ist: »Trinitatis – Biografie einer Kirche«.

Zur Eröffnung der »Nacht der Kirchen« übergab ihm hier am 3. September Pastorin Petra Doering, die seit 2005 das Gemeindeleben des Sprengels prägte, den Staffelstab. Während sie neue Aufgaben in Gera-Untermhaus und in der Senioren­arbeit übernommen hat, betreut ihr Nachfolger die Trinitatisgemeinde neben seinen Verpflichtungen in Gera-Frankenthal und im Stadtjugendpfarramt.

Gegenüber den »Gera-Arkaden« am Verkehrsknotenpunkt Heinrichstraße gelegen, sei das Gotteshaus ein Ort, in dem die Besucher dem Alltagsstress entfliehen können, ist sich Michael Kleim sicher. Deshalb lade er gerne Schulklassen dazu ein, zunächst vor der Kirche den Lärm und die Hektik auf sich wirken zu lassen, um dann umso deutlicher die besondere Atmosphäre des Innenraumes zu spüren, »der von all diesen Reizen befreit ist«.

Die Stille eröffne die Möglichkeit, »zu beten, zu träumen, an Menschen zu denken, die einem wichtig sind«, erläutert er weiter. Dazu gehöre in guter ökumenischer Tradition auch das Aufstellen von Kerzen, die »mit der Kraft des Lichtes« die Hinwendung zu Gott sichtbar werden lassen.

Die einstmals außerhalb der Stadtgrenzen errichtete Friedhofskapelle überstand die großen Stadtbrände der vergangenen Jahrhunderte und ist damit das älteste vollständig erhalten gebliebene Gebäude der Innenstadt! Bei Restaurierungsarbeiten Ende der 1960er Jahre gelang es, ihre ursprüngliche Renaissancegestalt wieder herzustellen.

Wie durch ein Wunder hat die 1518 gegossene Glocke überlebt, die im 2. Weltkrieg eingeschmolzen werden sollte. Sie schlägt heute »inmitten pulsierenden Lebens«. Die ­Kirche ist von Dienstag bis Samstag ­jeweils von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Jeden Dienstag erklingt ab 17 Uhr Orgelmusik.

In Gera bilden die Christen eine bescheidene Minderheit. 55.000 Bewohnern der Innenstadt stehen 5.000 Gemeindeglieder gegenüber, von denen immerhin 1.500 zum Trinitatissprengel gehören. In den letzten Jahren ist es gelungen, das Gotteshaus als Ort der Jugend, der Friedensgebete und des ­interreligiösen Dialogs zu etablieren.

Michael Kleim freut sich, dass das 400-jährige Jubiläum auch in der nichtkirchlichen Öffentlichkeit wahrgenommen wurde, wovon die guten Besucherzahlen der Festwoche zeugen. »Nun stellt sich der Sprengel wieder den Aufgaben seines Alltages!«

Michael von Hintzenstern

Vorgeschmack auf Anhalt 800

16. September 2011 von redaktionguh  
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Bernburger Ausstellung beleuchtet den gelebten Glauben in der Region.

Wanderausstellung »Wiege bis zur Bahre« im Bernburger Museum. (Foto: Engelbert Püllicher)

Wanderausstellung »Wiege bis zur Bahre« im Bernburger Museum. (Foto: Engelbert Püllicher)

Warum heißt der Klingelbeutel eigentlich Klingelbeutel? Welche Gegenstände stehen auf einem Altar – und warum? Welche Bedeutung haben Totenkränze? Solche und ähnliche Fragen beantwortet die Ausstellung »Von der Wiege bis zur Bahre – Gelebter Glaube in Anhalt«, die am vergangenen Sonntag im Schloss Museum Bernburg eröffnet wurde.

»Das Thema der Ausstellung macht neugierig. Es ist staunenswert, wie unser tägliches Leben vom christlichen Glauben geprägt ist«, sagte Bernburgs Oberbürgermeister Henry Schütze zur Eröffnung.

Tatsächlich geht es in der Schau von evangelischer und katholischer Kirche in Bernburg, der anhaltischen Landeskirche und dem Museum, unterstützt vom Land Sachsen-Anhalt, um mehr oder weniger bekannte Bräuche und Feste in der Region Anhalt: Von der Hochzeit bis zum Tod. »Ein kleiner Vorgeschmack auf Anhalt 800«, bemerkt Museumsleiter Roland Wiermann.

