Zeit und Geduld sind gefragt

12. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Titelseite

Auch Rechnen will gelernt sein, gerade im Blick auf die Finanzen. Foto: bilderbox.com

Auch Rechnen will gelernt sein, gerade im Blick auf die Finanzen. Foto: bilderbox.com


Geld: Seit dem 1. Januar gilt in der mitteldeutschen Landeskirche das neue Finanzgesetz.

Die Kirchengemeinden und Kirchenkreise der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland – vor allem die in Thüringen – müssen sich auf mehr Eigenverantwortung einstellen.

Wenn Günter Meyn vor Kirchenältesten die Zahlen und Grafiken erläutert, sind die Reaktionen sehr unterschiedlich. Der promovierte Bauingenieur aus Weimar kennt sich aus im neuen Finanzsystem der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), das die Synode 2011 verabschiedete und seit 1. Januar gilt. Er weiß, was sich vor allem für die Thüringer verändert und kennt ihre Sorgen.

»Die Gemeindekirchenräte sind dankbar für die Informationen. Wenn die Bilanz jedoch negativ ausfällt, gibt es skeptische Mienen«, sagt der 71-Jährige, der selbst seit Jahren in Kreissynode und im Gemeindekirchenrat ist. Er sieht manches durchaus positiv. »Die Transparenz ist für mich das wichtigste Anliegen«, betont er. Nach der neuen Verordnung könne man die eigene Finanzkraft besser einschätzen. Zudem gebe es nun für einige Jahre Planungssicherheit. Das sei ein nicht zu unterschätzender Aspekt.

Vom Solidarprinzip profitierten die Thüringer, denn es fließe mehr Geld in die Kassen. Ungewohnt sei natürlich die Eigenverantwortung, die nun übernommen werden muss, vor allem bei der Verwaltung der Personalkosten. Da gibt es große Einschnitte. So sei zum Beispiel der Kirchmeister in Weimar, der vor allem Baufragen bearbeitet, bisher überwiegend für die Stadtkirchen zuständig gewesen.

Jetzt müsse er zum einen den neuen Baulastfonds, der von 15.000 auf 170.000 Euro angestiegen ist, verwalten und sich auch um die Dörfer kümmern. Zudem bekommt der Kreiskirchenrat eine höhere Verantwortung bei Finanzentscheidungen. »Große Kirchen können das gut schaffen, bei kleineren wird es schwieriger«, gibt Günter Meyn zu bedenken.

Ebenso in Apolda wird es Veränderungen geben. Die Kirchengemeinde habe zwei Mitarbeiter, für die eine Lösung gefunden werden muss, sagt Superintendentin Bärbel Hertel. »Es gibt drei Möglichkeiten«, zählt sie auf: Die Kirchengemeinde kann die Mitarbeiter übernehmen, muss sie entlassen oder sie werden von allen Kirchengemeinden finanziert. Dann erwarteten diese auch eine Gegenleistung.

Der Küster Robert Bergmann zum Beispiel solle nun 26 Stunden für Apolda arbeiten und den Rest für die Dörfer. »Die normalen Küsterdienste können in Apolda Ehrenamtliche übernehmen, wie das in den Dörfern schon längst gang und gäbe ist. Herr Bergmann muss nicht mehr jeden Handgriff selbst erledigen.« Menschlich sei das schon schwierig, räumt Bärbel Hertel ein. Deshalb müssen die Aufgaben klar geregelt werden. »Auch so eine Arbeit muss sich umstrukturieren lassen«, ist sie sicher. Doch die Superintendentin kann noch gar nicht so richtig einschätzen, wie sich alles entwickelt, und beklagt, dass Informationsveranstaltungen im Vorfeld nicht gut besucht waren. Auch deshalb gäbe es noch viel Unsicherheit.

Im Norden der EKM ändert sich weniger. Michael Kleemann, Superintendent in Stendal, sieht die Finanzlage seines Kirchenkreises stabil. »Das neue Finanzsystem bringt im Augenblick keine erruptionsartigen Veränderungen«, sagt er. Doch als Kleemann vor 14 Jahren als Superintendent anfing, wurde die finanzielle Eigenständigkeit gerade eingeführt. »Das war ein langer Lernprozess«, erinnert er sich.

Inzwischen diskutiere niemand mehr, dass von Pachteinnahmen 80 Prozent an den Baulastfonds abgeführt werden müssen. Und die Gemeinden sehen, dass dadurch auch für sehr kleine Gemeinden manches möglich ist, die das sonst nie gestemmt hätten. Zudem würden die Leute ganz anders Geld einwerben, auch weil sie wissen, was damit passiert.

Dass die Länderunterschiede bei der Finanzierung des Religionsunterrichts zum Beispiel in Thüringen mehr Probleme bereiten, macht Günter Meyn Kopfzerbrechen. Es wird einige Jahre dauern, bis Lösungen gefunden sind und das gemeinsame Finanzsystem in allen 37 Kirchenkreisen gleichermaßen akzeptiert wird.

Dietlind Steinhöfel

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