Facebook – Warum nicht?

21. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen

In Ilmenau wird per sozialem Netzwerk für kirchliche Jugendarbeit geworben.

Andy Müller, Gemeindepädagoge der Kirchengemeinde Ilmenau, setzt auch auf Neue Medien. Foto: Rainer Borsdorf

Andy Müller, Gemeindepädagoge der Kirchengemeinde Ilmenau, setzt auch auf Neue Medien. Foto: Rainer Borsdorf


Kirche und Facebook – geht das ­zusammen? Andy Müller, Gemeindepädagoge der Kirchengemeinde Ilmenau, ist sich sicher, dass es funktioniert. Schließlich sei doch die entscheidende Frage: »Was kommt bei Jugendlichen an?« Er ­verteidigt die Entscheidung, über das virtuelle soziale Computer-Netzwerk Facebook für kirchliche Jugendver­anstaltungen zu werben. Konkret geht es um »IlmAlive«, einen Abend von und für Jugendliche mit einem Mix aus Musik, Predigt und Party.

Müller hat ihn vor anderthalb ­Jahren gemeinsam mit den anderen christlichen Gemeinden Ilmenaus initiiert; am Abend des 20. Januar wird zum sechsten Male eingeladen. »Ursprünglich hatten wir mit Plakaten geworben, aber das funktionierte nicht«, erinnert sich der Gemeindepädagoge. Informatik-Studenten hätten ihn dann auf die Idee gebracht, die ohnehin schon existierende Website von »IlmAlive« mit Facebook zu verlinken. Nach dem Schneeball-Prinzip können Besucher der Website die Veranstaltung dann entweder per »Gefällt-mir-Button« weiterempfehlen oder per E-Mail weitersenden.

Dass das Netzwerk Facebook wegen seines sehr laschen Datenschutzes massiv in der Kritik steht, weiß Andy Müller: »Privat würde ich dort nie ein Benutzerkonto anlegen.« Aber gerade weil Erwachsene das Netzwerk teils so kritisch sähen, würde es bei ­Jugendlichen umso beliebter: »Das ist für sie eine Art der Opposition gegen die etablierte Erwachsenenwelt.« Aber die Gefahr, dass die Facebook-Teilnehmer zu »gläsernen Menschen« würden, nähmen die meisten in Kauf. »Ich kann nur immer wieder darauf hinweisen«, meint der Gemeindepädagoge dazu.

Doch statt ständiger pädagogischer Ermahnungen ist es dem 50-Jährigen vor allem wichtig, einen guten Draht zu seinen Jugendlichen zu haben. »Man muss die jungen Leute mögen; ohne eine gute Beziehung zu ihnen läuft gar nix«, hat Müller erfahren. Er kann nicht verstehen, wieso manche seiner Kollegen gegenüber Jugendlichen und ihrer Begeisterung für die Neuen Medien so reserviert und distanziert seien: »Wer über die Köpfe der Adressaten hinweg agiert, erreicht sie nicht«, betont er mit Nachdruck.

Und der Erfolg scheint ihm recht zu geben: Nach 10-jährigem Engagement Müllers gibt es in Ilmenau drei Kreise der Jungen Gemeinde (JG) und zahlreiche Freizeiten, die Jugendliche aus der gesamten Umgebung anziehen. Und mit »IlmAlive«, der ökumenischen Jugendveranstaltung, will man Jugendliche »von der Straße« ansprechen. »Das ist uns aber noch nicht so ganz gelungen«, räumt er ein.

Superintendentin Angelika Greim-Harland ist von der pulsierenden Jugendarbeit in Ilmenau so beeindruckt, dass sie Andy Müller vor einiger Zeit bat, ähnliches auch in Arnstadt auf die Beine zu stellen. »Wir müssen uns von dem Bild verabschieden, dass wöchentlich in jeder kleinen Gemeinde ein JG-Abend stattfindet«, betont sie und fügt hinzu: »Jugendliche suchen Gemeinschaft; das geht an zentralen Orten heutzutage viel besser.« Gerade kleine Gemeinden möchte sie ermutigen, sich auch für unkonventionelle Formen auf diesem Gebiet zu öffnen: »Die können da nur gewinnen.«

Rainer Borsdorf

»IlmAlive«, 20. Januar, 19 Uhr, Güldene Pforte 1, Ilmenau, Thema: Mission is possible

www.ilmalive.de

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