Fest der Anständigen

20. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt plus

Ein Mittel gegen Kälte ist ein warmer Schal – Wer einen benötigte, konnte sich am Stand des Cafés »Krähe« aus einem kunterbunten Sortiment einen aussuchen und gegen eine Spende mitnehmen (oben). Das musikalische Programm auf der Kirchenbühne am Hundertwasserhaus eröffnete der Magdeburger Gospelchor »Go(o)d Voices«. Fotos: Viktoria Kühne

Ein Mittel gegen Kälte ist ein warmer Schal – Wer einen benötigte, konnte sich am Stand des Cafés »Krähe« aus einem kunterbunten Sortiment einen aussuchen und gegen eine Spende mitnehmen (oben). Das musikalische Programm auf der Kirchenbühne am Hundertwasserhaus eröffnete der Magdeburger Gospelchor »Go(o)d Voices«. Fotos: Viktoria Kühne


 
Magdeburg: Mehr als 10.000 Menschen beteiligten sich an der »Meile der Demokratie« gegen einen Neonaziaufmarsch.

»Eine besondere Motivation brauchte ich gar nicht, die Teilnahme ist doch selbstverständlich für mich.« Bereitwillig gibt Marie-Luise Olbrecht aus Barleben am Stand des Magdeburger Hegel-Gymnasiums Auskunft über ihre Beweggründe, warum sie sich am Protest gegen den Neonaziaufmarsch beteiligt. Den Fragebogen, bei dem die Schüler neben der Motivation, auch eigene Erfahrungen mit Rassismus und die Stellung zu einem NPD-Verbot wissen wollen, haben sie selbst erarbeitet.
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Im Zelt der Landeszentrale für politische Bildung nebenan lesen Schülerinnen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums derweil aus den Flugblättern der Weißen Rose. »Die Namensgeber unserer Schule habe sich früh für Demokratie eingesetzt, jetzt wollen wir ihnen nacheifern«, sagt die 15-jährige Laura von der AG Schule ohne Rassismus. Die beiden Magdeburger Gymnasien gehören zu den elf Schulen, die am 14. Januar bei der »Meile der Demokratie« mit von der Partie sind. Zu der Aktion, die bereits zum vierten Mal stattfindet, haben das Magdeburger »Bündnis gegen Rechts« und die Stadtverwaltung aufgerufen.

Fast den gesamte Breiten Weg über stehen an diesem Sonnabend die Informationsstände und Bühnen der verschiedenen Initiativen. Es herrscht ein bisschen Volksfeststimmung, als sich die Menschenkette zu einem »Band der Demokratie« formiert. Am Ende sind es mehr als 10.000 Menschen, die ausgesprochen friedlich und fröhlich gegen den Aufmarsch von rund 1200 Rechtsextremisten demonstrieren.

»Rechtsextremismus und christlicher Glaube sind unvereinbar«

Anlass für deren »Trauermarsch« ist der Jahrestag des Luftangriffs auf Magdeburg am 16. Januar 1945, bei dem mehrere Tausend Menschen getötet und große Teile der Innenstadt zerstört wurden. »Wir dürfen es nicht zulassen, dass die Rechten diesen Jahrestag für ihre Propaganda umdeuten«, findet Magdeburgs Superintendent Michael Seils. Auch der Kirchenkreis und das Bistum beteiligen sich deshalb mit einem Programm auf einer Kirchenbühne am Hundertwasserhaus an dem Aktionstag. Besonders angetan zeigt sich der Superintendent davon, wie viele Jugendliche mitmachen.
 
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Schon zum Auftakt der Meile würdigen Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper und Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (beide SPD) das klare Zeichen, das die Stadt und die Initiativen mit ihrer Aktion gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass setzen. Gerade angesichts der Mordserie des Zwickauer Neonazi-Trios sei es nötig deutlich zu machen, dass die Menschen demokratisch und tolerant leben wollen, betont Dorgerloh.

Neben Vertretern der Landespolitik, unter ihnen Innenminister Holger Stahlknecht (CDU), ist auch Bundesprominenz beim Protest gegen den Aufmarsch der Rechtsextremisten dabei. »Wir sind heute hier, weil wir nicht zulassen wollen, dass alte und neue Nazis diesen Tag missbrauchen«, hebt Grünen-Chefin Claudia Roth hervor.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel betont, dass der Rechtsextremismus kein ostdeutsches Problem sei und spricht sich erneut für ein NPD-Verbot aus. Auch die Linken-Vorsitzende Gesine Lötzsch fordert ein solches Verbot und ruft dazu auf, dem Aufstand der Anständigen einen »Aufstand der Zuständigen« folgen zu lassen.

Den Aufstand probt am Vormittag bereits eine »Mahnwache« vor dem Gemeindehaus der Synagogengemeinde. Rund 350 Teilnehmer schützen das Haus, das direkt gegenüber dem Bahnhof liegt, wo die Neonazis mit Sonderzügen ankommen. Aber auch die Nikolaikirche in der Magdeburger Neuen Neustadt ist an den Protesten beteiligt.

Dort hat Pfarrer Hans-Martin Krusche-Ortmann zu einer Andacht eingeladen. »Durch unser Glockenläuten ist vielleicht sogar die Kundgebung der Neonazis verhindert worden«, meint er im Nachhinein nicht ohne Stolz. Hier bieten die Besucher den rechten Demonstranten sogar mit einem Plakat direkt die Stirn. »Rechtsextremismus und christlicher Glaube«, steht darauf zu lesen, »sind unvereinbar.«

Martin Hanusch

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Reaktionen unserer Leser

1 Lesermeinung zu “Fest der Anständigen”
  1. Diese sind nicht überraschende meine mehr, aber Dank

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