Mit Kerzen und Rockmusik
2. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Zwickauer gegen Naziterror: Rund 1500 Menschen folgten am Freitag vergangener Woche einem Aufruf der Stadt und der Gewerkschaften zu einer Kundgebung. (Foto: Marcus Richter)
In Zwickau, Jena und anderen Orten setzen Menschen Zeichen gegen den rechten Ungeist.
In Zwickau erinnerten am vorigen Freitag, 25. November, bei einem »Appell für Demokratie und Toleranz« rund 1500 Menschen mit Kerzen an die Opfer der Neonazi-Morde. Zu der Veranstaltung hatten die Stadt Zwickau und der DGB Südwestsachsen eingeladen. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) betonte dabei, dass rechtsextremistisches Gedankengut nicht salonfähig werden und rassistische Äußerungen nicht unwidersprochen bleiben dürften. Ulbig forderte Zivilcourage jedes Einzelnen im Alltag, beispielsweise bei der Arbeit, im Freundeskreis, in der Freizeit.
Zudem betonte er, dass Zwickau nicht die Keimzelle des Rechtsterrorismus sei. »Wir dürfen uns durch braunen Terror nicht einschüchtern lassen«, sagte der Innenminister weiter. »Wir müssen unsere demokratische und weltoffene Gesellschaft verteidigen«.
Die Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) kritisierte in ihrer Ansprache die Bundesregierung und die sächsische Staatsregierung für ihr Schweigen. Bis heute habe keine von beiden nachgefragt, wie es Zwickau geht. Aber die Stadt und ihre Bürger brauchten Hilfe und Unterstützung, sagte Findeiß.
Rechter Terror sei nicht das Problem einer einzelnen Region, sondern ein bundesweites, beronte die DGB-Vorsitzende der Region und Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Linke). »Alle Bürger unseres Landes sind hier zuständig und müssen dagegen ankämpfen.« In Deutschland habe sich über Jahrzehnte eine »Kultur des Verharmlosens und Bagatellisierens der Gefahr von Rechts« entwickelt.
In Leipzig haben am vergangenen Sonnabend rund 400 Menschen gegen Rechtsextremismus und das NPD-Zentrum in der Stadt demonstriert. Die Protestierenden hätten sich »friedlich, ruhig und besonnen« verhalten, sagte eine Polizeisprecherin auf Anfrage. Anlass war ein für den Abend angekündigter Vortrag des Neonazis Karl-Heinz Hoffmann. Die Veranstaltung wurde jedoch kurzfristig wieder abgesagt.
Im thüringischen Jena wollen als Reaktion auf die Neonazi-Mordserie Udo Lindenberg und Peter Maffay ein musikalisches Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen. Für das Konzert unter dem Motto »Rock’n’Roll Arena in Jena für die bunte Republik Deutschland« an diesem Freitag, 2. Dezember (16 Uhr), hätten außerdem die Gruppe Silly und die Sängerin Julia Neigel ihr Kommen zugesagt, teilte die Stadtverwaltung mit.
Das eintrittsfreie Konzert im Volkspark Oberaue sei auch eine starke Anerkennung für das Engagement der Jenaer gegen Rechtsextremismus sowie eine Ermutigung, die Impulse setzen werde, sagte Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD). Drei mutmaßliche Rechtsterroristen lebten bis 1998 in Jena, bevor sie unbehelligt im sächsischen Zwickau untertauchen konnten.
(GKZ/epd)







Reaktionen unserer Leser
1 Lesermeinung zu “Mit Kerzen und Rockmusik”Trackbacks
Das sagen andere über diesen Artikel[...] Oberbürgermeister Albrecht Schröter brachte seine Freude zum Ausdruck, dass mit der Fertigstellung des Brautportals das Gotteshaus sein »schönstes Außenstück« wieder hat und nun für jedermann einladend ist. Bevor die Plane weggeschwenkt wurde, gab Hendrik Romstedt, der Verantwortliche für die Restaurierung des Portals, Einblicke in seine Arbeit. [...]