Scharfer Analytiker und bedeutender Lehrer der Kirche in der DDR

21. November 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt (Archiv)

Zum 100. Geburtstag des Theologen Johannes Hamel am 19. November

Auszug aus einer Akte zu Pfarrer Johannes Hamel von 1953 mit ­einem Vermerk Erich Mielkes. Das Schriftstück ist Teil der ­Ausstellung in ­Gedenkstätte ­»Roter Ochse« in Halle. Foto: epd-bild

Auszug aus einer Akte zu Pfarrer Johannes Hamel von 1953 mit ­einem Vermerk Erich Mielkes. Das Schriftstück ist Teil der ­Ausstellung in ­Gedenkstätte ­»Roter Ochse« in Halle. Foto: epd-bild


Darüber besteht kein Zweifel: Der hallesche Studentenpfarrer und Naumburger Dozent Johannes Hamel hat den Weg der evangelischen Kirche in der DDR geprägt und vor allem dazu beigetragen, diesen Weg in Verantwortung vor Gottes Wort theologisch zu reflektieren. Er hat einen ­unverwechselbaren Beitrag zur Frage des Lebens von Christen und Kirchen unter den Bedingungen einer atheis­tischen Diktatur geleistet.

Freilich: Die meisten seiner wegweisenden wichtigen Texte und Formulierungen tragen zwar seine Handschrift, aber nicht seinen Namen. Sie entstanden im Raum geschlossener Ausschusssitzungen synodaler Arbeit und waren von solcher großen geistlichen Kraft, dass sich ganze Synoden darauf verständigen konnten.

Das gilt für verschiedene Kanzelabkündigungen und »Handreichungen« der Evangelischen Kirche der Union bis hin zu den »Zehn Artikeln über Dienst und Freiheit der Kirche«, die 1963 von der kirchlichen Ostkonferenz verabschiedet wurden.

Johannes Hamel 1953. Foto: Jens Schlüter

Johannes Hamel 1953. Foto: Jens Schlüter


Hamel kommt das besondere Verdienst zu, eine Analyse der inneren Befindlichkeit der Christen vorzulegen, die bis zum Ende der DDR Geltung beanspruchen konnte. Er hat schon 1957 auf eines der am weitesten verbreiteten DDR-Phänomene verwiesen: die Haltung der äußeren ­Anpassung an alle staatlichen Forderungen bei innerer Ablehnung der DDR als Staat.

Es war die von Johannes Hamel geforderte Freiheit von Hass und Furcht den Mächtigen gegenüber, die bei ihm immer als Regierende angesprochen werden, die ihre Macht von Gott haben und auch als solche zu ehren sind. Denen man aber furchtlos entgegenzutreten habe und die kräftig an ihre Verantwortung vor Gott und den Menschen zu erinnern sind. Das fand einerseits bei den Gemeindegliedern, die unter der Diktatur litten, nur wenig Verständnis und löste andererseits bei den Herrschenden selbst Verunsicherung aus: Auf Bitte des Rektors der Hallischen Universität an Walter Ulbricht wurde Hamel 1953 von der Staatssicherheit verhaftet und mehrere Monate gefangen gehalten. Auch diese Erfahrung hat ihn nicht bitter gemacht: Im hohen Alter, nach dem Ende der DDR hat er seinen damaligen Vernehmer aufgesucht, mit ihm gesprochen und einen bleibend interessanten Text dazu veröffentlicht.

Auch zu innerkirchlichen Themen hat er sich kräftig und unangepasst ­geäußert. So zur Konfirmationsfrage angesichts der Jugendweihe und zum Pfarrerdienstrecht, das er meist »Pfarrerschutzrecht« nannte. Johannes Hamel war einer der profiliertesten Gegner der Aufspaltung der EKD und der Gründung des Kirchenbundes im Jahre 1969. So schrieb er an die Kirchenleitung:

»Den Weg in den Bund der Ev. Kirchen in der DDR halte ich für eine ­verhängnisvolle Fehlentscheidung, vergleichbar der Gründung der DEK [Deutsche Evangelische Kirche] 1933. Auch sie erfolgte s. Z. in größter Einmütigkeit aller Kirchenparteien und Leitungsgremien.« Solche Positionen führten dazu, dass er in unserer Kirche ziemlich einsam wurde. Dennoch und gerade deshalb ehren wir in ihm einen bedeutenden Lehrer unserer Kirche zu seinem 100. Geburtstag.

Axel Noack

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