Die Idee einer solchen gemeinsamen Ausstellung ist laut Wiermann vor über drei Jahren im Rahmen der Schau »Schätze aus dem Salzlandkreis« entstanden.

Bei der aktuellen Schau habe man sich bei der Zusammenstellung bemüht »Dinge von hohem kunsthistorischen Wert, aber auch kuriose Exponate zusammenzutragen«, so Wiermann. Zu letzterem zählen ganz sicher die zwölf kleinen Abendmahlskelche aus Amesdorf aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Die hatte der damalige Gutsbesitzer in Auftrag gegeben, nachdem er an Lippenkrebs erkrankt war, um niemanden anzustecken.

Sehenswert sind auch eine Thermoskanne aus dem 17. Jahrhundert aus Latdorf, in der bei Haustaufen das Taufwasser transportiert wurde, Taufschalen aus dem 15. Jahrhundert aus Dröbel und Großwirschleben und ein transportables Orgelprospekt aus der Bernburger Martinskirche, das besonders in Winterkirchen Anwendung findet.

Als wertvoll in mehrfacher Hinsicht darf auch ein Abendmahlskelch aus dem Jahr 1526 bezeichnet werden, den die Bernburger Marienkirche beisteuerte. Der Kelch stammt aus jenem Jahr, in dem in Anhalt zum ersten Mal das Abendmahl in lutherischer Form gefeiert wurde.

»Nicht nur ein Blick zurück zu längst vergangenen Bräuchen«

Neben den regionalen Exponaten, die in der Region Anhalt-Bernburg gesammelt wurden, werden die theologischen Inhalte und die Brauchtumsgeschichte in Anhalt auf 20 Informationstafeln erklärt.

Zur Einstimmung wird der Besucher in einen vereinfachten Kirchenraum mit Altar, Osterkerze und Orgel geführt, auf einem Bildschirm werden indes Bilder von kirchlichen Festen und Ritualen abgespielt. In der Galerie des Museums ist Platz, um Diakonie oder Caritas als langjährige Träger kirchlicher Alten- und Krankenpflege darzustellen. Die hell leuchtenden Westen der Notfallseelsorger der Gegenwart sind ebenso zu sehen wie ein Krankenbett, Wärmflasche und Waschschüssel der Kanzler von Pfau’schen Stiftung.

In einem weiteren Raum stehen schließlich Sarg und Urne, Totenkränze und -kronen sind in Vitrinen ausgestellt. Bis ins 19. Jahrhundert habe man diese nichtverheirateten Verstorbenen aufgesetzt, erläutert Museumsleiter Wiermann. Am Ende führt der Weg in einen leeren Raum oder besser: einen Raum der Stille. Bei leiser Orgelmusik kann man hier seinen Gedanken nachgehen. Durch alle Räume ziehen sich Fotos aller 43 Kirchen im Kirchenkreis Bernburg.

Wie die Ausstellung deutlich mache, sei es sinnvoll, sich Ritualen zu stellen, sagte Kirchenpräsident Joachim Liebig. »Sie können Sicherheit geben, sie entlasten in der Kommunikation. Deshalb werfen wir mit dieser Ausstellung nicht nur einen Blick zurück zu längst vergangenen Bräuchen und Traditionen, sondern erfahren auch etwas über verbindliche Wertmaßstäbe, die uns heute Halt bieten.«

Bleibt noch das Rätsel des Klingelbeutels aufzulösen: »Die Klingel hatte den Zweck, dass Kirchgänger, die eingeschlafen waren, wieder wach wurden«, erläutert Museumsleiter Wiermann den ganz profanen Zweck des Beutels für die Münzen.

Susanne Schlaikier

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. November in Bernburg zu sehen. Danach soll sie nach Zerbst und Coswig sowie nach Ballenstedt weiterziehen.

