»Ängste verschwinden nicht durch moralische Appelle«

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Moderierte Gespräche sollen im Altmarkdorf Insel zur Lösung im Streit um zwei Ex-Häftlinge führen.

»Wir müssen wieder miteinander reden«, sagt Christoph Hackbeil. Der Propst des Sprengels Stendal-Magdeburg gehörte zu den Theologen, die am 13. Januar am Friedensgebet in der Kirche des Dorfes Insel bei Stendal teilnahmen. Die Kirchengemeinde mit Pfarrer Alfredo Rockstroh hatte dazu eingeladen, mit dabei waren auch der Stendaler Superintendent Michael Kleemann und Gefängnisseelsorger aus Burg. Nach dem Gebet in der Dorfkirche kam es zu Gesprächen mit den rund 35 Teilnehmern.

Zentrales Thema sei das Leben in Freiheit gewesen: Leben in Freiheit und Würde für zwei entlassene Straftäter, Leben ohne Angst für die Dorfbewohner. »Das sind zwei berechtigte Haltungen«, so Christoph Hackbeil gegenüber der Kirchenzeitung, »die Bewohner von Insel dürfen deshalb nicht in eine bestimmte Ecke gestellt werden.«

Anlass für das Gebet war der seit Monaten schwelende Streit um zwei ehemalige Sexualstraftäter, die nach 26 beziehungsweise 24 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung im Sommer aus Baden-Württemberg nach Insel gezogen waren. Freigekommen waren sie, weil der Europäische Gerichtshof die deutsche Praxis der Sicherungsverwahrung ausgesetzt hatte.

Ab August gab es Proteste und eine Unterschriftensammlung gegen die Pläne des 54- beziehungsweise 64-Jährigen, dauerhaft in Insel leben zu wollen. Ende September duldeten die Dorfbewohner, dass sich Mitglieder rechter Kameradschaften den Protesten anschlossen. Als der sachsen-anhaltische Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) und der Stendaler Superintendent Michael Kleemann die beiden Männer bewogen, aus Insel wegzuziehen, endeten die Proteste – vorläufig.

Doch weil trotz intensiver Suche von Kleemann bis heute keine neue Bleibe für die Männer gefunden wurde und der Ältere der beiden inzwischen sein Einverständnis zum Wegzug aus dem Altmarkdorf zurückzog, flammten die Proteste zu Jahresbeginn wieder auf.

»Es braucht von allen Seiten Geduld und Einsatz, um einen Weg zu finden«

Am 12. Januar äußerte sich Landesbischöfin Ilse Junkermann erstmals zu den Vorgängen in Insel: »Rechtsextreme von außen benutzen die Sorgen und Ängste für ihre menschenverachtende Propaganda. Mir ist klar, Ängste verschwinden nicht einfach durch Verweise auf die Rechtslage oder moralische Appelle.« Sie nehme wahr, dass sich Menschen in Insel nicht ernst genug genommen fühlen.

Allerdings zeige sich, dass von allen Seiten Geduld nötig sei, einen Weg zu finden, mit dem Beteiligte und Betroffene leben können. Um dieses Ziel zu erreichen, brauche es mehr gegenseitiges Verständnis, so die Landesbischöfin weiter. Es sei an dem Grundrespekt festzuhalten, der jedem Menschen zustehe, auch ehemaligen Strafgefangenen.

Christoph Hackbeil unterstrich gegenüber der Kirchenzeitung, dass die intensive Suche des Stendaler Superintendenten nach einer neuen Bleibe für die beiden Ex-Häftlinge ein wichtiger Beitrag gewesen sei. Aktuell komme es darauf an, als Kirche zu moderieren zwischen den Dorfbewohnern, die den Wegzug beider Männer verlangen und denen, die den Älteren beim Bleiben im Dorf unterstützen wollen. Einzelheiten, wie das ablaufen soll, müssten jetzt abgesprochen werden, so der Regionalbischof.

Angela Stoye

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