»… ich kann nicht anders«

27. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen

Zum Abschluss des Festkonzertes in der Erfurter Thomaskirche musizierten Augustiner-Vocalkreis (Erfurt), Ensemble ­vocale (Waltershausen), Madrigalchor Weimar und Loh-Orchester Sondershausen gemeinsam. Foto: Alexander Volkmann

Zum Abschluss des Festkonzertes in der Erfurter Thomaskirche musizierten Augustiner-Vocalkreis (Erfurt), Ensemble ­vocale (Waltershausen), Madrigalchor Weimar und Loh-Orchester Sondershausen gemeinsam. Foto: Alexander Volkmann


 
In Erfurt wurde das Themenjahr »Reformation und Musik« für Thüringen eröffnet.

Mit einem Festkonzert ist am 18. Januar in der Erfurter Thomaskirche das Thüringer Jahresprogramm für das Themenjahr »Reformation und Musik« eröffnet worden, das im Freistaat insgesamt 227 Veranstaltungen umfasst. Dabei durchzog wie ein roter Faden Luthers Choral »Ein feste Burg ist unser Gott« das Programm.

Ein Lied, zu dem der Reformator 1529 nicht nur den Text, sondern auch die Melodie lieferte. Ein klingendes Bekenntnis, das vom Loh-Orchester Sondershausen unter der Leitung von Generalmusikdirektor (GMD) Markus L. Frank in selten zu hörenden Adaptionen aus dem 19. Jahrhundert präsentiert wurde.

So ­erklang zu Beginn die Ouvertüre zur Oper »Die Hugenotten« von Giacomo Meyerbeer, die von der Vertreibung der französischen Protestanten handelt. Wie vielfältig Felix Mendelssohn Bartholdy das Lied variiert hat, war mit dem 3. und 4. Satz seiner »Reformations-Sinfonie« zu erleben. Und Otto Nicolais Festouvertüre über »Ein feste Burg ist unser Gott« sorgte für ein furioses Finale des Konzertes, bei dem über 100 Chorsänger gemeinsam mit dem Loh-Orchester das Gotteslob anstimmten.

Diesen schöpferischen Annäherungen aus dem 19. Jahrhundert standen vier Uraufführungen gegenüber, die aus einem frisch gedruckten Luther-Chorbuch stammen, das an diesem Abend von seinem Herausgeber, dem Weimarer Komponisten Peter Helmut Lang, der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Es trägt den Titel »… ich kann nicht anders!« und ist mit 20 neuen Kompositionen vor allem für Laienchöre und Kantoreien bestimmt. Die verschiedenen Handschriften ­ihrer Schöpfer, betonte Lang, ermöglichten »20 Perspektiven auf Luther« und lieferten zugleich ein aktuelles Bild der kompositorischen »Szene«. Landesbischöfin Ilse Junkermann betonte, dass sich mit der Herausgabe des Chorbuches zeige, »wie stark die Musik im Lutherland Thüringen Identität stiftet und präsent ist«.

Der Erfurter Augustiner-Vokalkreis unter Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth stellte zwei Motetten gegenüber: »Die Güte des Herrn« von Alwin Friedel (*1935) und »Verleih uns Frieden« von Peter Helmut Lang (*1974). Während der emeritierte Kirchenmusikdirektor aus Arnstadt die Choräle »All Morgen ist ganz frisch und neu« und »Wach auf, wach auf, du deutsches Land« von Luthers Urkantor Johann Walter kunstvoll miteinander verflochten und in herber Polyphonie zu neuem Eigen­leben erweckt hat, wagt der Weimarer Komponist eine Neuvertonung des Luther-Chorals »Verleih uns Frieden« und konfrontiert diese mit unterschiedlich akzentuierten Texteinwürfen berühmter Politiker und Philosophen, woraus sich eine facettenreiche Klangcollage ergibt.

Von Gospel und Popularmusik geprägt ist die Motette »Ach Gott im Himmel« von Kathrin Gerth (*1966), die das »Ensemble ­vocale« aus Waltershausen unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Theophil Heinke mit der Komponistin am Klavier schwungvoll darbot.

Ludger Vollmer (*1961) verbindet in seiner Vertonung des Jesaja-Wortes »Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen« Erinnerungen an den Herbst 1989 in Leipzig mit Erlebnissen eines Jerusalem-Aufenthaltes 2010. Er greift dabei armenische ­liturgische Gesänge aus der Grabeskirche Jesu auf und entwickelt ein dichtes Geflecht aus rezitativischem Sologesang, sich eruptiv steigernden Choreinsätzen und exotisch anmutenden Orgelmotiven. Als Dirigent gelang es ihm, sein Werk mit dem Madrigalchor Weimar in höchster Intensität zu entfalten.

Michael von Hintzenstern

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