Im Geiste des Jugenstil

16. September 2011 von redaktionguh  
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Fast 40 Meter hoch ist der Turm der Lauschaer Kirche und prägt damit die Silhouette der Glasbläserstadt. (Foto: Norbert Kleinteich)

Fast 40 Meter hoch ist der Turm der Lauschaer Kirche und prägt damit die Silhouette der Glasbläserstadt. (Foto: Norbert Kleinteich)

Die Kirche in der thüringischen Glasbläserstadt Lauscha feiert 100-jähriges Bestehen.

Die Kirche ist weithin beispiellos. Mit ihrer Bruchsteinfassade und dem knapp 40 Meter hohen Turm, an dem das riesige Zifferblatt der Turmuhr den Tag strukturiert, ist die Lauschaer Kirche längst ein unverkennbares Wahrzeichen der kleinen Glasbläserstadt im Kirchenkreis Sonneberg. An die Einweihung vor 100 Jahren wird vom 16. bis 18. September mit ­einem Festprogramm erinnert. Der Neubau war notwendig geworden, nachdem die bescheidene Dorfkirche von 1732 zu klein und zudem baufällig geworden war. Der Beschluss wurde bereits 1902 gefasst, bis zur Grundsteinlegung vergingen jedoch weitere acht Jahre. Nach rund einjähriger Bauzeit konnte die Kirche schließlich am 17. September 1911 eingeweiht werden.

Das Projekt für das imposante Bauwerk kam von dem Leipziger Baurat Julius Zeißig (1855–1930), der an der Wende zum 20. Jahrhundert neue ­Kirchenbauten vor allem für expandierende Industriestädte in Mitteldeutschland entwarf. Auch seine Planungen für den Thüringer Glasbläserort mit damals rund 5500 Einwohnern sind geprägt vom Selbstbewusstsein wirtschaftlichen Aufschwungs in der Gründerzeit.

Neben einem imposanten Äußeren war ihm besonders die Innenausstattung wichtig. Die Architektur folgt klaren geometrischen Formen, Details, wie Raumschmuck oder Fenster, leben vom Zeitgeist des Jugendstils.

Auf der Empore stehen den Bleiglasfenstern mit biblischen Szenen Allegorien mit der Aufforderung zu christlichem Handeln gegenüber. Bibelsprüche erläutern das Dargestellte.

Foto: Norbert Kleinteich

Foto: Norbert Kleinteich

Höhepunkt ist das große Farbglasfenster im Portalbogen des Turms mit der Figur des auferstandenen und segnenden Christus. Sie weist direkt auf den gegenüberliegenden Kanzel­altar im Kirchenschiff, wo Fenster mit Darstellungen von bedeutenden Persönlichkeiten der Kirchen- und Regionalgeschichte das Gesamtkonzept ergänzen. Einbezogen in das Bildprogramm (Entwurf: Karl Schulz, Herstellung: Bruno Urban) sind ferner die Taufkapelle und der Turmaufgang mit Darstellungen der alten Kirche und der einstigen Dorfglashütte.

Auf jedem der Glasbilder ist der ­jeweilige Stifter namentlich verewigt – Persönlichkeiten aus Lauscha, aber auch Stiftungen und Vereine. Sämtliche Fenster haben das vergangene Jahrhundert nahezu unbeschadet überstanden. Dagegen wurde der Innenraum 1958 massiv verändert.

Weil Jugendstil als nicht mehr zeitgemäß galt, verschwanden bei einer Innensanierung die Ornamente an der Empore unter grauem Latex. Den historischen Kronenleuchter über dem Kirchenschiff ersetzten mehrere parabelförmige Lampenschirme aus Glas.

Inzwischen wurde die übertünchte Ornamentik schrittweise wieder freigelegt und zerstörte Teile der ursprünglichen Ausstattung behutsam erneuert. Damit kann die denkmalgeschützte Kirche ihr bevorstehendes Jubiläum als beeindruckendes historisches Gesamtkunstwerk im Geist des Jugendstils feiern.

(epd)

Ein ganz besonderer Ort

16. September 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen

Durch diese Pforte betrat Martin Luther einst das Augustiner-Eremitenkloster. Nun wird erstmals ein Papst den Ort  besuchen, wo der Reformator seine Suche nach dem gnädigen Gott begann. 	(Foto: epd-bild/Frank Sommariva)

Durch diese Pforte betrat Martin Luther einst das Augustiner-Eremitenkloster. Nun wird erstmals ein Papst den Ort besuchen, wo der Reformator seine Suche nach dem gnädigen Gott begann. (Foto: epd-bild/Frank Sommariva)

Das Augustinerkloster in Erfurt stand immer wieder in seiner Geschichte im Blickpunkt.

»Diesen Ort hat vermutlich schon Martin Luther so gesehen.« Lothar Schmelz, Kurator des Augustinerklosters in Erfurt, deutet nicht ohne Stolz auf den Kapitelsaal. Hier sei der spätere Reformator am 17. Juli 1505 als Novize der Augustiner-Eremiten aufgenommen worden. Diese Geschichte ist mit ein Grund dafür, dass das Kloster als symbolträchtiger Ort für den Besuch des Papstes und die Begegnung mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider ausgewählt worden is.

Die Lutherstätte zeigt sich jedenfalls gut gerüstet. Einige Arbeiten wie am historischen Fußboden des Kapitelsaales seien sogar vorgezogen worden, berichtet der Kurator. Wenn die Welt während des Papstbesuches nach Thüringen schaut, soll auch das Augustinerkloster ins rechte Licht gerückt werden.

Dessen Geschichte reicht weit zurück. Bereits im Jahr 1266 ließen sich hier die ersten Augustiner-Eremiten nieder. Bis 1518 errichteten sie Kloster, Bibliothek und Waidhäuser. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden sie wieder aufgebaut, zunächst Kirche und Kloster, in den letzten ­Jahren Bibliotheksgebäude und Waidhaus.

Immer wieder hat sich das Kloster im Laufe der Geschichte als ein besonderer Ort erwiesen. Sein wohl berühmtester Bewohner Martin Luther ist damals stark durch die Augustiner-Chorherren geprägt worden. In diesem Haus habe er versucht, »sich den Himmel zu verdienen«, so der Erfurter Kirchenhistoriker Andreas Lindner.

Die Frage »Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?« habe er dann mit nach Wittenberg genommen. »In ­Erfurt wurde gesät, in Wittenberg geerntet.« Zugleich widerspricht er der Aussage, Luther sei zu dieser Zeit noch katholisch gewesen. Man könne allenfalls sagen, dass er in Erfurt noch im Frieden mit dem Papsttum gelebt habe. Ansonsten sei Luther immer der Meinung gewesen, dieser seiner Kirche treu geblieben zu sein.

Angebote in der ganzen Stadt

Nicht erst zum Lutherjubiläum 1983 ist das Kloster wieder in den Blick des Weltluthertums gerückt. Schon früh wurde es ein »Ort der ökumenischen Offenheit«, wie der langjährige Erfurter Propst Heino Falcke sagt.

Als Beispiele nennt er die zahlreichen Begegnungen zwischen den Kirchen aus Ost und West, bei Tagungen der Kommission für Kirche und Gesellschaft des Weltkirchenrates, den Vorbereitungstreffen der Ökumenischen Versammlung oder beim Besuch von ­Roger Schutz aus Taizé. »Damals waren wir im ökumenischen Gespräch schon ziemlich weit«, blickt Falcke zurück.

Zudem erwies sich das Kloster als abhörsicherer Schutzraum für die Basisgruppen. Im September 1989 gründete sich hier der Demokratische Aufbruch für Thüringen. Bis heute wirkt diese Geschichte nach.

Aber auch die anderen Kirchen der Thüringer Landeshauptstadt wollen nicht zurückstehen. So werden katholische und evangelische Innenstadtgemeinden ihre Türen in den Tagen rund um den Papstbesuch offen halten. Es gibt ein Faltblatt mit den Angeboten am 23. und 24. September.

Neben Konzerten und der Übertragung von Vesper und Messe aus Etzelsbach bzw. Erfurt sind auch ökumenische Andachten vorgesehen.

Den Anfang im Reigen der Veranstaltungen macht das Augustinerkloster. Dorthin lädt am 19. September die Evangelische Akademie Thüringen zu einem Podiumsgespräch mit Landesbischof Friedrich Weber, Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, und Dorothea Wendenbourg von der Humboldt-Universität Berlin (19 Uhr). Das Thema: »Der Papst aus evangelischer Sicht«.

Martin Hanusch

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